Zurück aus der Vergessenheit

Donnerstag, 16.02.2017

Liebe Leserinnen und Leser,

nach so langer Zeit ohne Meldung, fällt es schwer die richtigen Worte der Erklärung zu finden. Deshalb nun ein Versuch der kurzen Zusammenfassung der letzten Monate ...

Image result for canada sorry

Der letzte Blog meinerseits kann mittlerweile auf März 2016 zurück datiert werden. Seit dem sind ohne jeden Zweifel einige Monate ins Land gegangen, die ich ungenutzt ließ, um meine Reise durch Kanada in Wortform hier weiterzuführen. Dem soll nun ein Ende gesetzt werden und es wird die Fortsetzung meiner Reiseberichte von 2015 folgen. Nichtsdestotrotz möchte ich zuvor einige Dinge klären.

Weshalb gab es damals keine unmittelbare Fortsetzung?

Die zuletzt im März verfassten Einträge wurden bereits damals in Deutschland verfasst, als ich wieder zu Hause war und in Erinnerungen schwelgte und diese in die Tastaturen klimperte, um den Blog ordentlich weiter zu führen. Zu dieser Zeit hatte ich in meiner Heimat wieder einen Job und kam nur selten zum Schreiben, da ich an Zukunftsplänen feilte. Aufgrund dessen fiel es schwer, die Momente und manchmal auch die Muse zu finden, um einen neuen Eintrag zu veröffentlichen.

Und nun ist das möglich?

Schlicht gesagt, ja. Ich bin mittlerweile am Studieren in Deutschland und habe demnach gute Voraussetzungen, um in meiner Freizeit nebenbei die Vergangenheit etwas aufzuarbeiten und den Blog ordnungsgemäß wie gewünscht zu Ende zu bringen.

Wie gewünscht?

In der Tat gab es von Zeit zu Zeit die Frage von Leuten, ob denn die Sache mit dem Blog noch besteht und warum da nichts Neues mehr kommt. Das zu beantworten fiel mir nicht immer leicht, denn auch ich selbst wollte gern die Geschichte weiter erzählen und meine frischen Erinnerungen hier festhalten - was nebenbei gesagt ja auch mit der Hauptgrund für den Blog ist und war, nämlich für mich selbst eine Art Tagebuch zu verfassen und die Reiseerlebnisse für länger nachvollziehbar zu machen.
Ab und zu warf ich auch einen Blick auf die Besucherstatistik und die Bewertungen meines Blogs und was soll ich sagen - wow. Trotz der fehlenden Aktualisierungen besuchten ungelogen tausende Leute den Blog in der Zeit und hinterließen positives Feedback. Wenn das nicht Motivation genug ist, nun doch weiter zu schreiben, dann weiß ich auch nicht.

Wie wird es nun weiter gehen?

Ich werde da weiter berichten, wo ich aufgehört habe. Des Weiteren versuche ich es so gut es geht zu verfeinern mit Bildern und dank Mitschriften und Erinnerungen hoffe ich, die besten Gedanken noch wiedergeben zu können und ein angenehmes Leseerlebnis für die Leser und mich zu erzeugen.
Es folgen also Berichte, geschrieben im Jahr 2017, rückblickend auf die vergangenen Jahre und der Fokus liegt nach wie vor auf meinen Geschehenissen in Kanada und den USA.

Ich hoffe, dass ich euch weiterhin unterhalten kann! smile

 ++++++++
Für diejenigen, die gern den Anschluss zum vorhergehenden Eintrag finden möchten - bitte hier klicken, um nochmals nachzulesen (empfohlen)
++++++++

 Es war also wieder Zeit für einen Roadtrip. Wenn auch nur einen kurzen. Also packten wir unsere sieben Sachen und freuten uns auf eine weitere Reise durch einen Teil der Vereinigten Staaten von Amerika. Image result for map whitehorse skagway

Knapp 200 Kilometer waren es bis zum ersten Zielpunkt. Nachdem wir Whitehorse am Morgen verließen, trennten uns circa zwei Stunden von der kanadisch-amerikanischen Grenze. Wir fuhren den südlichen Klondike Highway und nachdem wir die Stadt Carcross hinter uns ließen, verließen wir auch das Yukon Territorium und befanden uns wieder in British Columbia. Und dann folgte etwas, was so gar nicht zu unseren Erinnerungen an die frühere Einreise in die USA an der südlichen Grenze Kanadas passte.

  Welcome to Alaska

Das Wetter war durchwachsen. Sonne und Wolken wechselten sich ab, dennoch konnte man die Kulisse um einen sehr genießen. Es war wortwörtlich eine Berg- und Talfahrt, und als wir nach mehreren Hinweisschildern einen besonders steilen Hügel erklommen, begrüßte uns in Nebel gehüllt schon der größte aller US-Bundesstaaten, Alaska.

Alaska ist flächenmäßig der größte Bundesstaat der USA und nimmt circa 20% (!) der gesamten Landfläche ein. Es wohnen hier jedoch nicht mal eine Million Menschen (ca. 710.000 Stand 2010), was es zu einem Staat mit der niedrigsten Bevölkerungsanzahl macht. Die Hauptstadt ist Juneau und liegt im kleinen gequetschten südöstlichen Zipfel, gar nicht so weit weg von unserer jetzigen Position. Die größte Stadt ist das fälschlicherweise oft als Hauptstadt deklarierte Anchorage, um die 350.000 Leute wohnen in dessen Metropolregion, also fast schon die Hälfte des gesamten Bundesstaates. Eine weitere bekannte Stadt ist Fairbanks im Zentrum Alaskas - mir hauptsächlich bekannt aufgrund der Yukon Quest, des 1000-Meilen Hundeschlittenrennens, welches jährlich im Februar zwischen Whitehorse in Kanada und eben Fairbanks stattfindet (in geradzahligen Jahren startet man in Fairbanks und endet in Whitehorse, in ungeradzahligen Jahren läuft es anders herum). Der höchste Berg Nordamerikas befindet sich ebenfalls in Alaska, der Denali (bis 2015 Mount McKinley) gehört mit 6190 Metern zu den Seven Summits unserer Welt.

So viel zu den Fakten am Rande. Was mich aber am meisten faszinierte war der Fakt, dass wir nach Passieren des Begrüßungsschildes noch eine halbe Stunde fahren mussten, bis wir endlich zur Grenzkontrolle gebeten wurden. Die Dinge laufen in diesem Teil des Kontinents anscheinend etwas entspannter ab als an der Südgrenze. Und an besagter Grenze zu Alaska ließ man sich bei der Kontrolle reichlich Zeit. Wir standen also an der Schranke und warteten geschlagene fünf Minuten, während wir die Officers bei ihrem Kaffee Am Mittag im Gebäude beobachten konnten. Es ist wahrhaft nicht viel los gewesen an diesem Tag auf den Straßen. Man entschied sich dann aber doch, einen kurzen Blick in unsere Pässe zu werfen und nach den üblichen Fragen und einem "Have fun" machten wir uns nach rekordverdächtiger Zeit bei der Einreise auf den Weg Richtung Skagway. Wow, das war einfach.

Skagway erreichten wir kurz darauf. Es ist eine alte Goldgräberstadt mit gerade einmal etwas mehr als 800 Einwohnern. Zum Ende des 19. Jahrhunderts war es jedoch die Stadt schlechthin, wenn man dem Goldrausch verfallen war. Ab hier planten aufgrund der günstigen Lage die meisten ihre Weiterreise gen Norden nach Dawson und es diente als Umschlagbasis und Zwischencamp, bevor man den Chilkoot Pass hinter sich brachte und in Kanada ankam. Heute ist es eine historische Stätte und beliebter Ausflugsort für Touristen. Nicht zuletzt, weil es nördlichster Endpunkt und Hafen für Kreuzfahrten durch die Fjorde an der Westküste Alaskas in dieser Region ist.
Nachdem wir den Rest des Vormittags damit verbrachten durch die kleine Stadt Skagway zu wandern und uns ein kleines Feeling für den damaligen Gold Rush holten, fuhren auch wir mit unserem Wagen auf eine Fähre im Hafen, um durch ein kleines Inlet von Skagway auf dem Seeweg nach Haines zu gelangen. Unser Plan war ein Rundtrip in dieser Region und um Zeit zu sparen war der Seeweg der schnellste und günstigste Weg.

Fähre Skagway nach Haines

Das Wetter wurde mit jeder Stunde besser und die etwa einstündige Fahrt mit der Fähre war an Schönheit kaum zu überbieten. Das selbe, was wir am Vormittag in Skagway taten, durften wir nun auch in der Stadt Haines (1800 Einwohner) erleben. Von der Geschichte und Beschaffenheit ähneln sich die beiden Örtlichkeiten, man war also schnell durch. Den Nachmittag nutzten wir an umliegenden Seen zur Entspannung und wir genossen einfach nur die Natur um uns.

Haines, Alaska

Nach der Rast ging es zurück auf die Straßen, denn da konnte man die Landschaft meist noch am besten bewundern. Auf dem Haines Highway ging es wieder gen Norden und wir suchten nach einem netten Fleck für unser Zelt und die kommende Nacht, welche nicht mehr weit entfernt war - gefühlt zumindest, denn in Realität ließ uns die Mitternachtsonne keineswegs an die Nacht oder ans Schlafen denken.

An einem ruhigen See in den Wäldern um Haines mit einmaligem Blick auf die Berge schlugen wir dann unser Nachtlager auf.

Da meine Reisepartnerin zu diesem Zeitpunkt nur noch wenig Restzeit in Kanada zur Verfügung hatte, war es von Anfang an nur ein kurzer Trip durch Alaska. Deshalb auch nur ein kleiner Rountrip und es trennten uns bald darauf nur noch 5 Stunden von Kanada und Whitehose. Alles in allem aber ein toller Ausflug nach Alaska. Damit habe ich bis zum heutigen Tag 21 der 50 Staaten der USA besucht, kein schlechter Schnitt smile

Die Wiedereinreise nach Kanada war dann genauso unkompliziert wie zuvor in die USA einzureisen. Man stellt in diesem Teil des Landes womöglich wirklich einfach weniger Fragen und vertraut den Menschen laughing Uns kam es zugute. Auf dem Weg zur Gabelung des Highways in Haines Junction wurden wir aufmerksam auf eine Staubwolke, die etwas entfernt vom Straßengraben über die Länder pflügte - Wildpferde. Zumindest war weit und breit kein Zaun zu sehen, geschweige denn eine Farm. Also sind sie entweder ausgebüchst oder ich hab tatsächlich zum ersten Mal eine Herde von 20 wilden Pferden gesehen. Wie auch immr, das war schon ziemlich cool!
In Haines Junction entschlossen wir uns noch zu einem kurzen Abstecher zu Kluane Lake, einfach um es gesehen zu haben und die kurze Entfernung in dem Moment optimal zu nutzen. Es war leider neblig, aber dennoch eine einmalige Atmosphäre mit dem türkis-blau schimmernden Wasser des Sees.

Kluane Lake

Der Weg zurück nach Whitehorse verging wie gewohnt zu schnell und dann war es auch schon an der Zeit, meiner Begleitung Tschüss zu sagen, denn sie flog zurück nach Deutschland kurz darauf. Es war eine super Zeit und Reisen zu zweit macht die ganze Erfahrung meist noch um ein Vielfaches angenehmer, und so war es in diesem Fall!

Nun war ich zunächst wieder allein. Doch das Ziel hieß klar Pelly River Ranch, zurück zu den Bradleys. Und wenn ich schon mal mit eigenem fahrbaren Untersatz in dieser Gegend war, wollte ich gern alles ausreizen und auch noch weiter gen Norden fahren, vielleicht sogar den Dempster Highway bezwingen. Doch ob mein Auto das mtimachen würde? Immerhin war dieser Highway aufgrund seiner Beschaffenheit dafür berüchtigt, den Fahrzeugen alles abzuverlangen, was sollte das nur werden mit meinem Pontiac Minivan, wenn selbst Pick-Up Trucks an ihre Grenzen kommen tongue-out Nach einigem Informationsaustausch mit den Einheimischen und insbesondere Dale, entschloss ich mich, die nötigen Vorbereitungen zu treffen, im Falle ich ziehe es durch. Dazu gehörten insbesondere Ersatzreifen. Wieso und weshalb, dazu später mehr.

Dale half seiner Mutter in der Stadt noch einige Tage mit der Reparatur ihrer Garage und ich war hin und her gerissen zwischen dem Bleiben bei Dale oder schon mal zur Farm fahren. Da aber bis auf einen einsamen Wwoofer niemand auf der Farm war, riet mir Dale, schon einmal voraus zu fahren. Außerdem stand Ken's (der Sohn von Sue und Dale) Geburtstag kurz bevor und wir konnten schon mal Vorbereitungen treffen für die Feier am Wochenende. Gesagt, getan. Also nahm ich alles mir Aufgetragene in der Stadt noch wahr und machte mich dann auf den Weg gen Norden, den Klondike Highway entlang, Richtung Pelly Crossing.
Ich bin diese Strecke zum damaligen Zeitpunkt einmal im Winter in diese Richtung gefahren, als ich zur Farm gebracht wurde und folglich einmal zurück nach Whitehorse auf der Rückreise. Im Sommer hatte ich diesen Fleck der Erde noch nicht erlebt. Ich kam wahrhaft aus dem Grinsen nicht mehr heraus, so atemberaubend war es. Und noch etwas fiel mir auf: obwohl ich wie gesagt nur einmal hier war, kam mir vieles so bekannt vor. Die ganzen kleinen Communities auf dem Weg waren mir in ihrer Reihenfolge noch im Gedächtnis, die Tankstelle in Carmacks und ihr Bistro machten den selben Eindruck wie ein halbes Jahr zuvor und erst als ich in Pelly Crossing ankam, fragte ich mich, wie genau es denn nun auf die Farmroad geht. Von da waren es ja dann einfach nur noch 50 Kilometer in eine Richtung - alternativlos. Doch auch das löste sich auf, als ich die blaue Brücke über den Pelly River passierte, dann ging es einmal kurz nach links Richtung Westen und um ein paar Ecken und schon war man auf einer Schotterpiste entlang des Flusses - die Farmroad zur Pelly River Ranch.

Nun trennten mich noch 52 Kilometer von meinem Ziel. 52 Kilometer, die ich nur als schneebedeckte Iceroad in Erinnerung hatte, das heißt relativ glatt und eben. Im Sommer allerdings reiht sich Schlagloch an Schlagloch und holy sh*t, ich fühlte mich schon wieder schlecht wegen der Behandlung meines Autos.
Was war noch schlecht? Nun, als ich Dale am Morgen in Whitehorse verließ, hielt er mich noch kurz an und meinte, dass es die letzten Tage einmal sehr geregnet hat, die Straße hat dementsprechend "a few rough spots". Er riet mir, einfach drum herum zu fahren. Da mich Dales Erläuterungen und die entsprechende Wirklichkeit schon eines besseren belehrt hatten, hakte ich nach. Laut Dale gibt es einige "sandige Abschnitte", wo die Fahrzeuge etwas tiefere Spurrillen hinterlassen haben. Sein Rat: "Do not stop there, just go for it", also halte nicht an, sondern halte drauf. Drei dieser bescheidenen Abschnitte soll es geben und ich hielt Ausschau nach den beschriebenen Orten. Als es zum vermeintlich ersten kam, stellten sich meine Nackenhaare schon leicht auf. Kennt ihr das Gefühl, wenn man mit dem Fahrrad versucht durch Sand zu fahren? Genau, diese Vorahnung hatte ich, deshalb hielt ich einfach drauf und war entzückt, als ich nur mit etwas durchdrehenden Rädern diese Meter hinter mich brachte. So weit, so gut. Doch es kam, wie es kommen musste. Wenige Kurven später sah ich, was er mit Spuren von Fahrzeugen im Sand wirklich meinte. Dale war kurz zuvor mit seinem großen Truck diese Strecke gefahren und hat dementsprechende Gräben gezogen. Nun besteht ein kleiner Unterschied zwischen der Höhe seines Trucks und meines Vans. Ich hatte kurz gesagt einfach nur Schiss aufzusetzen und mich festzufahren. Denn auch das Drumherumfahren gestaltete sich schwierig. Rechts von einem war ein steiler Anstieg und Bäume, links der Abhang zum Fluss hinunter. Ich stieg aus und begutachtete das bevorstehende Dilemma. Zu diesem Zeitpunkt war ich auf halber Strecke und somit in einer ungünstigen Position, denn zu Fuß weiter gehen war keine Option, umkehren ebenso wenig. Ich wünschte, ich hätte Bilder, um das zu veranschaulichen. Aber in dieser Situation war mir wohl nicht nach fotografieren. Die Spurrillen waren unterschiedlich tief, an der schlimmsten Stelle sicherlich 40 Zentimeter. Also versuchte ich mit dem Fuß das gröbste zu begradigen und suchte mir den geeignetsten Punkt zum Befahren aus. Aus den mich umgebenden Ästen von Bäumen versuchte ich des Weiteren eine Art Festigkeit in die Spur zu bringen und mir etwas mehr Traktion zu verschaffen. Danach ging es zurück ins Auto und ich setzte etwas zurück und fuhr dann zunächst langsam auf die gewünschte Spur zu, bis ich kurz davor war und einfach nur noch auf's Gas drückte, nicht ohne zu mir selbst zu rufen Don't stop, don't stop!. Das waren Sekunden des Grauens, der Wagen wurde langsamer und ich spürte die Räder durchdrehen, aber irgendwie schaffte ich es über diese 40 Meter Horrorsand hinweg und stieß einen Jubelruf aus, als ich wieder festen Boden unter dem Hintern hatte. Zum Glück war das eben bewältigte Hindernis das schlimmste, beim letzten konnte ich mich - nun geübt und unerschrocken - durchschlängeln. Die letzten Kilometer bis zur Farm durfte ich mich wieder beruhigen und auf die kommende Zeit freuen. Ebenfalls war ich auf die Person auf der Farm gespannt, die den Laden dort am laufen hielt. Sie war, welch Überraschung, aus Deutschland.

Die Straße lichtete sich und nach kurzer Zeit konnte ich schon bekannte Strukturen wahrnehmen, einige Kurven vor den ersten Feldern waren ja auch im Winter allgegenwärtig. Und dann kam rechts von mir das obere Feld und der Zaun kündigte die Farm an. Und dann sah ich auch erste Kühe, die im Sommer frei durch die Umgebung wandern können. Und dann war sie da, die Pelly Farm und ich weiß nicht wirklich, welches Bild dieses Erlebnis am besten beschreiben kann. Deshalb bin ich mehr als froh, dass vor wenigen Tagen ein Film veröffentlich wurde, welches das wohl am besten zusammenfasst. Ich hatte darüberhinaus das Glück, zu eben dieser Zeit mit auf der Farm zu sein, als das Material dafür gedreht wurde und bin stolz, euch nun tolle Aufnahmen von der Farm und der Familie Bradley präsentieren zu dürfen - und wenn ihr genau hinseht, erkennt ihr mich auch smile

Meiner Meinung nach ist das ein richtig toller Film geworden und ich bin froh, dass man der Welt nun auch in bewegten Bildern die Schönheit dieses Ortes nahe bringen kann. Mit diesen Eindrücken will ich es für dieses Mal aber gut sein lassen und im nächsten Eintrag die Geschichte am Pelly River und der Umgebung fortführen. Diesmal soll dies aber zeitnah geschehen smile

Ich freu mich schon auf's Weiterschreiben. Es ist schön, ein bisschen in den Erinnerungen zu verweilen und noch mehr ist es faszinierend, wie sehr es sich doch verfestigt hat und jetzt locker leicht wieder kommt und sich niederschreiben lässt.

Bleibt heiter und bis bald! smile

Philip

 

 

Home Sweet Home

Mittwoch, 09.03.2016

Mittlerweile war es Juni und ich kann nun eine wirkliche Zwischenbilanz meiner Reise ziehen ...

Unterwegs war ich zu dem Zeitpunkt seit zehn Monaten! Die Zeit verging so schnell, ich konnte es kaum nachvollziehen, insbesondere in Anbetracht der Tatsache, was ich alles erleben durfte. Gerade erst habe ich eindrucksvolle Wochen im westlichen Teil der USA hinter mir und mir würden laut Visum noch ungefähr zwei weitere Monate in Nordamerika bevorstehen.

Vancouver

Ich war also wieder in Vancouver, British Columbia. Hier startete ich Mitte Mai zu meiner US-Tour und es war nach diesem Monat ein angenehmes Gefühl, wieder in Kanada zu sein. Schon beim Überqueren der Grenze und dem Durchfahren der ganzen Vororte von Vancouver kam bei mir dieses Gefühl auf, wieder etwas mehr zu Hause zu sein. Die USA war schon toll, keine Frage, aber irgendwie auch etwas befremdlich in manchen Punkten. Die Atmosphäre in Kanada ist mir da schon lieber.

Fast drei Monate. Das ist nicht mehr viel Zeit, aber auch nicht zu wenig, um nichts mehr zu erleben. Im Westen des Kontinents stand mir von diesem Punkt aus eigentlich noch immer alles offen. Ich überlegte schon während der Fahrt durch die USA tiefgründig, wohin es für den wahrscheinlich letzten Teil meiner Reise gehen könnte ... Das meiste südlich von Vancouver kannte ich nun, auch mit dem Norden war ich weitestgehend vertraut. Nach Osten würde sich kaum noch lohnen, da ich einen Rückflug ab Vancouver schon grob eingeplant hatte. Und es gab diesen einen Ort, an den ich immer und immer wieder denken musste. Einfach, weil es bisher das eindrucksvollste und wahrscheinlich beste Erlebnis der ganzen Zeit war. Pelly River Ranch. Yukon im Winter, ein echter kanadischer Winter, mit Temperaturen, die einem alles gefrieren lassen. Das hatte Eindruck hinterlassen.

Mit Bill hatte ich schon damals im Februar auf Haida Gwaii darüber gelacht, wie cool es wäre, im Sommer nochmal zurück zu kehren. Vor allem, da Ken, der Sohn der Familie, im Juni seinen 16. Geburtstag feiern würde und wir ein prima Überraschungsgeschenk wären. Was zu der Zeit noch als lockerer Spruch über unsere Lippen kam, war plötzlich so spürbar nahe und möglich. Warum nicht, ich habe die Chance zu fahren wohin ich möchte, Zeit habe ich auch, Geld einigermaßen, was hält mich also. Insbesondere, da Vancouver als Großstadt zwar okay war, aber Stadt war nun mal Stadt und auf Dauer kann ich das einfach nicht aushalten. Vor allem in einem Land wie Kanada, wo die Natur doch umso toller ist.

Also verbrachte ich ein paar wenige Tage in Vancouver und plante und studierte Karten und suchte nach Anhaltspunkten für eine Reise gen Norden. Nebenbei besuchte ich auch alle bekannten Leute und genoss noch etwas die Zivilisation, denn bald würde es wahrscheinlich wieder anders aussehen. Mir war auch bewusst, dass ich nicht allein fahren möchte. Die Gründe dafür waren Unterhaltung während der Fahrt und finanzieller Ausgleich. Allein müsste man nur für Sprit schon eine ganze Stange Geld locker machen, das wollte ich dann doch nicht. Und immerhin fährt man eine 3000 Kilometer lange Strecke, etwas Gesellschaft kommt da ganz gelegen.

Und so kam es dann nochmals zu einem echten Glücksgriff, denn nach kurzem Überreden entschied sich eine Person von meinem vorhergehenden Trip, mich ein weiteres Mal zu begleiten. Das war eigentlich die ideale Lösung, denn so musste man sich für die paar Tage nicht wieder auf jemand Neues einstellen, man konnte einfach die schon bereitstehenden Sachen wieder ins Auto werfen und loslegen, nach den ganzen Wochen war man nun schon ein eingespieltes Team. Und ich kann schon vorwegnehmen, es war wirklich die beste Entscheidung, denn es machte die Reise eine ganze Strecke unkomplizierter und entspannter, meiner Meinung nach.

Und so wurden noch schnell die letzten Klamotten gewaschen und die Futterboxen wieder aufgefüllt, bevor wir zu zweit gut vorbereitet Vancouver verließen. Es war an einem frühen Morgen und ich durfte meine Begleitperson in Downtown Vancouver abholen. Der Himmel war klar und die ersten Sonnenstrahlen berührten die Wolkenkratzer in der Innenstadt. Ach ja, und es war Sonntag. Ihr könnt euch kaum vorstellen, wie geil es ist, wenn wirklich keiner auf den Straßen unterwegs und man fast die einzige Person zwischen den Hochhäusern Vancouvers ist. Keine Staus, wenige rote Ampeln, abbiegen wohin man möchte, keine Fußgänger rennen über die Straßen ... es war ein irre gutes Gefühl, an diesem Tag einen weiteren Roadtrip zu starten!


Noch kurz aufgetankt und dann ging es auf den Highway 99, den Sea to Sky Highway, und mein lieber Mann, was für ein Highway! Links von einem ist für einige Zeit noch das Meer und die Buchten. Rechts befinden sich steile Klippen und hohe Berge. Es geht bergauf und bergab ohne Ende und die Straße windet sich, was das Zeug hält. Dieser Highway verbindet Whistler seit den Olympischen Spielen 2010 mit Vancouver und spart einem schon etwas Zeit, wenn man in diese Richtung möchte. Whistler an sich erlebten wir im Schnelldurchlauf. Es ist in der Tat ein beschauliches Örtchen, sehr schön anzusehen. Da Touristen sich hier aber häufen können und dementsprechend auch die Preise sind, machten wir uns schnell wieder auf den Weg.

Es war schlicht weg ein perfekter Sommertag! Ein paar Stunden später erreichten wir dann auch schon die Anschlussstelle zum Highway 97, der weiter Richtung Norden führen würde. Highway 97? Klingelt da nicht etwas? Genau, diese Straße würde direkt durch Williams Lake führen und ich konnte einfach nicht wiederstehen, Martin und seiner Familie einen Besuch abzustatten. Immerhin habe ich mehr als einen Monat für ihn hier gearbeitet. Er hat sich wirklich riesig über diese Überraschung gefreut und uns auch gleich zum abendlichen BBQ auf der Terrasse mit Blick auf den Sonnenuntergang eingeladen. Dass wir auch die Nacht bei ihm im Haus verbringen, schien für ihn wie selbstverständlich. So geschehen, wachten wir am nächsten (wieder wunderschönen) Morgen gut gelaunt auf und durften uns über gemachtes Frühstück freuen. Wahnsinn ... Und schon am Abend zuvor kam mir eine weitere Idee. Angenommen, dass wir gut in der Zeit liegen würden (ich plante ungefähr eine Woche für die Reise bis ins Yukon), wollte ich auch noch gern Kim und Chuck besuchen. Es waren lediglich zwei weitere Stunden in eine andere Richtung und ich hatte sie auch schon lange nicht mehr gesehen. Des Weiteren kannte ich ihre Farm nur aus den letzten Wintertagen und wollte es zu gern im Sommer sehen. Also machten wir uns gegen 10 Uhr auf den Highway 20 und waren gerade rechtzeitig zum Mittagessen in Redstone. Und wow, diese Überraschung war gelungen. Die beiden freuten sich richtig sehr, auch Hund Taylor erinnerte sich an mich. Ihr Haus ist im Grünen sogar noch schöner und umgeben von Schafen, Katzen, Eichhörnchen und dem eisfreien Chilcotin River war die Ruhe himmlisch. Wir wollten nur für eine Nacht bleiben und als sie uns die mir bekannte Hütte anboten, lehnten wir ab. Ich weiß nicht genau, wie ich es beschreiben soll, aber wenn man so lange Zeit Nacht für Nacht im Zelt schläft ... man genießt es einfach, also ich zumindest. Man hört wirklich alles und spürt die Nacht ganz anders. Also bauten wir auch in dieser Nacht das Zelt auf, direkt neben dem Fluss, der beim Einschlafen später geräuschvoll mithalf.

Chuck lud uns noch ein für eine Tour auf dem Fluss mit dem Schlauchboot. Insgesamt drei Mal fuhren wir für eine Stunde den Fluss hinunter und wurden immer wieder von Kim mit dem Pickup zurückgebracht.

Genau so habe ich mir Rafting in Kanada vorgestellt, unbeschwerlich und hinein ins Vergnügen.

Chilcotin River

Es war zweifellos schön, diese beiden Familien wiedergesehen zu haben und ich war froh, die Entscheidungen getroffen zu haben. Sowohl beim ersten Mal, als ich zur Arbeit zu ihnen gekommen bin, als auch später, als ich als Freund und Besucher wieder willkommen war.

Die weitere Wegesstrecke führte uns wieder nach Williams Lake, bevor es ab hier wieder nördlich entlang des Caribou Highways 97 bis nach Prince George ging. Ab hier war ein Blick auf die Karte nötig, denn nun hatte ich die Wahl. Entweder würde ich den östlichen Weg über den bereits bekannten Alaska Highway nehmen. Diese Strecke bin ich bereits zwei Mal gefahren im Winter und durfte damals schon die weiße Pracht des Nordens bewundern. Es hätte mich auch im Sommer gereizt, umgeben von Bisons, Bären und Huftieren. Aber ich entschied mich für den westlichen Weg, den Stewart-Cassiar Highway. Er ist weniger befahren, etwas wilder und würde mir einige Stunden mehr schenken. Also ging es von Prince George aus zunächst eine ganze Weile nach Westen, entlang Highway 16. Auch dieser Highway war mir bekannt, als ich mit Bill im Februar nach Haida Gwaii gefahren bin und später wieder zurück. Nun durfte ich endlich anhalten, wann immer ich wollte. Und das tat ich auch.

In Kitwanga gab es dann den ersten richtigen Abzweig nach hunderten Kilometern. Highway 37, genannt The Stewart. Es gab einige Campingplätze, vereinzelt auch mal eine Tankstelle. Wir tankten lieber hier noch mal, nur zur Sicherheit. An diesem Tag haben wir schon eine ordentliche Distanz zurückgelegt, knapp 1000 Kilometer bis hierher. Es wurde langsam Abend, aber einen großen Vorteil hatten wir mittlerweile. Die Mitternachtssonne. Es war immer mehr spürbar, je weiter nördlich wir kamen, umso länger wurde der Tag. Die Sonne ging mittlerweile gegen halb 12 unter und gegen 4 war sie wieder da. Dementsprechend lange konnte man auch im Auto verweilen, ohne zu merken, wo der Tag hin ist. Ich fuhr noch etwas weiter den Stewart entlang und bei Meziadin Junction nahm die Müdigkeit langsam aber sicher Überhand. Schlaf war nötig und nachdem wir mittlerweile schon drei Bären am Straßenrand gesehen haben, entschlossen wir uns für den Campingplatz. Die Natur im Norden ist auch im Sommer atemberaubend. Aber die Moskitos ... so etwas habe ich wirklich noch nie erlebt. Da hilft kaum ein Spray, nur lange Kleidung, die alles verdeckt und ein Mückennetz als Kopfbedeckung. Ich kam mir vor wie im Dschungel, aber nur so wurde man kaum gestochen. Einen Schluck Bier aus der Dose zu trinken oder sich da die Gabel ins Esszimmer zu schieben war allerdings eine Herausforderung ...

Am folgenden Tag fuhren wir noch einige Stunden, bis es dann so weit war - das Yukon Territorium hatte mich wieder! Was ein tolles Gefühl! Mein Auto hatte es geschafft, ich hatte es geschafft ... bald würden wir auf den Alaska Highway treffen und dann wäre Whitehorse nicht mehr weit. Im Radio sang Motley Crue gerade Home Sweet Home, und so fühlte es sich in dem Moment auch an.

Es war gegen 15 Uhr nachmittags, als wir das Schild "Whitehorse" passierten und sofort fühlte ich mich wie in den November des letzten Jahres zurückversetzt. Mir kamen so viele Dinge bekannt vor, nur dass sie jetzt nicht gefroren und weiß, sondern farbig und lebendig waren. Mir war auch schon lange klar, dass ich unbedingt die Bradleys an diesem Tag sehen wollte. Das hatte irgendwie Vorrang. Das Problem war nur, dass ich lediglich eine grobe Erinnerung hatte, wo Sue und Dorothy wohnten ... irgendwo im Stadtteil Porter Creek, 10th Avenvue war auch an einer Ecke. So weit so gut ... ich konnte es mir dennoch nicht nehmen lassen, zunächst eine Runde durch Whitehorse City zu drehen und die vielen altbekannten Ecken und Orte zu sehen. Die Stadt hatte noch das gleiche Flair, welches ich schon damals spüren durfte.  Sei es der überlaufene Tim Hortons, der riesige Canadian Superstore, das Chilkoot Inn, die Yukon Brewery oder der Yukon River ...

Whitehorse

Hier ist übrigens die Erklärung, warum Whitehorse so heißt, wie es heißt. Das weiße Pferd entstand durch dieses Naturspektakel:

Zu der Zeit, als Whitehorse gegründet wurde, war dieser Damm noch nicht gebaut. Aber dieses Phänomen gab es damals schon. Das fließende Wasser wurde an Felsen derart in die Höhe gebracht, dass es wie die weiße Mähne eines Pferdes aussieht. Daher der Name. Nach dem Bau des Dammes am Schwatka Lake wurde dieses Phänomen dann noch für touristische Zwecke verstärkt in seiner heutigen Form dargestellt.

Nun kam bei mir die Frage auf, ob Sue denn überhaupt in der Stadt ist. Immerhin habe ich mit ihr vorher nichts abgesprochen und bin einfach auf gut Glück die 3000 Kilometer nach Norden gefahren. Nun gut, erst einmal Sue finden.
Und so fuhren wir eine ganze Weile die größeren Straßen aus der Innenstadt hinaus, in der Hoffnung, dass mir irgendwann die zündende Idee vor Augen kommen würde, wohin es geht, Aber nirgends ein vertrautes Schild "Porter Creek". Bald darauf war ich schon etwas genervt, dass ich so vieles wieder erkenne, aber das Haus meiner liebsten Gastfamilie nicht wieder finden kann. Also fragte ich letztendlich in einer Tankstelle nach und mir wurde der Weg beschrieben, den ich auch vorher schon oft abgefahren habe, bisher jedoch ohne diese eine Abbiegung zu nehmen. Nun aber. Und siehe da, es reihten sich die Streets auf, die mit Baumnamen versehen waren. Da waren Pine Street, und Spruce Street, und plötzlich 10th Avenue. Yes, fast geschafft. Ein paar Runden um den Block später erkannte ich endlich das langgesuchte Haus der Bradleys! Geil, am Ziel. Aber kein Auto stand da ... vielleicht musste sie ja noch arbeiten. Wir warteten etwas mehr als eine Stunde, als endlich ein Pickup in die Straße einbog und in der Einfahrt anhielt. Ich saß im Auto und beobachtete alles im Rückspiegel. Sue hatte das Fenster offen und starrte nur auf meinen Van, in ihrem Blick erkannte ich schon das fragende "Was zum Teufel macht denn dieser Van aus British Columbia vor meiner Einfahrt". Und dann ging alles ganz fix. Ich stieg aus und lief um mein Auto herum und sie erblickte mich und riss die Augen weit auf und stolperte halb aus dem Truck, bevor sie mir halb lachend, halb weinend um den Hals fiel. Na da war aber eine Überraschung gelungen. Und es kam noch besser, denn auf ihrem Beifahrersitz saß ... Dale! Wow, jetzt war ich baff, denn ihn hatte ich (wie immer) zu Hause auf der Farm vermutet, da, wo der Chef eben zu sein hat. Und jetzt steht er nicht weniger baff als Sue und ich vor mir. Das war schon ein ganz besonderer Moment, das steht fest. Es wurden viele Fragen gestellt und einige wenige nur beantwortet. Ich hatte keine Ahnung, was die beiden an diesem Tag vor hatten oder wobei ich sie gestört hatte. Und ich vermute, dass sie es selbst auch nicht mehr wussten oder einfach alles andere egal war. Sofort wurde das Bier kalt gestellt und der Abend verging wie im Fluge vor lauter Geschichten und Erinnerungen und neuen Stories und Lachen und Bier und einfach einem pefekten Wiedersehen.

Ken, ihr Sohn, war momentan arbeiten auf der Farm Road, wo die Brücken instand gesetzt wurden. Er würde in wenigen Tagen Geburtstag feiern. Das war damals Bills und mein Plan, wir würden für Kens Geburtstag wieder da sein. Ich war da, nur Bill - der britische Sack - konnte es am Ende nicht ermöglichen, schade. Jedenfalls würde Ken noch ein paar Tage warten müssen, bevor auch er nach Whitehorse kommt und sein deutsches Geburtstagsgeschenk sehen wird.

Dale war zu dem Zeitpunkt in der Stadt, weil Dorothys (Dale's Mutter) Garage kaputt war und ein neuer Zementboden gegossen werden musste. Es würde noch einige Tage in Anspruch nehmen, bevor auch er wieder auf die Farm zurück fährt. Das kam mir sehr gelegen, denn wir sponnen unsere Pläne schon weiter und mir war klar, dass wenn ich schon einmal mit fahrbarem Untersatz hier oben war, dann würde ich auf jeden Fall einen Abstecher nach Alaska wagen! Dale war früher einmal Truck-Fahrer und gab uns hautnahe Insidertipps für den östlichen Teil Alaskas.

Am folgenden Tag erkundeten wir aber vorerst das sommerliche Whitehorse. Es ging zu den berühmten Attraktionen, wie Myles Canyon, dem Yukon River oder auch Schwatka Lake, wo ich bisher immer meine Lieblingsfotos geschossen habe.

Am Ende des Tages gab uns Dale noch die Beschreibung für einen Aussichtspunkt, von dem aus man Whitehorse mal aus einem anderen Winkel sehen würde. Das klang spannend, ich fragte nur noch, ob der Weg da hin auch geeignet wäre für meinen Van. Ich bekam es lässiges "Jaja" zu hören. Nu da. Meine Vorahnungen bestätigten sich, denn mit jedem Meter wurde die Straße an diesem Abend holpriger und mein von Natur aus schon nicht sehr hoch gebauter Pontiac setzte des Öfteren hart auf. Oh je, ob das mal gut geht. Zu holprigem Geröll kam dann auch noch extreme Steigung, der Motor kam an seine Grenzen, ich auch. Zumal wir diesen Weg auch wieder zurück mussten ... immer wieder kam uns ein voll ausgerüsteter Pickup entgegen und man schaute uns und unseren Van etwas verwundert an. Wir fragten die Entgegenkommenden immer mal wieder, wie der Weg sich entwickeln würde. Die Antworten gefielen uns gar nicht. Irgendwann war dann Schluss, die Steigung war zu extrem und ich wollte meinem Auto nicht noch mehr zumuten, denn ich hatte immerhin noch größere Pläne mit ihm. Also hielten wir an und stiegen aus und liefen das letzte Stück, der Motor konnte in der Zwischenzeit etwas abkühlen. Der Blick war okay, vielleicht aber auch nur, weil man den Regen in der Entfernung aus den Wolken fallen sehen konnte.

Ansonsten begünstigten die Wolken die Sicht aber nicht gerade und ich war in Gedanken eh schon die ganze Zeit beim Rückweg. Auf engster Stelle drehte ich den Wagen um und endlich ging es wieder nach Hause, wohlbehalten kamen wir zum Glück auch an. Ich war am Ende an diesem Tag, völlig ausgepowert. Nicht vom Laufen, eher vom Schwitzen und Luftanhalten beim Fahren ... Sorry, Auto.

Alaska wartete auf uns, wenn auch nur wenige Tage, aber wir freuten uns sehr darauf. Es wurden grob die Städte festgelegt, an denen wir uns orientieren wollten und dann war auch der Morgen gekommen, an dem es hieß: Zum dritten Mal in die USA fahren!

Was ich in Alaska erleben durfte und wie es im Anschluss weiter ging ... im nächsten Teil! smile

Das Ende eines Roadtrips

Freitag, 05.02.2016

Da sind doch glatt vier Monate ohne eine Fortsetzung des letzten Blogs vergangen ... das muss nun geändert werden und ich möchte mit diesem Blog das Reisejahr 2015 verspätet beenden und 2016 eröffnen smile Für Interessenten gibt es hier noch eine Verlinkung zum letzten Blog, um den Anschluss zu finden.

In diesem verließ ich gerade die Canyons im mittleren Westen der USA und begab mich auf den Weg nach Norden, zurück Richtung Kanada, einige kleine Highlights sollten jedoch noch auf mich warten. Zu diesem Zeitpunkt war ich nun schon fast drei Wochen mit meinem Flitzer und einer Crew von drei weiteren Personen in den Vereinigten Staaten unterwegs und habe etwas mehr als 4500 Kilometer zurückgelegt. Bisher musste ich das Auto zwei Mal reparieren oder auffrischen lassen und habe Höhen und Tiefen durchlebt, doch nichts und niemand konnte den täglichen Drang nach neuen Abenteuern verhindern.

Auf dem nun eingeschlagenen Weg nach Norden begannen wir alle damit, uns Gedanken zu machen, wie es für uns nun jeweils weiter geht im Bezug auf das Reisen. Jeder hatte andere Pläne. Ich hatte nur einen Plan. Dazu aber später mehr.
Da einige von uns mittlerweile die Chance hatten, ihre Emails zu checken, passte sich unsere Reiselänge auch deren neuen Plänen an und so versuchten wir nun etwas Zeit gut zu machen und mehr zu fahren als sonst schon. Deshalb verließen wir den Bryce Canyon und fuhren mehr als vier Stunden die Interstate 15 nach Norden Richtung Salt Lake City. Das war schon etwas ungewöhnlich, da wir sonst die großen Interstates etwas meiden wollten und das auch bestmöglich taten, nun aber so am besten voran kamen. So erreichten wir auch die Höchstgeschwindigkeit von 90 Meilen pro Stunde, in etwa 145 km/h, schneller kamen wir legal bisher nie voran und man merkt förmlich, wie den einheimischen Fahrern um uns bei dieser Geschwindigkeit einer abgeht, bei dieser Rarität. Uns wurde allerdings schnell bewusst, dass man mit 85 m/ph auch ganz sicher unterwegs ist ... ein vollbeladener und randvoll betankter Minivan entwickelt bei dieser Geschwindigkeit ein Eigenleben, das man nicht unbedingt braucht.

Die Stunden auf dem Highway waren aber dennoch sehr angenehm. Auf der kerzengeraden Strecke konnte man sich mehr auf die Welt um sich konzentrieren und die Landschaft Utah's genießen, die in der untergehenden Sonne besonders schön anzusehen ist.
Der große Salzsee kam näher und näher und wieder fragten wir uns, ob es Sinn machen würde, an dem Abend schon in die große Stadt zu fahren. Nach einiger Zeit erstreckte sich links von uns der Utah Lake und in der Stadt Provo mussten wir auftanken.

http://2.bp.blogspot.com/-94KmcC-4Gvg/Tgaqd52viBI/AAAAAAAAC8w/qi7SCK_Q3CQ/s1600/Sunset.jpg

Die Sonne war fast verschwunden und wir suchten uns noch einen Campingplatz für die Nacht. Wifi und Duschen waren inbegriffen, welch ein Luxus smile

Am nächsten Morgen gab es einen kurzen Abstecher nach Salt Lake City, in die Hauptstadt der Mormonen und des Bundesstaates Utah. Das Wetter war eher durchwachsen, von daher erlebten wir die Stadt im Schnelldurchlauf und erkundeten lediglich den Tempel der Mormonen, um einen Eindruck von den Menschen und der Religion zu bekommen.

Mormonen Tempel Salt Lake City

Gegen Nachmittag begaben wir uns wieder auf den Weg Richtung Norden, denn das Finale unserer Reise stand kurz bevor und alle waren schon ganz heiß auf eine letzte große Tour durch die Natur.
An diesem Tag sollten wir mit einem Mal wieder drei Staaten der USA betreten bzw. befahren. Gegen 17 Uhr verließen wir Utah. Wie schon einmal erwähnt, war und ist dieser Staat eine echte Bereicherung und an Schönheit kaum zu übertreffen. Sollte ich wieder einmal durch die USA reisen, wird dieser Staat mit Sicherheit wieder auf der Liste stehen.

Nun befanden wir uns aber erstmals in Idaho. Das Wetter wurde zunehmend unangenehmer, die Wolken verdunkelten sich und ein Gewitter kam uns rasch entgegen. Wir stoppten gerade an einem netten Punkt mit gutem Ausblick über den Bear Lake, als die Wolken sich über dem See öffneten und der Sturm so richtig an Fahrt aufnahm.

Bear Lake, Utah

Also schnell zurück ins Auto und weiter Richtung Wyoming. Der Highway 89 führt nur durch die südöstlichste Ecke Idahos und in kurzer Zeit erreicht man schon die Grenze zu Wyoming. In dieser Region des Landes waren zu dieser Zeit kaum Autos unterwegs und man fühlte sich wieder recht einsam, nachdem man am Vormittag noch einer Großstadt ausgesetzt war. Die Regenwolken verzogen sich und wir mussten uns langsam nach einem Unterschlupf für die Nacht umschauen. Ein etwas abschüssiger Wilderness Campground kam da sehr gelegen und umgeben von ein paar anderen Campern schlugen wir das Zelt für die Nacht auf, dicht umgeben von Bäumen, die einem einigermaßen Schutz lieferten vor der Natur.

Gute Nacht

Circa drei Wochen waren wir nun schon unterwegs und endlich war der Tag gekommen. Am folgenden Morgen ging es zeitig los, denn das Wetter sah vielversprechend aus. Nach kurzem Frühstück (Pancakes, Ahornsirup - das Übliche eben) ging es zurück auf den Asphalt und nach einigen Stunden gab es außer grüner Natur und schneebedeckten Bergen kaum noch etwas anderes zu sehen. Zunächst durften wir den Grand Teton Nationalpark bestaunen. Ich meine, dass viele Leute ihn einfach durchfahren, um schnell zum Yellowstone zu gelangen. Deshalb ist hier auch weniger Andrang, lediglich das Verkehrsaufkommen ist hoch. Nichtsdestotrotz wird dieser Nationalpark oft unterschätzt, im Gegensatz zum bekannteren Nachbarpark - ein Fehler. Wir gingen deshalb etwas vom Gas und hielten hier und dort, um die Momente und die Ausblicke genießen zu können.
Highway 191 brachte uns dann direkt zu ihm: den Yellowstone Nationalpark, 1872 gegründet und damit ältester Nationalpark der USA, sowie heutiges Weltnaturerbe. Benannt nach dem ihn durchfließenden Yellowstone River, findet man in diesem Park alles was das Naturliebhaberherz begehrt. Und so kam es, dass man bald um sich herum mehr Tiere als Menschen zu Gesicht bekam, insbesondere diese haarigen Riesen:

Unfassbar, wie viele davon entlang des Highways zu sehen waren. Die ausgewachsenen Tiere grasten oder schauten träge in der Gegend herum - was jedoch keinesfalls mit langsam und ungefährlich gleichzusetzen ist. Zwischen ihnen sprangen ihre Jungtiere umher, wir hatten also eine perfekte Jahreszeit erwischt, um sie zu beobachten. Unser Weg ins Zentrum des Parks führte entlang des Yellowstone Lake, auch hier fand man massenhaft Bisons, Hirsche, Rehe und kleinere Lebewesen.

Yellowstone Lake

Nach einem kurzen Besuch im Besucherzentrum durften wir uns auf den Weg zum ersten Marsch für diesen Park machen. Wir haben uns wieder einmal für das Campen in der Wildnis entschieden, um der Natur Willen und um zu vielen Touristen aus dem Weg zu gehen. Und glaubt mir, davon gab es hier leider reichlich. Unser Ziel hieß Grebe Lake. Es standen uns 4 Meilen, also knapp 6,5 Kilometer Fußmarsch bevor und wir hatten noch keine genaue Vorstellung, welche Beschaffenheit der Weg haben würde.

Vorher gab es noch einen kurzen Abstecher zum Yellowstone Canyon und endlich wussten und sahen wir, woher der Park seinen Namen bekam.

Yellowstone Canyon

Nun war unser Feingefühl gefragt. Die Ranger sagten uns, dass von der letzten Kreuzung nach dem Canyon auf der rechten Seite nach 12 Meilen ein parkplatzähnlicher Fleck sein soll, von wo aus unsere Wanderung zu Grebe Lake startet. Also fuhren wir nach 11 Meilen im Schneckentempo weiter, um zwischen den Bäumen auch ja den Abzweig nicht zu verpassen. Wir entschieden uns, wieder gleich am Auto zu kochen und das Essen dann einzupacken. Gesagt, getan und eine Stunde später war wieder alles Nötige im Rucksack und alles Unnötige bärensicher im Auto verstaut und wir machten uns auf den Weg. Die Sonne schien und es wurde schnell warm, darüberhinaus machte das mitgeschleppte Trinkwasser auf dem Rücken zu schaffen. Der Weg führe wortwörtlich über Stock und Stein, des Weiteren durch Staub und Matsch. Doch das größere Problem waren wohl die Mücken, die einem trotz Spray des Öfteren zu nahe kamen.
Die Bäume wurden endlich lichter und der Boden noch matschiger ... aber immerhin, der See war demnach nicht mehr weit. Und so kam es, dass wir auch bald am Ufer standen und neben uns sogar jemand saß, der seine Angel auswarf. Alle hatten nun auch Bock auf Angeln ...
Blöd war nur, dass unser ausgeschriebener Platz zum Campen auf der anderen Seite des Sees war. Warum zum Teufel braucht man da jetzt in der Wildnis noch einen festen Platz zum Campen, es ist doch Platz genug oder?! - das werden sich die meisten nun fragen. Die Erklärung gaben uns die Ranger: Per GPS wurde vorher an bestimmten Plätzen eine Art Campingplatz errichtet und mit einem kleinen Schild gekennzeichnet. Dem Besucher des Parks wird zwar die Freiheit gegeben, sich niederzulassen wo man will, aber einfach seine täglichen Geschäfte irgendwo im Park auszuüben, das gefällt den Verantwortlichen nicht. Zudem ist man auch um die Sicherheit der Camper besorgt und gibt dadurch in etwa vor, wo man zu campen hat, sodass im Notfall auch Hilfe schnell da sein kann und man die Leute nicht vergeblich tagelang sucht.
Also hieß es nun für uns: Den See umqueren. Theorie passte soweit, Praxis stellte sich aber schnell als bitch heraus. Durch vorhergehende Regenfälle und die natürlichen Eigenschaften eines Gewässers, gab es um den See herum einen Streifen von gut 30 Metern, der nur langsam von komplettem Schlamm und Sumpf in befestigtere Wiese übergingen. Nach diesen 30 Metern begann der Wald, dichter Wald. Wir hatten also keine Chance und mussten durch den Sumpf. Und wenn ich Sumpf sage, meine ich Sumpf. Wir entfernten uns vom Angler und brauchten für 50 Meter sicherlich erstmal zwanzig Minuten, weil wir uns den Weg über und unter großen, umgefallenen Baumstämmen hindurch bahnen mussten und das mit kompletter Ausrüstung. Nach diesem Hindernis wartete die Sumpfwiese. Es sah relativ harmlos aus, doch schon nach dem ersten Schritt wollte man sich für diesen Gedanken erstmal selbst rügen. Etwas mehr als eine Stunde dauerte die halbe Umrundung des Sees und nass und durchgeschwitzt erreichten wir endlich den festen Punkt am anderen Ufer.

Grebe Lake

Das Wetter war traumhaft schön und die Wolken spiegelten sich im Wasser. Doch etwas anderes erregte zunächst unsere Aufmerksamkeit ...

Ich vermute, man muss nicht erklären, wer diese Spuren hinterlassen hat. Direkt neben unserem Zelt. Demnach entschieden wir uns, unseren Unterschlupf erst einmal bear safe zu machen. Dazu gehörte auch ein entscheidender Punkt:

Nein, das war kein Scherz der werten Mitreisenden. In meinem Rucksack befand sich unser Essen und alles, was einen starken Eigengeruch hat (abgesehen von uns selbst), also ungetragene Kleidung, Shampoo usw ... Um es dem Bär einigermaßen schwer, bis hin zu unmöglich zu machen, sollte diese Gerätschaft ca. 3 Meter hoch und ca. 1 Meter entfernt vom Baumstamm in die Luft gehängt werden.
Nachdem das erledigt war, ging es kurz die Gegend erkunden, Fotos schießen und Feuerholz sammeln. Ach ja, und noch etwas:

Das Feuer war gut im Kampf gegen die Mücken und außerdem wärmte es uns, denn wir konnten nicht widerstehen und sprangen noch kurz in den See, bevor wir dann aßen und in Ruhe den Sonnenuntergang genossen.

Grebe Lake

Die Nacht wurde dann kalt und manche schliefen schlecht, weil um uns ständig Geräusche wahrnehmbar waren. Wer oder was das war ... keine Ahnung. Wir wollten es aber auch nicht genauer wissen smile

Der nächste Morgen kam und wir wollten den Park weiter erkunden. Dazu mussten wir aber erst einmal zum Auto zurück und nun (mit trockenen Socken) versuchten wir so nah an der Baumgrenze zu laufen, wie es nur möglich war. Das klappte auch erstaunlich gut, bis wir wieder an der Stelle mit den umgekippten Bäumen angelangt waren und ehe wir uns versahen ... waren wir wieder nass. Zum Glück aber nicht so schlimm, wie am Tag zuvor.

Auf dem Weg Richtung Westen durch Yellowstone fanden wir wieder einen netten Punkt zum Camp aufschlagen und taten das auch gleich, um den Rest des Tages mit Erkunden zu verbringen. Ihr wisst vielleicht, dass Neuseeland oder Island berühmt sind für ihre Geysire, aber nirgendwo sonst gibt es mehr von diesen heißen Quellen, Fontänen und Schlammtöpfen, als in Wyoming.

Vielleicht erinnert ihr euch an den Film 2012, in welchem die ganze Welt den Bach runter geht ... die Szene mit dem Wohnmobil und dem riesigen Vulkanausbruch soll dort im Yellowstone Nationalpark stattgefunden haben. Und tatsächlich ist der Park der zentrale Teil einer riesigen Caldera. Vor 640.000 Jahren brach der Vulkan zum letzten Mal aus und formte dadurch weite Teile des heutigen Parks, die Eruptionen liefern auch heute noch die Energie für die Geysire, Hot Springs und Schlammlöcher.

Yellowstone

Der wohl bekannteste Geysir im Yellowstone ist Old Faithful, zu deutsch der alte Getreue. Den Namen bekam er aufgrund seiner regelmäßigen Ausbrüche. Circa alle 90 Minuten bricht er aus und sprüht sein heißes Wasser für etwas mehr als eine Minute bis zu 50 Meter in die Luft!

Old Faithful

Ebenfalls im Yellowstone befindet sich der weltweit aktuell größte Geysir, der Steamboat genannt wird. Seine Ausbrüche sind weniger berechenbar, zuletzt brach er im September 2014 aus und sprühte bis zu 100 Meter hoch heißes Wasser in die Luft. Sein datierter Rekord liegt bei 130 Metern! Zum Vergleich dennoch: der größte nachweisbare Geysir in der Geschichte liegt auf Neuseeland und erreichte anfang des 20. Jahrhunderts mehr als 400 Meter Höhe beim Ausbruch.

Allgemein fielen mir drei Dinge ganz besonders auf, während wir so durch den Park streiften:

Die Menschen waren in ihrer Anzahl den anwesenden Tieren weit unterlegen, hauptsächlich Bisons und Huftiere waren allgegenwärtig.
Asiaten mit Kameras im Anschlag waren die dominantesten Zweibeiner im Park.
Es lag die ganze Zeit über der Gestank von faulen Eiern in der Luft. Während der ersten Stunden war das noch etwas gewöhnungsbedürftig. Nach einiger Zeit arrangierte man sich aber damit und der Schwefelgeruch war im Anbetracht der Natur um einen akzeptabel.

Dass mit diesen chemischen Substanzen aber keineswegs zu Spaßen war, zeigte uns der Verfall der Vegetation um uns herum. Man durfte sich meist nur auf gesicherten Holzplanken bewegen, da der Boden sehr brüchig war und man nie wusste, wo der Druck unter und auf der Erdoberfläche zu groß werden würde.

Das Wetter zeigte sich im Tagesverlauf dann wieder von seiner besseren Seite.

Die Stunden und Tage vergingen schnell. Man realisierte das kaum, bei den vielen Dingen, die man in jedem Moment erlebt. Am letzten Tag versüßten uns dann zwei Grizzlybären noch den Abschied, als wir schon fast den Park Richtung Bundesstaat Montana verlassen wollten. Sie tummelten sich im Fluss direkt neben dem Highway und gaben uns nochmal den typischen Eindruck, den man sich irgendwie vom Yellowstone erhofft. Alles in allem ein gelungener Abschluss unseres Trips, das Highlight war am Ende auch ein Highlight!

Wir verließen also den Yellowstone Nationalpark Richtung Norden und durften uns erstmal wieder über moderate Spritpreise freuen. Im Park bezahlt man locker das Doppelte. Nach etwas mehr als drei Wochen unterwegs war es nun für uns an der Zeit, zurück an den Ausgangsort unseres Trips zu gelangen. Die Richtung war klar: Westen, Seattle, Interstate 90. Da einige von uns schon Termine hatten oder der Reiseplan im Allgemeinen drängte, entschieden wir uns dazu, den Trip im Auto zu beenden und nochmal viel zu sehen während der Fahrt. Vorweg genommen, dieser Plan ging auf!

Des Weiteren kann ich stolz behaupten, dass ich noch nie so viel am Stück gefahren bin, wie an diese folgenden zwei Tagen. Mein Van hielt durch, ich hielt durch, das Wetter hielt durch. Und die Bundesstaaten Montana, Idaho und Washington zeigten sich von ihre prachtvollen Seite im Monat Juni. Die circa 1500 Kilometer schafften wir in weniger als zwei Tagen. Den Rest des ersten Tages fuhren wir einmal quer durch Montana, auf das ich mich schon seit Beginn der Reise gefreut hatte. Endlose Weiten, hohe Berglandschaften und Temperaturen knapp über 30 Grad Celius machten das nochmal zu einem Erlebnis. Unser Weg führte durch die Städte Butte, Bozeman und Missoula in Montana. Dann hieß es rasten und schlafen, unsere vorerst letzte Nacht zu viert. Der folgende Tag begann so sonnig, wie der Vergangene endete. Unser Ziel hieß Seattle, Washington. Bis dahin fehlten uns noch knapp 1000 Kilometer, die wir an diesem Tag aber schaffen wollten. Einer von uns würde in Seattle abspringen, der Rest fährt gemeinsam nach Kanada zurück. Einige Stunden später, die wir bei teilweise 40 Grad Celsius im Auto verbrachten, erreichten wir den Spätabendverkehr in Seattle und irgendwie war es ein angenehmes Gefühl, bekannte Straßen und Gebäude wiederzusehen.

Da wir keine Lust auf Übernachten in der Stadt hatten, ging es noch am selben Abend weiter Richtung Norden, genauer gesagt nach Bellingham. Richtig, die Stadt, in der wir zu Beginn einkaufen waren. Die Nacht verbrachten wir noch in den USA, am Morgen danach ging es zeitig los Richtung Vancouver. Da es in den USA etwas günstiger ist, kauften wir uns noch alles Nötige und Erlaubte ein und erreichten die Grenze gegen 9 Uhr morgens ... Welcome to Canada, meinte ein lächelnder Officer an der Grenze. Wie ich diese Worte liebe smile

Die Fahrt nach Vancouver dauerte dann nicht mehr lang. Es war ein wunderschöner Morgen und die Stadt funkelte förmlich vor sich hin. Ich setzte meine Mitreisenden an gewünschten Punkten ab und dann war ich schnell wieder auf mich allein gestellt. Nach drei Wochen gemeinsam auf engstem Raum war das schon ein recht eigenartiges Gefühl. Aber auch ein Gefühl der Freiheit. Wohin sollte es nun gehen ... diese Frage konnte ich mir nun getrost wieder stellen und es zauberte einem wirklich ein Lächeln ins Gesicht.

Ich konnte zufrieden auf drei traumhafte Wochen in den USA zurückblicken und selbst jetzt, mehr als ein halbes Jahr danach, ist es noch etwas unwirklich, dass ich all das wirklich erlebt habe. Vor allem in dieser kurzen Zeit. Aber es war es alles wert und ich würde es sofort wieder tun! smile Danke auch an meine Mitreisenden, es war mir eine Freude, mit euch zu reisen.

Hier nun noch etwas für die Statistikfreunde unter uns ... der Roadtrip
USA Westküste in Zahlen:

Tage unterwegs ca. drei Wochen
Fahrzeug Pontiac Montana Mini-Van
gefahrene Kilometer ca. 8000 km
verbrauchter Sprit 195 US-Gallonen = 720 Liter Benzin
Personen an Bord 4 (alle deutsch)
durchfahrene US-Bundesstaaten

9 (Washington, Oregon, Kalifornien, Nevada,
   Utah, Arizona, Wyoming, Idaho, Montana)

Reparaturen am Auto 2 (neuer Satz Reifen, neue Bremsen)
die teuerste Nacht Überraschung ... Las Vegas
die günstigste Nacht unter freiem Himmel
das beste Erlebnis am Abgrund zum Grand Canyon zelten
das schlimmste Erlebnis nachlassende Bremsen im Yosemite Park
Verletzungen Sehnenscheidenentzündung vom langen Fahren
gesehene Bären 6
Würde ich zurückkehren? unbedingt!

Das war es dann wohl mit der Reise durch den Westen der USA ... aber nicht mit meiner Reise durch Kanada. Im nächsten Bericht erfahrt ihr mehr über das nächste Ziel! Es bleibt auf jeden Fall kanadisch tongue-out Und dank meines Minivans auch abenteuerlich und abwechslungsreich.

Durch die Canyons der USA

Sonntag, 04.10.2015

Hello again ... wie immer an dieser Stelle, hier noch der Link zum letzten Blog, für diejenigen, die es verpasst haben oder den Anschluss finden möchten.

Stehen geblieben waren wir in Nevada, mitten in der Wüste also. Hinter mir lagen zu diesem Zeitpunkt im heißen Juni vor allem der Staat Kalifornien mit seinem Yosemite Nationalpark und dem Death Valley im Osten. Nun ging es also weiter durch die Sierra Nevada Richtung Süden, das nächste Etappenziel hieß Las Vegas.

http://www.cftech.com/BrainBank/GEOGRAPHY/maps/Nevada.jpg

Gambling wäre nicht möglich, der Altersbegrenzung sei Dank. Nichtsdestotrotz freute ich mich riesig auf Vegas, vor allem, weil ich mit Atlantic City im Osten der Vereinigten Staaten ja schon einen kleinen Vorgeschmack bekam im letzten Jahr und nun das Original zu sehen bekommen würde.

Wir fuhren etwas planlos nach Las Vegas. Das trockene und heiße Klima machte jedem zu schaffen, aber wir wollten Wüste und wir bekamen Wüste. Nach etwaigen Campingplätzen suchte man hier allerdings vergeblich. Und dann war es auch schon so weit. Wie aus dem nichts teilte sich der Highway 95 in mehrere Spuren auf und bildete einen Ring um die größte Stadt in Nevada. Mehr als eine halbe Million Menschen finden hier ihr Zuhause, fast die doppelte Anzahl in der gesamten Metropolregion. Und ich war wirklich überrascht, denn man fährt durch eine Landschaft, die lebensfeindlicher nicht sein kann und plötzlich ragen Hochhäußer empor und es blinkt und glitzert überall und es ist wie in einer anderen Welt. Fantastisch, aber auch irgendwie irritierend und unwirklich. Las Vegas eben.

Da wir sicherlich nicht oft nach Vegas kommen würden und wir die letzten Wochen ausschließlich in der Wildnis verbrachten, gönnten wir uns hier nun etwas Luxus. Unser Hotel war nur einen Block entfernt vom legendären Strip und war ausgestattet mit Pool, Frühstück und Klimaanlage. Die war auch überlebenswichtig, denn das Thermometer zeigte fast dauerhaft über 40°C und Wind kam eigentlich nie auf. Bis zum späten Nachmittag versteckte man sich hauptsächlich im Hotel, am Pool oder irgendwo, wo einem Hitze und Sonne nichts anhaben können. Alles andere macht auch keinen Sinn, denn Las Vegas erwacht bei Nacht und dann bekommt man erst das spezielle Feeling für die Stadt des Glücksspiels.

Insgesamt verbrachten wir drei Nächte am Strip. What happens in Vegas, stays in Vegas.
Dabei erwischten wir auch noch einen Freitag und Samstag, die Tage, an denen die Stadt auf Hochtouren läuft und die meisten Touristen anzieht. Und was soll ich sagen ... der erste Abend und die erste Nacht waren der Wahnsinn. Las Vegas zeigte sich von seiner besten Seite und wir hatten riesig Spaß. durch die Casinos zu streifen und Leuten beim Gewinnen und (meistens) Verlieren zuzusehen. Die verschiedensten Casinos und Hotels erstrahlten in den prächtigsten Lichtern und Farben. Vor allem der weltbekannte Brunnen vor dem Bellagio war täglich Hauptattraktion, wenn er zu bekannten Melodien seine Fontänen in die Luft schoss. Und Vegas hält, was es verspricht ... egal in welche Richtung man sich dreht ... mal steht man vor dem Eifelturm, dann wieder vor der Skyline von New York oder im nächsten Augenblick vor dem berühmten MGM Grand Hotel.

Das Klima war wirklich extrem. Trockene und heiße Luft trieb einen fast immer in irgendwelche Gebäude mit Klimaanlage, meist Restaurants Auch hier hatte Las Vegas ein Highlight für uns zu bieten. Typisch amerikansches Fastfood bei Fatburger, und was für welches ... keineswegs das billige Produkt, sondern qualitativ hochwertig. Und was soll ich sagen ... einen Burger mit fast einem Kilogramm Fleisch um 21 Uhr ... muss der Körper abkönnen

Natürlich musste ich mich aber auch um mein Auto kümmern, denn die Sache mit den Bremsen wurde nicht besser und ich hatte nicht die Absicht, mit dieser Unsicherheit weiter zu fahren. Zum Glück gibt es in Vegas auch eine Menge Werkstätten, die vor allem den Touristen gern aushelfen und nach einiger Recherche fand ich auch den Mechaniker meines Vertrauens und durfte mein Auto sofort dort lassen und innerhalb von einer Stunde wechselte er alles, was wirklich nötig war und baute neue Teile ein. Eine fachmännische Beratung war dabei auch noch inbegriffen und für relativ wenig Geld hatte ich nun neue Bremsen aus Las Vegas. Und die halten bis heute!

Drei Tage Las Vegas. Definitv genug, wie wir alle nach der zweiten Nacht feststellen mussten. Am ersten Tag ist man einfach nur hin und weg und die Stadt fasziniert bis ins Unendliche. Am zweiten Tag schaut man dann schon genauer hin und fasziniert sich nur noch halbwegs für Sin City. An Tag drei ist dann die Motivation sehr am Boden gewesen. Grund dafür war nicht mal die Tatsache, dass man nicht aktiv am Glücksspiel teilnehmen durfte, sondern eher die drückende Hitze, das Geldausgeben, die Hektik der Stadt oder das man den Glitzer nach einigen Tagen durchschaut hat.

Also schnell weiter zu neuen Zielen. Und nun stand erstmal Natur pur auf dem Plan und unsere Augen wurden mit jedem Tag größer, als wir weiter Richtung Osten fuhren und bald schon den Bundesstaat Utah betraten.

http://rsc7.at/hezi/2005/shopping/karten/Utah_map.gif

An einem Tag befanden wir uns auch hier wieder in drei verschiedenen Bundesstaaten der USA. Nachdem wir Nevada am Morgen verließen, ging es am frühen Nachmittag erstmals durch Arizona, bevor am späten Nachmittag das große Schild näher kam, das verkündete, wir wären nun in Utah. Und wow, Utah ist schlichtweg geil ...

http://imr-reisen.de/images/UT-bryce2.jpg

Den Highway 15 entlang ging es nach Osten und schon bald änderte sich die Landschaft gravierend. Die Wüste Nevadas lag hinter mir und der Stein und Sand färbte sich orange und rot und Canyons hier und da waren keine Seltenheit mehr. Nächster Halt war Zion Nationalpark. Von diesem wurde uns im Death Valley von einem älteren Mann berichtet, der dort eine absolut tolle Zeit verbrachte und nicht viele Menschen würden von dem Park wissen, sondern lieber die größeren und bekannteren Parks im Umkreis erkunden. Zion ist wirklich nicht groß und von der Anzahl der Besucher her ging es auch noch, jedoch waren alle Campingplätze im Inneren des Parks überfüllt und wir campierten direkt an den Grenzen des Parks, was im Grunde genommen das selbe war, nur ruhiger und preiswerter.

Zion Nationalpark hat allerhand coole Dinge zu bieten. Gleich am ersten Tag wollten wir wandern gehen und das sollte eine wirklich andere Art von Wanderung werden.
Wir packten alles zusammen, was wir brauchten und gingen mit bester Laune und bei schönstem Wetter in Richtung der Narrows, also einem Engpass durch einen Canyon. So weit, so gut. Es würde Schatten geben, ein großes Plus bei der Hitze. Und das Highlight ...

Narrows

... der Großteil der Wanderung fand im Fluss statt. Das war wohl eine der besten Touren, die ich je zurückgelegt habe. Eine enorm wohltuende Abkühlung und rechts und links die steilen Wände zu haben, von der Strömung immer mal wieder vom Kurs abgebracht werden, vereinzelt eine Stelle zu erwischen bei der man plötzlich bis über den Bauchnabel im kalten Wasser steht oder auch einfach nur riesige Greifvögel über sich kreisen zu sehen ... geniale Erfahrung!
Nach mehreren Kilometern im Wasser wurde man dann aber wirklich müde und sobald die Sonne längere Zeit verschwunden ist, wird es kühl. Das war es aber wert.

Unterwegs traf man wieder andere Wanderer und der Großteil machte uns auf eine andere Tour aufmerksam, genannt Angels's Landing, der Landeplatz der Engel. Klingt geil, ist geil. Der Aufstieg sei sehr anspruchsvoll, die Aussicht und das Gefühl. es geschafft zu haben, lassen diese Anstrengung aber schnell verblassen.

Angels Landing

Also machten wir uns an Tag 2 auf zum nächsten Abenteuer. Das Wetter spielte wieder mit und nach einiger Zeit befanden wir uns am Startpunkt des Trails zur Spitze. Auf dem Weg nach oben passierte man die Emerald Pools, also hübsche kleine und größere Wasserlöcher im Fels. Nach circa zwei Stunden wurder der Weg immer steiler und man hatte schon jetzt geniale Ausblicke über den Park.

Das große Hindernis, oder besser gesagt der Punkt, an dem viele scheitern oder umkehren, stand aber noch bevor. Man berichtete uns zuvor schon von diesem Teil des Aufstiegs. Aber als wir es dann selbst zu Gesicht bekamen, mussten wir tatsächlich kurz schlucken.

Die Hürde

An dieser Stelle kehrten viele Personen tatsächlich um. Bei manchen dachten wir, dass es die beste Entscheidung sei. Denn kleine Kinder oder ältere Personen, die schon an diesem Punkt nahe am Zusammenbruch waren, sollten den Rest wirklich nicht in Angriff nehmen. Aber alles auf eigene Gefahr. Sieben Menschen sind in den vergangenen Jahren abgestürzt. Wir wollten nicht dazu gehören.
Der Weg verengte sich an dieser Stelle. Man kletterte schon mehr, als das man lief. Der "Weg" war nicht mal mehr einen Meter breit an manchen Stellen und alles, was man wirklich zur Sicherheit hat, ist eine simple Eisenkette in der Mitte. Rechts und links geht es dann mehrere hundert Meter steil nach unten. Nervenkitzel pur!!! Aber der Ausblick ... es ist schwer in Worte und vor allem Bilder zu fassen.

Was von unten noch nach nicht allzu viel aussah, stellte sich dann als beste Belohnung eines solchen Trips heraus. Einmal quer durch den Canyon konnte man nun seinen Blick schweifen lassen und an jedem Ende der Plattform ging es steil nach unten und man sah den Fluss sich durch das Tal winden. Über einem kreisten wieder riesige Vögel und um einen herum war es wirklich still, selbst Wind ging zu diesem Zeitpunkt kaum. Es war einfach nur ein perfekter Tag am Landeplatz der Engel.

Am Abend fuhren wir wieder zu dem altbekannten Platz zum Schlafen und trafen dort eine größere Gruppe aus Wisconsin, USA. Die waren so freundlich und teilten ein Bier mit uns und Pizza gab es auch. Das rundete den Abend erst so richtig ab und in der folgenden sternenklaren Nacht wollte man gar nicht schlafen gehen ...

Bald darauf schon mussten wir Zion Nationalpark wieder verlassen. Der nächste Canyon stand auf dem Plan und dafür ging es wieder nach Arizona. Die Tage waren nach wie vor heiß und trocken und einige Stunden später endete dann auch der Highway, den wir entlang fuhren.

Grand Canyon

Vor mir lag der Grand Canyon, dessen Nordgrenze, um genauer zu sein. Diese liegt 34 Kilometer von der Südseite entfernt und die Strecke dazwischen ist nur zu Fuß zurückzulegen. Um mit dem Auto von einem Punkt zum anderne zu gelangen, muss man fast 400 Kilometer um den Grand Canyon Nationalpark herum fahren. Der Nordpunkt ist weniger überfüllt mit Touristen. Viele fahren bis zum Ende und schauen sich nur kurz das Panorama an, kehren dann aber wieder um und düsen davon. Dafür wollte ich ganz sicher nicht nur zu einem der größten Weltwunder fahren ...

Die Truppe aus Wisconsin kam gerade von hier und meinte, dass sie eine längere Tour in den Canyon hinein hinter sich gebracht haben. Dabei soll es sehr heiß gewesen sein, jeder musste eine Menge Wasser mitschleppen, da dies im Canyon selbst Mangelware ist. Außerdem konnte man aufgrund von Temperaturen von weit über 40°C nur nachts weiter wandern und tagsüber rasten und in Wasserlöchern entspannen. Man bekäme aber ein ganz anderes Gefühl vom Grand Canyon, als wenn man nur von oben drauf schaut. Für derartige Erlebnisse benötigt man aber eine spezielle Erlaubnis von einem Park-Ranger. Den haben wir dann auch gleich mal aufgesucht. Er meinte, dass es durchaus ein Erlebnis wäre, aber auch sehr anstrengend und ein langer Fußmarsch. Nicht alle in unserer Gruppe waren davon vollends überzeugt und so mussten wir abwägen. Als der Ranger unser Grübeln mitbekam, machte er uns auf einen anderen Trip aufmerksam, der genauso, wenn nicht sogar noch erlebnisreicher, sein soll. Für jenen Trip gibt es nur eine freie Erlaubnis für eine Übernachtung an besagtem Ort und momentan wäre sie noch verfügbar. Er erklärte uns, dass wir mit dem Auto etwas weiter in den Park hineinfahren müssten und dann an einem abgelegen Parkplatz unsere Ausrüstung für die Nacht packen und einige Kilometer laufen müssten. Er sagte uns nicht viel über das Ziel, denn wir würden es keineswegs verpassen und mitbekommen, wenn wir da wären. Er wäre selbst schon oft da gewesen und nicht viele Leute wissen davon, aber das macht es eben zu einem besonderen Highlight, das nicht jeder genießen darf. Unsere Neugier war geweckt. Und wie!

Genannt war die Route der "Cape Final Trail". Nach kurzer Fahrt packten wir unsere Sachen und mussten besonders Wert auf Wasser legen, denn dieses würde es von nun an nicht mehr geben. Da ich den größten Rucksack hatte, bekam ich die fast 30 Liter Wasser verpasst. Zusammen mit persönlichen Utensilien, Schlafsack, Zelt, Isomatte und so weiter brachte es mein Rucksack locker auf 50 Kilogramm.

Das feuchte Handtuck im Nacken war eine Wohltat. Etwas mehr als eine Stunde Fußmarsch sollte nun vor uns liegen. Es war eine wahre Anstrengung mit diesem ganzen Zeug auf dem Rücken durch den Wald zu wandern. Ja, dort gibt es Wald  und mit jedem Meter hoffte ich, dass der Ranger recht hätte und es wirklich so toll wird.

Und was soll ich sagen ... er hatte sowas von Recht. Ich fragte mich ja, was er damit meinte, dass wir wüssten, wenn wir am Ziel sind. Nun wusste ich es.

Der Weg hörte einfach auf. Man sah schon einen lichter werdenden Wald und plötzlich verschwanden die Bäume entgültig und man stand wortwörtlich am Abgrund. Um sich herum nur wenige Büsche und Sträucher, dafür viele Steine und kleine Kriechtiere, die wer weiß wie in dieser Umgebung überleben.

Keiner von uns sagte ein Wort. Man hörte den Wind durch die Bäume und den Canyon pfeiffen und ab und zu wieder den obligatorischen Greifvogel. Aber sonst war es wieder totenstill. Und man befand sich an der Kante des Grand Canyons und blickte mehrere hundert Meter in die Tiefe. Und man konnte für tausende Meter weit schauen. Hinter sich den Sonnenuntergang und man malte sich schon aus, wie der nächste Morgen sein wird, wenn die Sonne am gegenüberliegenden Ende aufsteigt. Am Horizont sah man eine ebenmäßige Schicht, die wie Staub aussah und sich quer über das gesamte Blickfeld erstreckte.

Ich weiß nicht, wie lange wir einfach nur dort saßen und nichts sagten. Es blieb lange still, ab und zu nur ein "Krass", "Cool", "ist das genial" oder ein lachen oder seufzen. Jeder war einfach hin und weg und selbst wenn ich jetzt davon schreibe, bekomme ich wieder eine leichte Gänsehaut, auch wenn es schon Monate zurück liegt.

Es wurde langsam Zeit für's Essen und zum Glück haben wir auf dem Parkplatz schon fix vorgekocht und ja. Viel gibt es dazu nicht zu sagen. Außer, dass es zu diesem Zeitpunkt womöglich die glücklichsten Nudeln der Welt waren ...

Wahrscheinlich hätte man uns in dieser geilen Umgebung alles mögliche auftischen können ... Es wurde alles zur Nebensache und man konnte den Blick einfach nicht wegnehmen von der Umgebung, immer wieder fand man etwas Neues zu bestaunen.

Der Sonnenuntergang war dann ein toller Abschluss dieses Tages und wir stellten uns schon den Wecker für den kommenden Morgen, um ja keinen Augenblick zu verpassen von diesem Spektakel. Aber nun hatten wir noch eine kleine Herausforderung vor uns ... auf diesem kleinen Stück Fels zwei Zelte aufzubauen und vor allem diese irgendwie zu befestigen und im Boden zu verankern.
Es wurde nämlich windiger und ein unbefestigter Schlafplatz an diesem Ort ... besser nicht. Hier möchte ich keinen Abgang machen. Aber Heringe in den Boden schlagen war keine wirkliche Option. Also warfen wir einfach alle möglichen Steine und Brocken auf den Rand unserer Zelte. Das funktionierte auch, Schlafplatz gesichert. Und was für einer ... der Ranger hatte uns wohl den besten Schlafplatz der gesamten Reise beschert.

Die Zelttür ließen wir geöffnet. Um sich hörte man immer wieder mal ein Rascheln, aber mehr als ein paar Nager, kleine Reptilien oder vielleicht ein Reh hatte man hier nicht zu befürchten.  Als es dunkel wurde sahen wir dann unendlich viele Sterne über uns und am Horizont den Mond langsam aufsteigen. Das besondere daran? Durch die vorhin erwähnte Staubschicht am Horizont stieg der Mond in einer rötlichen Färbung nach oben und wurde dann immer heller und heller, als er die Schicht hinter sich ließ. Wahnsinn! Man wollte gar nicht schlafen und freut sich ausnahmsweise mal, dass der Wecker schon sehr bald klingeln würde. Gegen 5.00 war es dann auch endlich so weit.

Definitiv in jeder Hinsicht der Höhepunkt der Reise bisher. Anfangs war ich ja immer etwas skeptisch, weil die Meinungen zum Grand Canyon gemischt ausfielen und manche Leute wirklich nicht verstehen, was man an diesem Park so toll finden kann. Also ich weiß es mittlerweile. Manchmal muss man wahrscheinlich nicht nur an den offensichtlichsten Punkten anhalten und dann wieder umkehren, sondern auch mal die Grenzen überwinden und etwas abseits vom Weg gehen. Und holy sh*t, das hat sich gelohnt.

Nach einem entspannten Frühstück mit einer dezenten Spur Adrenalin ging es dann leider schon wieder auf den Weg zurück zum Auto. Der Rucksack war um einiges leichter. Das lag natürlich daran, dass wir das Wasser weitesgehend aufbrauchten. Oder daran, das kurz vor dem Verpacken der Kanister aus Versehen einen Abgang machte von der Klippe und ich ihn nicht mehr heimtragen musste...

Den selben Weg zurück aus dem Park hinaus ging es wenige Stunden später und es ging erstmals auf dieser Reise deutlich Richtung Norden - zurück nach Kanada, wie ich es schon fast nennen wollte. Aber einige Leckerbissen standen noch im Programm. Und eines davon sollte am selben Tag noch folgen.

Sprechen Leute vom Grand Canyon, so ist dieser meist der Canyon schlecht hin. Der Canyon, von dem jeder spricht und den man unbedingt gesehen haben muss. Fünf Millionen Besucher pro Jahr sprechen da wohl ganz für sich. Im gleichen Atemzug wird aber auch von einer anderen Canyon-Formation geschwärmt, dem Bryce Canyon. Dieser ist für manche Betrachter sogar der noch schönere.

Bryce Canyon

Von den Formen her sicherlich ein Hingucker. Mir haben beide gefallen und ich konnte mich schwer satt sehen an diesen Wundern der Natur.

Mittlerweile waren wir wieder zurück in Utah. Jetzt im Nachhinein ist es wirklich krass, wie oft wir die Bundesstaaten wechselten, inbesondere in dieser Phase der Reise. Einige Stunden Nevada, dann Arizona, einige Tage Utah, wieder Arizona und nun sind wir also zurück in Utah, dem Staat mit dem Bienenkorb, dem Staat der Mormonen. Das nächste Ziel war nun die Hauptstadt des Staates und zugleich die Stadt der Mormonen, welche 1847 nahe des Großen Salzsees gegründet wurde.

To be continued ...

>> Fortsetzung <<

 

Down the Westcoast

Montag, 14.09.2015

Und hier geht es auch schon weiter mit der Fortsetzung zum letzten Blog. Wer diesen vergangenen Eintrag nach langer Zeit nicht mitbekommen hat, dies aber gern noch nachholen möchte, kann folgenden Link anklicken.

Nochmal zur Erinnerung: die hier beschriebenen Erlebnisse sind keine Echtzeiterlebnisse. Es ist lediglich eine Art Zusammenfassung der letzten Monate Mai bis August. Manche dachten, dass ich momentan wirklich in Kalifornien und Umgebung wäre. Dem ist (leider) nicht so. Nun aber weiter im Text ...

... welcher letztes Mal geendet hatte mit einem ernsthaften Problem. Und das kam im Grunde genommen sogar in doppelter Ausgabe. Zunächst fuhren wir wie geplant den Highway 101 Richtung Süden, betraten den dritten Bundesstaat innerhalb von wenigen Tagen und waren kurz vor San Francisco, Kalifornien. Das erste große Highlight, so dachte ich es mir vor der Abreise, wobei jedoch schon jeder einzelne Tag in den USA ein ganz eigenes Highlight war.

Da wir erst spät abends kurz vor San Francisco waren, man für die notwendige Überquerung der Golden Gate Bridge eine Gebühr bezahlen muss und wir keinen gebuchten Schlafplatz in der überfüllten Stadt hatten, entschlossen wir uns, erst am folgenden Morgen in "The City by the Bay" zu fahren. Also kurz vor SF wieder Richtung Küste und auf die Suche machen nach etwas, dass ausschaut wie ein Campingplatz. Es ging enge Serpentinenstraßen entlang, für unzählige Kilometer und allmählich wurde es dunkel. Als wir endlich am Wasser entlang fuhren, entdeckten wir am Straßenrand ein Auto, das womöglich vor kurzem erst eine Panne hatte. Die Warnblickanlage war noch an und eine Frau lief um das Auto herum, schon leicht am verzweifeln. Um diese Zeit am Tage und in der etwas stadtfernen Lage war kaum jemand anderes unterwegs und da man als Reisender selbst weiß, wie bescheiden eine Autopanne sein kann, hielten wir an und wollten helfen. Der jungen Frau, Katie, konnte man ihre Dankbarkeit die ganze Zeit über ansehen. Wirklich, die ganze Zeit. Ein Loch im Reifen hatte ihre Nachhausefahrt gestoppt, dabei hätte sie nur noch etwa zehn Minuten weiter fahren müssen und wäre zu Hause gewesen. Sie wollte schon einen Abschleppdienst rufen. Wir meinten, dass das nicht nötig sei, ein Rad wechseln wäre schließlich kein Problem. Da sie auf die Schnelle ihren Wagenheber nicht fand, nahm ich den aus meinem Pontiac. Zum ersten Mal in meinem Gebrauch, wohlgemerkt. Natürlich habe ich mich vergewissert, dass ich einen besitze, testen tut ihn dann aber wohl kaum jemand vor Abfahrt. Ihr Auto war unübersehbar kleiner und leichter als meins, von daher sollte es also ein Kinderspiel sein für meinen Wagenheber, im englischen übrigens Jack genannt. Während des üblichen small talks gaben wir ihr zu verstehen, dass wir auf der Suche waren nach einem Quartier für die Nacht, ein Campingplatz wäre ideal. Ob sie einen kennen würde, fragten wir. Sie überlegte gar nicht lang und bot uns an, einfach in ihrem Garten zu übernachten. Platz wäre genug und es ist wie gesagt auch nur um die Ecke. Besser konnte es für uns also gar nicht laufen, eine gute Tat vollbracht und dafür auch noch derartig belohnt werden. "Wir wechseln nur noch dein Rad, dauert auch nicht lang und dann können wir ja alle gemeinsam aufbrechen".
Die Prozedur an sich war nichts Neues, alles lief bestens, nur noch das Auto wieder absetzen und Radschrauben festziehen. Es lief perfekt. Zu perfekt, wenn man im Nachhinein darüber nachdenkt. In diesem Moment gab allerdings der Wagenheber nach, das Auto kam in einem Satz nach unten. Nicht schön, aber der Schaden sollte minimal ausfallen, da Rad ja schon leicht fest ist und drei andere Räder alles halten könnten und sollten. Der Wagenheber verbog sich jedoch und stach dem nach unten fallenden Auto ein Loch in den Tank ... den vollen Tank. Da Szenario muss ich wohl kaum ausführlich beschreiben. Benzin überall, den Highway hinunterfließend. Erste Reaktion? F*ck that sh*t.
Tausend Dinge gehen einen dabei wieder durch den Kopf ... Man ist in einem fremden Land. Man selbst ist nur ein Reisender. Man hat gerade das Auto eines Einheimischen geschrottet. Diese Einheimischen sind auch noch Amerikaner. Man darf sich jetzt mit Sicherheit wieder nach einem Schlafplatz umsuchen. Hat sie nicht auch gesagt, sie sei verheiratet? Wann kommt nun wohl ihr Ehemann. Vielleicht ist er ja Anwalt. Mann, wir sind so am Arsch. Ich gehe wohl lieber von dem in Benzin getränken Auto ein bisschen weg. Die arme Sau, die diese Sauerei hier sauber machen muss. Moment, die arme Sau bin ja gerade ich.
Es gibt Momente, da kann man sich einfach nicht oft genug entschuldigen. Und natürlich kann man auch nicht viel nette Worte erwarten von einer Person, deren Auto soeben unfahrbar gemacht wurde. Aber das komplette Gegenteil war der Fall! Sie versuchte uns alle zu beruhigen, dass es ja nichts Schlimmes sei, nur ein Auto. Womit sie ja auch irgendwie Recht hatte. Wenn es nicht mitten auf dem Highway jetzt zu einer Vollsperrung kommen würde und die Folgen noch nicht ausmalbar wären. Sie würde jetzt erst einmal ihren Ehemann anrufen, alles wird gut. Na ganz toll.
Peter, ihr Ehemann, kam dann auch schon bald. Wie wir feststellten, ist er Mitglied der örtlichen Feuerwehr und brachte die ganze Truppe gleich mit. Inklusive Umweltamt, Polizei, Katastrophenschutz ... die ganze Mannschaft eben. Ganz schön viel Aktion, an diesem eigentlich ganz entspannt geplanten Abend in Nordkalifornien. Peter nahm mich zur Seite und ließ sich das Dilemma auch von mir nochmals erklären. Er blieb durchweg ruhig und entspannt, lachte am Ende und meinte, dass ich mir keine Sorgen machen soll, sie wollten sich sowieso ein neues Auto kaufen ... Jeder hat mal einen solchen Tag und dass der Wagenheber aufgibt, konnte keiner ahnen.
Ihr wollt einen Beweis, dass Vorurteile in den meisten Fällen kompletter Schwachsinn sind? Da ist er! Es ist wirklich mittlerweile nicht mehr nachzuvollziehen, wie viele Leute vor meiner Abreise oder als ich in Kanada war, mir mit unüberhörbarem Unterton in der Stimme Spaß, Vergnügen oder schlimme Momente mit Amerikanern vorhersagten. Alles purer Stuss. Ich habe in mehreren Monaten in den USA nicht eine negative persönliche Auseinandersetzung mit den Einheimischen gehabt. Sowohl im Westen, als auch im Osten kamen mir die Leute freundlich, weltoffen und hilfsbereit entgegen. In manchen Gebieten mehr, in anderen weniger. Aber wo liegt da das Problem, am Ende zählt, dass jeder das Bestmögliche getan hat, um Gästen/Fremden/Nichtamerikanern im eigenen Land den Aufenthalt so angenehm und einfach wie möglich zu gestalten. Und wenn es nicht das ist, was heutzutage am meisten zählt, was dann? Also einfach mal aufräumen mit Vorurteilen und sich selbst ein Bild machen. Und Peter und Katie waren an diesem Abend wohl das Paradebeispiel schlechthin!
Als wir dann schon fast beruhigt den Ort des Geschehens verlassen wollten, rief er uns noch nach, ob wir denn nicht immernoch nach einem Platz für die Nacht suchen. Taten wir. Er zückte Stift und Papier, kritzelte eine Adresse und provisorische Karte und meinte, er trifft uns dort, wenn er hier fertig wäre. Wir könnten schon Zelt aufbauen, Küche und Bad wäre ganz unseres. W-O-W. Wahnsinnig cooler Typ. Am Abend hatten wir noch eine nette Unterhaltung, der Vorfall der letzten Stunden war wie vergessen. Solche Menschen braucht die Welt!

Ich schrieb von einem Problem in doppelter Ausgabe. Teil zwei folgte am nächsten Morgen, bevor wir weiterfahren wollten. Ich warf den üblichen Blick auf's Auto, um zu sehen, ob alles soweit passt. Dabei fiel mir auf, dass der rechte Vorderreifen ziemlich runtergefahren war. Also wirklich kein Profil mehr. So sah er in Vancouver definitiv noch nicht aus, sonst hätte ich ihn nicht gekauft. Soll das wirklich in den 3 Tagen passiert sein? Das erschien mir irrsinnig. Doch sei es wie es sei, das Teil musste gewechselt werden. Peter gab mir super Ratschläge, wo und wie ich es am besten machen könnte. Und so tat ich es auch. Kurz vor San Francisco also nochmal zu beschriebener Werkstatt und nicht mal eine Stunde später hatte ich ein neues Set Reifen für wenig Geld, aber ich kann jetzt schon sagen, dass das Fahrgefühl bis heute perfekt ist und sie noch tausende Kilometer durchgehalten haben. Kein Fehleinkauf also und auch dafür nochmal danke an Peter. Und damit stellte sich der Fahrt über die Golden Gate Bridge nichts mehr in den Weg und wir konnten sagen Hello San Francisco.

San Francisco

Schöne Stadt. Ähnlich wie bei New York kennt man einiges aus Film und Fernsehen und steht nun selbst davor. Auch das Gefühl, durch die Straßen in der ganzen Stadt zu fahren war absolut einmalig. Jedoch hat alles in SF seinen Preis, kein Ort für längere Aufenthalte also, wenn man keinen konkreten Plan hat und nur vieles mal gesehen haben möchte. Da ich gern noch eine weitere Person im Auto haben wollte, trafen wir an diesem Tag einen weiteren willigen Mitfahrer und wurden somit vier Reisende in einem Minivan. Nach etwas Fahren und Laufen durch die Stadt wurde es langsam Zeit, wieder etwas für die Nacht zu suchen. Das spontane Suchen nach Schlafplätzen ist irgendwie immer mit sehr gemischten Gefühlen verbunden, weil man sich wirklich einer Art Stress aussetzt, verbunden mit der Ungewissheit, was nun werden soll, falls man nichts findet. Ein interessantes Gefühl, dass einem selbst zeigen kann, wie man so drauf ist in Stresssituationen. An diesem Abend war es so weit, dass wir keinen Plan hatten, wo man für ein Auto und Mitfahrer noch auf die Schnelle einen günstigen Schlafplatz bekommen könnte. Wir entschieden uns für einen Parkplatz und einfach im Auto zu schlafen. Jedoch waren die meisten Parkplätze bewacht und zeitlich limitiert, sodass wir uns da nicht einfach hinstellen durften. Bis auf einen ... direkt neben der Golden Gate Bridge. Ein Touristenparkplatz, wo man von 8-18 Uhr bezahlen muss. Und danach? Stellen sich deutsche Touristen im Minivan hin und verbringen die Nacht dort. Nicht das bequemste, aber originell. Und so nah am Wahrzeichen der Stadt zu übernachten, das können nicht viele von sich behaupten!

Hafen(Bild ist keine Aufnahme vom Schlafplatz, ich weiß, was "nah" bedeutet )

Weiter ging es Richtung Süden, zurück auf den Highway 101. Santa Cruz war das letzte Ziel an der Küste, bevor wir etwas vom Inland sehen wollten. Das Wetter war mittlerweile eher bewölkt, dennoch warm, aber nicht das erhoffte Strandwetter. Sobald wir allerdings von der Küste wegfuhren, wurde das Wetter schlagartig besser und Kalifornien offenbarte seine schönsten Seiten. Es wurde richtig heiß im Laufe des Tages und die Städte weniger. Landwirtschaftlich genutzte Fläche dominierte die Landschaft und überall wurde man durch Schilder darauf hingewiesen, dass sich der Staat Kalifornien mit extremer Dürre konfrontiert sieht. Wassersparen ist also ein Muss, machen tun es leider nicht alle. Entlang des Highway 152 ging es einmal quer durch den Bundesstaat bis ins San Luis Reservoir, wo es zur Hitze auch noch starke Winde gab, die es nicht wirklich angenehmer machten. Aber bei Temperaturen bis zu 35°C  ließ die Natur nichts zu wünschen übrig. Umgeben von kleinen und großen Seen, mit kahlen Bergen und Hügeln versehener Horizont ... ein ganz anderes Bild, verglichen zu den Vortagen.

San Luis

Auf einem dieser Hügel stellten wir unser Zelt auf. Die Nacht blieb windig und warm, der Morgen startete dann mit wundervollem Sonnenaufgang und windstill, wodurch es jedoch noch heißer wurde. Mittlweile hatten wir auch ein Ziel: Yosemite Nationalpark. Dieser lag noch etwa eine halbe Tagesfahrt entfernt.

https://s3.amazonaws.com/classconnection/146/flashcards/4154146/gif/map-14CE24EB2CF34AB6C85.gif

Nach einigen Kilometern konnten wir dann auch schon die Berge am Horizont wahrnehmen. Die Vegetation wechselte allmählich wieder und große Nadelbäume waren bald keine Seltenheit mehr. Der dadurch entstehende Schatten war eine Wohltat. Der Park an sich war dann leider von Touristen überfüllt. Viele Autos also, Menschen auf den meisten populären Wanderwegen und typische Touristenpreise (5 Dollar pro Gallone). Durch das üppige Wasservorkommen war es aber endlich wieder erlaubt Feuer zu machen und so genossen wir unsere gegrillten Hotdogs und Stockbrot und das Camp war umgeben von Rehen und allerlei Vögeln. Nach dem Essen streifte dann noch ein Schwarzbär umher und wir wussten: Wir sind in der Wildnis. Endlich. Wenn jetzt nur noch alle Touristen um einen verschwinden würden. An den paar Tagen, die wir da verbrachten, liefen wir eigentlich jeden Tag eine halbe Stunde auf einen besonderen Felsen, von welchem man einen Großteil des Parks überblicken konnte. Man sah Gletscher, Waldbrandgebiete, schneebedeckte Gipfel, endlose Weiten grüner Wälder und größe Vögel am Himmel. Natur pur.

Yosemite Nationalpark

An den insgesamt vier Tagen in Yosemite regnete es nicht einmal und jeden Tag war es warm und sonnig, perfekt also für wandern und entdecken. Und davon gibt es hier wahrhaftig genug. Fast täglich sahen wir auch Bären um unser Lager wandern auf Entdeckungsreise. Es verleiht einem immer wieder ein leichtes Kribbeln im Nacken, aber das Erlebnis ist einfach zu einzigartig, um in Panik zu geraten. Lieber genießen. Wenn man kann.

Yosemite Falls

Die Yosemite Falls sind riesige Wasserfälle. Im Grunde genommen ist es nur einer, jedoch aufgeteilt in zwei Etagen, die in einander fließen. Zu sehen sind sie nur im Sommer, im Winter (logisch), ist alles gefroren und man muss bis zum ersten Tropfen im Frühling warten. Da hatte ich wohl eine gute Jahreszeit erwischt.

Am letzten Tag fuhren wir noch den Highway 120 weiter Richtung Osten quer durch den Park und bestaunten ihn dabei nochmal in seiner vollen Pracht. Man erzählte uns bei einer Pause von einer Geisterstadt namens Bodie, nur einige hundert Kilometer nördlich von der nächsten Kreuzung aus. In Deutschland ist das manchmal schon eine lange Urlaubsfahrt. In unserem Fall steht man auch mal auf, wenn man einen Tagesausflug über eine Distanz von einigen hundert Kilometern pro Strecke macht. Und das war es wert. Bodie war heiß, staubig und verlassen.

Bodie

Vor mehr als 100 Jahren noch eine aktive Mine, wurde nach Abbau von Gold und Silber nicht mehr viel veranstaltet, bis auch bald der letzte Einwohner wegzog und der Verfall begang. In den 1970ern begann die Restauration als Kulturstätte. Mehrmalige Feuer über die Jahrzehnte zerstörten jedoch einen Großteil der alten Stadt. Mord und Kriminalität war damals an der Tagesordnung und noch heute kann man das Gefühl nicht loswerden, dass in diesen Straßen echt krumme Dinge abgingen ...

Dennoch aber eine Reise definitiv wert. Insbesondere um zu sehen, wie Menschen in einer Minenstadt während des Goldrausches lebten. Die meisten Artefakte sind noch original zurückgelassen wurden und können heute bestaunt werden. Da nicht viele Leute davon wissen, hat man sogar soetwas wie Ruhe beim Entdecken dieser Geisterstadt. Welch Wortwitz.

Momentan verließen wir uns auch immer wieder auf die Insiderinformationen von Einheimischen, wenn es darum ging einen Schlafplatz im Nirgendwo zu finden. Und dabei kamen die schönsten Dinge zustande. Man übernachtete an Flüssen, auf Bergen, in Tälern, Hitze und Kälte wechselten sich ab und Sonnenauf- und -untergänge waren immer das Highlight am Tag.

Sierra Nevada

Dabei gilt aber auch wieder, was mir schon öfters auffiel. Manche Momente sind einfach nicht für Kameras gemacht, sondern nur für die eigenen Augen und Gedanken. Und wow, davon habe ich einige erlebt, so wie den oberen. In Realität bleibt einem da einfach nur jedes Wort im Hals stecken und man genießt schlichtweg den Moment, ohne immer auf den Auslöser zu drücken.

Die Temperaturen kletterten täglich etwas mehr, doch das heißeste Highlight stand erst noch bevor und ich machte mir etwas Sorgen um mein Auto, was bis dahin wirklich wunderbar funktionierte. Doch mehr als 40°C wird es dann wohl mit dieser Last und täglichen Distanz auch nicht auf Dauer wegstecken.

Bald folgten wir dem Highway 395 nach Süden Richtung Los Angeles, bogen jedoch bei Lone Pine nach Osten ab und begannen unser heißestes Abenteuer ins Death Valley.

Tal des Todes

Das Tal des Todes brachte unglaubliche Hitze mit sich, die auch in der Nacht nur schwer erträglich wurde. Der Sternenhimmel war immer wieder sowas von faszinierend und oft lagen wir nur auf dem warmen Boden und starrten nach oben. An schlafen war bei Temperaturen um die 34°C nicht zu denken ... Wasser war natürlich auch Mangelware und so ließen wir uns immer nieder, wenn man eine Art Wasserhahn in der Nähe hatte, um Reisende zu versorgen. Dabei trafen wir auf die kuriosesten Mitreisenden:

Die Umgebung ist einfach nur so lebensfeindlich, wie man es sich vorstellen kann. Schwer nachzuvollziehen, wie hier überhaupt etwas wachsen und leben kann. Wahre Überlebenskünstler. Mein Auto und wir waren am Limit. Auch das Losfahren gegen 4 Uhr morgens half nur wenig. Dennoch war es jede Sekunde wert, dass ich da hingefahren bin. So eine Landschaft und Umgebung sieht man kein zweites Mal und Death Valley schaffte es mit Sicherheit in die Highlights meiner gesamten Reise!

Mein Auto war mit Sicherheit froh, als wir das Todestal bald verließen. Nicht nur Temperaturen, auch die Spritpreise wurden wieder angenehmer, als wir Kalifornien hinter uns ließen und den vierten Bundesstaat auf unserer Reise befuhren.

Nevada

Im Staat mit dem Silber war die Hitze dennoch nicht weit. Der Preis pro Gallone lag bei 3,40$ und aufgrund fehlender Vegetation stellte sich uns die Frage, wo wir denn bitte unser Zelt aufschlagen könnten, denn der fehlende Schlaf setzte uns schon etwas zu, insbesondere mir als Fahrer. Und noch ein paar Nächte bei über 30°C schienen keine Option zu sein. Außerdem stellte ich nun fest, dass beim Bremsen eine gewisse Vibration zu spüren war. Die gefiel mir gar nicht, denn aufgrund der vielen Steigungen und Gefälle war ich gewissermaßen auf meine Bremsen angewiesen. Und mein Van brachte vollgetankt und mit kompletter Ausrüstung und Besatzung locker 4,5 Tonnen auf die Waage. Welch ein Glück das die nächste Große Stadt von hier nur noch knapp 200 Kilometer entfernt war. Und was für eine Stadt ...

Das schaff ich, dachte ich mir

 

 

Zurück von den Verschollen

Sonntag, 06.09.2015

Nach langer Zeit erstmal wieder ein Hallo von dieser Seite!

Es hat mir schon erheblich gefehlt, meine täglichen Erlebnisse hier in die Tasten zu drücken und die Welt daran teilnehmen zu lassen. Aber fehlende Technik und der alltägliche Wahnsinn irgendwo im Nirgendwo ließen es nicht zu. Nun ist ein Kalenderjahr also vorbei und meine Erzählungen sind Ende April erstmal ins Stocken gekommen. 

Jetzt möchte ich natürlich das Erlebte - und da gab es einiges - hier noch nachreichen. Ich hoffe, ich kann das in den kommenden Tagen und Wochen möglich machen, denn glaubt es oder nicht, aber Leute begannen schon zu fragen, wann es denn wieder einen neuen Blog gibt. Fortsetzung folgt also. Jetzt.

Der letzte Eintrag handelte von den ersten Wochen des Frühlings in Kanada 2015. Dabei ging es hart zur Sache mit großem Gerät in Williams Lake, bevor es im Anschluss weiter ging nach Vancouver. Große Stadt also ... und ich war wirklich gespannt, wie es wohl sein wird für mich. Es lag ja schon einiges an Zeit zwischem dem damaligen Zeitpunkt und des letzten Besuchs einer großen Stadt. Aber was soll ich sagen, Vancouver war wirklich eine Bereicherung, wie es das für viele Leute sein kann.

Downtown Vancouver

Hier verbrachte ich dann circa 3 Wochen und hatte echt eine tolle Zeit und lernte Leute kennen, die die kommenden Monate maßgäblich prägen würden.
Kim und Chuck, auf deren Farm ich ein paar Monate zuvor schon gearbeitet hatte, sagten mir, dass ihre Eltern in West Vancouver leben und vor allem ihr Vater John immer ein bisschen Hilfe bei seinen täglichen Arbeiten braucht. In Anbetracht der Tatsache, dass Kim's Haar schon jede Farbe verloren hatte und beide etwas in die Jahre gekommen waren, stellte ich mir unter Kims's Eltern erstmal ein älteres Ehepaar vor und fragte mich, wie mein Job denn wohl aussehen würde. Ein paar Stunden nach Ankunft in Vancouver traf ich dann John und meine Erwartungen bestätigten sich in der Form, dass er wirklich schon recht alt ist. Recht ruhig, lichtes graues Haar und langsame Bewegungsabläufe. Und dann hebte er meinen großen Rucksack mit einer Hand hoch und legte ihn in den Kofferraum ... beurteile ein Buch also nie nach seinem Einband. Und John ist ein Arbeitstier, das ist mit Sicherheit alles, was er sein Leben lang gemacht hat - Arbeiten und Geld verdienen. Dieses hat er anscheinend gut angelegt, denn er brachte mich zu seinem Haus in West Vancouver, dem etwas nobleren Gebiet der Stadt und ich hatte mein eigenes Zimmer mit privatem Bad und Meerblick. Wie im Urlaub, nur für umsonst. Manchmal passt einfach alles, dachte ich mir.
John's ursprünglicher Beruf war Zimmermann. Er kam mit seiner Frau Eileen und den Kindern in den 1960er Jahren aus Southhampton, England nach Kanada und fuhr mit einem alten Auto quer durch's Land nach Vancouver, wo sie sich schließlich niederliessen. Er erzählte mir gern von seinem früheren Leben in England und insbesondere von der Einreise nach Kanada. Bis heute ist er nur wenige Male zurückgekehrt nach England, da er es nicht mehr aushalten kann dort. Ich verstand ihn recht gut. Die Familie hatte wirklich nicht viel und drehte jeden Cent wahrscheinlich dreimal um. Doch durch harte Arbeit erwirtschafteten sie sich einen kleinen Haufen Geld und irgendwann begann John damit, alte Häußer zu kaufen, teilweise abzureisen und neu aufzubauen, nur um sie im Anschluss wieder zu verkaufen oder zu vermieten. Und das tut er bis heute, mit über 80 Jahren Lebenserfahrung auf dem Buckel. Vielleicht nicht mehr der agilste Mann, aber er kann Denken und weiß genau, was er möchte. Meine Arbeit bei ihm war also recht vielseitig und spannend und auch noch bezahlt. Einen besseren Deal als diesen konnte ich mir kaum vorstellen. Zusage also. Und in den paar Wochen bekam ich die verschiedensten Seiten von Vancouver zu sehen und durfte bei vielen verschiedenen Häußern mit Hand anlegen und mich somit ein bisschen in Vancouver verewigen. Insofern niemand die Bude demnächst wieder platt macht.

Wenn man also diesen und den letzten Blogeintrag so ließt, kann man vielleicht denken: Der muss doch momentan einen ganzen Haufen Geld machen ... und ich konnte mich wahrhaft über meine Finanzen nicht beklagen. Es gab mir letztendlich sogar die Chance, meine Reisepläne etwas zu erweitern, ausweiten, upgraden, verbessern ... wie immer man es nennen möchte. Und diese Entscheidung und Investition bereue ich bis heute nicht.

Für wenig Geld ließ sich dieses Schmuckstück in Vancouver auftreiben und wow, ich war begeistert von meinen ersten eigenen vier Rädern. Ich wollte auf jeden Fall den Westen der USA bereisen. Wie, war meine erste Frage. Den Osten sah ich damals mit dem Bus oder durch spontane Mitfahrgelegenheiten, was alles schön und gut war. Doch ein eigener fahrbarer Untersatz, das ermöglicht natürlich komplett neue Dinge. Ich könnte wohin fahren wann und wie lange ich will. Und das tat ich dann auch!

Noch in Kanada suchte ich mir ein paar reiselustige Leute und startete einen Trip gen Süden. Die nötige Vorbereitung wurde in Vancouver noch getätigt und mit gutem Gewissen konnte alles beginnen. Eine gewisse Grundaufregung war natürlich dabei. Ich fahre das Auto seit einer Woche und starte nun einen Trip, der mehrere tausend Kilometer lang sein wird. Natürlich gehen einem die verschiedensten Fragen durch den Kopf, insbesondere was wohl wäre, wenn die Karre nun doch den Geist aufgibt und du irgdendwo in der Pampa stehst und nach Kanada zurück musst.

Deshalb ließ ich bestmöglich alle Reparaturen in Kanada durchführen, was leider etwas teurer war als in den USA, aber mir ein besseres Gefühl gab vor Abreise. Mit einer Mitreisenden im Schlepptau ging es dann an einem warmen Maimorgen los Richtung Washington State, USA. Da Vancouver nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt liegt, sahen wir uns recht schnell mit der Einreise in die USA konfrontiert, diesmal nicht mit Bus oder Flugzeug, sondern mit eigenem Auto. Man selbst wurde natürlich mit Fragen gelöchert und das eigene Auto durchsucht. Dabei fiel mir auf, dass ich selbst das Auto noch nie komplett selbst durchsucht hatte. Was die wohl finden könnten Aber alles ging gut und ich hatte wieder etwas gelernt und sechs Dollar später fuhren wir Richtung Bellingham, Washington. Ich fahre tatsächlich in den USA mit meinem eigenen Auto, war mein erster Gedanke und ich bekomme das Gefühl jetzt noch, wenn ich wieder daran denke. Das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und billigem Benzin um einen herum. In Bellingham ging es dann erst einmal einkaufen und neben Sprit sind hier auch Lebensmittel und Co. billiger als in Kanada. Wen wundert es also, dass viele Kanadier an den Wochenenden und freien Tagen mal einen Abstecher in die Staaten machen, um Shoppen zu gehen. Wir deckten und also erstmal einmal mit dem Nötigsten ein und fuhren weiter Richtung Seattle. Washington wird "The Evergreen State" genannt und grün ist es wirklich überall. Nach dem Einreisen war wirklich für viele Meilen nichts anderes zu sehen außer grünen Wäldern und riesigen Feldern, bis irgendwann mal eine kleine Stadt auftauchte ,Noch am Abend erreichten wir die Großstadt Seattle und fühlten uns direkt an Vancouver erinnert. Die riesigen Highwaysysteme, wenigen Hochhäußer, das viele Grün, Meer und Berg um einen herum. Und Leute vergleichen in der Tat die beiden Städte des Öfteren, wobei mir Vancouver doch etwas mehr gefällt.
Die erste Nacht lag bevor und natürlichen hatten wir kein Hotel, Hostel oder ähnliches gebucht. Aber wir fuhren ja einen Minivan mit unglaublich viel Platz. Und so schmissen wir all unser Zeug auf die vorderen beiden Sitze und hatten kurz darauf ein nettes Quartier im Auto eingerichtet. Geschlafen wurde übrigens auf einem Walmart Parkplatz, so wie es viele Reisende und auch Einheimische tun. 24 Stunden am Tag geöffnet, mit einem öffentlich zugänglichen Bad und WiFi, also wozu braucht man bitte Hotels. Walmart machts möglich. Nicht alle jedoch.

Am nächsten Morgen ging es zeitig los, um die nächste Mitreisende in der Stadt einzusammeln. Gesagt, getan. Kurz darauf waren wir schon auf dem Highway 5 Richtung Süden mit dem Ziel Portland, Oregon. Die Stadt liegt ungefähr 3 Stunden entfernt und ist die größte im Bundesstaat. Relativ unspektakulär, für Musikbegeistere jedoch charmant. Nach einigen Stunden wollten wir wir dann allerdings Meer sehen und fuhren weiter an die Küste. Am frühen Abend waren wir schon dort und ich habe vorher von einigen Leuten gehört, dass die Küste in Oregon fantastisch sei.

Oregon Coast

Und das ist sie. Strände, Klippen, Berge, Sturm und Sonne, hohe Wellen, Tiere zu Wasser und zu Lande und das allerbeste: kaum Menschen. Man hatte also seine Ruhe und konnte alles in vollen Zügen geniessen. Nach einigen Tagen in dieser Gegend entlang des berühmten Highway 101 fuhren wir in den Staat Kalifornien.

Welcome to California

Beeindruckende Landschaften in den ersten paar Stunden dieser Reise machten wirklich Lust auf das Bevorstehende. Das Gefühl im eigenen Auto zu sitzen und durch dieses riesige Land zu fahren, ist fabelhaft. Man war eigentlich nur am grinsen und hörte Musik und genoss die Aussicht. Es war sehr einfach, in diesen ersten Tagen über 1000 Kilometer zurückzulegen. Und das Auto funktionierte gut, so erschien es mir. Doch schon bald sollte ich ein ernsthaftes Problem festellen.

Dazu beim nächsten Mal mehr, seid gespannt

 

 

P.S.: Es fühlt sich gut an, wieder hier zu schreiben und das Erlebte nochmals zu erleben. Ich freue mich schon auf mehr!

Back in the City

Dienstag, 28.04.2015

Hier ein kleiner Flashback und aktuelle Ereignisse ...

Nachdem ich im September 2014 in Ontario ankam, begab ich mich erst einmal ausgiebig auf Reisen durch die größten Städte im östlichen Teil Nordamerikas. Ab Oktober folgte dann meine erste WWOOF-Erfahrung, wer zu diesem Begriff nochmals Erläuterung benötigt, findet hier den passenden Link. Drei weitere Farmen, Ranchen oder farmähnliche Aufenthalte folgten dieser ersten Station in Alberta noch. So erlebte ich einen kanadischen Winter im Yukon, hatte erste Frühlingsgefühle auf Haida Gwaii und zuletzt eine tolle Zeit im Chilcotin in British Columbia. Im Anschluss sollte eigentlich noch eine weitere Farm im Okanagan Valley im südlichen Teil dieser Provinz folgen, ich war auch nur eine Woche entfernt von diesem Erlebnis, bis ich zum ersten Mal seit Beginn meiner Reise einen Plan krass änderte.

Als "Plan" kann man das eigentlich kaum bezeichnen, da ich diese in der Regel sehr lobenswerte deutsche Eigenschaft, für jede Sache einen ausgetüftelten Plan zu haben, schon nach einiger Zeit in Kanada abgelegt hatte. Und sich in Spontanität zu üben ist auch wirklich nicht übel, macht sogar des Öfteren Spaß Und dem Kanadier - und vor allem Kanadierinnen - gefällt ein etwas entspannterer und spontaner Alltag ebenfalls. So entscheide ich auch immer recht spontan, wohin es als nächstes gehen soll, meist einige Wochen im Voraus, damit dann doch ein paar Rahmenbedingungen geschaffen werden können.
So geschehen auch mit der Farm im Okanagan. Ich wusste schon, als ich Kim und Chuck verließ, dass es nur noch eine weitere neue Farm geben wird. Nicht, weil es mir nicht mehr gefällt, doch fünf Farmen sind meiner Ansicht nach genug und ich habe wirklich eine Menge gelernt und viele interessante Personen getroffen. Ich lasse mir nun lieber all das Erlebte nochmals durch den Kopf gehen und sehe einige neu gewonnene Bekanntschaften vielleicht erneut. Des Weiteren stehen für den Sommer für mich sehr große Abenteuer bevor. Dazu später mehr

Lange Rede, kurzer Sinn - um auf den Punkt zu kommen ... Zur fünften Farm kam es dann nicht mehr, ich änderte den Plan und sagte den Gastgebern (leider) eine Woche vorher ab ... Nicht die feine Art und es hat mich selbst auch etwas gestört, denn die Leute planen ja auch und haben mit Sicherheit einigen anderen für mich abgesagt. So ist nun aber mal das Leben als Backpacker und ich war sehr froh, dass die Leute der Double M Ranch im Okanagan das nachvollziehen konnte. Ich hoffe, dass Ersatz gefunden werden konnte und alles läuft, wie geplant.

Was beeinflusste aber diese Entscheidung? Besser gesagt, wer ...
Als ich zusammen mit Chuck im Wald Bäume fällen war, war auch sein Chef Martin anwesend. Ein krasser Akzent in seinem Englisch ließ erraten, dass auch er nicht gebürtig aus Kanada kommt. Wir arbeiteten einige Male zusammen und wir kamen gleich super miteinander klar. Er kam vor etwas mehr als 30 Jahren nach Kanada, wuchs aber in Brixen auf. Nach einigen Tagen fragte er mich nach meinen Reiseplänen und ob ich Zeit und Lust hätte für ihn zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon mit Gedanken halb im Okanagan. Er wohnt mit seiner Frau und beiden Kindern in Williams Lake und brauch einige Hilfe mit der Arbeit am Haus und seinen Maschinen, meinte er. Nun ja, das tun viele. Ich könnte in einem Zimmer mit eigenem Badezimmer im Haus wohnen und bekomme drei Mahlzeiten am Tag. Joa, nicht schlecht. Er würde mich auch bezahlen und ich bekäme ein Auto für die vorerst geplanten zehn Tage Aufenthalt ... Wo unterschreib ich?

So hieß es dann bald Abschied nehmen von Kim und Chuck und ich kam zurück nach Williams Lake und bezog mein eigenes Zimmer in einem echt schicken Haus. Spätestens da war mir klar, dass man mit Holz anscheinend viel Geld verdienen kann

Warum sagte ich nun aber der Farm im Okanagan ab?

Nach einigen Tagen war mir klar, dass ich sehr gerne noch etwas länger an diesem Ort bleiben möchte. Es stimmte einfach alles. Die Arbeit machte mit dem lustigen Mann aus Südtirol  wahnsinnig Spaß, das Geld kann ich gut gebrauchen und die Rahmenbedingungen waren im Grunde nicht zu überbieten.

So wurden aus eigentlich angedachten zwei Wochen vier. Und die Arbeit war täglich verschieden und herausfordernd auf's Neue. Am Abend konnte ich dann mit dem Auto ausgiebig die Gegend erkunden. Und Sonntag war dann auch noch Zahltag.

Durch Martin bekam ich des Weiteren die Chance, mit ein paar ziemlich großen Maschinen zu arbeiten, sei es Fahren oder Reparieren. Und wow, die Teile sind verdammt riesig und teuer. Einige Schraubenschlüssel sind so groß wie mein Bein und fühlen sich annähernd so schwer an. Demnach war auch das tägliche Work-Out gesichert, wenn man mal eine Schraube wechseln musste Alles ist eben ein bisschen größer in Kanada.


Martin erzählte mir auch allerhand Stories über das Logging im kanadischen Busch, also das Leben als Holzfäller. Es ist hart, zahlt sich aber aus. Ob man nun 12 Stunden Holz zurechtschneidet und das bei teilweise unmenschlichen Temperaturen, im Sommer vor Hitze langsam aber sicher im Führerhaus gegart wird oder bei jeglichen Reparaturen der Arbeitsmaschinen am verzweifeln ist ... Der Scheck am Ende des Monats sollte diese Dinge nebensächlich erscheinen lassen - tat er bei mir zumindest.
Am meisten fasziniert hat mich bei der Arbeit mit Martin aber der Hang zum Improvisieren, sobald notwendig.

Um diesen Ring von einem Zylinder zu schrauben, ist eigentlich nur ein recht großer Schlüssel notwendig. Einen, den wir leider nicht zur Verfügung hatten. Selbst wenn, das Teil war sowas von fest verkeilt, da ging mit einem normalen Werkzeug gar nichts. Also bauten wir uns selbst eins ... schweißten es mindestens 10 Mal wieder an das Metall und bewegten uns Zentimeter um Zentimeter voran. Nur zur Vedeutlichung: der selbstgebaute Schlüssel hatte ein langes Rohr, auf dem Martin und ich zusammen standen und auf und nieder sprangen. Dennoch bewegte sich das Drecksteil kaum. Get big, or get lost.

Apropos Größe ... Beim Baumfällen kommst du mit keiner Kettensäge recht weit und schnell voran.

Dieses Baby ist da relativ kompromisslos und schneidet alles, was in den Weg kommt. Bäume fallen, wie Streichhölzer! Das Blatt dreht sich dabei so schnell und kräftig, dass man es gar nicht hört. sobald der Baum getroffen und zersägt wird. Da möchte ich nicht reinfassen ...

Hab ich dann aber Allerdings nur, um die Proportionen zu zeigen.
Die Arbeit war aber wie gesagt sehr vielfältig. Als ich ankam, fuhr Martin gerade in einem großen Radlader vor. Dieses Teil soll verkauft werden, vorher durfte ich ihm allerdings noch einen neuen Anstrich verpassen. Hier das Ergebnis:

Also ich bin ziemlich zufrieden. Kaum zu glauben, dass diese Maschine 44 (!) Jahre alt ist. Sie fährt noch immer wie in ihren ersten Jahren und bekam noch neue Reifen, Bremsen und Hydraulik eingebaut. Falls jemand Interesse hat, die Caterpillar 950 steht noch zum Verkauf, 18.500$, Abholung vor Ort versteht sich

Wie schon gesagt, ich versprach Martin zu Beginn, dass ich wahrscheinlich 10 Tage, maximal aber zwei Wochen für ihn arbeiten könnte. Die Entscheidung länger zu bleiben fiel dann recht schnell und eindeutig. Ich genoss diesen Luxus einfach, der mir geboten wurde und mir ist des Weiteren bewusst geworden, wie alltäglich einem manche Dinge wie freies Internet, ein voller Kühlschrank oder unbegrenzt warmes Wasser und Strom vorkommen mögen, wenn man die andere Seite nie erlebt hat. Ich habe sie die letzten Monate jedoch vollends durchleben dürfen und dementsprechend befremdlich kam mir der ein oder andere Luxus jetzt auch vor, als ich ihn wieder vollends auskosten durfte ... Und ehrlich gesagt fehlte mir von Zeit zu Zeit auch dieses isolierte Leben in abgelegeneren Gebieten. Ich lernte da, Dinge wie Wasser aus der Leitung, Strom aus der Steckdose, einen Fernseher oder Supermärkte ein paar Straßen weiter viel mehr zu schätzen. Jetzt, zurück in der Stadt, sehe und beobachte ich Leute mit ganz anderen Augen, erlebe allerhand Verschwendung von Zeit und Ressourcen und spüre, welche sinnlosen Dinge manche Mitmenschen als "ernsthafte Probleme" beschreiben. In diesen Momenten würde ich diese Leute gern auch mal in den Busch schicken, damit sie lernen können, wenn ein Problem wirklich ein ernstzunehmendes Problem darstellt.

Also wie gesagt, dieses Erlebte jetzt in der Stadt hat mir sicher gezeigt, dass ich mein Leben in Zukunft nicht inmitten einer Großstadt führen möchte. Ich würde schlichtweg verrückt werden.

Die Freizeit gestaltete sich aufgrund der beiden jüngeren Kinder auch ganz angenehm. Oft ging es Radfahren entlang des Fraser River oder einfach nur Entspannen mit Freunden bei einem Feuer, Bier und Hotdogs ...

Am besten war jedoch das Fourwheeling, also Quad fahren in den Wäldern von und um Williams Lake.

Diese starken Mobile kommen jede noch so steile Steigung hoch und ich würde es definitv als das Highlight bezeichnen, das es bei Martin gab.

Ich bin des Weiteren wirklich erstaunt, was wir gemeinsam in vier Wochen fertig gebracht haben. Viel Zeit ging wie gesagt für das Reparieren und Warten von den Maschinen drauf. Allerdings konnten wir so viele Sachen um und am Haus vervollständingen.

Zum Beispiel Zaun bauen ...

... wobei wir nicht typisch deutsch gleich lange Holzlatten annagelten, sondern einfach wahllos Bretter jeglicher Länge, die danach mit der Kettensäge auf gleiche Größe abgesägt wurden. 
Dafür musste ich vorher aber noch das nötige Bauholz von Kim und Chuck holen.
Wie immer bei Martin hätten mir dazu zwei Trucks zur Auswahl gestanden. Und für eine derartige Ladung hätte ich gern dieses Baby genommen ...

Ford F350

Dass Ford gute Autos baut, ist bekannt. Doch dieses Schmuckstück ist einfach klasse ... war jedoch an diesem Tag zur Reparatur und deshalb musste ich die kleinere Version nehmen, die mit dem circa eine Tonne schweren Anhänger und der Ladung von etwas mehr als einer Tonne etwas überfordert war

Ich war auch froh, dass die Cops mich nicht angehalten haben, denn diese Aktion war schon etwas zu hart für den kleinen Pick-Up ... die Berge hoch ging es gerade so, auch wenn die Automatikschaltung kräftig hoch und runter geschalten hat vor Belastung. Den Berg runter war es dann schon etwas heikler und schon bald roch man die Bremsen, die Last drückte einen die 10% starken Gefälle hinunter und ich war froh, als ich die 400 Kilometer hinter mir hatte und unbeschadet bei Martin vorfahren konnte. Der Truck war es sicherlich auch.

Auch am Haus selbst hat sich in diesem Monat allerhand getan. Es gab neue Fensterrahmen, eine Steinverkleidung am Haus ...

Fenster und Steinmauer

... eine Betonmauer um den Eingangsbereich, die innen noch bepflanzt wird und eine Betonfläche als Veranda. Wo andere Menschen Fliessen legen, haben wir Beton gegossen, eben gemacht und Formen hineingeschnitten, danach noch etwas Lack drauf und das hält nun für immer. Kreativität, die mir sicherlich im Gedächtnis bleiben wird!

Auch das Dach erneuterten wir noch, wobei die Höhe weniger ein Problem für mich darstellte. Jedoch baute Martin sein Dach damals etwas steiler, als alle anderen. Dementsprechend unangenehm war es auch, darauf zu laufen, oder besser gesagt daran zu hängen und das neue Zeug anzubringen, in der einen Hand dabei die Dachschindeln, in der anderen die Nagelpistole. Lediglich ein Holzbrett unter mir gab mir Halt ... aber wir haben's überlebt

Auch tierisch ging es wieder zu. Martin selbst hatte keine Hunde mehr, der Nachbar aber. Und was für welche ... Einer kam fast täglich einmal vorbei und schaute, was wir machen.

Darüberhinaus sah man immer mal wieder ein paar Rehe oder Hirsche, wie sie die Zederbäume direkt vor dem Haus abkauten. Trotz Stadt befand man sich dennoch recht weit in der Wildnis. Und ein paar Begegnungen mit den wilden Tieren oder Nachbar's Hunden gestaltete den Arbeitsalltag recht angenehm.

Insgesamt muss ich Martin wirklich für diese lange Zeit danken, die er mich bei sich aufgenommen hat, wo ich Teil der Familie wurde und meiner Meinung nach einfach alles passte. Ich lernte wieder einmal eine ganze Menge, täglich auf's Neue und habe Einblicke in Sachen erhalten, die mir vorher noch etwas unbekannt waren oder wo ich gern noch mehr darüber erfahren wollte. Auch wenn es manchmal ein waschechter Drecksjob war ...

Das passierte, als ich die Maschinen von allem möglichen Dreck und Öl befreien durfte, weil sie bald wieder in den Bush fahren für den Sommer. Da hier im Cariboo und Chilcotin die Sommer sehr heiß und trocken sind, sind Waldbrände keine Seltenheit. Aber auch Maschinen, die sowieso schon heiß laufen in der Hitze, fangen dann leicht Feuer, insbesondere der Dreck auf ihnen. Von daher kann man diesen Job nicht nur als nebensächliches Reinigen von Arbeitsgeräten verstehen, sondern als sinnvolle Maßnahme, um Martin's Maschinen am Laufen zu halten. Auch wenn man danach selbst drei Mal duschen muss

Nun geht es also für mich wieder weiter und ich bin schon sehr gespannt auf Vancouver. Jetzt im Frühling sollte es wirklich sehr schön sein und ich freue mich schon auf ein paar bekannte Gesichter!

Ich bin des Weiteren sehr interessiert, wie es mir in der Stadt gefallen wird und wie lange ich das Großstadtleben aushalten werde

Blick von meinem Zimmer in Williams Lake

 Momentan weiß ich schon, wie es nach Vancouver weiter geht.
Viel sag ich dazu noch nicht, aber es kommt etwas Großes auf uns zu

 

 

Flussgeschichten

Dienstag, 24.03.2015

Und wieder einmal sind einige Wochen ins Land gegangen und ich habe wieder vieles zu erzählen. Doch zuvor ist mir bei einem Blick auf den Kalender aufgefallen, dass ich mittlerweile über 200 Tage unterwegs bin, also länger als ein halbes Jahr! Ihr seid überrascht, dass es schon so lange sein soll? Mir kommt es auch unglaublich vor ... Halbzeit also.

Zwischenfazit?

Die Zeit vergeht so unfassbar schnell, doch rückblickend bin ich wirklich erfreut und auch irgendwie stolz auf das, was ich bisher erleben durfte. Man spürt persönliche Entwicklung jeden Tag auf`s Neue, sei es mit der Sprache, praktischen Fähigkeiten oder einfach mit der gesamten Erfahrung an sich. Reisen kann in der Tat die beste Ausbildung sein, die man bekommen kann. Ich geniesse noch immer jeden Moment und freue mich auf die noch bevorstehenden Monate!

Daumen hoch!

Des Weiteren bin ich selbst beeindruckt, wenn ich einen Blick auf die Landkarte werfe und mir anschaue, wie meine Reiseroute bisher verlief (ein Bild mit kompletter eingezeichneter Route folgt am Ende des Trips). Nachdem ich vor etwas mehr als sechs Monaten also den grossen Teich überquerte, verschlug es mich von Toronto aus bis in die Neuenglandstaaten der USA und von dort durch elf Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika entlang der Atlantikküste. Von New York City aus ging es dann nach Calgary in der kanadischen Provinz Alberta, in welcher ich mich zwei Monate aufhielt und mich durch Edmonton, Jasper und Lacombe schlug. Danach folgte eine lange Reise in den hohen Norden, durch Whitehorse bis auf die Pelly River Ranch im Yukon, wo ich den Winter, Weihnachten und Neujahr verbrachte. Vom tiefen Schnee ging es dann wieder Richtung Süden auf eine Insel zwischen Alaska und dem nördlichen British Columbia. Nach diesem Abenteuer ging es zurück auf das Festland und weiter gen Süden, wo mittlerweile die Jahreszeit Frühling in vollem Gange ist. Alles in allem legte ich somit zu Lande, zu Wasser und in der Luft bisher mehr als 20.000 Kilometer zurück! Viele sollen noch folgen 

Den Monat März ...

... verbrachte ich (wieder einmal) weit entfernt von jeglicher Zivilisation in der wunderschönen Cariboo-Chilcotin Region in BC. Die Fähre von Haida Gwaii fuhr planmässig und der Bus brachte mich von Prince Rupert zurück nach Prince George, die Hauptstadt von Northern BC. Die Busfahrt bis hier hin war wettertechnisch perfekt.

Smithers, BC

Nach einem kleinen Aufenthalt dort ging es den Highway 97 entlang nach Süden bis in die Stadt Williams Lake, wo ich 2 Uhr morgens ankam. Nicht die beste Zeit für meine Gastfamilie, um mich aufzusammeln. Doch da merkte ich schon, welches Glück ich wieder hatte mit den Leuten, denn sie buchten mich in ein nettes Hotel, von welchem aus ich einen grandiosen Blick über Williams Lake hatte. Am Morgen wurde ich dann abgeholt und kurz durch Williams Lake kutschiert. EIne typische Logging-City, also Holzfäller und Baumstämme überall!

Ja, das ganze braune Gewimmel im Hintergrund sind riesige Häufen von Baumstämmen. Da kann man nur mit offenem Mund vorbeifahren ...

Anschliessend fuhren wir circa zwei Stunden entlang Highway 20 und bogen zwischen Alexis Creek und Redstone auf eine unbefestigte Strasse ab und ein paar Minuten später waren wir auf der Farm, die nun für die kommenden Wochen mein Zuhause sein sollte. Meine Gastgeber hiessen Kim und Chuck.

Beide sind leider nicht mehr die Jüngsten und freuen sich demnach über etwas Gesellschaft und Hilfe bei den täglichen Aufgaben. Chuck war, ist und wird wohl immer hart arbeiten, 60 hin oder her. Die vergangenen Monate verbrachte er im Wald als Logger, also Bäume fällen und verladen. Und das fuer sein Alter, Respekt. Neben seiner technischen Fachkenntnis vermisse ich aber am meisten seinen typisch kanadischen Humor, den man 24/7 zu spüren bekommt! Kim hat britische Wurzeln, demnach auch den Akzent, welcher mich sehr an Bill erinnerte und mir sehr viel Freude bereitete Sie lässt einen keinen Handgriff im Haushalt rühren - was nicht böse gemeint ist und darüberhinaus von mir auch mal sehr genossen wurde Im Gegenzug verhungert man in diesem Haus aber sicherlich nicht und ich würde Kim als die gute Fee dieser Farm bezeichnen.

Auch mein kleines Häuschen war wieder perfekt!

Direkt am Chilcotin River befindet sich die Farm und auch meine kleine Cabin. Als ich ankam, war der Fluss noch grösstenteils gefroren und Schnee lag überall. Als ich nach einigen Wochen ging, war der Fluss nahezu komplett offen und kein Schnee mehr zu sehen. Es gab nichts angenehmeres und entspannenderes, als jeden Abend ins Bett zu gehen, nebenbei im Kamin ein Feuer prasseln zu haben und durch's leicht geöffnete Fenster den Fluss rauschen zu hören, jeden Tag etwas lauter. Allerdings hatte ich einiges zutun mit Mäusen, alles in allem habe ich in den paar Wochen über ein Dutzend Mäuse gefangen. ich war jeden Morgen etwas stolz, als ich wieder eine gefangen hatte mit einer selbstgebauten Falle Ach ja, ab und zu schauten auch die anderen Nachbarn mal vorbei ...

Moose

Obwohl ich sie schon vorher in Kanadas Wildnis bestaunen durfte, versetzte es mir einen kleinen Schreck, als ich am ersten Tag einmal um die Farm herum lief und dabei im Unterholz neben mir etwas aufschrecken hörte - etwas verdammt grosses! Wahrscheinlich waren beide Seiten in diesem Moment etwas unvorbereitet und erschrocken. Auf diesem Weg lernten wir uns kennen und von da an schauten sie eigentlich täglich direkt bei meinem Haus vorbei, wie ich in den folgenden Tagen anhand der Spuren im Schnee feststellen konnte.

Moose tracks

Leider war in den richtigen Momenten nie die Kamera griffbereit oder einer von uns war zu langsam und der andere zu schnell, sodass gute Bilder, etwa ein Elch-Selfie, fehlen. Aber manchmal muss man nur einen Elch am Morgen vor dem Fenster vorbeilaufen sehen, damit einem klar wird, wie klein man doch eigentlich auf dieser Welt ist ... und das man einem solchen Riesen lieber nicht für ein womöglich letztes Foto hinterher rennt.

Aber neben Elchen war auch der Rest der Umgebung von Wildlife geprägt und neben Rehen, Hirschen und Flussottern konnte man eine grosse Anzahl an Vögeln beobachten, in jeglicher Form, Farbe und Grösse. Die Farm an sich konzentriert sich auf Schafe, die es jeden Tag zu versorgen gilt.

Dieses etwas zu weisse Schaf in der unteren rechten Bildecke ist Taylor, der Hund, der für die Schafe in der Regel verantwortlich ist.

Taylor

Wieder einmal ist es Instinkt und etwas Training, welches diesen Hund überaus nützlich machen, da es in der Umgebung genügend Fressfeinde gibt, beispielsweise Pumas, Kojoten, Wölfe und Bären. Ich durfte während meiner Zeit feststellen, dass Taylor neben diesen Fähigkeiten zum Beschützen der Schafe auch überaus faul sein kann ... Sobald man sie am Bauch kratzt, vergisst sie alles um sich herum, vor allem die Schafe, und konzentriert sich nur auf ihre Massage . Hoffentlich finden die anderen Tiere diesen Trick nicht heraus. Normalerweise ist Taylor aber immer zur Stelle, sobald sich in der Umgebung etwas tut und vertreibt die Fressfeinde auch recht schnell. Die Farmer können sich glücklich schätzen, solche Helfer wie Hunde zu haben.

An meinem ersten Tag wurde es gleich richtig interessant. Ende April bringen die Schafe Lämmer zur Welt, in den Monaten davor müssen einige Vorbereitung getroffen werden. Zum einen musste ich den Schafen jeden Morgen einen Eimer voll Getreide mit einem speziellen Pulver zum Knochenaufbau der Neugeborenen geben - was sich bei 16 Schafen, die alle scharf auf diesen speziellen Eimer sind, alles andere als einfach gestaltet hat ... das sagte mir aber naürlich vor meiner ersten Eimer-Tour niemand  Nachdem die fluffigen Biester mich also am zweiten Tag fast umgerannt haben, musste ich sie in den Folgetagen immer schnell genug aussperren und über den Zaun springen, um mit etwas Ungestörtheit den Eimer in die Futterrinne zu schütten. Des Weiteren standen an diesem Tag auch Impfungen an, die der neue Gast natürlich verabreichen durfte. Dazu musste ich die Schafe alle in die Scheune drängen und dann eins nach dem anderen auswählen - dabei nicht den Überblick verlieren - und jedem eine Spritze in den Hintern jagen. Nebenbei bekamen sie noch einen Schluck reinen Knoblauchsaft, der gegen jegliche Parasiten hilft. Nur war es wieder eine kleine Herausforderung, diese Flasche mit angenehm riechendem Knoblauchsaft einem Schaf in den Mund zu drücken. Dementsprechend stank ich auch nach der Aktion. Da haben die Schafe wohl etwas zu Lachen gehabt.

An einem Tag wurde es richtig interessant, als Schafscherer Dave zu Besuch kam und die 16 Schafe (Art Hampshire-Dorper) ihre Wolle weg bekamen. Nun war ich an der Reihe mit Lachen

Er schafft ein Schaf in weniger als drei Minuten, dabei sieht es mehr aus, als wenn er eine Frucht schält, so schnell geht das. Es war eine ganze Menge Spass, ihm dabei zuzuschauen und vor allem ein auf dem Hintern sitzendes Schaf zu sehen, welches es allem Anschein nach mehr als geniesst Die nackten Schafe waren im Nachhinein recht dürr, -15 Grad Celsius machen ihnen aber dennoch nichts aus.

Neben Schafen betreiben Kim und Chuck auch eine eigene Sawmill, also eine grosse Säge zum Zersägen von Baumstämmen, um im Nachhinein Bauholz herzustellen.

Sawmill

Eine interessante Sache und definitiv hilfreich in dieser Umgebung, denn mittels dieser Sawmill konnte Chuck alle seine Häusser und Hütten bauen und darüberhinaus dieses Holz auch verkaufen.

Die Baumstämme bekommt er aus den umliegenden Wäldern, also von seiner Arbeitsstelle sozusagen, wo er in seinem LKW immer mal ein paar Ladungen holt und mich dazu auch gern mitnimmt.

Die dazu verwendeten Maschinen sind wirklich riesig! Aber man muss auch erhebliche Lasten bewegen und da kann ein solch verlängerter Arm hilfreich sein. DIe Fahrt im LKW auf den unbefestigten Strassen ist jedoch eine kurzzeitige Bereicherung, denn nach mehrmaligen Fahrten ist man auf dem besten Wege zum Bandscheibenvorfall. Chuck meint, dass seine Radaufhängung die härteste, aber auch stabilste ist, die man bekommen kann. Wohl bekommt's ...

Was konnte ich sonst noch alles erleben am Chilcotin River?

Chuck versuchte mich die Arbeiten machen zu lassen, die in seinem Geschäft notwendig sind, damit ich einen bestmöglichen Ueberblick erhalte von dem, was in Central BC so abgeht. So durfte ich beispielsweise Stämme entrinden ...

vorher

nachher

... was mit dem richtigen Werkzeug allerhand Spass macht. Danach entfernte ich noch mit einer Kettensäge die Äste und -fortsätze, damit man es beim Zersägten leichter hat. Darüberhinaus durfte ich eine ganze Menge Feuerholz sägen und splitten, was ein recht gutes Ausdauertraining darstellte  ...

... oder an dem grossen Projekt des Hausbaus mithelfen, in welches Kim und Chuck vielleicht bald im Sommer einziehen wollen oder es zumindest an Treeplanter und andere Interessenten vermieten ...

Im Bild sieht man, dass wir gerade an der Dämmung der Unterseite des Hauses arbeiten. Dazu durften wir mehrere grossr Holzrahmen bauen - natürlich vorher noch Bretter aus den zuvor besorgten Baumstämmen zurechtsägen. Das ganze wurde dann mit Plastikfolie innen verkleidet und mit Dämmmatte gefüllt, dann noch mit Dachpappe aussen versiegelt und mit mehr Brettern geschmückt. Ein recht vielseitiger Job und mit Sicherheit eine Freude, bei dieser Arbeit mitgewirkt zu haben.

Manchmal durfte ich auch (ganz im alten Yukon-Style) einen Trail errichten im Bush ...

Dieser Pfad wird ein sogenannter Bird-Watching-Trail, welcher in dieser Umgebung auch wirklich angebracht ist, denn die Vielzahl an Vögeln ist überwältigend! Adler, Raben, Habicht, Falken, Blujays, Redwing-Blackbirds, Kolibries ... unendlich viele! Es war eine Freude den Start für diesen Trail geebnet zu haben! Die Elche fanden es anscheinend auch ganz hilfreich, denn schon einen Tag später sah ich sie den Pfad entlangwandern.

Alles in allem war die Zeit bei Kim und Chuck aber eine Art Urlaub für mich, denn wirklich harte Arbeit gab es selten. Auch mal angenehm, nachdem es auf Haida Gwaii und im Yukon schon etwas härter zur Sache ging Ich genoss die freie Zeit ausgiebig, bekam die Chance viele Bücher zu lesen (kleiner Lesetipp: David Baldacchi - "The Innocent" ... atemberaubend spannendes Buch!), konnte Hund Taylor allerhand Streicheleinheiten verabreichen, beobachte die Riverotter (manchmal sechs auf einmal) beim Spielen am Fluss und freute mich über jeden Trip in der Region. So machte es am meisten Spass den Highway 20 mit netter Begleitperson nach Westen Richtung Bella Coola zu fahren ...

Highway 20

... und im Chilcotin die Dirt Roads zu kleinen und grossen hellblauen Seen und Flüssen entlang zu rauschen ...

Taseko River

... wobei die Seen durch den Wind eher aussahen wie ein Meer und die Wellen eine Art Sandstrand formten am Ufer.

Chilko Lake

Immer umgeben ist man dabei von riesigen Bergen mit weissen Gipfeln, die mit dem blauen Himmel ein atemberaubend schönes Bild liefern! Über sechs Stunden fuhren wir jeweils an mehreren Tagen durch den mittleren Teil von Britisch-Kolumbien, wobei mir spätestens beim Durchfahren des Nemaiah Valleys klar wurde, warum auf den KFZ-Schildern BC's "Beautiful British Columbia" als Aufschrift angebracht ist.

Diese Roadtrips waren einfach toll! Insgesamt gesehen hatte ich in fast einem Monat im Chilcotin nur um die drei regnerischen und bewölkten Tage, der Rest war purer Sonnenschein und blauer Himmel. So etwas hat man auch nicht immer, machte das ganze Erlebnis aber noch besser, als es so schon war!

Das soll nun vorerst der kleine Rückblick auf den Monat März gewesen sein. Vielleicht etwas kurz und nicht so informationsgeladen wie zuvor immer, aber wie gesagt - es war ein ruhiger Monat für mich, dennoch geschmückt mit vielen schönen Erlebnissen und Bekanntschaften mit tollen Leuten! Und einer ganz typisch kanadische Erfahrung, wie man sie sich wohl vorstellt - Wald, schweres Gerät und grandiose Landschaften um sich herum.

Ich bin sehr gespannt, wie die kommende Zeit ausschaut. Die Aufregung und Vorfreude sind auch nach beinahe sieben Monaten jedes Mal noch unfassbar groß. Mittlerweile bin ich derjenige, der Jobangebote erhält und habe mittlerweile die Wahl, wohin ich gehe, um etwas Geld zu verdienen. Eines kann ich euch allerdings schon verraten: Bald geht es zur Abwechslung mal in die große Stadt Mal schauen, wie derartige Zivilisation auf mich wirken wird Momentan bevorzuge ich noch derartige Ausblicke ...

Etwas Großstadtfeeling und Socializing wird aber sicherlich auch gut tun! Zumal schon einige bekannte Gesichter in Vancouver auf einen warten. Ich freue mich schon drauf!

Bis bald und passt auf euch auf! 

“A good traveler has no fixed plans
and is not intent on arriving.”

- Lao Tzu -

 

 

Wie aus einer anderen Welt

Donnerstag, 26.02.2015

Das war's dann wohl erst einmal im Yukon ... oder?

Nach einer langen und aufregenden Zeit im Yukon ging es Ende Januar weiter Richtung Süden. Zumindest war das am Tag der letzten Blogveröffentlichung der Plan. 18 Uhr sollte der Bus abfahren. Unser Gepäack war schon verladen und wir warteten auf's Boarding, als der Schneesturm und Blizzard, welche schon den ganzen Tag in Teslin und Watson Lake wüteten, Whitehorse erreichten und Greyhound Canada uns mitteilte, dass der Bus nicht fahren würde, da nun die gesamte Route zu riskant wäre. Zum Glück war Sue noch immer bei uns und wir hatten die Möglichkeit, die kommenden Tage und Nächte bei jemanden unterzukommen - andere im Busdepot hatten da anscheinend weniger Erfolg und machten ihrem Unmut Luft ... schnell weg. Allerdings hatten wir danach nichts weiter zu tun, zumindest nichts Sinnvolles. Nun ja, zwei Tage später konnte ich dann sagen, dass ich mittlerweile viele Bars und versteckte Ecken von Whitehorse kenne  

Nachdem der Bus nicht fuhr, gönnten wir uns ein grandioses Dinner im Gold Rush Inn (Canadian Pizza, vier verschiedene Sorten Chicken Wings, Eis und natuerlich Yukon Beer). Am Tag darauf fanden wir uns im Dirty Northern wieder. Und um alles abzurunden, schauten wir den Film American Sniper (welcher richtig gut inszeniert ist, leider noch nicht in Deutschland) im Kino und statteten Boston Pizza noch einen ausgiebigen Besuch ab. Absolutes Hightlight: ein Doughcano nach Variante Boston Pizza. Eine große Kugel Pizzateig, gefüllt mit purer Schokolade und viel Sahne. Gelungener Zeitvertreib also!

Doughcano Boston Pizza

Am Freitag, unserem eigentlichen Ankunftstag in Prince Rupert, konnten wir gegen 18 Uhr endlich von Whitehorse aus nach Sueden starten. Glaubt mir, nach so einer langen Zeit fiel es einem wirklich schwer, die Stadt, die Farm und die Familie hinter sich zu lassen und neue Wege zu gehen. Aber die Zeit ist limitiert und es war ganz sicher kein entgueltiges Auf Wiedersehen.
Es ging den selben Weg, den ich schon Mitte November Richtung Norden gesehen habe, zurueck. Zwei volle Tage im Bus. Bill war begeistert. Na ja, eigentlich weniger. Es war seine erste richtig lange Busfahrt und spaetestens nach einem Tag hatte er die Nase voll. Was tut man nicht alles fuer ein paar Reiseerlebnisse. Da konnte auch der traditionelle Halt in Buckinghorse River mit extragrossem Baconburger seine Laune kaum aufheitern. Mir gefiel die Fahrt relativ gut. Ich koennte mir nichts besseres vorstellen, als den Alaska Highway entlang zu fahren und die Wildnis zu bestaunen.
Bald waren wir dann wieder auf dem in etwa selben Breitengrad wie Edmonton und von da an war der Weg nach Westen auch mir neu und unbekannt. Ein paar Stunden spaeter gab es einen kurzen Aufenthalt in Prince George, der "Hauptstadt" von Northern British Columbia. Nun gut, es war dunkel und viel haben wir nicht wirklich mitbekommen. Der Schnee wurde allerdings weniger und die Temperaturen stiegen bemerkenswert schnell.
Der letzte Teil bis zur Westkueste fuehrte durch Staedte wie Terrace und Smithers. Die Berge wurden steiler und als wir in Prince Rupert, der Endstation der Busfahrt ankamen, erwartete uns eine Kuestenstadt, umringt von hohen Felsen und Bergen - nichts mit flacher Kueste und Strandatmosphaere. Rupert ist eine typischer Fischerstadt. Kutter ueberall, ein rauer Umgangston und miesepetrig dreinschauende alte Maenner. Immerhin, nur sechs Stunden Aufenthalt ...
Wikipedia informierte uns, dass von 365 Tagen im Jahr nur vier Tage mit Sonnenschein in Prince Rupert zu erwarten sind. Es regnete zwar nicht, die Wolken haben sich den ganzen Tag ueber aber auch nicht verzogen. Demnach war es eher ein grauer und trueber Eindruck, den Rupert uns vermittelte. Nichtsdesotrotz, das Meer und die Temperaturen waren eine gelungene Abwechslung, nachdem wir zwei Tage zuvor noch mit Schnee und Kaelte zu kaempfen hatten.
Gegen 22 Uhr legte die Faehre Richtung Haida Gwaii ab. Die See war recht ruhig und viel passierte bis zur Ankunft in Skidegate (sprich: "Sgiddegett") auch nicht. Leider war diese Faehre absolut kein Vergleich zu jener in Boston, die mit mehr als 200 km/h ueber das Wasser schoss. Die Nacht im Freien zu verbringen machte also wenig Spass. Von 22-6 Uhr war Schlafenszeit und die genossen wir nach den vorhergehenden schlaflosen Naechten im Bus auch in vollen Zuegen.
Als die Crew uns am Morgen kurz vor Ankunft im Hafen aufweckte, war es draussen noch dunkel und man konnte nur Lichter in der Ferne die ehemaligen Queen Charlotte Islands ankuendigen sehen.

Auf zu neuen Ufern

Nachdem wir die Faehre verlassen hatten, erwartete uns schon unser neuer Gastgeber, Pete. Im netten und nagelneuen Ford F-150 Pickup Truck ging es ins sieben Kilometer weiter westlich entfernte Queen Charlotte City, wo wir den Tag vebrachten, da Pete arbeiten musste.

Haida Gwaii teilt sich auf in zwei Hauptinseln: Moresby island im Sueden, wo man hauptsaechlich den Gwaii Haanas Nationalpark vorfindet, und Graham Island im Norden, auf welcher sich die Mehrheit der Bevoelkerung der circa 5000 Menschen konzentriert.

Sehr dominant sind auf dieser Inselgruppe die sogenannten Haida, also die kanadischen Ureinwohner dieses Teils der Westkueste. Sie machen einen grossen Teil der Bevoelkerung aus (etwa 50%) und ihre Kultur und ihr Lebensstil lassen sich im taeglichen Leben perfekt wiederfinden. Besonders schoen anzuzsehen sind die fuer die Haida wichtigen Totempfaehle, die man unter anderem in den Vorgaerten der meisten Haeuser sieht. Sie repraesentieren eine Art Stammesfolge und Familienstammbaum, dienen aber auch einfach als Symbol der Staerke fuer Haida.

Der erste Tag in Charlotte war sehr aufregend. Man kam in Kontakt mit einigen Einheimischen und entdeckte kleine Coffee-Shops, wanderte den Strand entlang oder beobachtete die Seeloewen im Meer.

Seelowen vor Charlotte

All das vermittelte einen tollen ersten Eindruck. Einen beruehmten kanadischen Tim Horton's sucht man auf Haida Gwaii vergeblich, die Vorgaben dieser Kette kann man hier nicht erfuellen, da nur einmal woechentlich (montags) ein Schiff mit Lebensmitteln fuer die kleinen Supermaerkte ankommt und das fuer die Woche reichen muss. Deshalb meinte Pete auch als erstes wir sollen uns ueberlegen, was wir alles benoetigen, da Montag, Dienstag und eventuell Mittwoch die einzigen Tage sind, an denen man Milch, Obst, Gemuese und andere frische Lebensmittel erhalten kann. Danach sieht es damit knapp aus, wenn nicht sogar unmoeglich. Da kamen gleich mal wohlbekannte Erinnerungen aus dem Yukon wieder hoch Genau die Art von "Am Arsch der Welt leben", welche Bill und ich gewohnt waren.

Hallo, neues Zuhause

Am spaeten Nachmittag nahm er uns dann mit Richtung Norden zu unserem neuen Zuhause in der kleinen Gemeinde Tlell (sprich: "Tellell"). Uns erwartete eine kleine private Cabin ...

... die einfach nur perfekt war! Man hatte Propangas, einen Holzofen, Strom und fliessend Wasser. Alles was man benoetigt, um mehr als gut zu ueberleben. Im Vergleich zu unserem Leben im Yukon war das schon Luxus.

Die Farm an sich ist ein wirklich schoenes Fleckchen Land mitten im Wald.

Der Wohlfuehlfaktor war sehr hoch, ganz einfach, da man sich wie im Paradies fuehlte. Um sich herum war alles gruen und lebendig. Haida Gwaii ist wahrhaftig ein Regenwald und man ist von Leben umgeben.

Bald nach dem Einzug in unser Haus durften wir Pete's Frau Jenna, Tochter Isabella und Oma Judy kennenlernen, allesamt sehr liebenswerte Personen. Jenna ist Lehrerin in Charlotte, waehrend Pete in Charlotte in der Regierungsbranche fuer Fischerei die Leitung hat. Judy arbeitet als Krankenschwester und ist einfach nur fuersorglich, wie eine Oma sein sollte Jedoch hat sie eine Schwaeche fuer Bourbon, weshalb sie des oefteren mit Bill in unserer Cabin einen langen Abend bei einigen Glaesern Jim Beam verbrachte.
Isabella ist ein Teenager mit einer grossen Schwaeche fuer Pferde. Ihre beiden, Moon und Amber, wurden uns dann auch gleich vorgestellt und es war genial zu sehen, wie viel Isabella fuer ihr Alter schon auf dem Kasten hat beim Umgang mit Pferden. So hatten wir von Zeit zu Zeit tolle Ausritte zum Strand auf den Ruecken von Moon und Amber. Vielen Dank dafuer!

Insgesamt verbrachte ich vier Wochen mit dieser Familie. Bill verliess Haida Gwaii planmaessig nach zwei Wochen, um nach Sueden bis nach Los Angeles zu reisen, um dann rechtzeitig fuer einen Geburstag wieder in England ueberraschend aufzutreten. Es war ein Genuss mit dir zu reisen, mein britischer Freund, auch an dieser Stelle nochmals besten Dank dafuer und wir sehen uns im Sommer!

In den vier Wochen auf der Perrydise Farm konnte ich einiges an Farming dazulernen, insbesondere im Umgang mit Pferden, die es taeglich zu pflegen galt. Fuettern, Hinterlassenschaften entfernen, Zaeune checken und Streicheleinheiten. Alles, um das Pferdeleben angenehm zu gestalten.
Den groesseren Teil meiner Zeit verbrachte ich aber damit, Pete bei seinen Projekten zu unterstuetzen. So war es mein Job Baueme zu faellen, um der Farm mehr Sonnenlicht zu verleihen, den ganzen Mist dann zu verbrennen oder zu stapeln, gemeinsam mit Pete und Bill Graeben zu graben, um neue Leitungen zu verlegen, die Zaeune der Pferde zu reparieren oder beim groessten Projekt zu helfen - ein Haus restaurieren. dazu musste auch allerhand gebuddelt werden oder man mischte Beton fuer Fundamente, setzte Balken neu ein und reparierte das Dach. So kann ich alles in allem doch sagen, dass diese Zeit sehr gut investiert war, da man doch einiges Neues dazulernte oder seine Kenntnisse immerhin vertiefte.

Als Dank fuer die Arbeiten liess sich Pete auch immer etwas Nettes einfallen und so erlebte ich allerhand tolle Sachen auf Haida Gwaii. Sei es per Fahrrad, zu Fuss, mit dem Boot oder Pete's Truck. Haida Gwaii ist flaechenmaessig ueberschaubar und man kann so einiges entdecken in vier Wochen.

Das Paradies vor der Haustuer

Insbesondere der einige Gehminuten entfernte Strand war ein Highlight. Man konnte fix am Morgen zum Strand radeln und den Sonnenaufgang bewundern ...

... oder den Strand auf- und ablaufen auf der Suche nach japanischen Glaskugeln, die noch vom Tsunami 2011 angespuelt werden oder man wartet bis das Wasser sich zurueckzieht und entdeckt die Meeresbewohner hautnah ...

Zu Hause in Deutschland ist das Meer ja schon einige Kilometer weiter entfernt, von daher habe ich diesen Luxus hier ganz sehr genossen. Natuerlich birgt es auch Risiken. Tsunami- und Erdbebenwarnschilder mit angegebenen Evakuierungsrouten findet man hier massenhaft und bei einem groesseren Sturm, wovon ich zwei erleben durfte, kommt das Wasser schon sehr nahe, der Wind bringt die Baeume bedenklich zum schwanken und der Strom faellt hin und wieder mal aus. Dennoch, ein akzeptables Opfer fuer diese Naturschauspiele direkt vor der Haustuer.

Eine weitere Freizeitaktivitaet war das Wandern, was meist kombiniert wurde mit Rad- oder Kanufahren in der Umgebung. Dabei konnte man recht tief in die Waelder vordringen und sah schon mal echte Riesen ...

300 Jahre alte Zeder

Dieses Exemplar ist eine rote Zeder und ist ungefaehr 300 Jahre alt. Groessen- und alterstechnisch rangiert dieser Baum auf Haida Gwaii im Mittelfeld (!!!). Eine Fichte beispielsweise benoetigt hier nur 30 Jahre um eine Hoehe von 30 Metern und einen Stammdurchmesser von etwas weniger als einem halben Meter zu erreichen. Die Jahresringe sind dementsprechend gross und das Holz nicht wirklich hart, anders beispielsweise eine Fichte im Yukon. Je aelter der Baum, desto langsamer waechst er und desto enger und dichter werden die Jahresringe - die Haerte des Holzes vergroessert sich.

Des Weiteren entspannt man einfach am Tlell River ...

... (nicht gestelltes Bild) ... oder checkt den Strand noch etwas genauer aus und findet ein altes Schiffswrack ...

Pesuta

... nun gut, Isabella fuehrte mich da hin . Die Pesuta strandete hier vor mehr als 100 Jahren und ist komplett aus Holz. Leider ist nur noch der vordere Teil erhalten. Der Rest wurde von Menschen abgetragen oder vom Meer wieder weggeschafft. Nichtsdestotrotz kann man das Wrack erklimmen und hat von dort einen tollen Ausblick.

Diesen bekam ich auch an der noerdlichen Kueste von Graham Island in der Umgebung  der Stadt Masset. Diese Gegend ist besonders bekannt fuer Surfen, da der Northbeach perfekte Wellen bietet.

North Beach

Die Region ist relativ flach, es gibt nur eine groessere Erhebung, genannt Tow Hill, und die ist sage und schreibe 126 Meter hoch.

Tow Hill

Na ja, immerhin einen netten Ausblick auf Masset Inlet und ich erwischte einen guten Tag und sah sogar etwas in der Ferne die suedlichen Auslaeufer von Alaska. Im Osten, also am Strand von Tlell kann man bei guten Bedingungen auch das kanadische Festland sehen. Die Zivilisation ist also nicht weit entfernt.

Auch kulinarisch hat diese wunderschoene Insel einiges zu bieten gehabt. Natuerlich gab es des oefteren typisches Seafood, beispielsweise selbstgefangene Krabben, Lachs (genannt Salmon) oder selbstgemachtes Sushi.

Bill und Pete

Sushimania

Krabbenfalle

Krabben fangen macht darueberhinaus riesig Spass. Im oberen Bild sieht man eine typische Falle mit Koeder. Diese liegt auf dem Meeresgrund und die Krabbe kann in den Kaefig hinein, aber nicht wieder heraus. Eine Boje zeigt an der Wasseroberflaeche, wo man zu suchen hat. Man zieht den Kaefig an Bord, faellt dabei besser nicht aus dem Boot, und wird dann meist von einigen Krabben ueberrascht. Anschliessend kontrolliert man das Geschlecht, denn nur die maennlichen Exemplare duerfen behalten werden. An der Unterseite vom Tier ist eine Art Geschlechtssymbol, welches beim Maennchen typisch maennlich ausschaut, beim Weibchen hingegen etwas breiter und eckiger. Bei drei Kaefigen hatten wir Glueck und nur zwei Weibchen, dafuer aber acht Maennchen. Das Abendessen war somit gesichert. Meine erste selbstgefangene Krabbe. Danach durfte ich auch noch fuer die Zubreitung verantwortlich sein. Dazu musste die Krabbe leider dran glauben. Dafuer gibt es zwei Wege: Man kann sie einerseits lebendig im ganzen kochen, muss dann im Anschluss aber noch die Innereien und das ganze Geglibber irgendwie herausbekommen. Pete und ich entschieden uns fuer Variante Nummer 2. Dazu wird die Krabbe auf einen harten Gegenstand geschlagen, um die Schale zu brechen. Trifft man an der richtigen Stelle, hat man den gewuenschten Instant Kill und die Krabbe merkt von allem gar nichts. Anschliessend entfernt man das Ungewuenschte und hat zwei Krabbenhaelften mit jeweils vier Beinen, die nun in den Topf wandern. Krabbe schmeckt unwahrscheinlich gut und ich kann es jedem nur empfehlen. Am besten die ganze von mir beschriebene und erlebte Prozedur auch noch machen, dann weiss man im Detail, wie man ans Abendessen kam

Selbst ist der Mann!

Das selbstgefangene Futter schmeckt immer noch am besten. Man sieht wo es herkommt und wie es verarbeitet wird, was einem wahrhaft ein angenehmes Gefuehl beim Essen verschafft. Pete nahm mich oft mit auf's Boot zum Fischen, Krabbenfangen oder Jagen. Beim ersten Hunting-Ausflug sprach er des oefteren aber vom Shopping, da es sehr einfach sein soll, auf Haida Gwaii Deer, also Rehe und Hirsche zu jagen. Diese Tiere wurden vor etwa 100 Jahren auf die Insel gebracht. Sie gehoeren also nicht zum natuerlichen Oekosystem, haben kaum natuerliche Feinde und vermehren sich wie verrueckt. Gleiches Problem hat man mit Waschbaeren, Ratten und Eichhoernchen. Man rechnet momentan mit etwa zwei Millionen Deer auf der gesamten Flaeche der Queen Charlotte Islands. Das ist eine stolze, vielleicht schon beaengstigende Anzahl im Verhaeltnis zu Menschen, Baeren und anderen wenigen Fressfeinden.

Demzufolge sind sie auch in grosser Menge zum Abschuss freigegeben, gut fuer Hobbyjaeger wie Pete. Fuenf pro Tag und 15 im Jahr sind je Person mit Jagdlizens erlaubt. Wie gesagt, Pete nannte es beim ersten Mal Shopping und wir fuhren mit seinem Truck und einem Gewehr Richtung Norden ins Hinterland von Port Clements. Und wir blieben zu Bills und meiner Verwunderung auch im Truck und hielten Ausschau nach den Hirschen. Wir haben ja im Yukon gelernt, wie man erfolgreich jagen geht und wenn etwas zaehlt, dann ist es Ruhe, Stille und Geduld und selbst dann ist es noch immer ein Kunststueck etwas zu erwischen. Und wir fuhren mit einem Truck durch den Wald und hofften offensichtlich auf ein ausserordentlich bescheurtes Tier, welches beim Anblick des anrollenden Trucks stehen bleibt und womoeglich noch seine Kumpels herbeiruft, nur um uns dann noch Zeit zu geben die Waffe zu laden und ihnen den Gnadenschuss zu verpassen. Wir sagten Pete nichts von unseren Zweifeln, gaben uns aber zu verstehen, dass das nichts werden kann und vier Stunden spaeter hatten wir Gewissheit ... das wird so nichts. Na ja, immerhin haben wir etwas von Haida Gwaii gesehen. Jedoch kehrten wir mit leeren Haenden wieder heim. Das mit dem Shopping war wohl nichts. Dann muessen wir wohl doch eher zum Hunting uebergehen. Und das taten wir dann auch.

Nach Bills Abreise fuhren wir zum einen ins Skidegate Inlet, wo es aufgrund der vielen Boote und Menschen aber wenige Deer zu sehen gab, geschweige denn eines vor's Fernrohr lief. Die Natur war dafuer umso schoener und bei fruehlingshaften Temperaturen machte es Laune, ueber's Wasser zu schiessen, allerlei Voegel und Fische um sich herum zu beobachten und von Zeit zu Zeit auch einfach nur im Wasser zu treiben und den Himmel ueber sich zu beobachten und bei vorrueberfliegenden Flugzeugen zu raetseln, ob es denn von Richtung Vancouver oder von Asien kommt.

Skidegate Inlet

Im Masset Inlet im Norden von Graham Island hatten wir dann aber mehr Glueck mit Hirschen. Auch die Bedingungen waren besser. Wir starteten 7 Uhr morgens in Tlell, luden das Boot auf und packten alles Notwendige zusammen: Gummistiefel, ein paar Schichten Kleidung, Sonnenbrille, Gewehr und Kugeln, Messer, Fernglas, Benzin, etwas Proviant und eine gehoerige Portion Motivation. Eine Stunde spaeter waren wir dann auf dem Wasser. Auch das Wetter war ideal, leicht bewoelkt und -1 Grad Celsius, die Sonne kuendigte sich schon an fuer den Vormittag.

Masset Inlet

Das war perfekt, denn die Tiere wuerden nach dem kuehlen Morgen ans Ufer kommen, um zu trinken und die Waerme der Sonne zu geniessen. Unsere Vorhersage war richtig. Schon kurz nach dem Ablegen sahen wir erste Bewegungen in den Uferbereichen. An Bord gab es verschiedene Aufgaben.

Pete und ich

So musste immer jemand mit dem Fernglas (bei fahrendem Boot) Ausschau halten, einer musste das Boot steuern. Sobald man einen Hirsch oder ein Reh sichtet wird abgewaegt, ob es die Groesse wert ist - eine moralische Sinnfrage also, ob man ein Kitz schiesst oder es lieber im kommenden Jahr nochmals versucht. Danach muss einer das Boot in gleichmaessigem Tempo Richtung Strand fahren, dabei darf sich Geschwindigkeit nicht aendern, da einerseits ein sich aenderndes Motorengeraeusch dem Tier auffaellt und es verschrecken kann und man auch den Wellen zuvor kommen moechte, damit diese nicht das Zielen beeintraechtigen. Nebenbei muss man aber auch geradewegs auf das Ziel zusteuern und den Grund unter sich beobachten, um nicht mit dem Rumpf aufzusetzen. Waehrenddessen zielt der andere vom vorderen Teil des Bootes mit dem Gewehr und wartet auf die ideale Distanz und Ruhe. Um den Respekt vor den Tieren beim Jagen zu bewahren, will man ihnen jegliches Leid ersparen und moechte den sogenannten "Instant Kill", das Tier merkt also rein gar nichts und man bringt es schnell hinter sich.

Die perfekten Konditionen ermoeglichten uns die volle Ausnutzung des Tageslimits und so lagen am Ende fuenf Tiere im Boot. Ein erfolgreicher Jagdausflug also, kein Shopping allerdings, denn es war etwas Arbeit notwendig.

Geht man bei Dingen wie diesen mit einer gewissen Portion Respekt mit Tier und Umwelt um, muss man sich keine moralischen Vorwuerfe machen oder machen lassen.
Das war diese Erfahrung, die ich mittlerweile machen durfte. Von einigen Leuten - auffallend vielen Nicht-Vegetariern - durfte ich mir sagen lassen, wie schlimm diese Sache mit dem Jagen doch sei und dass man so etwas doch wirklich nicht machen muss, geschweige denn so offen darueber sich aeussern. Ich frage mich dann immer, ob diese Leute ihre geliebten Steaks vorher liebevoll zu Tode streicheln oder wie sie denn an ihren sonntaeglichen Braten kommen ... Ich finde es etwas verwirrend, auf der einen Seite eine respektvoll durchgezogene Jagd mit dem zu erwartenden Tod eines Tieres so vernichtend zu verurteilen, auf der anderen Seite jedoch die Fleischprodukte der moralisch fragwuerdigen Massenproduktion - mit grausamen Bedingungen fuer die Tiere - zu kaufen. Die dort vorherrschenden Umstaende und wie Tiere herangezuechtet und umgebracht werden liegen meiner Meinung nach Welten von dieser von mir beschriebenen Art der Nahrungsmittelbeschaffung entfernt. Diese Denkweise konnte mich schon im Yukon ueberzeugen und auch hier ist es fuer mich als Fleischliebhaber die reinste, respektvolle und moralisch nachvollziehbarste Variante, um dem Salat auf meinem Teller eine sinnvolle Beilage zu verschaffen.

Aber zurueck zum eigentlichen Ausgangspunkt. Nachdem wir mit geladenem Pickup Truck wieder zu Hause ankamen, war gewissermassen Erleichterung auf Judy's und Jenna's Gesichtern zu sehen, denn durch unsere Arbeit muss man sich nun fuer das kommende Jahr keine Gedanken um Fleischmahlzeiten machen und kann sich von Discountprodukten aus dem Supermarkt distanzieren. Mission erfuellt, sollte man meinen.
Bis Mitternacht verbrachten Pete und ich die Zeit damit, die Hirsche und Rehe zu haeuten und zum eigentlichen Verarbeiten vorzubereiten.
Circa eine Woche spaeter setzte dann ein gewisser Reifeprozess beim Fleisch ein und wir begannen mit dem eigentlichen Auseinandernehmen. Hierbei war es von Vorteil, dass mir Dale auf der Pelly River Ranch alles diesbezueglich beigebracht hat und es gab ein zufriedenstellendes Ergebnis. Pete hat ein eigenes kleines Smokehouse, wo er Sachen raeuchern kann. Wir hatten zuvor schon mal Southern Style Ribs probiert und wow, Louisiana und Alabama waeren stolz auf uns. Allerdings testeten wir diese Ribs um 1 Uhr morgens. Sie waren zu diesem Zeitpunkt zwar perfekt durch - scharfwuerzige Ribs um diese Uhrzeit verzeiht der Koerper aber niemanden ... auch Lachs war vorher schon gelungen in diesem Smokehouse, was im Grunde nur ein kleines Holzhaeuschen mit integrierter Feuerstelle ist. Bevorzugt werden als Holz Apfel- oder Kirschbaum und dann braucht man nur Zeit und Geduld.
An meinem letzten Abend konnten wir hauseigene Wuerste machen, was mit ein paar Glaesern Wein ein riesen Spass war. 50 Kilogramm Fleisch verarbeiteten wir in dieser Nacht und konnten es gegen Mitternacht ins Smokehouse haengen.

              

Fazit?

Zusammenfassend kann ich erneut sagen, dass sich diese Reise hierhin absolut gelohnt hat. Die Familie hat er mir grandiose Dinge ermoeglicht und mir Haida Gwaii so nahe gebracht, wie es nur geht. Vielen Dank dafuer! Ich hoffe, wir sehen uns wieder!

Everybody Smile :)

Haida Gwaii hat mir einen Monat lang eine komplett andere Seite von Kanada gezeigt. Eine, die man beim Wort Kanada vermutlich gar nicht gleich in Betracht zieht. Regenwald auf einer Insel suedlich von Alaska. Sachen gibt's ... Ich bin sehr gluecklich sie gesehen zu haben und werde Haida Gwaii positiv im Gedaechtnis behalten. Wer immer die Chance hat, diesen Teil der Welt zu sehen .. tut es! Investiert das Geld fuer die Faehre und lernt Kanada und einen anderen Zweig seiner First Nations kennen!

Zwei Monate im Nirgendwo

Mittwoch, 21.01.2015

Willkommen zurück in der Zivilisation! 

Nach zwei Monaten im kanadischen Bush hat mich das moderne Leben (vorerst) wieder.

Ich habe lange überlegt, wie ich die Zeit am Pelly River nun in Worten erklären kann ... Einleitende Worte zu finden, die das Erlebte beschreiben, ist meines Erachtens schwer, deshalb versuche ich es mit einem Bild, das markant genug sein sollte, um Pelly River Ranch zusammenzufassen ...

Man warnte mich zuvor schon, dass Yukon im Winter derart ausschauen könnte und viele Leute, mit denen ich meine Pläne teilte, blickten mich verwundert an und fragten, was einen denn in dieser Jahreszeit in den Norden Kanadas treibt. Nun, ich würde es jetzt im Nachhinein mit "Ausblick auf eine unvergessliche Zeit" beschreiben. Denn daran führt definitiv kein Weg vorbei, diese Wochen mit den Bradleys waren ohne Zweifel eine der einschneidesten, markantesten, emotionalsten und prägendsten meines Leben! Ich suchte nach der Herausforderung, wollte die Erfahrung machen und sehen, wie mein Körper bei derartigem Klima reagiert. Ergebnis? Das Thermometer kratzte an -50 und wir hatten Aufgaben im Freien zu erledigen und ich war und bin noch immer überrascht, dass die extreme Kälte mir nicht allzu sehr zusetzte. Doch dazu später mehr.

Nachdem ich die Bradleys mittlerweile verlassen habe, stellt sich nun für mich die Frage, wie ich meine Erlebnisse mit euch teilen kann. Alle Details kann ich an dieser Stelle nicht liefern - dafür ist die Fülle an Ereignissen einfach zu riesig - aber ich versuche es einfach mal mit einer Mischung aus Chronologie und Highlights, anknüpfend an den letzten Post. 

Vielleicht sollte ich euch vor den ganzen Stories die Bradley Family kurz vorstellen ...

Bill, Philip, Sue, Ken, Dale

Da hätten wir zunächst die Dame in der Mitte, Sue. Eine energiegeladene Frau mittleren Alters, die ganz sicher kein Blatt vor den Mund nimmt und gern sehr direkt ist - insbesondere zu arbeitsscheuen WWOOFern, gern aber auch zu Sohn Ken. Nichtsdestotrotz ist sie nett und kümmert sich fürsorglich um Haus, Hof und Mitbewohner an ihren beiden Tagen auf der Farm am Wochenende. Die Woche über ist sie die direkte Verbindung zur Zivilisation und am Ende der Woche bringt sie immer mal gern eine Überraschung aus der Stadt mit, beispielsweise Yukon Beer oder Schokolade! 

Rechts neben Sue steht Ken, 15 Jahre jung und ein typischer Farmjunge, der jeden Moment am Wochenende mit seinem Vater auf der Farm geniesst. Ken geht noch zur Schule, möchte später aber in einer Miene arbeiten und danach die Farm übernehmen. Es ist unglaublich, was Ken technisch drauf hat für sein Alter. Er ist neben Dale der einzige auf der Farm, der jede Maschine bedienen kann. 

Und dann hätten wir ganz rechts noch Dale  Mit ihm verbrachte ich die meiste Zeit. Er bleibt nahezu immer auf der Farm und weiss eigentlich über alles und jeden im Yukon Bescheid, ein laufendes Lexikon. Er ist wie seine Frau sehr direkt und liebt das F-Wort, aber auch das S-Wort oder andere Nettigkeiten gehören zu seinem Repertoire  Meine Aufgabe nun lautet also wieder der freundlichen englischen Sprache mächtig zu werden und auf das F-Wort zu verzichten. Mit Dale hat man immer etwas zu lachen, man zieht sich gegenseitig durch den Kakao und gibt sich von Zeit zu Zeit einen Snowfacewash. Darüberhinaus ist er aber derjenige, der immer zur Stelle ist, wenn man etwas benötigt oder eine helfende Hand braucht.

Die Familie hat zwei Familienhunde ... Snoopy und Archie ...

Snoopy   Archie

Diese Hunde sind der Wahnsinn! Bordercollies sind für ihre Intelligenz bekannt, aber diese beiden, insbesondere Snoopy, haben mich täglich aufs Neue überrascht. Sie treiben die Kühe immer in die richtige Richtung und sobald man ihnen mitteilt, dass eines fehlt, rennen sie los und bringen es zurück. 
Als ich ankam, überraschten sie uns allerdings noch mit etwas anderem ...

                 

 

Und so hatten wir urplötzlich vier Welpen, die uns für die ganzen zwei Monate begleiten durften und rasant heranwuchsen und sich daran erfreuten unsere Knöchel zu zerkauen. Aber unglaublich niedlich und sicherlich eine Bereicherung für die Farm. 

Die Fahrt zur Pelly River Ranch

Wie schon erwähnt holte mich Dale in Whitehorse ab und wie erledigten einige Dinge in der Stadt, insbesondere das Ausliefern von riesigen Beef-Stücken war hart, aber cool. Wir planten am Mittwoch Whitehorse zu verlassen und die 6 Stunden Richtung Norden zu fahren. Allerdings benötigten einige Erledigungen mehr Zeit und das Wetter von -30 Grad Celsius machten Dales altem Bad-Ass-Truck einige Probleme. Wir verbrachten einen weiteren Tag in Whitehorse und konnten am Donnerstagnachmittag abfahren. Zuvor waren Sue, Dale und ich noch bisschen Shoppen für die Farm und ich konnte feststellen, dass die Bradleys leidenschaftliche Kaffeetrinker sind, denn wir beluden den Truck mit 42 grossen Dosen Kaffee, genug für 52 Wochen. Die Zeit in Pelly wird speziell, dachte ich mir, während wir die letzte Büchse in den Truck werfen ... 

Wir fuhren also ein kleines Stück auf dem Alaska Highway, bis wir dann rechts Richtung Norden dem Klondike Highway folgten. Die Landschaft ist atemberaubend und Dale zeigte mir allerhand Spuren von Tieren im Schnee. Wir lieferten mehr Fleisch and Communities wie Minto oder Carmacks, 100-300 Seelengemeinden mit gewissem Charme. Zwischen Minto und Pelly bogen wir ab auf eine abgelegene Strasse, bis wir irgendwann anhalten und durch kniehohen Schnee weiterlaufen mussten, um eine kleine Cabin zu finden, in der ein Freund von Dale leben sollte. Die Cabin fanden wir schliesslich, allerdings leer. Immerhin, ein nettes Work-Out zu später Stunde bei -25 Grad  
Gegen 21 Uhr erreichten wir dann Pelly Crossing und hatten da noch einige Häusser zu besuchen und Lieferungen zu erledigen. Dale zeigte mir allerhand von dem 300 Einwohner starkem Dorf, erzählte mir jedoch auch eine Menge über die dunklen Kapitel in der Geschichte Pellys, wie etwa den Drogen- und Alkoholproblemen der First Nations und der Kriminalität. 
Eine erwähnenswerte Aktion gab es dann noch in Pelly ... Sue Bradley fährt zwischen Pelly und der Farm in einem GMC Suburban, ein Fahrzeug, das geeignet ist für die 30 Meilen Farmroad. Zwischen Pelly und Whitehorse verkehrt sie mit einem Stadtfahrzeug. Bedeutet also: in Pelly werden die Fahrzeuge wöchentlich getauscht und an diesem Tag gab es Probleme mit dem Heizsystem im Suburban. Dale hatte das passende Teil im Truck, wir mussten es also nur noch in den Suburban einbauen. In Pelly. Bei Nacht. Und mittlerweile -29 Grad Celsius. Es dauerte fast eine Stunde, bevor wir den Heater eingebaut hatten. Nach jeweils zehn Minuten Arbeit am Suburban mussten wir immer schnell ins Warme rennen, um uns aufzuwärmen und das pure Metall der Werkzeuge verbrannte uns tatsächlich die Finger. Krasse Erfahrung und wir waren beide froh, als wir wieder im Truck waren und die letzten 30 Meilen zur Farm in Angriff nahmen. 
Diese Strecke war pure dirt-road und natürlich war kein Schnee geräumt. Wir waren die einzigen Menschen auf dieser Strasse, zwischen Pelly und der Farm verkehrt kein Fahrzeug und es lebt keine Menschenseele auf diesen 30 Meilen. "Bleibst du stehen, bist du auf dich gestellt", so Dale. Gegen Mitternacht konnten wir endlich Zäune sehen und das Ziel kam näher. Als ich aus dem Truck stieg, fielen mir drei Dinge sofort auf: die Luft war unfassbar gut, so einen dunklen und sternenklaren Himmel habe ich noch nie gesehen und die Stille war unheimlich! 

Am nächsten Morgen konnte ich dann die Schönheit der Farm und der umgebenden Landschaft im vollen Ausmaß bestaunen ... wieder umhüllt von dieser atemberaubenden Stille. Dale zeigte mir an diesem Tag mein Zuhause für die kommenden Wochen.

Grandma House

Diese Cabin, genannt das "Grandma House", teilte ich mit Bill aus England, einem echt genialen Typen, mit dem ich heute noch zusammen reise und der ein guter Freund wurde. 

Phil und Bill

Des Weiteren stellte mir Dale seine Farm vor und zeigte mir alle täglichen  Aufgaben, die erledigt werden müssen. 

Ein typischer Tag im Hause Bradley sah wie folgt aus ... 

Am Morgen, der nie zu einer festgelegten Zeit begann, traf sich die Crew (Dale, Bill, Yannick aus Deutschland und ich) im Haus der Familie und wir hatten unser gemeinsames Breakfast und begannen den Tag in entspannter Atmosphäre.

Haus der Familie

Danach kleidete man sich wettergerecht und checkte die Temperatur, Wind, Niederschlag und alles weitere in der Wetterstation und machte sich auf den Weg zum Chickenhouse. 

Chickenhouse

Dort warteten - wer hätte es gedacht - 150 Hühner und ein Hahn auf ihr Futter und möchten gerne ihre Eier abgeben. Im Nebenraum wacht dann noch ein manchmal gut gelaunter Bulle. 

Cody

Das ist Cody. Er ist drei Jahre jung und (um es mit Dales Worten zu sagen) 'wahnsinnig verspielt'. Ein verspielter Hund mag okay sein, aber wenn ein 900 Kilogramm schwerer Bulle auf dich zugerannt kommt und spielen möchte ... Sagen wir es so: es war nicht immer leicht  
Sobald die Temperatur weniger als -10 Grad Celsius anzeigte, musste Cody in die Scheune, ganz einfach um seine edelsten Teile vor der Kälte zu schützen. Es gab wenige Tage, an denen die Temperatur nicht unter -10 fiel, von daher darf Cody nahezu täglich von einem mutigen WWOOFer in die Scheune gebracht werden, wo er sich und die benachbarten Hühner warm hält. 
Nachdem er am Morgen freigelassen wird, muss die Scheune noch gereinigt und sein Bett neu hergerichtet werden. 

Danach geht es zu den 26 Kälbern, die gern zu ihrem Futter gebracht werden möchten. Die Nacht über werden die Kälber immer in einen abgesicherten Bereich gebracht, um vor Fressfeinden zu schützen. Morgens werden sie daraus befreit und mit Silo gefüttert. 

Danach geht es zu den 19 Kühen und Cody, die ebenfalls auf ihr Silo warten. Dabei ist es wichtig, dass man genug Futter für zwei Stunden bereitstellt, bevor sie zum Wasser geführt werden.

Im Pumphaus muss währenddessen schon ein Feuer gemacht werden, um das Eis an der Oberfläche zu entfernen. Danach öffnet man das Tor für die Kälber, die mit ihren kurzen Hälsen zuerst trinken, bevor nach dem Lunch dann die größeren Kühe dran sind. 

Pumphaus

Nachdem alle versorgt sind, trifft sich die Crew im sogenannten Workshop, wo auch noch ein Feuer gemacht werden muss und man die Einfahrt freischaufelt.

Workshop

In diesem netten Häuschen finden sämtliche Reparaturarbeiten statt, man tüftelt an Schneemaschinen (Skidoos), schlachtet die Kühe oder häutet von Zeit zu Zeit mal einen Wolf. 

Die sogenannten Chores, also alle Aufgaben, die täglich erledigt werden müssen, wiederholen sich am späten Nachmittag nochmal. Dabei werden alle erneut gefüttert, die Wasserpumpe füllt das Wasserbecken wieder auf, man schliesst alle Tore, bringt Cody in die Scheune, treibt die Kälber zurück in ihren Bereich (gesichert mit zwei Zäunen, da Wölfe zu faul, aber auch zu scheu sind, um durch zwei Abriegelungen in von Menschen geschaffenes Terrain einzudringen) und checkt das Wetter und die Feuer ein letztes Mal. 

Von Zeit zu Zeit darf man mit Traktor Humphrey auch Silo holen für die Kühe oder große Heuballen ausbreiten. Fazit: Traktor fahren macht Spass, sei es mit Humphrey oder einem alten Ferguson Traktor.

 

Pelly River Stories

Nun folgen ein paar Stories, die meine persöhnlichen Highlights auf der Farm beleuchten.

Aurora Borealis

Einer meiner Beweggründe in den Norden zu reisen, waren und sind die Nordlichter, genannt Aurora Borealis. Man versprach mir atemberaubende Lichtspektakel, und man hielt Wort! Eines Abends bauten wir uns eine sogenannte Schwedische Fackel, einen Holzblock wie diesen ...

Swedish Torch

Das Motiv bekommt man dank einer Kettensäge. Schon die Wikinger nutzten diese Technik des Feuermachens. Man entzündet den Teil in der Mitte und der Stumpf wird länger und wärmer brennen als ein herkömmlicher Block. Wir entzündeten die Fackel am frühren Abend, am Morgen danach fanden wir diesen (noch immer heissen) Rest ...

Für das Warten auf die Nordlichter waren wir also gerüstet und wir wurden keineswegs enttäuscht. Hier der Beweis:

Aurora Borealis Northern Lights

Das Warten bei -35 Grad hat sich sowas von gelohnt. Die Lichter tanzten über uns und man hörte sie knistern ... unvergesslich und ein absolutes Must-See!!!

Ein weiteres Wetterphänomen ereignete sich an Weihnachten. Das ist kein Regenbogen, sondern ein sogenannter Sun Dog. Je weiter entfernt er von der Sonne entsteht, desto länger wird es dauern, ehe die Temperaturen wieder steigen. 

Wie man sieht ... er war verdammt nah. Und man behielt Recht, es dauerte ganze zwei Wochen, bevor man sich bei über -30 Grad Celsius wiederfand.

Hiking 

Ich kann kaum aufzählen, wie oft ich die Schuhe geschnürt habe und die Umgebung erkunden gegangen bin. Mein Ziel war es, die Farm von vier Seiten abzulichten.

Norden Süden

 

Westen Osten

Versuch geglückt, würde ich meinen  Erstaunlich, welche Wege man letztendlich zurück gelegt hat, durch knie- oder hüfthohen Schnee und vorbei an unzähligen Tierspuren.

9 Mile Cabin

Wenige Tage nach der Ankunft wollte Dale mich mitnehmen zu meinem 'ersten kleinen Abenteuer'. Ich sah ihn an und fragte, was denn die Tage zuvor bitte dargestellt haben sollen, denn mehr Abenteuer, als in dieser Zeit kann ich mir gar nicht vorstellen. Er lächelte milde und meinte, dass es nun Zeit ist für eine Skidoofahrt und bisschen Busch. Dabei machte er klar, das viele Leute gar nicht wissen, was ein Skidoo wäre. Zugegeben, der Name kommt mir fremd vor, als er mir dann aber eine Schneemaschine zeigte, wusste ich etwas damit anzufangen.

VK 540

Diese Maschinen sind unfassbar stark und ziehen schwere Lasten. Auch WWOOFer. Sowohl die Fahrt auf dem Schlitten im Stehen, als das Fahren der Maschine ist unbeschreiblich cool. Mit diesem Exemplar schafft man locker 100 Stundenkilometer und rast durch den Busch. Wir packten also unsere Sachen und machten uns auf zu Dales Cabin, die 9 Meilen entfernt liegen sollte. 9 Meilen durch frischen Schnee später bogen wir scharf links ab und fanden uns irgendwo im nirgendwo wieder, umgeben von tausenden Bäumen und diesem schnuckligen Haus:

9 Mile Cabin

Um darin wohnen zu können, mussten noch die Plastikfenster und ein Ofenrohr eingebaut werden. Fenster waren kein Problem. Im Ofenrohr fehlte aber noch ein Loch für den Luftregulierer. Ein zivilisierter Mitteleuropäer greift nun zur Bohrmaschine. Ich fragte mich schon die ganze Zeit, was wir denn mit dem Gewehr schiessen würden, das Dale mitgenommen hatte. Nun wusste ich es. Loch bohren Yukon-style 

Yukon Drilling

Kulinarische Bereicherungen

Hätte mir vor dem Trip jemand erzählt, was ich alles essen werden - ich hätte nur milde gelächelt. Aus Spass wurde dann aber Ernst, trotz Rinderfarm konnte ich auf der Pelly River Ranch noch ganz andere Yukon Spezialitäten probieren. Dennoch eine Bemerkung zum Rind bzw. Beef: es gibt in der Tat einen geschmacklichen Unterschied zwischen herkömmlich gezüchteten Rindern und den organisch aufgezogenen Tieren am Pelly River. Und einen moralischen sowieso. Dale meinte, dass bisher drei Vegetarier die Ranch besucht haben. Alle drei haben, nachdem sie das Leben der Kühe hier nachvollziehen konnten, begonnen Fleisch auf der Farm zu essen. Das spricht denke ich für sich. 
An einem Abend gab es Würstchen. Wir fragten nicht, was für ein Tier es sei. Man schmeckte aber einen deutlichen Wildgeschmack. An diesem Abend probierte ich zum ersten Mal Bärenfleisch. 
In der Woche darauf machten wir Burger. Statt Beef stellte uns Dale anderes Fleisch zur Verfügung. Wir fragten nicht, sondern jagten es durch den Fleischwolf und bereiteten alles vor. Wir wussten nur, dass es erneut Wild war. Es stellte sich heraus, dass wir statt Hamburgern Bisonburger zubereitet hatten, welche meiner Meinung nach das Beef um Längen schlagen. 
Den absoluten Favoriten hatten wir aber noch vor uns ...

Moose

Bill bewies sich als exzellenter Steak-Koch und bereitete diese Elch-Steaks zu. Das kann man nun nicht mehr toppen, mehr Yukon geht nicht  Von kulinarischer Seite gesehen war der komplette Aufenthalt bei den Bradleys ein Erfolg. Man ging nie hungrig vom Tisch und probierte allerlei Unbekanntes. 

-40 Bush Tour

Basalt

An einem der verdammt kalten Tage war dieser Berg unser Ziel. Relativ hoch, mit gutem Ausblick und ein Pfad, der erst noch gebaut werden muss. Das war unsere Aufgabe. Dale bewaffnete uns mit einer Axt und schickte uns auf den Weg, den Gipfel zu erklimmen und bisschen Kleinholz zu machen. -40 Grad und gutes Wetter, auf gehts  Das Endergebnis konnte sich sehen lassen und wir wurden belohnt für den Aufstieg ...

 

Blick vom Basalt

Bill erlitt Erfrierungen an seinen Beinen, wir waren beide komplett nass und hatten Eis am ganzen Körper. Erschöpft, aber halbwegs glücklich machten wir uns auf den Heimweg ...

 

Allgemein war die Woche sehr anders als die anderen. Das Propangas für den Ofen zum Kochen funktionierte nicht mehr unter -42 Grad Celsius und so mussten wir auf den Holzofen umstellen und jegliches Kochen darauf verlegen. Und beim Kochen von Pasta schon drei Stunden vorher überlegen, was und wann wir essen wollen. Unser Frühstück mit Toast sah in etwa so aus ...

Trapping im Yukon 

Für zwei Wochen kam ein Paar aus Quebec auf die Pelly River Ranch zum Trapping, zu deutsch Fallen stellen und jagen. Sie nahmen uns ein paar Mal mit auf ihre Trips und wir lernten einiges. Darüberhinaus fingen wir vier Wolverines, die es nur in Nordamerika gibt und echte Killermaschinen sind. So schaute einer aus ...

Wolverine

Die Bärenmarder haben den deutschen Namen Vielfraß, ganz einfach aus dem Grund, weil sie vor nichts Halt machen und alles vernichten, was ihnen im Weg steht. Selbst Angriffe auf Menschen sind bekannt. Das krasseste, was mir bekannt wurde, war ein Wolverine, der vom Auto weggerannt ist und sich nach einigen Metern entschloss das Auto anzugreifen. Er rannte auf den Truck zu und natürlich erwischte dieser das Tier frontal und brach ihm das Rückgrat. Nichtsdestotrotz versuchte der Wolverine noch immer einen zu erwischen, sobald man ausstieg und es brauchte 12 (!!) Schüsse in den Kopf, um all dem ein Ende zu bereiten. Verdammt zähe Biester, die selbst Bären und Wölfe angreifen. 

Des Weiteren erwischten die Frenchies einige Marten und Eichhörnchen. 

Marder

Dale seinerseits stellt nur Fallen für Wölfe, Kojoten und Füchse um seine Farm herum. Im Sommer muss er auf Bären achten. Er mag es nicht, andere Tiere zu jagen. Wenn jedoch ein Feind seinen Kühen zu nahe kommt, muss er eingreifen und den Raubtieren klar machen, dass sie hier nicht zu nahe kommen dürfen. Gerechtfertigter Grund, meiner Meinung nach. Des Weiteren erklärte er mir den Nutzen des Jagens und Trappings. Manche Leute mögen meinen, dass es sinnlos ist, Tiere einfach zu fangen und umzubringen. Doch man sollte an dieser Stelle um die Ecke herum denken. Wille der meisten Menschen ist es, den Bestand und die Artenvielfalt konstant und aufrecht zu erhalten. Es ist vollkommen natürlich, dass es beispielsweise Zeiten gibt mit einer höheren Elchpopulation und widerum Zeiten mit höherer Wolfpopulation. Dies gleicht sich aus über die Jahre. Deshalb gibt es spezielle Programme, in denen der Mensch eingreift und versucht dieser Konstanz nachzuhelfen, indem er in einer Saison mehr Elche oder mehr Wölfe aus der Biosphäre nimmt, um dem jeweiligen anderen die Chance zur Repopulation zu geben. 

Chevi-Truck auf Abwegen 

Über Weihnachten wollte Dale zusammen mit Sue und Ken in die Stadt fahren, um seinen Bruder und den Rest der Familie zu sehen. Dafür legte er das Wohl der Farm in die Hände von Bill, Yannick und mir. Große Aufgabe, doch wir meisterten sie. Bevor Dale mit seinen 5-Tonnen-Bad-Ass-Truck allerdings fahren konnte, mussten wir die Farmroad noch aufräumen. Zu viele Bäume lagen im Weg und mussten entfernt werden, um den Truck nicht zu beschädigen. So verbrachten wir eines Tages einige Stunden damit, eine passende Batterie für diesen Truck zu finden. 

Nachdem wir endlich eine passende und geladene gefunden hatten, starteten wir den Truck mit Hilfe von Traktor Humphrey und durften feststellen, dass der Truck nicht ohne fremde Starterhilfe anspringen würde. Bedeutet: sollte er auf der 30 Meilen langen Farmroad ausgehen, dürfen wir laufen. Relativ einfach zu verstehen. Wir starteten also das braune Gefährt und machten uns mit flauem Gefühl im Bauch auf den Weg. Wir räumten unzählige Bäume mittels Axt und Kettensäge aus dem Weg und mussten den Truck mehrmals aus dem tiefen Schnee ziehen oder schieben ... Wir waren heilfroh, als wir vier Stunden später wieder im 5-Meilen-Radius (Laufdistanz machbar) zur Farm waren und der Truck immernoch lief ... Das war definitv ein adrenalingeladener Tag und wir schätzten uns glücklich, dass wir nicht laufen mussten. Danke, brauner Chevi. 

 

Happy New Year, Happy Birthday

Zu Silvester war die gesamte Familie dann wieder vereint auf der Farm und wir genossen den Abend mit einigen Yukon Beers und Stories. Kurz vor Mitternacht gingen wir dann (traditionell) nach draußen. Feuerwerk erschien mir an dieser Stelle sinnlos. Ich meine, wer sieht es denn überhaupt und wir sehen auch kein anderes. Deshalb hatte Dale eine andere Idee ...

Zur Feier des Tages durften wir paar Male in die Luft ballern. Ein Jahresbeginn mal anders  

Einige Tage später feierten wir dann meinen Geburtstag. Wir gingen erneut Schneemobil fahren und am Ende gab es Moose-Steak (YEAH!) und einen riesigen Kuchen. Hurray! 

Danach hatten sie noch etwas besonderes vorbereitet. Typisch kanadischer Ahornsirup, geschmolzen in einem großen Topf, sodass die Flüssigkeit verdampft und nur noch zäher Sirup übrig bleibt. 

Danach wird er einfach in den Schnee geschüttet und kühlt dort ab. Anschließend wickelt man es um einen Holzstab und leckt es wie einen Lolly. Wahnsinnig süß, wahnsinnig lecker! Und man deckt den Zuckerbedarf für eine Woche auf einmal.

 

Ja, wie gesagt ...

... das ist nur ein Ausschnitt von all dem Erlebten. Ich wünschte, ich könnte mehr erzählen, doch die Zeit in der Stadt reicht leider nicht wirklich aus, um alles in einen Text zu pressen. Es wird aber bald die Chance geben, mehr zu erzählen  das soll nun erstmal das Wichtigste von meinen Erlebnissen sein. 

Mein nächstes Ziel heisst Haida Gwaii, früher die Queen Charlotte Islands genannt. Diese Inselgruppe liegt westlich von Prince Rupert, nördlich von Vancouver Island und südlich von Alaska.

 

Lasst euch überraschen, was es von da zu berichten gibt.

 

 

Happy Trails und bis bald! 

Yukon River

2000 Kilometer weiter nördlich

Montag, 01.12.2014

Nach ich die Familie Biel leider verlassen habe, ging es für mich weiter Richtung Norden in Kanadas fünfgrösste Stadt ...

Hello Edmonton!

Dort verbrachte ich dann drei Tage. Die Fahrt dahin war aber schon einzigartig. Nachdem ich auch Sarah und Ramona auf Wiedersehen sagen musste, konnte ich mittels Greyhound noch circa zwei Stunden im Bus verbringen. Zuvor hat es ja aber noch etwas geschneit, dementsprechend sah der Highway auch aus. Besonders auffällig waren dabei die vielen Reifenspuren neben der eigentlichen Fahrbahn, die nach einigen Metern wieder auf die richtige Strecke zurückführten. Teilweise nicht nur ein oder zwei Meter, sondern manchmal ganze 5 Meter Richtung Seitengraben oder über die Mittellinie ... Und im nächsten Moment fuhr dann auch noch ein schlingernder LKW am Bus vorbei, mit einem Aufkleber auf der hinteren Ladeklappe: "Tell me how I drive", und einer Telefonnummer daneben ... als der Trucker uns dann noch einmal bedenklich nahe kam, sagte unser Busfahrer nur: "Do this again, and I will call you, son of a bi...." ... Nun ja, wo er Recht hat ...  

In Edmonton angekommen musste ich schnell überlegen, ob ich an der South oder North Station aussteigen möchte. Vorher habe ich mal recherchiert und festgestellt, dass mein Hostel relativ in der Mitte der beiden Stationen liegt ... South Station lag etwas entfernt vom Stadtzentrum. Also entschied ich mich im Norden auszusteigen, um eventuell gleich noch etwas von Downtown Edmonton mitzubekommen.
Nun ja, diese Entscheidung war mit den Worten "gut und naheliegend' sehr wohlwollend umschrieben ... North Station lag wirklich zentral im Stadtkern, so weit so gut. Jedoch musste ich bei meinem Weg zurück nach Süden das River Valley um den North Saskatchewan River durchqueren - heisst, Berg runter, über die Brücke und drüben wieder hoch. An sich nicht schlecht, das Gepäck liess es bei - 20 Grad aber zu einer echten Härteprüfung werden!
Als ich auf der Brücke war und den Fluss unter mir beobachtete (er trug enorme Eismassen auf der Oberfläche!), fuhren die meisten Autos nur ganz langsam neben mir. Warum, das sollte mir Chris wenig später erklären  
Als ich nach einer Stunde Fussmarsch im Hostelling International ankam, war mein Sandwich gefroren ... mein Shampoo auch, wie ich wenig später beim Duschen feststellte. Ups!  

Im Hostel traf ich nach meinem Check-In aber augenblicklich tolle Leute. So zum Beispiel Owen aus Ontario, der Biologie studierte und meist in Arizona und Nevada auf Schlangenjagd geht, um diese zu melken zur Herstellung von Gegengiften. Dann war da noch Ryan aus Vancouver, der mir tolle Tipps mit auf den Weg gab, sollte ich mal in die Gegend um Vancouver kommen. Am zweiten Tag traf ich dann noch einen Typ aus Wisconsin, der ebenfalls Biologe war und die letzte Zeit in den Rocky Mountains Grizzlybären erforscht hat. Wirklich faszinierend, wen man auf Reisen trifft und was man noch so dazu lernt! Am meisten mochte ich aber Ben aus dem südlichen BC, der mich am Folgetag zuerst durch Edmonton führte, unter anderem entlang der berühmten Whyte Avenue und dann meinen Einkaufswünschen (ihr erinnert euch, ich brauchte Winterklamotten) nachging und mit mir in die West Edmonton Mall, Nordamerikas grösstes Einkaufszentrum fuhr. Und holy shit, diese Mall ist riesig! So gross, dass man unter anderem eine Eislaufbahn, ein Erlebnisbad, unzählige Läden und sogar ein massstabsgetreues Piratenschiff darin unterbringen konnte ... Na ja, für mich war es einfach nur zu gross und zu viel und etwas Brauchbares konnte ich an diesem Tag auch nicht erstatten. Also schlossen wir den Tag im Canadian Brewhouse, einer Bar, ab. Nettes Lokal und das kanadische Bier ist gar nicht mal so übel, im Vergleich zum amerikanischen Gesöff. 

The Canadian Brewhouse

Nach einem langen Abend war dann am nächsten Tag mein Trip mit Chris Biel geplant. Wie mir dieser Typ fehlen wird  Wir hatten eine Menge Spass zusammen und wurden auch schnell fündig bei unserem Shoppingexkurs. Mein Budget war mit 200$ angesetzt für Schuhe, Mütze und Handschuhe, jeweils kanadatauglich versteht sich! Mit knapp 120$ Ausgabe habe ich dann die Southgate Mall verlassen, zufrieden und gerüstet für -40 Grad Celsius! 
Chris erklärte mir auch noch die Sache mit der Brücke und den Autos ... Eine der Brücken über den Fluss ist sehr hoch und wird von Selbstmördern gern als Startpunkt für einen Sprung ins Eiswasser genutzt. Ich befand mich aber auf der niedrigeren von beiden. Mit meinem ganzen Gepäck sah ich für Vorbeifahrende anscheinend aus wie einer, der bisschen mehr Gewicht zum Untenbleiben braucht. Laut Chris fehlte dem Langsamfahren der Autos nur noch der Ausruf "Ey du bist auf der falschen Brücke!" ... nun war auch das Rätsel geklärt und nochmals zum Festhalten: Nein, ich hatte keine Sprungabsichten!

Am Folgetag verliess ich Edmonton gegen Abend wieder. Nicht aber ohne noch einmal ein ungeplantes Abenteuer einzulegen ...
Laut Ticketplan (der etwas ungünstig formuliert war) sollte mein Bus von der South Station abfahren, die ja auch noch in laufgünstigerer Distanz lag. Welch Glück, dachte ich mir, und machte mich (zum Glück!) vor lauter Langeweile etwas eher auf die Socken zum Bus. Als ich nach einigem Suchen (an dieser Stelle vielen Dank an die Deppen von GoogleMaps) dort ankam, bemerkte ich schon, dass nicht das übliche Greyhound-Zeichen, sondern nur die Aufschrift Greyhound-Courier auf den Schildern stand ... Die Dame sperrte ihren Laden soeben zu und konnte mir glücklicherweise noch mitteilen, dass ich falsch bin und zur North Station muss ...  ... Okay, diese 3,5 Kilometer Fussmarsch nach Süden waren also umsonst. Ich hatte ja aber noch viel Zeit, und der Geiz überzeugte mich dann nicht den Bus oder ein Taxi zu nehmen, sondern nach Downtown Edmonton zu laufen ... heisst: 3,5 Kilometer zurück zum Hostel, und dann noch die bereits bekannten 3,5 Kilometer nach Downtown Edmonton ... An diesem Tag habe ich also locker 10 Kilometer Marsch mit vollem Gepäck zurückgelegt und war in North Edmonton dann auch sichtlich bedient ... aber immerhin an der richtigen Station. In solchen Momenten muss man sich dann wahrscheinlich einreden, dass man wenigstens etwas für die eigene Fitness getan hat, andererseits würde man sonst verzweifeln. Also abhaken, und weiter gehts.

Beim Warten auf den Bus traf ich dann Dough London/Ontario, der auf seinem Weg nach Norden war. Wir sprachen ein bisschen und verstanden uns prima. Er bot mir an, bei ihm in Ontario vorbeizuschauen im Sommer, wenn ich Bock auf Arbeiten haben sollte. Zurück nach Ontario ... ich weiss nicht ... ich würde dafür meiner Reiseroute noch mal einen erheblichen Knick verleihen ... dann meinte er, dass er mir 25 $ Stundenlohn zahlen würde  ... so schlecht war Ontario doch gar nicht  ... Schauen wir mal, was daraus wird. Ich werde dran bleiben 


Genug von der grossen Stadt, zurück zur Natur
... und zwar nach Jasper in die Rockies!

Jasper, Alberta

Nach etwas mehr als fünf Stunden Fahrt, kam ich im beschaulichen Jasper in Alberta an. Das erste, was mir auffiel, war die extrem reine Luft, absolut kein Vergleich zu den Tagen zuvor! Also erstmal tief durchatmen und die erste Nacht in den Rocky Mountains geniessen. Ja, mehr war zu dem Zeitpunkt auch nicht möglich, denn es war 2 Uhr morgens, keine Sau war auf den Strassen unterwegs und ich durfte nun das Haus suchen, in dem ich die kommenden Nächte zubringen sollte. An dieser Stelle vielen Dank an familiäre Kontakte, die es mir ermöglichten, bei einem Schulfreund von meinen Cousinen unterzukommen! Mein weiterer Dank gilt auch wieder den Leuten von GoogleMaps ... Im nächsten Leben bitte weniger Kreide holen und dafür mehr Muse im Job investieren!
Das Haus gegen 2 Uhr morgens in einer 6500 Seelen-Gemeinde zu finden, sollte mittels Karte nicht schwierig sein. Insofern Karte und Adresse übereinstimmen  Adresse war richtig, Karte nicht! Demnach durfte ich dann noch einige Minuten länger suchen, als geplant. 
Das war nicht weiter schlimm, nur fand ich alle paar Meter frische Hinterlassenschaften von den unterschiedlichsten Tieren ... und um mich herum knackte es des öfteren ... nicht gerade behaglich gewesen mit vollem Gepäck auf den Schultern  Keine Ahnung wie oft ich mich in dieser Nacht umgedreht und umgeschaut habe, immer wachsam nach der kleinsten Bewegung..
Als ich das Haus dann irgendwann endlich fand, war ich mehr als beeindruckt! Mein Gastgeber, Karsten, lebt in einem 1 Jahr alten Haus und bot mir ein eigenes Zimmer an. Wow, das Haus war wirklich wahnsinnig toll und ich bereute es ein wenig, meinen Bus schon gebucht zu haben, der mich bald wieder aus Jasper wegbringen sollte ... That is life, eh?! 

Karsten ist von Beruf Lokführer und machte sich gleich nach meiner Ankunft auf den Weg zur Arbeit. Am folgenden Tag sollte ich seinen Mitbewohner kennenlernen. Ich fühlte mich auch hier von der erste Sekunde an zu Hause! 

Am Morgen danach wachte ich zeitig auf, geweckt wurde ich von der Sonne durch das Rollo. Als ich das Rollo hochzog wurde ich vom wohl schönsten Anblick willkommen geheissen, der einem nach einer 4-Stunden-Nacht begegnen kann ...

Good morning, Jasper

So sah es beim Blick aus meinen Zimmer aus. Um mich herum nur Berge und Natur. Der Wahnsinn! 
Beim Frühstück traf ich seinen Roommate Marek aus der Slowakei. Was ein cooler Typ, wie Karsten ein Outdoor-Fanatiker und leidenschaftlicher Family Guy Fan (Insider wissen Bescheid, der Rest kann ja mal bei Youtube vorbeischauen ). So verbrachten wir den kompletten Vormittag mit Netflix und dem anschauen von einer Folge nach der anderen. Das tat gut, nach langer Zeit mal wieder etwas TV zu schauen und sich berieseln zu lassen von sinnfreiem Amifernsehen! 

Gegen Mittag machte ich mich dann auf zu meiner Erkundungstour durch und um Jasper. Dazu wanderte ich den Discovery Trail entlang, circa 8 Kilometer um die Stadt. Wow, dabei sind geniale Ausblicke zu bestaunen und Sonne, Schnee und Wildlife machten dies zu einem aussergewöhnlichem Erlebnis! 

Auch der nächste Tag war sehr abenteuerreich gestaltet! Karsten und seine Freundin Annie nahmen mich mit zum Skifahren! Unbeschreiblich, in den Rockies Ski zu fahren! Ohne Worte ...

Marmot Basin, Jasper

Definitiv eines der Highlights meiner kompletten Reise bisher! Danke Karsten und Annie für diesen Tag und auch insgesamt für die so angenehmen Stunden in deinem Haus!

Smile

Am Folgetag nahm mich der Bus um 6 Uhr morgens wieder mit zurück nach Edmonton. Wie gesagt, ich bereute es ein wenig, diesen Bus schon gebucht zu haben ... Aber Karsten meinte, ich sei immer willkommen und damit nehme ich ihn gewissermassen beim Wort  Denn sollte sich mir die Chance ergeben, nochmals nach Jasper zu fahren, so werde ich sicherlich nicht nein sagen! 

The Big Ride

Nun stand eine grosse Herausforderung vor mir ... von Jasper aus knappe 2000 Kilometer Richtung Nordwesten ins Yukon Territory - mit dem Bus. Klingt nach viel und davor hatte ich auch etwas Respekt. Zwei Tage später kam ich dann endlich in Whitehorse, der Hauptstadt des Yukon an und konnte feststellen, dass die Fahrt weniger schlimm als erwartet war. Im Gegenteil. nach längerer Wartezeit in Edmonton ging es bis zur Stadt Grande Prairie, wo es die längste ungeplante Verzögerung gab. Erklärung dafür ist die sich momentan schon auf Hochtouren befindende Weihnachtssaison, wo jeder mit Greyhound noch ein paar Pakete verschicken möchte und dabei viel Zeit in Anspruch genommen wird, zum Nachteil der Fahrgäste. 
Danach ging es weiter nach Dawson Creek in British Columbia, wo wir bei Mile 0 des berühmten Alaska Highway (Highway 1) starteten - leider ohne Foto ... vielleicht ja dann beim Rückweg. Dieser Highway wurde in der Nachkriegszeit des Zweiten Weltkrieges ausgebaut. Von Dawson Creek ging es weiter Richtung Fort Nelson, BC. Kurz davor machten wir eine Pause bei Buckinghorse River, wo ich in einem typischen Truckstop einen megaleckeren Burger essen konnte. Das Wetter wechselte während der Reise nach Whitehorse von dichtem Nebel, über dicke Wolken bis hin zu starkem Schneefall. Der Alaska Highway bot allerlei Interessantes zu sehen. Vor allem bei Nacht. Als wir bei Watson Lake die Grenze zum Yukon überschritten, machte ich mittlerweile mehr Tiere auf der Strasse als Menschen aus ... mehrere Füchse, einen Elk, mehrere Moose, ein paar Deers und sogar einen Bären (was zu dieser Jahreszeit sehr untypisch ist) konnte man mehr oder weniger sehen. Schon zu diesem Zeitpunkt hat sich die Reise hier hoch für mich gelohnt gehabt.
Und das obwohl ich seit Jasper keine Steckdose und kein Internet mehr zur Verfügung hatte. Aber hey, ich habe es mit 15% Akkuleistung von Edmonton bis Whitehorse durchgehalten, beinahe zwei Tage also  Okay, ich musste auch auf jegliche Bilder und meine Musik verzichten, aber ich habe es überlebt. 

Welcome to Whitehorse!

In Whitehorse kam ich dann gegen 4 Uhr morgens an und wie zu erwarten war ich eine der einzigen Personen auf der Strasse. Nichtsdestotrotz ging mit den vielen weihnachtlichen Lichterketten, der frischen Luft der Berge, dem Rauschen des Yukon und der übersichtlichen Stadtstruktur ein grosser Charme von diesem Ort aus. Check-In für meine erste Hostelnacht war gegen 8 Uhr morgens ... Tim Horton's sei Dank, ich konnte die Zeit bis dahin im Warmen und mit Strom und Wifi (!) überbrücken! Genial, jedoch merkt man dann erst einmal, wie abhängig man doch mit der Zeit von Technik und Co. als Mensch wird und wie man dann bei plötzlichem Ausbleiben auf dem Schlau steht ... Scheiss first world problems

Der Sonnenaufgang liess bis 9.30 Uhr auf sich warten ... Daran werde ich mich jetzt wohl gewöhnen müssen. Meine Müdigkeit hatte ich mittlerweile ganz gut im Griff und ich überlegte, was ich an meinem ersten Tag so anstellen könnte. 
Viel wurde am Ende nicht, denn ich nutzte die Zeit bei einem Kaffee erst einmal, um Mails zu checken und ein paar Bewerbungen für Couchsurfing zu versenden. Zur Erklärung für Nichtinformierte: Bei Couchsurfing vermietet ein Gastgeber (oft waren diese selbst einmal Gast als Surfer) meist seine Couch, manchmal aber auch ein komplettes Bett mit einem Zimmer für eine oder mehrere Nächte für umsonst! Diese Art der Unterkunft ist extra für Reisende entwickelt worden und stellt meiner Meinung nach die beste Alternative zu kostenintensiven Unterkünften dar. Dabei geht es nicht nur um das blosse Schlafen bei einem fremden Gastgeber, sondern man sollte auch einige Zeit mit jenem verbringen und nicht nur 'Durchreisen'. Im meinem Fall bin ich ein Surfer, das Prinzip funktioniert aber auch andersherum, sodass ich mit einer eigenen Wohnung auch ganz einfach als Host für andere Reisende fungieren kann.
Die restliche Zeit, bis ich auf meine mögliche nächste Farm reise, werde ich hoffentlich bestmöglich mit Couchsurfing verbringen. Ganz einfach um Geld zu sparen und mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. Wie sich am Ende aber herausstellte, liessen sich viele Gastgeber mit ihren Antworten Zeit oder hielten manchmal auch Termine nicht ein, sodass ich oft wieder im Hostel oder bei anderen Freunden unterkam. 

Der erste Tag im Hostel war dennoch fantastisch. Das Beez Kneez Bakpakers liegt in Downtown Whitehorse und man fühlt sich gleich willkommen. Es ist klein, aber fein und sehr gemütlich! Momentan sind wenige Leute unterwegs, sodass ich mit Klaus aus Brasilien und Mike aus BC tolle Gesellschaft hatte für die leider nur sehr kurze Zeit.
Einige tolle Gespräche hatte ich auch mit Nancy, der Inhaberin des Hostels. Sie besitzt einen Alaska Sled Dog, also einen echten Schlittenhund, der auch am Yukon Quest, einem Schlittenrennen quer durch den Yukon, teilnimmt. Die Hündin heisst Bertha, ist mittlerweile zehn Jahre alt und legte im vergangenen Jahr stolze 3000 Meilen als Schlittenhund zurück. Nancy meint, das man Bertha den grössten Gefallen tut, wenn man sie während einer Autofahrt auf abgelegenen Strassen einfach rauslässt, mit 30 Stundenkilometern weiterfährt und sie dann neben oder hinter dem Auto her rennen darf. Nach einigen Minuten springt Bertha dann wieder auf den Beifahrersitz, wackelt mit ihrem Schwanz und schaut Nancy mit einem Blick an, der zu sagen scheint: "That was fun!".

Durch jene Unterhaltungen erfuhr ich aber beispielsweise auch einiges über das Bildungssystem im Yukon - was auf gut deutsch gesagt total für'n Arsch ist. Am meisten schockiert mich, das Kinder heutzutage nicht mal mehr Schreiben mit einem Stift in der Hand lernen. Selbst das stupide Tippen am Computer wird nicht mehr gelernt. Nach einigen Jahren in der Schule sind die meisten gerade einmal fähig handschriftlich ihren Vornamen zu notieren. Sobald die Kinder meinen, sie hätten am Wochenende keine Zeit für ihre Hausaufgaben, so dürfen sie diese auf unbestimmte Zeit verschieben. Als Nancy noch zur Schule ging, war natürlich auch nicht alles rosig, aber Schreiben konnte sie wenigstens noch. Dafür wurde ihr damals verboten mit links zu schreiben, man zwang sie mit rechts zu schreiben, obwohl sie Linkshänderin war und ist. Derartige Methoden wurden mir von meinen Lehrern aus deren Schulzeit in der DDR schon berichtet. Das jene Pädagogik es auch bis in den fernen Norden Kanadas schaffte ... allerhand. 

An meinem ersten Tag in Whitehorse schneite es fast den gesamten Tag. Dennoch wagte ich mich nach draussen und spazierte den Yukon River entlang. Allerhand Geschichte, die einem da begegnet! Angefangen von der S.S. Klondike, einem der grössten Dampfschiffe, das während des Gold Rush Anfang des 20. Jahrhunderts im Norden Kanadas den Yukon auf und ab fuhr, begrüsste mich gleich zu Beginn.

S.S. Klondike

Die Klondike benötigte für die Fahrt flussabwärts nach Dawson City nur 6-7 Stunden. Zurück nach Whitehorse allerdings manchmal eine ganze Woche, was wohl ganz klar für die Energie des Yukon spricht. Ganz schön beeindruckend. Danach sieht man viele Tafeln mit Bildern aus der damaligen Zeit, als Dawson City im norden des Yukons noch die Hauptstadt war und Whitehorse allmählich heranwuchs. Einen imposanten Vergleich bekommt man, wenn man danach den Yukon entlang läuft und die alten Bilder mit dem heutigen Zustand vergleicht! Wahnsinn!  

Dass diese Stadt eine ganz eigene Mentalität versprüht, die mir sehr gefällt, merkt man an den vielen fremden Menschen, die einen ohne jeden Grund zulächeln, oder dass Autofahrer schon 200 Meter vor der Kreuzung einem signalisieren, dass man beruhigt loslaufen kann, oder auch Notizen wie diese:

Freundlichkeit pur!

Auch die späteren Tage in Whitehorse verbrachte ich damit, die Stadt ausgiebig zu erkunden. Das Wetter zeigte sich dabei nicht immer von seiner besten Seite ...

Yukon River

Schnell lernte ich hier Leute kennen. Darunter natürlich - warum auch nicht - Deutsche. Nancy und Elke waren gleich zu Beginn sehr freundlich und liessen mich bei ihnen via Couchsurfing unterkommen. Gleich am ersten Abend machten wir einen Ausflug in die Hot Springs, die nur einige Kilometer entfernt von Whitehorse liegen.

natürliche heisse Quellen

Und glaubt mir, es war so traumhaft, wie es das Bild schon vermittelt. Ein riesiges Becken, aus dessen Wänden sehr heisses Wasser direkt aus unterirdischen Quellen einströmt. Das alles mitten im Schnee. Ergo war es irre, eben mal das 40 Grad Celsius warme Wasser zu verlassen, sich eine Minute im Schnee zu wälzen und dann zurück ins Wasser zu springen. Wie tausend kleine Nadelstiche, aber sehr lustig und belebend 

Whitehorse selbst ist umgeben von vielen hohen Bergen und liegt selbst in einem Talabschnitt. Man muss nicht weit laufen, um sich auf Klippen zu befinden, von denen man einen super Ausblick über die Stadt hat. 

Whitehorse, Yukon

Wenn dann noch das Wetter mitspielt  ... Gleich ein paar Meter hinter diesen Felsen befindet sich der Flughafen von Whitehorse. Selbst dieser liegt in erlaufbarer Entfernung und ist wirklich recht niedlich und klein. Hauptsächlich werden Flughäfen wie Vancouver, Calgary oder Edmonton angesteuert. Jedoch fliegt von Mai bis September auch wöchentlich ein Flugzeug direkt nach Frankfurt und zurück. Also falls ihr mal das Yukon-Fieber verspürt, das ist eure Chance!

Der Whitehorse Airport wurde während und nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut, zusammen mit dem Alaska Highway und meist von amerikanischen Soldaten. Ziemlich unheimlich ist ein Krematorium, was heute noch in der Nähe des Flughafens steht und wo früher bei der (harten) Arbeit verstorbene Soldaten einfach verbrannt wurden.

Krematorium

Flughafen und Stadt hin oder her, man befindet sich im Yukon und demnach ist auch die Wildnis nicht weit. Im Sommer über werden auf eben diesen Klippen über der Stadt selbst Bären gesichtet. Zum Glück ist Winter! Das hält andere tierische Freunde aber dennoch nicht davon ab, der Stadt so nahe zu kommen ...

In Realität sahen diese Spuren wirklich riesig aus. Vielleicht war es ein verdammt grosser Hund, aber selbst Teko war damals in Lacombe nicht gerade klein und hat nie derartige Spuren hinterlassen. Wer weiss, wer weiss. Man dreht sich auf jeden Fall ein paar Mal mehr um und läuft auch etwas schneller, wenn man das bei Wandertouren im frischen Schnee entdeckt 

Nach einer Woche in Whitehorse traf ich dann Thomas, ebenfalls Deutscher. Er ist Flugbegleiter bei der Lufthansa und ein echt super Typ. Ich erfuhr eine Menge über seinen Beruf - der gar nicht mal so schlecht ist, wie er heutzutage von vielen betitelt wird. Er arbeitet beispielsweise von April bis September und zwar richtig hart und das weltweit. Dabei wechselt er meist alle 2-3 Tage das Team und trifft somit immer neue Leute in neuen Städten und Ländern. Bei Aufenthalten in diesen Ländern bekommt er dann Unterkünfte und die meisten Mahlzeiten auch gestellt und vom Jahreslohn wird ihm in dieser Zeit die Hälfte schon gezahlt. Ihr denkt, das wäre schon das Beste? Nun, in der Zeit von Oktober bis April bekommt er sozusagen "frei", das heisst, er bekommt die andere Lohnhälfte und hat dann Reisezeit. Als Angestellter der Lufthansa bekommt er dabei Vergünstigungen auf vieles, insbesondere Flugtickets. Vor langer Zeit hiess es mal, dass Betroffene in diesem Fall nur 10% vom eigentlichen Preis zahlen. Wie gesagt, lange her. Heute wahrscheinlich gar nicht mehr finanzierbar. Nichtsdestotrotz noch immer ein lohnendes Angebot und so reist er nun seit ein paar Wochen schon durch Kanada und ist jetzt für einige Tage in Whitehorse, um auch diese Yukon-Erfahrung zu machen. Dabei reist er mit einer preislich günstigen Art Flugticket, bei der er Abreisedatum nur grob festlegt und dann am Flughafen schaut, ob Platz im Flugzeug ist, um mitzufliegen. Falls ja, dann geht es ab zum nächsten Ziel, falls nein, so muss man warten bis etwas frei wird. Nach einiger Zeit in Kanada heisst sein nächstes Reiseziel Costa Rica. Von -30 Grad Celsius zu +30, dabei mal viel Spass 
Ich war in dieser Zeit sehr erstaunt von mir selbst, denn Thomas fragte nach den Must-sees in Whitehorse und ich konnte ihn tatsächlich zu den meines Erachtens besten Plätzen führen. 
So schauten wir uns nochmals Whitehorse von den Klippen aus an und harrten einige Zeit beim Flughafen aus, dabei sahen wir die unterschiedlichsten Flugzeugtypen starten und landen: Sportflugzeuge, kleine Passagierflugzeuge, grössere Maschinen, einige Frachtmaschinen und sogar ein Militärflugzeug. Nach einiger Zeit machten sich die -25 Grad Celsius inklusive Wind dann bemerkbar und unsere Körper dankten es uns, als wir wieder im Tal waren. 
Danach liefen wir entlang des Yukons, wobei uns gegen die Mittagszeit das Bild von dem höchsten Sonnenstand der momentanen Zeit gelang. Diese Aufnahme möchte ich euch natürlich nicht vorenthalten ...

Whitehorse, Yukon,

Wenn man nun noch bedenkt, dass am 21. Dezember, also in guten drei Wochen erst, der kürzeste Tag des Jahres sein soll, dann ist dieses Bild von Ende November schon sehr beeindruckend, denn aus Deutschland kenne ich derartige Bilder nur von Sonnauf- und -untergängen. 

Gegen Abend zog sich der Himmel jedoch wieder zu und der Yukon atmete förmlich.

Wir machten uns dennoch auf zu einem 6 Kilometer langem Marsch am Fluss entlang, zur weltgrössten Fishladder ihrer Art ...

Fishladder und Kraftwerk

... die leider um diese Jahreszeit geschlossen ist. Deshalb entstand nur dieses Bild aus weiter Ferne. Die Fishladder, zu deutsch Fischtreppe, ermöglicht es den Wasserbewohnern unwegsame Stellen, wie Wasserfälle oder eben dieses Wasserkraftwerk unbeschadet zu passieren. Allerdings haben wir bei diesem Wetter bisher noch keinen einzigen Fisch gesehen ... selbst denen scheint es zu kalt zu sein ... nur diese (deutschen) Touries trauen sich wieder hinaus 

Auch der folgende Tag war grandios, als wir uns einfach mal in die Wildnis begaben und unser Ziel spontan suchten. So strandeten wir bald bei den sogenannten Hidden Lakes und glaubt mir, das war der wohl beste Tag im Yukon bisher!!! Seht selbst warum (anklicken zum vergrössern) ... 

Kurz vor dem Abgrund Schwatka Lake

Wie geht es nun bei mir weiter?

An Möglichkeiten fehlt es mir definitiv nicht. Ich würde wahnsinnig gern nach Dawson City, die frühere Hauptstadt des Yukons im Norden am anderen Ende des Yukon Rivers. Auch Geisterstädte wie Mayo und Keno wurden mir empfohlen. Hauptsächlich warte ich momentan aber auf ein Treffen mir Sue, der Besitzerin einer Farm bei Pelly Crossing, 200 Kilometer nördlich von Whitehorse, nahe Mayo. Wenn alles gut läuft, kann ich dort für einige Zeit mit unterkommen. 
Momentan hängt alles davon ab, wann ich mich mit ihr treffe und wann sie mich schlussendlich mit nach Pelly nimmt. Dies kann ganz spontan und schnell gehen, von daher hier schon einmal ein paar Vorbemerkungen:

  • Pelly liegt sehr weit nördlich und hat kaum Zivilisation im weiteren Umkreis.
  • Die Farm an sich liegt nochmals um die 30 Kilometer weit im Bush. 
  • Die einzige dortige Energiequelle lautet Solarenergie (Strom sparen!)
  • Demnach habe ich keine Ahnung Smartphonenutzung und Internetzugang betreffend. Da Sue mir aber immer nur schreibt, wenn sie die Woche über in Whitehorse ist, vermute ich, dass ich wohl keines zur Verfügung haben werde. 
  • Das heisst: womöglich hören wir, sollte es urplötzlich so weit sein, für etwas länger nichts von einander - insofern diese Erwartungen sich bewahrheiten. Man soll ja immer vom "Schlimmsten" ausgehen 
  • Smarthphone-freie-Zeit macht mir nichts aus, dies soll lediglich schon einmal als Vorwarnung dienen, falls einige mich dann versuchen zu erreichen und Philip not available ist. 
  • Ich gebe mir Mühe, sollte es soweit sein, noch einmal Bescheid zu geben, ganz einfach aus dem Grund, da ich ja schon mit vielen - aus der Heimat beispielsweise - hier noch regen Kontakt halte und dieser dann erst einmal ruhen würde. 

Bis es aber zu diesem Moment kommt, geniesse ich die Zeit in der Hauptstadt dieser leider noch für viele zu unbekannten Region.

+++ UPDATE +++

Am Montagmorgen erhielt ich die Mitteilung, dass Dale Bradley in Whitehorse ist. Spontan holte er mich ab und wir erledigten einige Auslieferungen von frisch geschlachteten Kühen, unter anderem zur "Off the Hook" Fleischerei, wo wir Fleischstücke mit Gewichten von bis zu 220 Pfund zu zweit abladen mussten - keine leichte Arbeit, aber interessant mal hinter die Kulissen schauen zu können. Zwischen Laderaum und Führerhaus waren die Felle von 16 Kühen und 5 Elchen gelagert, die Dale in letzter Zeit gejagt hat. Er musste letztens auch wieder einen Wolf erschiessen, da er der Farm auf Dauer zu nahe kam und man sie unbedingt fern halten muss und sie dürfen keineswegs die Chance erhalten, eine Kuh zu töten, denn sobald sie dies einmal erreichen, wissen sie, wie sie es erneut tun können und dann wäre es fürs erste vorbei mit der Rinderherde. Dale scheint wirklich ein super Kerl zu sein und ich genoss den gemeinsamen Montag. Mittwoch wird er mich mit zur Farm nehmen, was da so abgeht ist oben genannt. 
Nun geht es endlich voran und meine Pläne nehmen Form an. Ich hoffe nach wie vor, dass die Pelly River Ranch Internet zur Verfügung stellt. Andererseits hören wir sonst wohl erst wieder im kommenden Jahr von einander. 

Lasst es euch gut gehen und eine angenehme Weihnachtszeit! 

Panorama Yukon

Yukon ist wirklich anders, als die anderen Provinzen, die ich bisher erlebt habe. Defintiv eine Reise wert! 

Peace and out!

70 Tage unterwegs - Neues Kapitel folgt

Donnerstag, 13.11.2014

Die Zeit bei William und Edie verging so schnell ... zumindest teilt mir das mein Gefühl mit. 

Ingesamt 6 Wochen bin ich bei Billyco Junction Gardens Teil der Familie Biel gewesen. Nun sind wir schon mitten im November und meine Reise geht weiter. Nicht aber ohne nochmals einen kleinen Rückblick auf die Höhepunkte der vergangenen Wochen zu geben. Es war einfach noch zu viel Erwähnenswertes dabei ... So zum Beispiel ...

... mein erster Schnee in Kanada ...

Winteranfang

Klingt nicht spannend, aber wenn Winter in Deutschland mittlerweile Mangelware ist und nur noch ansatzweise vorbeischaut, dann kann man sich darüber schon mal freuen. Bill blieb allerdings entspannt und zeigte mir daraufhin Bilder vom September 2014. In diesem Monat durfte sich die Region um Red Deer schon mal über Schnee freuen (September!) und es wurde fleissig geschaufelt und die Ernte vor dem Erfrieren gerettet. Der Schnee in diesem Fall jetzt lag auch einige Zentimeter hoch und schmolz nur langsam dahin, sodass wir uns ein paar Tage daran erfreuen durften. Wobei Tiko wohl noch mehr Spass daran hatte, als wir anderen zusammen. 

Die Wetterlage war durchaus überraschend. Nichtsdestotrotz wurde es in der letzten Woche vor meiner Abreise noch etwas turbulenter und der Wetterbericht ließ schon nichts Gutes ahnen. So offenbarte sich uns eines Tages dieses Bild beim Blick aus dem Fenster ...

... und der Blick auf's Thermometer verriet ...

-20 Grad Celsius

Dabei blieb es aber nicht ... Die Voraussage meinte, die Temperaturen sinken noch weiter. Und so hatten wir Donnerstag (für mich rekordverdächtige) Temperaturen bis zu -31 Grad Celsius!!!


Da blieb nicht viel Möglichkeit, um draußen zu arbeiten. Jeder Schritt vor die Tür wurde zur Herausforderung und das Schneeschaufeln war eine Art Mutprobe, wer es am längsten aushält - trotz einiger Lagen Handschuhe und Socken und Hosen und Jacken. 
Laut Bill sind diese arktischen Tage die ersten Anzeichen für richtigen Wintereinbruch. Des Weiteren fliegen die Gänse beispielsweise nun nach Süden, was sie in den vergangen Wochen noch nicht getan haben. Ein weiteres Indiz also. 

 

... Dessert verkaufsfertig machen ... 

Man erzähle den Kanadiern von einem leckeren Rezept für ein Kürbisdessert, weil sie hier vor lauter Ertrag nicht wissen wohin mit dem Zeug, sie probieren es, finden es klasse und schwupps hat man die Ereigniskarte gezogen und seine Tagesbeschäftigung bekommen ...
So bekam ich sechs mittelgrosse Kürbisse vorgesetzt, mein Rezept daneben und dann durfte man sich einen Tag lang in der Küche austoben. Schälen, zerschneiden, stückeln, Zeug mischen und kochen, danach noch in Gläser füllen und einkochen. Endergebnis? 26 grosse Gläser voll als Tagesausbeute, um viel Wissen und ein Rezept reicher und müder, als an manchem Tag auf dem Feld. Aber der gewünschten Abwechslung kam es sehr entgegen. 

 

... ein neues Familienmitglied begrüssen ...

Klar nehme ich ein Bad in meinem Napf!

Das ist der Neue. Mumu. Den netten Namen bekam er von Trinity, weil sie der Meinung war, er sieht aus wie eine Kuh. Nun ja, die Fantasie sei ja grenzenlos. 

Warum brauchten wir aber einen neuen Hamster?

Der Vorgänger war tot ... Nicht schön, aber um es mal mit Bills Worten auszudrücken ... "Der andere war anscheinend kein High-Quality-Hamster, denn er hat nach 31 Tagen den Geist aufgegeben. Auf der Rechnung stand eine Garantie von 30 Tagen ... so ein Scheiss!".
Man stellt sich normalerweise nun die Frage, wer eine Garantie von einem Monat auf das Leben eines Hamsters gibt. Gelernt habe ich aber, hier nicht mehr zwischen normal und abgedreht zu unterscheiden, andere Länder - andere Sitten. Und so kam es, dass sich die Familie an besagtem Abend ins Auto setzte und nach Red Deer fuhr und - mit dem kalten Hamster im Gepäck - in die Tierhandlung ging und ihn gerne gegen einen Neuen eintauschen wollte. Die Verkäuferin liess sich auch breitschlagen und beachtete den einen Tag Garantieüberschreitung nicht. Und so kamen sie glücklich zurück mit einem neuen Hamster. Nun zählen wir schon die Tage und hoffen, dass dieser mehr Qualität und Lebenswille zeigt, bis zu meiner Abreise schaute er jedenfalls noch lebendig aus 

 

... inoffiziell einen BE-Führerschein machen ... 

"Schon mal mit 'nem Trailer gefahren?" ... Nein ... "Schon mal gesehen?" ... Ja. "Dann wird das." 

So wurde mir an dem Tag vermittelt, was ich zu tun habe. Und ehrlich, viel dazu ist wirklich nicht. Keine Ahnung, warum man in Deutschland für grosse Anhänger spezielle Führerscheinklassen benötigt, in USA und Kanada schert sich keiner darum. Ein Anhänger war bis dato für mich auch Neuland, aber mit Bills Worten im Ohr sollte das schon klappen. Tat es dann auch und selbst mit vier Lagen Stroh geladen liess es sich noch angenehm fahren, selbst rückwärts und beim einparken. Wieder etwas, dass ich von meiner To-Do-Liste streichen kann. Und es macht darüberhinaus noch wahnsinnig Spass mit dem langen Teil herumzufahren. 

 Remembrance Day

Am 11. November feierte Kanada einen Tag zum Gedenken an die in den Kriegen mit kanadischer Beteiligung Gefallenen. Dazu haben wir - Sarah, Ramona, Edie und ich - uns im Lacombe Memorial Centre wiedergefunden und eine Menge Neues gelernt. So weiß ich nun, dass Kanada als direkter Nachbar von den USA einiges an ideologischem Mist mit abbekommen hat. Denn geht es um Gedenken an Kriegsopfer, so stützt man sich weiterhin auf Zusammenhalt und Gott und dem Schutz der errungenen Freiheit. Diesem verdammten Kriegsführen weltweit aber mal ein Ende zu setzen ... dazu scheint hier keiner im Stande. Entweder steht Gott im Weg oder der mächtige Nachbar macht Druck. Und so fliegt auch Kanada momentan weiter Lufteinsätze in Syrien und trifft sich dann einmal im Jahr, um den bis dato Gestorbenen zu Gedenken.

"Lest we forget" - damit wir nicht vergessen. Massenhaft Kränze niederlegen, ein paar einstimmende Worte von Pastoren, dass man auf Gottes Wort hören und die eigene Freiheit weltweit (!) schützen soll, Kinder in Soldatenuniformen, die vor den Kränzen und Veteranen energisch salutieren und eine Menschenmenge, die bei jeder Hymne zu Land und Religion aufspringt und vereint mitgrölt ... zwei Stunden durfte ich an dieser Zeremonie teilnehmen und war hin und hergerissen zwischen Faszination, Ekel und Fragen. Viele Antworten wollten die Sprecher in dieser Zeit geben, aber nicht auf die richtigen Fragen und auf meine schon gar nicht. Ein Mann drückte es dann so aus, dass man sich anstatt zu "erinnern" und den "Gefallenen zu gedenken" mehr "Verantwortung übernehmen soll". Ob er damit jedoch meint, diesem Kriegstreiben mal ein Ende zu setzen und sich auch als vielfältig auftretendes Kanada vom südlichen Nachbarn in dessen Eifer nach Macht und Einfluss abzugrenzen ... Dies weiß ich bis heute nicht. Hier spiegelt sich jetzt womöglich viel meiner eigenen Meinung wider und manchen Lesern schwebt ein anderes Weltbild vor, aber sorry, das musste ich nun mal als Gedanken zu diesem Erlebnis loswerden.   Zurück zu Erfreulicherem:

... Neue Freunde ... 

Gerade schon einmal erwähnt, hatte die Farm in meiner letzten Woche noch zwei weitere WWOOFer - Sarah und Ramona aus Deutschland. Beide hatten auch in diesem Jahr ihr Abi gemacht und wollten nun erst einmal ins Ausland. In der gemeinsamen Woche stellten wir allerhand Gemeinsamkeiten und ähnliche Vorstellungen fest und es war angenehm, mit Leuten zusammen zu sein, die genau so ticken, wie man selbst. Ob es der Remembrance Day in Lacombe war, das Schneeschaufeln bei abartig tiefen Temperaturen, unterhaltsame Abende oder das gemeinsame Kochen für 19 Leute, als die gesamte Familie Biel zu Besuch kam ... wir hatten eine absolut geniale und lustige Zeit, obwohl wir nur eine Woche zusammen lebten. In diesen beiden schwäbischen Mädchen habe ich mit Sicherheit neue Freunde gefunden und man hält sich sicherlich auf dem Laufenden, wie die jeweilige Reise weiter geht!  

... Pesto zubereiten ...

Natürlich mit Spinat aus dem hauseigenen Garten und nur noch wenigen Verfeinerungen. Da es wirklich richtig gut ist, hier das Rezept für Interessierte und Pestoliebhaber: 

  • 400 Gramm frischen Blattspinat
  • 200 Gramm Basilikum (man kann stattdessen auch 600 Gramm Spinat insgesamt nehmen)
  • 4 Knoblauchzehen
  • 2 Esslöffel Zitronensaft
  • 1/2 Cup (120 Gramm) Parmesan
  • je 1 Teelöffel Salz und Pfeffer
  • 470 ml Olivenöl
  1. Spinat und Basilikum waschen, klein schneiden und Wasser abtropfen lassen
  2. andere Zutaten in einem Mixer zusammenmischen und Spinat in kleinen Mengen dazu geben und nach und nach kleinmixen lassen

Das Endergebnis sollte dann in etwa so aussehen ...

  Spinach Pesto

... und schmeckt perfekt zu Pasta, als Brotaufstrich, als Dip oder was auch immer zur Verwendung möglich ist. 

Lunch mit Pesto
Für eine 600ml-Packung Pesto haben wir jeweils einen grossen Korb voll Spinat benötigt. Im Verhältnis gesehen sieht es am Ende nach nicht viel aus, die Arbeit lohnt sich aber. Immerhin hat man bei einem Löffel Pesto umgerechnet eine ganze Schüssel Salat vor sich 

 

... Feldarbeit bei Eisnebel ... 

 

Das Thermometer zeigte -7 Grad Celsius. Wingeschwindigkeit 31 km/h und Sichtweite kaum 50 Meter. Aber Erdbeeren und Knoblauch mussten noch gerettet werden. Deshalb 3 Paar Handschuhe, Mütze, 4 Paar Socken, Thermounterwäsche, dünner Pullover, Fleecepullover, Jeans, Jacke und Stiefel angezogen und ab nach draussen und die Feldreihen mit Stroh abgedeckt. Der Wind war das schlimmste, denn so wurde es noch kälter und die Bewegungsfreiheit war eingeschränkt. Selbst Tiko hatte an diesem Tag keine Lust nach draussen zu gehen, und das möchte etwas heissen, denn dieser Hund springt selbst am frühen Morgen bei leichten Minusgraden in den Teich vor'm Haus.
Nach 6 Stunden war es dann auch geschafft und der Wind hat kaum Schaden mit dem ausgeworfenenen Stroh angestellt. Mit unserer Kondition allerdings schon, doch eine heisse Schokolade uuuund ...

Strawberry Smoothie

... ein leckerer Erdbeer-Smoothie mit Sahne konnten Abhilfe schaffen und die Laune bessern. 

 

 ... die Wiedergutmachung ...

Der Herbst zeigte sich kurz danach aber auch noch einmal von seiner besseren Seite und der sogenannte Indian Summer, also die Zeit, wenn es hier im Spätherbst nochmals angenehm warm und sonnig wird und man letzte Möglichkeiten zur Arbeit im Freien bekommt, zeigte sich in voller Pracht. So hatte Bill die Idee, zwei weitere Lagen Stroh auf Erdbeeren und Knoblauch auszuwerfen. Gesagt, getan. Sonne und Wolken boten ein atemberaubendes Naturschauspiel und dann gab es einen kurzen Moment, als mir dieses Bild vor die Linse kam.

Mit so etwas zum Beobachten macht die Arbeit doch gleich doppelt Laune.

Mit derartigem Wetter könnte es sich aber damit auch erledigt haben ...

... Die Weiterreise ...

Diesbezüglich stehen mir eigentlich alle -hauptsächlich westlich gerichteten - Türen offen. Bis zuletzt befande ich mich mitten in Alberta. Im Süden liegt Calgary (wo ich ja schon war) und noch etwas südlicher der US-Bundesstaat Montana, der mir auch gewissermassen imponiert für einen kurzen Abstecher. Im Osten ist die kanadische Prärieprovinz Saskatchewan, gezeichnet von endlos flachen Landflächen. Sicherlich auch interessant. Im Westen liegen die Rocky Mountains, defintiv DAS Ziel meiner Reise in dieser Gegend, dahinter die Provinz British Columbia, die womöglich das Finale meines Trips darstellen wird. Doch demnächst verschlägt es mich dann doch erst mal in den Norden. Und mit Norden meine ich Norden
Zunächst aber geht es schrittweise voran. Mein kommendes Ziel heisst Edmonton und ist die fünftgrösste Stadt Kanadas. Der älteste Sohn der Familie Biel, Chris, wohnt mit seiner Familie in Edmonton. Bei den Treffen auf der Farm haben wir uns bestens verstanden und nun hat er mich eingeladen, damit er mir Stadt und Land zeigen kann. Super Sache! Da ich für den Winter noch nicht komplett ausgerüstet bin, hat er mir seine Hilfe angeboten, um auf Shoppingtour zu gehen und das Richtige zu bekommen. Zwei Männer auf 'nem Shoppingtrip in Edmonton, darüberhinaus noch mit Chris, der bei Familientreffen immer für Unterhaltung sorgt (bei 5 Kindern muss er das vermutlich drauf haben) und einen Kracher nach dem anderen raus haut.
Kann nur gut werden 
Nach einigen Tagen geht es dann in die Rocky Mountains, genauer gesagt Jasper. Durch Bekanntschaften in der Familie (vielen Dank dafür!) konnte ich da an einen netten Mann namens Karsten geraten, der mir für die Zeit einen Platz in seinem Haus angeboten hat. Perfekt, Insiderbekanntschaft in Jasper und bisschen Geld sparen. Schwer zu erkennen ist vermutlich nicht, dass es sich bei ihm um einen Deutschen handelt. Ich bin schon sehr gespannt darauf, seine Geschichte über sein Auswandern und Neuanfang in Kanada zu hören. 

Und danach? Ja, wie gesagt - Norden 

Dass es einmal so weit kommt, hätte ich mir vor einigen Wochen womöglich selbst nicht erhofft oder gedacht. Geplant war ein weiterer Farmaufenthalt in der Gegend um Red Deer. Das wäre sicherlich auch eine super Sache gewesen. Aber mehrere Monate in der selben Stadt ... das passt mir irgendwie nicht so wirklich. Dafür habe ich Red Deer, Lacombe und Central Alberta wahrscheinlich zu gut kennengelernt in den vergangenen Wochen. Die Pläne änderten sich aber ... Ursache? Nun, spricht man mit den meisten Kanadareisenden, so hört man Stories über British Columbia (meist Vancouver), Ontario (meist Toronto) und manchmal noch bisschen zu Quebec oder Alberta. Der Rest bleibt unerforscht oder zumindest unerzählt. Dann muss ich das wohl auf eigene Faust herausfinden, weg vom Mainstream-Reisen also  So machte ich mir Gedanken, recherchierte etwas und sprach auch mit Einheimischen und erlangte so ein vielfältiges Bild von möglichen Reisezielen. Endergebnis schaut so aus ...  

In den Mittelgebirgen in Deutschland befinden wir uns im Gradnetz der Erde circa bei 50 Grad nördlicher Breite. Mein Ziel heisst nach Jasper zunächst Whitehorse, ist die Hauptstadt des Yukon Territoriums und liegt bei etwas mehr als 60 Grad nördlicher Breite. Noch nichts davon gehört? Dann habt ihr heute wieder etwas Neues gelernt  Nach einigen Tagen in der grössten Stadt (ca. 26.000 Einwohner, im gesamtem Yukon leben um die 33.000 Menschen) ist mein Hauptziel dann eine Farm noch etwas nördlicher, genannt Pelly River Ranch. Vermutlich werde ich dann dort den Winter verbringen. Die Gastgeber machen mir schon jetzt Mut für -40 Grad Celsius im Durchschnitt. Das wird kanadischer Winter vom Feinsten. 
Wie gesagt, damit habe ich auch nicht gerechnet, aber nun bin ich sehr motiviert und glücklich über die Entscheidung, etwas anderes zu machen, als die meisten anderen und auch mal Neues zu erforschen. Sobald ich in Lacombe Leuten von meiner geplanten Reise ins Yukon berichtete, fingen diese an zu schwärmen und machten mir nur noch mehr Freude auf das Bevorstehende. 
Ihr seht im Bild aber auch, die Reise ist erneut 2700 Kilometer lang und ich befinde mich auch im Bus für gut zweieinhalb Tage, allein die Fahrt von Jasper nach Whitehorse dauert zwei Tage. Von nicht, kommt aber auch nichts.
Ich kann euch sagen, es hat riesig Spass gemacht, die Reise in der Zeit bei Bill und Edie gemeinsam mit WWOOFern und der Familie zu planen, kann es kaum erwarten, das jetzt in die Tat umzusetzen.  

Warum erzähle ich euch so viel über das Bevorstehende? Jasper und Edmonton sollten kein Problem darstellen, aber vor allem die Pelly River Ranch liegt 200 Kilometer von einer grösseren Zivilisation entfernt, versorgt sich nur durch Solarenergie und einige wenige Generatoren und liegt demnach also sehr abgelegen. Internet? Sollte ich nicht als selbstverständlich betrachten, deshalb könnte es sein, dass man einige Zeit auf Neuigkeiten wartet.

Bis hierhin ...

... wisst ihr also erst einmal, wie es mir bis Mitte November so ergangen ist. Beschweren konnte ich mich bisher noch nie und ich habe keine Entscheidung, die ich treffen musste, bis jetzt bereut - ausser vielleicht in Calgary den gesperrten Fussweg zu benutzen und dafür beinahe 300 Mäuse löhnen zu müssen. 

Das Land und die Leute faszinieren mich täglich auf's Neue und drängen das Gefühl Heimweh weit in die Ferne. In den ersten beiden Monaten hatte ich noch nicht das Bedürfnis, unbedingt zurück nach Deutschland zu wollen. Nichtsdestotrotz vermisst man einige kleine deutsche Eigenheiten und Dinge. Warten mir mal ab, wie es sich weiter entwickelt. 

Lacombe, Alberta

Jeder Tag ist ein neues Erlebnis und wird von mir auch als solches angesehen und gelebt. Und sei es auch ein "- 40°C-Tag", welcher bald sicherlich keine Seltenheit mehr sein sollte! -31°C hatte ich ja schon ...

Aus dem Leben eines WWOOFers

Freitag, 24.10.2014

Woo-was? .... Ich habe es im letzten Eintrag schon einmal etwas erklärt, aber um offene Fragen entgültig aus dem Weg zu räumen - hier jetzt noch ein paar mehr Informationen!

WWOOF heisst übersetzt Willing Workers oder manchmal auch World Wide Opportunities on Organic Farms. Darunter versteht man also das freiwillige Arbeiten auf Farmen, die sich dem organischen Anbau von Lebensmitteln verpflichten und dieses Programm wird weltweit angeboten. 
In meinem Fall ist es WWOOFing in Kanada, das vor allem in Ontario und BC, aber auch vermehrt in Alberta und entlegenen Gebieten wie Yukon oder Nova Scotia angeboten wird. Je mehr Menschen vorzufinden sind, umso mehr Arbeit kann auch angeboten werden. 
Diese Art von Arbeit ist besonders für Backpacker ideal! Warum? Bei WWOOFing zahlt man nicht für seine Unterkunft und das ist eigentlich schon der Knackpunkt. Normalreisende zahlen (bei preiswertester Unterkunft) pro Nacht mindestens 25$, Frühstück ist dabei selten inbegriffen. Hochgerechnet spart man durch WWOOFing also schon mal gute 200$ pro Woche für Bett und Frühstück. Schon jetzt könnte man eigentlich aufhören, doch die - nicht nur finanziellen - Vorteile gehen weiter.
Man nimmt am täglichen Leben einer einheimischen Familie teil, wird also für einige Wochen das neue Familienmitglied und taucht dabei in ganz neue Bereiche ein, die man als Tourist niemals erreichen würde. Drei Mahlzeiten stehen in der Regel pro Tag auf dem Plan, die man auch wieder for free bekommt. Aber abgesehen vom familiären Umfeld, das man entdeckt, bekommt man auch neue Erfahrungen in Sachen Farmarbeit, die selbst Nicht-Interessierte zum Staunen bringen!
Die "Kehrseite" der Medaille? Man muss auch mit anpacken, was aber bei etwas Motivation und Lernbereitschaft kein Problem darstellt. Normalerweise sind es am Tag 6 Stunden Arbeit und das 6 Tage in der Woche. Der siebte Tag wird als day off bezeichnet und dient der Freizeitgestaltung. Mein Tag beginnt meist gegen 7 Uhr mit dem Aufstehen und Frühstück, gegen 8 Uhr geht es dann bis 12 an die Arbeit, meist auf dem Feld, in der Scheune oder selten auch im Haus, wenn das Wetter eher besch...eiden ist.  Um die Mittagszeit gibt eine Lunch-Pause und danach wird nochmals bis 15 Uhr durchgezogen. Und danach hat man auch schon Feierabend und kann tun und lassen, was man will. Klingt sehr entspannt? Ist normalerweise entspannt. Natürlich sind manche Tage mal länger, andere dagegen kürzer, je nachdem, wie viel Arbeit ansteht und was das Wetter zulässt. Ich hatte schon Tage, an denen es mal 10 Stunden waren, weil eben etwas fertig gemacht werden musste. Als Deutscher hat man da keinen Schmerz und macht das halt mal, im Gegenzug erhält man hier ja auch alles für lau. Die Franzosen beispielsweise sind da anders ... besagte Leute hier meckern da schon eher mal, wenn die Arbeitszeit bisschen zunimmt. Womöglich deshalb ist diese Farm auch meist von Deutschen WWOOFern belagert, da wissen sie halt, was sie an denen haben. Aber zurück zum Text: Ich hatte auch schon Tage erleben dürfen, an denen mal nur von 10 bis 13 Uhr gearbeitet wurde. Es gleicht sich also schon aus und man muss sich in diesem Fall nicht beschweren. Wenn dann die Gastgeber noch etwas hilfsbereit und nett sind, läuft das alles von selbst! 
Die Freizeit kann vielseitig gestaltet werden. Es hängt oft auch von dem ab, was die Farm und ihre Gastgeber anbieten, aber in meinem Fall ist bestens gesorgt für das Wohl der Arbeiter. Billard, Tischtennis, Fahrräder, ein alter Schulbus, Farmspaziergänge, Ausfahrten in Stadt und Land, Spieleabende, Internet, Hunde, Katzen, Kochen, Essen, Stories austauschen ... Langeweile Fehlanzeige! 
Letztens hat es uns wieder zum Fahrradfahren getrieben und wir sind 25 Kilometer bis zum Red Deer River und Blackfalds Lake gestrampelt. Die Location war es voll wert!

Red Deer River

Ein gewöhnlicher WWOOFing-Aufenthalt dauert ca. 4-6 Wochen. Je nachdem, wie es gefällt, können aber auch paar mehr oder weniger Wochen daraus werden. WWOOFing bedeutet auch Flexibilität! Es ist nicht so streng, wie bei einem Job mit Arbeitsvertrag. Man bekommt kein Geld für's Arbeiten, aber ich finde, dass gerade das diese Erfahrung so toll macht. Es ist eben ein Geben und Nehmen, ohne Verpflichtung, einfach nur auf persönliche Moral und Gewissen gestützt.
Wer immer den Plan hat, in einem anderen Land (oder selbst Deutschland) in diesem Bereich zu arbeiten oder das typische Leben einer Familie im Wunschland kennenzulernen ... meldet euch bei der offiziellen WWOOFing-Seite an, investiert diese gut angelegte Mitgliedsgebühr (2 Jahre gültig) und erlebt eine geniale Zeit! 

 Was genau habe ich schon erlebt in den Wochen bei
BillyCo Junction Gardens? 

Einen Link zur Website findet ihr hier. Die Farm liegt nahe der grösseren Stadt Red Deer zwischen Calgary und Edmonton, im zentralen Alberta. Genauer gesagt ist die nächstgrössere Stadtstruktur Lacombe (12.000 Seelen und 13 Kilometer entfernt). Also doch noch nicht ganz am Arsch der Welt, aber mal sehen, wohin mich spätere Reisen noch führen.

BillyCo Junction Gardens

In diesem netten Haus lebe ich mit allen anderen zusammen: 

Familienhaus

Die Farm spezialisiert sich vorallem auf Gemüse- und Obstanbau, den sie seit 7 Jahren intensiv betreibt. Dabei sind sie Teil von CSA. Das ist keine CrimeSeries auf RTL und keine neue Terrororganisation, sondern ein Verbund von Menschen, die auf organische Landwirtschaftsprodukte stehen. Bill und Edie ernten wöchentlich frische Produkte, verpacken sie in Tüten und liefern sie nach Calgary, Red Deer und Edmonton. Die Kunden sind verschiedenste Leute, von Privatkunden bis hin zu Firmen, die dann einmal in der Woche Lieferung erhalten und sich dann überraschen lassen vom Inhalt. Den Preis für dieses Programm habe ich noch nicht hinterfragt, werde ich bald aber mal noch machen. 

Früher hat sich Bill noch Schweine gehalten, das möchte er bald wieder aufnehmen. Diese fuhr er dann immer mit einem Schulbus nach Red Deer. 

Schweinetransporter

Heute steht dieses Teil auf der Farm und gammelt vor sich hin. Wenn das mit den Schweinen dann aber bald wieder los geht, wird der Bus hoffentlich wieder flott gemacht. 

Für die Gänse, die sie seit Frühling haben, durfte ich in den ersten Tagen einen Zaun bauen. 

Billys Gänse

Des Weiteren hat er einige leere Scheunen, die als Lagerräume genutzt werden. Er hat die Gänse nun im Freien, da er diese Scheunen und Plätze davor gereinigt haben möchte. Funktioniert! Die fressen wirklich alles sauber. Ein Problem hat er jedoch: Die Tiere sind seit Frühling sowas von schnell gewachsen und sind nun schlachtreif. Thanksgiving ist vorbei, aber Weihnachten kommt ja noch. Leider hat Bill keine Ahnung, wie er die Gänse schlachten soll, er muss also erst noch einen Schlachter finden. Edie schaut sich für's Kochen manchmal youtube-Videos als Anleitung an. Bill tat dies letztens auch für's Gansschlachten. Seit dem warte ich jetzt auf den Tag, wenn er mal vor seinem Laptop sitzt und einer Gans mittels youtube-Hilfe den Hals umdreht 

Wenn es mal zu kalt draussen ist, sammeln wir meist etwas vom Feld und bearbeiten das dann in der warmen Halle. So sammelten wir beispielsweise Koriander, Petersilie, Rukola, Salat und Dill, durften das dann feinsäuberlich sortieren, waschen, bündeln und zum Trocknen aufhängen. 

 Petersilie, Dill, Koriander

Wie im vorherigen Blogeintrag zu sehen, besitzen die Biels riesige Farmflächen, wo sie allerlei verschiedenes Obst und Gemüse anbauen. Meist findet man dabei 50 Meter lange Salat Reihen oder 100 Meter Beerenbusch an Beerenbusch.

Eisbergsalat Feldsalat

Rukola  

Die Berrys blühen nun leider nicht, aber sind dennoch schön anzuschauen. Ob Saskatoons, Honeyberries, Himbeeren, Erdbeeren oder Hagebutten ... alles hier zu finden. Besonders angetan hat es mir die hausgemachte Marmelade, genannt Jelly oder Jam. Jelly ist mehr Gelee, während Jam (mein Favorit) mehr Marmelade mit Fruchtstückchen ist. Aus den Hagebutten, genannt Rose Hips, machen sie ausgezeichneten Sirup. 
Einen neuen leckeren Liebling habe ich auch gefunden:

Na, wer kennt's? 

Die erste Beere mag man gern wieder ausspucken, aber ab der zehnten schmeckt es richtig gut und es ist darüberhinaus sehr gesund und wohlbekommend. Im Englischen nennt man es Sea Buckthorns, im Deutschen Sanddorn. Es gab mal eine Zeit, da habe ich dieses Zeug in verschiedensten Varianten in Deutschen Läden gesehen. Der Trend scheint vorbei, hier ist er Alltag. 

Was gibt es sonst noch so zu tun bei Bill und Edie?

Meine Highlights waren arbeitstechnisch zum einen das Knoblauchpflanzen

Garlic Planting

Sieht einfach aus? Na ja, ihr seht auf dem Bild zwei breite schwarze Reihen mit jeweils drei Lochreihen. Pro schwarzer Reihe sind es 1700 Löcher. "Na da habt ihr doch sicherlich eine Maschine, die den seed in jedes Loch steckt!" ... NEIN, haben wir nicht . Gepfanzt wird mit alten Knoblauchknollen, die aufgebrochen werden und die einzelnen noch verwendbaren Knoblauchzehen werden in der richtigen Position an der Oberfläche am Loch platziert und dann mit einem Finger so tief wie möglich ins Erdreich gedrückt. Nach 1000 Zehen kann man Daumen, Zeige- und Mittelfinger so oft wechseln wie man möchte, der Schmerz wird nicht besser. Der Knoblauchgestank auch nicht. Nach 4 Stunden wurde es bei Loch 2134 allmählich besser, vielleicht war man dann auch einfach nur resistent gegen Schmerz oder es war einem schlicht egal. Nach mehr als einem halben Arbeitstag hat man es dann geschafft und möchte Knoblauch so schnell nicht mehr sehen. Nichtsdestotrotz, ein Highlight in den ersten Wochen!

Das weitere Highlight war und ist für mich noch immer die Kartoffelernte.
Wie viele Kartoffelsorten kennt ihr? Mittlerweile kenne ich 24, alle davon mit Namen, da ich sie schon einsammeln, sortieren und verpacken durfte. 

24 Sorten

Für einige Interessenten, hier die (kanadischen) Bezeichnungen für besagte 24 Sorten:

Carlton Pontiac Red Banana Fingerling All Red
Alta Blush Russian Blue Russet Red Star
Purple Viking Caribe Purple Skin Pake Yellow Irena
Chieftain Red Ptarmigan White Skin Kennebec Eramosa
Warba Accord Yukon Gold Norland
Sangre Dakota Pearl French Fingerling Bintje

Unterscheiden tun sie sich meist in Farbe und Form, manchmal in Konsistenz und selten im Geschmack. Besonders auffällig ist das Blau bei Russian Blue und die Bananenform bei Banana Fingerling.

Russian Blue

Mein Favorit ist aber Russet, ganz einfach, weil man sie am besten auflesen kann, wenig Ausschuss hat und man leicht unterscheiden kann zwischen guter und schlechter Kartoffel. 

Bill fährt mit seinem Traktor meist einige Bahnen und holt die Kartoffeln an die Erdoberfläche, wo wir sie dann aufsammeln dürfen. 

All Red

 

Dabei kommen manchmal die eigenartigsten Formen zum Vorschein  ... 

Kein Kommentar

So viel dazu  ... Besonders cool ist es aber auch noch, die Teile dann auf den Truck zu laden und zur Scheune zu kutschieren. Bill gab mir das Privileg, den alten Chevrolet Cheyenne zu fahren. 

Geiles Teil , mit einigen Tücken, die man aber nach paar Mal Fahren kennt. Für seine einigen Jahre zieht er noch ganz schön gut und ist sehr bequem. 
Tiko wird meist auf dem Beifahrersitz mitgenommen, weil er bei fahrenden Autos ausserhalb nur Blödsinn anstellt und der Chevi ihm letztens schon mal den Fuss geplättet hat (ohne Folgeschäden). Das macht die Sache aber nicht einfacher, wenn der sabbernde Hund vor Freude das Auto unterhält und einem sehr nahe rückt, sodass man nicht mal mehr schalten kann. Ein Video davon findet ihr exklusiv auf Facebook. 

Und nun? Nun werden die Tage kürzer und vor allem kälter ... so sieht es am Morgen auf dem Feld bei der Arbeit auch mal dementsprechend aus: 

freezing cold

An diesem Morgen waren es knackige -6 Grad Celsius, Radieschen, Karotten und Rote Beete musstnen dennoch aus der Erde raus... und jeder von uns muss sich den Begebenheiten anpassen ...

Molly

Doch auch das ist machbar. Einmal auf dem Feld ist man nie allein und nichts bleibt unkontrolliert, dank ...

Tiko

Mit diesem "Ich beobachte dich und deine Handgriffe ganz genau"-Blick beglückt er uns den ganzen Tag, sodass uns die Konzentration förmlich ins Gesicht geschrieben steht. 

... wie ihr seht ... auch mit neuem Haarschnitt, auf Wunsch vieler Leute  - mich inbegriffen.

Das war so das wichtigste von BillyCo Junction Gardens und meinem Beitrag zum Alltagsgeschehen ...

Zum Schluss möchte ich euch noch zeigen, wie ich am liebsten die Abende hier nach dem Essen verbringe  ...

Sonnenuntergang auf Farm

Mit so einem Sonnenuntergang am hauseigenen Teich klingt jeder Abend entspannt aus und man geht zufrieden ins Bett. Vom Nachthimmel kann man kein gutes Foto schiessen, dieses Phänomen fängt man nur mit den eigenen Augen voll und ganz ein. 
Ich kann euch aber verraten, dass die Nacht, die diesem Sonnenuntergang folgte, sternenklar und angenehm warm war. Man hatte perfekten Blick auf den Himmel über Alberta, selbst entfernte Städte wie Lacombe oder Red Deer haben nicht allzu sehr gestört mit ihrem Licht. 
Ich freue mich aber, bald in entlegenere Gebiete zu entfliehen und dort dann tiefschwarze Nacht zu haben ... hoffentlich - nein, mit Sicherheit auch mit aurora borealis, also den Nordlichtern über mir, die man von Red Deer aus leider nur entfernt und schwach sieht, aber immerhin. 

Wohin es mich nach BillyCo Junction verschlagen wird ... bleibt vorerst wieder geheim, aber es könnte sehr überraschend sein  Bin selbst noch ganz gespannt, seid ihr es also auch. 
Aber wie schon gesagt ... ich könnte hier gern noch einige Zeit verbringen! 

Welcome back to Canada - Von der Megastadt auf's Land in weniger als einer Woche

Freitag, 17.10.2014

Der gemeinsame Roadtrip ist (leider) Geschichte, bleibt aber unvergesslich ... Nun geht es auf eigene Faust weiter! Und wie?

Die Planungsphase

New York JFK

Vom JFK Airport New York aus ist dieses Bild entstanden. Einige Tage, bevor die gemeinsame Reise mit Lena zu Ende sein sollte, machte ich mir Gedanken, wie es nun weiter gehen kann für mich. Ich befand mich immer noch im Osten Nordamerikas und ich habe noch einige Ziele, beispielsweise Montreal, Ottawa oder südöstlichere Teile der USA ... Meine Problemkinder heißen - wenn auch momentan noch nicht anwesend - Zeit und Geld.

Mein Favorit war Montreal, jedoch stellte sich die Frage, wie ich dann bestmöglich nach Westen (mein hauptsächliches Zielgebiet) kommen sollte. Manitoba und Saskatchewan sollen nette, anschauliche, jedoch eintönige Provinzen sein. Mit einer Busfahrt von Montreal nach beispielsweise Edmonton hätte ich die Provinzen zwar mal besucht und gesehen, aber auch drei Tage im Bus verbracht. Jeder muss Opfer bringen, und die beiden Gebiete im zentralen Kanada sind meine ersten in diesem Fall ...

Ein Flug war also das angenehmere Fortbewegungsmittel.
Problem in Kanada: Inlandsflüge = teuer. Von den USA aus, insbesondere von New York, wird in Nordamerika aber nahezu jedes Kaff zu erschwinglichen Preisen angeflogen. So auch Alberta und British Columbia. Das nächste Opfer hieß hier also leider Montreal. Von New York entschied ich mich dann für einen Flug nach Alberta, um wenigstens in zwei westlichen Regionen gewesen zu sein.

Endresultat: ich habe vier Tage vorher einen Flug bei WestJet gebucht, zahlte kaum mehr als bei einer ähnlichen Busfahrt und war am Abreisedatum binnen 5 Stunden in Calgary/Alberta.

Die ersten Tage in Calgary

Calgary

Dort kam ich gegen 21 Uhr an und durfte gleich wieder durch die Passkontrolle. Der Grenzbeamte fragte mich die gewöhnlichen Fragen und es entwickelte sich wieder mal zu einer Art Reiseberatung: was man sich denn so anschauen könne und wo die schönsten Fleckchen wären. Dafür war ich dem netten Herren sehr dankbar, dafür dass er mich dann aber zur falschen Gepäckausgabe schickte ... nicht. Dort wartete ich gute 30 Minuten darauf, dass mein Flug mal auf irgendeiner Anzeigetafel erscheint - vergebens. Nach einigem Hin und Her brachte mir dann ein Mitarbeiter des Flughafens meinen Backpack, der anscheinend irgendwo einsam auf mich gewartet hat und zum Glück noch nicht gesprengt wurde.

Der Calgary Transit sollte mich dann nach Downtown zum Hostel bringen. Es war mittlerweile 22.30 Uhr. Die Leute hatten wahrscheinlich Spaß daran, Schilder verkehrt aufzustellen. Folgte man dem Schild "Calgary Transit" am Flughafenausgang, so fand man sich am Ende vor einem Eisenzaun im Nirgendwo wieder. Ein Mitarbeiter zeigte mir schließlich den Weg und wir unterhielten uns etwas. Er fand selbst heraus, dass ich Deutscher sei. Er begrüßte mich nochmals in Alberta und gab mir zu verstehen, dass es hier anders läuft als in den anderen Provinzen. Jaja, 5% Steuern anstatt 13%, viel Ölsandgebiete und jede Menge Cowboyhüte, sagte ich. Fast, meinte er, des Weiteren bezeichnen die Leute Albertas ihre Provinz als eine Art eigenes Land und sie hegen eine gewisse Abneigung gegenüber den anderen Provinzen (Originaltext: "Actually we kind of hate provinces like Ontario or Quebec. They're ugly. Enjoy Alberta!").

Nach diesem freundlichen Gruß fand ich mich bald in Downtown Calgary wieder. Wie gesagt, ich. Sonst war fast niemand auf der Straße um die Zeit. Weder Auto, noch Menschen. Komisch für die viertgrößte Stadt Kanadas, dachte ich mir.

Im Hostel verbrachte ich dann circa eine Woche. Ich genoss die Ruhe und lernte eine Menge Leute kennen. Am meisten fehlen mir mittlerweile Carlos und Fidel aus El Salvador, die immer gut unterhalten haben, gerne für mich kochten und viele Stories hatten ... Oder Kimberly aus Edmonton, die klasse Insider-Informationen geliefert hat und sicherlich in Edmonton nochmals getoffen wird ... Oder das tschechische und kanadische Pärchen aus meinem Zimmer, die einfach nur gut drauf waren ... Selbst die paar Deutschen waren in Ordnung und man denkt nun gern an diese Zeit zurück.

Calgary ist alles in allem eine schöne Stadt. Man sollte nicht zu viel erwarten, dann wird man nicht enttäuscht. Ich genoss jedoch die Mischung aus Großstadt und Ruhe ... Dafür ist es ein nettes Örtchen. Besondere Highlights waren zum einen der Sonnenuntergang von einem erhöhten Punkt aus beobachtet, wobei man die Rocky Mountains im Hintergrund sah.

  Sonnenuntergang Calgary

Zum anderen war es meine erste direkte Konfrontation mit der kanadischen Polizei. Kein Witz. Calgary ist für mich eine der Städte mit der signifikantesten Obdachlosigkeit. Eines Tages war diesbezüglich auf einer Straßenseite sehr viel los und ich entschloss mich, die andere Seite des Fußweges zu benutzen. Diese war halbherzig mit einem Schild "Sidewalk closed" abgesperrt. Na ja, im Notfall wirds schon mal möglich sein ... War ja auch nur eine ruhige Baustelle hinter dem Zaun und der Absperrung. Als ich den Weg aber zur Hälfte hinter mir hatte, kam ein Officer über die Straße gerannt und hielt mich an. Ob ich das Schild nicht gesehen hätte. Hatte ich. Ob ich lesen könne. Kann ich. In diesem Moment kam sein Kollege neben mich gefahren, mit Blaulicht. Seh ich mit Rucksack, dicken Klamotten und Einkaufstüten (voll und auf dem Boden stehend) aus, als könne ich weg rennen?! Der im Auto Sitzende schlürfte genüsslich aus seinem Tim-Horton's-Becher und hatte die andere Hand typisch amerikanisch an der Waffe. Na super.
Der Officer gab mir dann zu verstehen, dass eine Benutzung dieses Weges eine Strafe von 35 $ bedeutet ... Na gut, in Deutschland wäre die Benutzung vielleicht simpler und ungefährlicher gewesen, das ist hier aber ein anderes Land, andere Sitten, ich zahl den Mist und dann ist gut. Vielleicht schaltet er ja dann auch die Lichter aus und nimmt die Hand vom Abzug.
Er wiederholte dann nochmal zur Begründung das Strafmaß und ich verstand nun 350 $. Das war mir dann doch bisschen viel. Er wollte meine ID sehen. Er erkannte EU und Deutschland. Er versuchte Deutschland auszusprechen. Er bekam es gut hin. Ich war verwundert. Er hatte schon den Stift gezückt und wartete nur darauf zu notieren. Er fragte mich aus welchem Teil von Deutschland ich komme. Ab diesem Moment nahm das Gespräch eine positive Entwicklung an. Der Officer meinte, er habe mal für paar Jahre in Deutschland gelebt. Meine Chance! Wir redeten ein bisschen und die Atmosphäre entspannte sich. Er steckte sogar den Stift weg. Zum Ende hin gab er mir noch zu verstehen, dass Alberta recht strikte Gesetze hat. Strafen fallen dementsprechend hoch aus. Er fragte nach meinem Wohnort in Calgary und danach hagelte es noch allerhand Stadttipps. Das Knöllchen schien vom Tisch. Yeah! Wir wünschten uns noch einen schönen Tag und die beiden fuhren wieder davon. Ich durfte den Weg noch fortsetzen, hatte nach dieser Aktion meine Tagesration Adrenalin und Nervenstrapazen schon aufgebraucht und stellte nichts mehr an. Seit dem gucke ich nun bei jeder Ampel, Kreuzung und Wegbeschreibung doppelt hin 

Hallo erster Job

So gut mir Calgary auch gefiel, es musste weiter gehen und ich hatte für Oktober einen Job auf einer Farm bekommen. Man kann es in der Stadt aushalten, allerdings nur, wenn man einige Tage bleibt oder dann für lange Zeit einen Job hat. In meinem Fall war eine Woche genug. 

So setze ich mich bald in den Bus und fuhr 2 Stunden gen Norden, das Ziel hieß Red Deer und liegt zwischen Calgary und Edmonton.

Von dort wurde ich dann von den Gastgebern abgeholt und hatte meine erste Tour in einem riesigen Pick-Up-Truck. Geiles Teil und insgeheim sowas wie mein Wunsch gewesen, damit abgeholt zu werden !
Die Farm, auf der ich mich mittlerweile noch befinde, ist wahnsinnig toll. Angefangen vom Haus und der Familie bis hin zur abwechslungsreichen Arbeit auf Feld und Hof ... Es kommt nie Langeweile auf und ich genieße jeden Tag. Auf diese Art werde ich den Oktober auf jeden Fall noch ausgestalten. Im Dezember habe ich eine weitere Farm schon angefragt und eine Zusage bekommen. Für November habe ich noch keine konkreten Pläne, Calgary lehrte mich aber, dass Spontanität lustig und preiswert sein kann.

  BillyCo Junction Gardens

Die Arbeit hier ist höchstwahrscheinlich genau das, was man sich unter einer Farm in Nordamerika vorstellt. Jeden Tag hat man eine andere Arbeit zu erledigen.
So durfte ich schon Knoblauch pflanzen, die letzten Erträge (Kartoffeln, Zwiebeln, Salat, Petersilie, Karotten, ...) vom Feld holen -wobei auffällig ist wie robust das Zeug ist, denn wir hatten schon öfter Frost- und anschließend alles säubern und zum Verkauf vorbereiten.
Wusstet ihr beispielsweise, dass es wahnsinnig viele verschiedene Kartoffelsorten gibt? Allein auf dieser Farm durfte ich schon mehr als 15 Varianten kennenlernen und zusammentragen ... von Carlton über Red Star bis hin zu Russian Blue und Viking oder Irena war alles dabei.
Wisst ihr des Weiteren, dass man Pflanzen am besten bei abnehmenden Mond, also nach Vollmond erntet? Kartoffeln zum Beispiel, die beim Ausgraben mit der Maschine verletzt worden, heilen sich bestmöglich in dieser Phase. Erstaunlich, was man hier noch so mitbekommt!
Nebenbei darf man immer noch Labrador Tiko und Dackel Molly bespaßen und die süßen Katzenbabies kraulen.

Salty und Pepper Molly Tiko

Nach 6-7 Stunden ist ein Arbeitstag dann rum und der restlichen Tag wird je nach Belieben gestaltet, meist mit Tischtennis, Billard oder Ruhe bewahren in Albertas Natur. Letztens war ich auch mal Fahrrad fahren und durfte 15 Kilometer bis zur nächsten Zivilisation zurücklegen. Ein Tim Horton's war dennoch in diesem Kaff vorzufinden.

  Radtour durch Alberta

Die Gastfamilie ...

... ist mit den Worten "Glücksgriff" sehr wohlwollend beschrieben 
Der etwas in die Jahre gekommene Bill (Vater von drei Kindern, die alle in den Dreißigern sind) ist noch top fit und erzählt sehr gerne. Dabei haut er einen lustigen Spruch nach dem anderen raus und es ist eine Freude ihm zuhören zu können, sei es auf dem Feld oder beim Abendessen. Man bekommt dadurch viel vom kanadischen Leben von früher und heute mit.
Seine Frau Edie ist ruhiger, aber wahnsinnig nett und liest einem nahezu jeden Wunsch von den Augen ab. Auch sie mischt im täglichen Farmleben kräftig mit. Hungern muss man bei ihr auch nicht, dafür übertrifft sie sich täglich auf's Neue mit ihren Menüs.
Am Sonntag wurde Thanksgiving gefeiert, traditionell gab es einen riesigen Vogel und allerlei leckeres Essen drum herum. Klasse, auch das mal miterlebt zu haben. An besagtem Tag kam auch der Sohn Chris mit seiner Frau und den fünf (!) Kindern. Kanadische Winte müssen hart sein. Mit diesem Spaßvogel machte der Abend gleich noch mehr Spaß und es war schade, als alles vorbei war.
Edie und Bill haben noch zwei erwachsene Kinder und eine kleine Adoptivtochter namens Trinity, die mit uns im Haus lebt. Sie ist genau das, was man sich unter einem acht Jahre altem Maedchen vorstellt: aufgeweckt und neugierig.
Nebenbei gibt es immer einige andere WWOOFer (WWOOF = Worldwide Workers On Organic Farms) wie mich, die immer mal zwei bis drei Wochen bleiben. Momentan sind es Magdalena aus Deutschland und Charlotte aus Frankreich. Langeweile ist in diesem Haus also Fremdwort! 

Auf dieser Farm werde ich also sicherlich noch einige Zeit zubringen können. Gastfreundschaft, Location und Spass an der Arbeit halten mich hier 

In ein paar Wochen werden wir vielleicht sehen, wo mich mein Weg bald hin führt oder -sollte ich keinen neuen Blog schreiben bis dahin- wohin er mich schon geführt hat.

Bis dahin genieße ich die Zeit in Lacombe bei Familie Biel 

  Lacombe, Alberta

Roadtrip Part III

Donnerstag, 25.09.2014

Wieder sind einige Tage vergangen und ich habe erneut viele Erfahrungen machen und Erinnerungen sammeln können!

Am Morgen des 18. September ging es zu ungewohnt später Zeit (9 Uhr) aus dem Bett und ich verbrachte nahezu den gesamten Vormittag damit, die Zeit nach New York ab Anfang Oktober zu planen ... Ideen bestehen und werden so langsam munter umgesetzt, aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr
Gegen 13 Uhr haben wir dann ausgecheckt und uns auf den Weg zum Bus gemacht, der uns ca. 40 Meilen nach Süden Richtung Montpelier bringen sollte. Den gleichen Weg sind wir auf der Hinfahrt aus Boston kommend schon gefahren, da wussten wir dann auch, dass wir gleich in der Hauptstadt von Vermont hätten aussteigen können. Nun ging es also zurück, aber unser Hauptziel lag sowieso 5 Meilen vor Montpelier: Waterbury.
Wie schon zuvor erwähnt, ging es da in die Ice Cream Factory von Ben&Jerry's - und das war, kurz gesagt, wieder einmal ein echtes Highlight!
Für nur 4 Dollar konnten wir die Fabrik besichtigen. Fotos oder Videos durften leider nicht aufgenommen werden. Viel möchte ich dazu also auch nicht schreiben, außer, dass es wirklich lehrreich und interessant ist zu sehen, wie eine Eisfabrik funktioniert und was Ben&Jerry's Ice Cream eben so besonders macht. Nach dieser Tour kann ich zufrieden sagen, dass ich gern bereit bin für B&Js etwas mehr zu zahlen, als für andere gewöhnliche Eissorten. Allein wenn man Größe und Gewicht von einigen Herstellern vergleicht, merkt man, was B&Js einzigartig macht. Des Weiteren wird Wert auf FairTrade, Nachhaltigkeit und Qualität gelegt. Zu guter Letzt gibt es so viele verschiedene Sorten an Eis und es schmeckt halt einfach geil!
Neben einem Film zur Geschichte von B&Js und einem Einblick ins Produktionsgeschehen bekamen wir noch free samples von der neusten Eiskreation des Tages. Lasst euch selbst überraschen, was demnächst Neues im Kühlregal steht, so viel sei gesagt: Zimt und Ginger - absolut geniale Kombination und die paar Kugeln for free waren allein schon die Tour wert Natürlich gönnte ich mir danach noch inmitten der Wälder von Vermont ein paar Kugeln Eis in einer schokoladenüberzogenen Waffel (Keksteig mit Schokoladeneis und Bananeneis mit großen Schokoladenstücken und Karamel - mehr muss ich da vermutlich nicht sagen ). Im Anschluss an dieses Tagesziel galt es noch die restlichen Meilen bis Montpelier zurückzulegen. Zum Laufen ist es mit den Backpacks leider zu weit und der Bus würde erst in über einer Stunde fahren. Aber wir hatten ja noch unser selbstgebasteltes Schild, weil wir über die Gegebenheiten sozusagen schon Bescheid wussten. Also liefen wir in Richtung Interstate 89, um die richtigen Autos zu erwischen. Was danach passierte, überraschte uns aber sowas von ...
Wir liefen also zu einer geeigneten Stelle nahe einer Tankstelle, wo Autos also auch anhalten können, um uns mitzunehmen. Sobald wir stehen blieben und uns umdrehten, weil die Position perfekt schien, und dann unser Schild hoch hielten, fuhr ein einziges (!!!) Auto vorbei, der Fahrer schaute auf unser Schild mit der Aufschrift "We need a ride to Montpelier" und ... hielt an! Uns überkam erstmal ein freudiges (vielleicht auch ungläubiges) Lachen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass beim Hitchhiking das erste Auto sofort anhält schon sehr gering ist.
Aber wozu nun noch viele Gedanken verschwenden. Der ältere Mann war nicht sehr gesprächig, aber nett. Er war auf dem Weg zum Senior Club, holte also für seine Buddies noch bisschen Eis und fuhr uns dann sogar bis zu unserem Motel ... besser konnte es also kaum sein! Wir schlugen die Zeit vom Bus um Längen und hatten auch diese Fahrt für umsonst. YEAH!
Von dieser finanziellen Errungenschaft gönnten wir uns am Abend einen Einkauf, der uns wohl vorerst für 1-2 Tage am Leben halten sollte. Es gab dann noch Pizza und ein Bier, bevor es verdient und zufrieden ins Bett ging

Am folgenden Tag stand Hiking, zu deutsch Wandern, auf dem Plan. Am Tag unserer Ankunft haben wir uns diesbezüglich noch schlau gemacht und konnten also morgens losstürzen!
Als wir an besagtem Morgen aber einen Fuß vor die Tür setzten und im Anschluss einen Blick aufs Thermometer warfen, staunten wir erst mal nicht schlecht: knackige 2 Grad Celsius
Aber es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung - was es bei uns auch nicht gibt. Also warfen wir uns in wettergerechte Klamotten und machten uns auf den Weg zum Hubbard-Park. Wir mussten schnell einsehen, dass es in der Hauptstadt Vermonts nicht unbedingt viel Möglichkeit zum Hiking gibt. Einzig der Hubbard-Park bot die Chance dafür, doch man sagte uns schon, dass etwas mehr als eine Stunde dafür ausreichen würde. Ende vom Lied: nach circa 25 Minuten Marsch durch einen netten Wald kamen wir am Hightlight des Parks, einen recht hohen Aussichtsturm, an. Von oben hatte man wirklich einen tollen Ausblick über die Region um Montpelier. Da Wandern ja schlecht möglich war, genossen wir den Ausblick noch eine Stunde.
Anschließend ging es wieder Richtung Stadt, etwas rumschauen. Abschließend ging es noch chinesisch essen (war gut!) und danach zurück zur vorherigen Unterkunft, um die Backpacks zu holen.
Zum Abschluss des Tages machten wir uns auf den Weg zu Karin, unserer Gastgeberin für die folgenden zwei Nächte. Es dauerte in dem beschaulichen Städtchen nicht lange, um das richtige Haus zu finden. WIr wussten, dass Karin der deutschen Sprache mächig ist, aber mehr auch nicht ... Sie begrüßte uns dann gleich auf deutsch und sprach auch weiterhin in dieser Sprache mit uns. Wir fanden heraus, dass sie ursprünglich aus einer deutschen Minderheit im äußersten Süden Dänemarks stammt. Vor 35 Jahren zog es sie dann aus persönlichen Gründen nach Amerika, wo sie letztendlich in Vermont ihre neue Heimat fand. Eine sehr nette Frau, die uns mit Tee, selbst gebackenem Vollkornbrot (für uns eine Bereicherung in den USA) und vielen Geschichten willkommen hieß. Später schauten wir noch gemeinsam einen deutschen Tatort, der gar nicht mal schlecht war, und gingen dann ins Bett.

Die restliche Zeit in Vermont verlief dann angenehm ruhig. Am zweiten Tag in Montpelier wollten wir erst zu einem etwas größeren Berg in der Gegend, um mal richtig zu Wandern. Das Wetter war jedoch nicht so der Bringer an diesem Tag und es ging stattdessen ins Nachbarörtchen Barre. Nun, viel war hier auch nicht los. Aber es gab ein Kino und wir dachten uns "warum nicht". Es lief gerade der neue Film von Liam Neeson "A walk among the tombstones". Wie viele Streifen von ihm, war auch dieser sehr sehenswert. Ähnlich zu den anderen seiner Filme, aber für eine Nachmittagsbeschäftigung sehr akzeptabel!
Am folgenden Morgen ging es dann gegen 10 schon wieder weiter ... Nach einem letzten Frühstück mit Karin wurden wir dank einem Internetportal in Montpelier, durch das sich eine nette Dame für diese Zeit gemeldet hat, mit nach Burlington genommen, wo unser Bus abfahren würde.
Wir genossen die Fahrt mit der Frau, die im Internet den User-Namen "ArmyWife" besitzt ... die Realität war dann nicht so furchteinflößend wie der Name. Sie hatte (wie allzu viele Leute meiner Reise) auch etwas mit Deutschland zutun, da sie und ihr Mann vor einigen Jahren in der Nähe des Bodensees stationiert waren. Es gab also einiges auszutauschen während der 45 Meilen bis zur größten Stadt Vermonts.
Dort angekommen warteten wir noch auf den Bus und setzten dann unseren Trip Richtung New York City fort.

Welcome to New York City

Die Fahrt dauerte insgesamt mehr als 6 Stunden ... Nachdem wir einmal quer durch Vermont kurvten, durften wir das selbe auch noch mit dem Bundesstaat New York tun. Viel gab es nicht unbedingt zu sehen: viel grün und viele Berge und Hügel. Kurz vor New York ändert sich das Bild dann gravierend!
Gegend Abend kamen wir der Skyline dann näher ... was ein geiles Gefühl, auf diese Weltstadt zuzufahren! Im Sonnenuntergang erreichten wir dann von Westen aus New York City und konnten zum ersten Mal den Blick von Manhatten bis zur Bronx genießen. Schon an dieser Stelle hat sich der Trip nach NYC für mich gelohnt gehabt

Wie startet man solch eine Zeit in New York am besten?

Gegen 19 Uhr wurden wir mitten in Manhattan aus dem Bus gelassen und standen dann erstmal "einsam" an der 23. Straße ... Dank vorherigen Recherchen wussten wir lediglich unsere Zieladresse und die geeigneteste U-Bahn-Linie ... Die sollten wir nun erstmal suchen dürfen. Zum Glück sind Subway-Eingänge durch laternenähnliche Kugeln gekennzeichnet und sehr oft aufzufinden. Wir brauchten die blaue Linie, standen aber an der roten. Tolle Wurst. Zum Glück habe ich zuvor noch etwas Geld in einen LonelyPlanet für New York investiert und so hatten wir einen klasse Stadtplan mit Subway-Karte. Schnell fanden wir uns so bestens zurecht und wir kauften uns jeweils eine MetroCard für 30$ ... viel Geld, aber mit dieser konnten wir nun für 7 Tage so oft wir wollten und wohin wir wollten mit der NYC-Subway fahren. Das stellte sich am Ende noch als vortreffliche Entscheidung heraus, da man sich so über Transportwege und Kosten keine Sorgen mehr machen musste.
Viel passierte dann aber nicht mehr. Eines sei vielleicht noch gesagt: die U-Bahnen sind rund um die Uhr in Betrieb, ständig voll (5 Millionen Fahrgäste pro Tag!), das Klima zwischen Waggon (angenehm kühl klimatisiert), Bahnsteig (scheißheiß) und Oberfläche (je nach Wetterlage) variiert sehr stark. Die Subway rast dann mit 55 mph durch den Untergrund und brachte uns somit innerhalb einer halben Stunde von Downtown Manhattan ins Zentrum von Brooklyn. Benötigte Zeit mit dieser U-Bahn spricht denke ich für die Größe dieser Stadt ... Die Wohnung war schnell gefunden und überraschte uns sehr. Danach erkundeten wir noch die Gegend um unseren Block, beendeten diesen Tag dann aber bald ...

Wie war der erste Eindruck vom Big Apple?

Man kann diese Eindrücke gut zusammenfassen: massenhaft Leute, alle sind im Stress, Verkehrschaos an vielen Ecken, alle fünf Minuten Sirenengeheule, Polizei überall, unterschiedlichste Menschen auf einem kleinen Fleck, Wolkenkratzer extrem dicht nebeneinander und die verschiedensten Gerüche nach jedem zurückgelegten Meter ...

Was waren die absoluten Highlights während der Tage in NYC?

Richtig genial fande ich die Zeit auf dem Rockefeller Center. Viele schwärmen vom Empire State Building, aber nur vom Top of the Rock bekommt man einen so perfekten Blick auf Central Park, Brooklyn, Manhattan und Co.
Interessant war der Tag an Ground Zero und dem 9/11-Memorial, einfach ein sehr eigenartiges Gefühl, nachdem man die Bilder unzählige Male im TV gesehen hat nun selbst an dieser Stelle zu stehen, nach oben zum neuen One World Trade Center zu schauen und vor sich nur zwei riesige Vierecke zu sehen ... dann die Namen der Opfer in den Mauern, die Originalgegenstände im Memorial (Gebäudeteile, Fahnen, Feuerwehrutensilien, Filme, Flugzeugteile, ...) und die Reaktionen der anderen Besucher. Alles sehr ergreifend und emotional!
Eine echte Sensation war auch das Baseballspiel der New York Yankees gegen Baltimore. Leider knapp verloren, aber die Atmosphäre unter mehr als 50.000 Zuschauern im Yankee-Stadium ... atemberaubend! Allerdings schenken die Amerikaner dem Sport nicht derart viel Aufmerksamkeit, wie wir Deutschen beispielsweise einem Fußballspiel. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Nur wenige sahen das komplette Spiel von Anfang bis Ende. Wenn allerdings der Captain und wohl bester Spieler der MLB, Derek Jeter, fast einen Homerun schlägt ... da steht das Stadion Kopf und alles schreit und jubelt ...
Ein weiteres Highlight war ein echter Amerikanischer Burger (Fleisch, BBQ-Sauce, etwas Salat für die Optik, Käse, Brötchen, natürlich Bacon und dazu etwas Fries) in Manhattan. Sehr genussvoll und sicherlich DER kulinarische Höhepunkt.
Aber auch New York bei Nacht ist hundertprozentig ein Muss, wenn man in dieser Stadt verweilt. Ich durfte den Ausblick von Brooklyn Heights auf Manhattan genießen und hätte Stunden zwischen Manhattan Bridge und Brooklyn Bridge zubringen können ...

Was sollte man vermeiden in dieser Stadt?

Denkt niemals, nur weil die Ampel euch mitteilt "Walk", dass ihr auch sorgenfrei loslaufen könnt! Die gewohnte kanadische Höflichkeit gilt hier kaum, auch bei hellrot wird noch über die Kreuzung geschossen. Ein vorsorglicher letzter Blick vor dem Starten kann also gesund sein!
Seid euch sicher, dass bei eurem Auto die Hupe funktioniert. Noch besser: Fahrt erst gar nicht mit dem Auto selbst durch diese Stadt ... ihr altert nur schneller und eurem Blutdruck und Herz tut es nicht gut!
Bei einem Spaziergang durch Chinatown solltet ihr teilweise Luft anhalten und Augen geschlossen halten ... Es ist erstaunlich, was so alles in den Theken liegt/krabbelt und dann auch noch verkauft wird. Fisch sollte ja eigentlich nicht nach Fisch riechen, wenn man ihn kaufen möchte. Kennen die Chinesen hier vermutlich nicht ... Aber: Gemüse und Obst ist preiswert und es ist essbar. Zumindest lebe ich bis jetzt immernoch

Was ist mein Fazit zu diesem letzten Erlebnis der Reise?

Definitiv: sehens- und erlebenswert! Es ist vielleicht nicht die Traumstadt schlecht hin. Dafür sind es mir einfach zu viele Leute auf einem Fleck und jeder steht im Stress. Nicht so mein Ding.
Doch die Mischung aus Wolkenkratzern, riesigen Bauwerken, dem Central Park inmitten der Stadt, der Geschichte, den verschiedenen Menschentypen und dem Flair dieser Stadt machten es zu einem unvergesslichen Erlebnis ein paar Tage hier zugebracht zu haben und ich freue mich schon, wenn es Ende 2015 nochmal in den Big Apple geht.

Das war es leider auch schon von meinem Roadtrip mit Lena ... Fast 3 Wochen haben wir gemeinsam verbracht und sind viele tausend Kilometer zusammen entlang der US-Ostküste gereist ...
Es ist noch immer schwer zu realisieren, was wir alles gesehen und erlebt haben. Womöglich setzt das Verständnis dafür erst später ein.
Wir haben so viele Weltstädte gesehen, bis zu 10 Bundesstaaten der USA durchreist, Abwechslung gehabt zwischen Cities, Wäldern, Strand, Casinos, Hitze, Kälte, Sonne, Regen, Ruhe, Lärm, Stress und Entspannung ... unbeschreiblich.
Es war mir eine Ehre, mit ihr zusammen gereist zu sein, denn man bekam noch einiges Hilfreiches mit auf den Weg gegeben und es hat jede Menge Spaß gemacht und es soll definitiv nicht das letzte gemeinsame Projekt gewesen sein!

Viel Glück und alles Gute für deine Heimreise, und dass du vollständig in Paris und letztendlich in Nürnberg ankommst! Bis bald!

Und nun?

Für mich geht es jetzt erst einmal zurück nach Kanada. Wohin ... das weiß momentan keiner außer mir Lasst euch überraschen!

 

Roadtrip Part II

Mittwoch, 17.09.2014

Roadtrip Part I

Weiter im Text!

Boston war also vorerst Geschichte und wir machten uns am folgenden Tag schon zeitig auf den Weg zur South Station, von wo wir mit der Bahn Richtung Norden fuhren, immer mit dem Ziel "Gloucester" vor Augen (so heißt die kleine Stadt, in der wir uns aufgehalten haben).

Der Zug war während der Stunde Fahrzeit nicht besonders schnell unterwegs, vielleicht war das aber auch gerade praktisch, um die grandiose Landschaft zu betrachten. Es ging entlang von Buchten, Sümpfen, Seen, Meerengen, Wäldern, Wiesen und Stränden ... Alles in allem ging so die Stunde schnell rum und wir wurden in Gloucester - am nördlichsten Ende der Massachusetts Bay - abgesetzt. Nun folgte ein langer Fußmarsch auf der Suche nach dem Motel, welches irgendwo an der Hauptstraße liegen sollte ... Sofort auffällig waren die vielen Leute, die sich nach uns beiden vollbepackten Backpackern umschauten. Vielleicht waren wir auch nur so auffällig und eine Art Attraktion in dem 28.000-Seelen-Städtchen Jedenfalls sind die Leute sehr entgegenkommend und zeigten uns gerne den Weg. Allgemein kann ich bis jetzt feststellen, dass die Amerikaner viel freundlicher und aufgeschlossener sind, als viele es sagen oder als es immer dargestellt wird. Womöglich betrifft dies auch nur die Ostküste, aber alles in allem hängen sie den Kanadiern in Sachen Gastfreundschaft, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft keineswegs hinterher.

Das Motel war dann optisch eine echte Sensation ... Mit Pool und schickem Zimmer würden sich diese paar Stunden gut verbringen lassen ... kurz nachdem wir im Motel ankamen, mussten wir allerdings schon wieder los und die 20 Minuten Fußmarsch zum Dock zurücklegen, von wo aus unser Schiff zum Whale Watching fährt. Pünktlich, wie es sich für uns Deutsche gehört, kamen wir dann auch an und man hieß uns an Bord willkommen.
Obwohl es im Ort recht angenehm warm war, wurde es kurz nach Ablegen wirklich kalt und windig. Das Schiff hatte ordentlich Geschwindigkeit und der Wellengang verrichtete dann den Rest, sodass einige Passagiere schnell Wiedersehen mit der letzten Mahlzeit hatten ... weniger angenehm für mich als Zuschauer direkt daneben, aber nun ja.
Nach circa einer Stunde bei bestem Wetter auf See machte uns unser Guide zum ersten Mal auf etwas im Wasser aufmerksam: Wale! Und tatsächlich, leider noch etwas weit entfernt sah man die dunkelgrauen Riesen zum Teil aus dem Wasser ragen. Doch es sollte noch besser werden.
Cape Ann lag nun schon weit entfernt von uns und auch die beim Ablegen bestens zu sehende Skyline von Boston war kaum noch zu sehen.
Da hielt das Boot erneut, denn wieder wurde ein Wal gesichtet. Dieses Exemplar schien recht neugierig, denn anstatt sich von dem lauten Fremdkörper im Wasser namens "The Hurrican II" zu entfernen, schwamm er oder sie (leider nicht zu bestimmen aus der Position) auf uns zu und lieferte bestes Bildmaterial. Das Highlight war dann, als der Wal nur um die drei Meter vom Schiff entfernt entlang glitt und man ihn in voller Pracht bestaunen konnte. Wirklich majestätische Tiere und es war ein unvergessliches Erlebnis, das mal selbst gesehen zu haben.
Als unser Trip dann schon fast wieder zu Ende sein sollte, fiel allen Passagieren und den Guides noch etwas weiteres im Wasser auf: eine aus dem Wasser ragende Flosse ... Hai in Sicht. Ein riesiges Tier schwamm am Boot vorbei und war nach dem Wal natürlich noch das Sahnehäubchen auf dem an sich schon leckeren Kuchen!
Fantastische Erlebnisse beim Whale Watching, die ihr gutes Ende dann im Hafen fanden, als wir noch einen Seelöwen verwirrt im Hafenbecken umherirren sahen, der wahrscheinlich nur dort war, um nicht als Happy Meal vom Hai zu enden

Nach dem Whale Watching liefen wir etwas durch Gloucester und genossen die Ruhe der Stadt, die nach den vielen Tagen in Metropolen wirklich angenehm war. Allmählich überkam einen aber der Hunger und wir wollten - wenn wir schon am Meer sind - etwas dafür Typisches futtern. Angebote für Seafood gab es allerhand, aber unserem Budget musste es auch entsprechen. Nach kurzer Suche fanden wir einen netten Pub mit viel Kundschaft und auch einigen Auszeichnungen im Schaufenster. Jo, dort wollten wir essen. Bestellt haben wir uns eine Seafood-Platte mit allerlei leckeren Meeresbewohnern wie beispielsweise Tintenfischen, Garnelen, Fisch und Krebsen. Kulinarisch also auch ein erfolgreicher Tag!

Abends ging es dann im Motel etwas zeitiger ins Bett, nicht aber ohne vorher noch einen großen Becher Ben&Jerry's Eis zu vernaschen und nebenbei das Footballspiel Chicago vs. San Francisco zu sehen! So stellt man sich einen Abend im Amiland doch vor

Am folgenden Tag ging es dann erneut zeitig los, zunächst zurück nach Boston und gleich im Anschluss weiter nach Süden ins Städtchen Plymouth.
Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten, wobei uns ein netter Mitarbeiter von Dunkin's Donuts dann einen befreundeten Taxifaher herbei rief, erreichten wir unser Ziel Plymouth Plantation, einen realen Nachbau einer englischen Stadt des 17. Jahrhunderts und nebenbei den Lebensort von echten Native Americans, also den Ureinwohnern dieses Kontinents. Das alles war wahnsinnig spannend und wir verbrachten mehrere Stunden auf dem doch recht kleinen Gelände. Einerseits war es toll durch das englische Dorf zu schlendern und Darstellern in ihren Rollenspielen zuzusehen und in ihr Leben mit einzutauchen. Des Weiteren war es aber noch interessanter mit dem Ureinwohner Philip (netter Kerl, muss am Name liegen) in seiner selbstgebauten Hütte zu sitzen und seinen Geschichten und seiner Auffassung vom Leben damals und heute zu lauschen. Er uns eine Freunde in dem Indianerdorf spielen keine Rollen, sondern sind tatsächlich Native Americans, die zum Teil (meist tagsüber) auf der Plantation leben, abends/nachts dann aber in ihr modernes Leben zurückkehren. Nichtsdestotrotz besitzen sie ein umfassendes Wissen zum Leben damals und führen dies auch heute noch fort, interessant ist eben, wie sie damals und heute verbinden und ihre Auffassungen mit den Besuchern teilen.

Nachdem wir irgendwann die Plymouth Plantation verlassen haben, ging es wieder zur Bushaltestelle und mit dem Bus dann Richtung Hyannis, einem kleinen Ort im Süden von Cape Cod. Dort angekommen mussten wir noch ins benachbarte Dörfchen West Yarmouth, wofür wir uns mal ein Taxi gönnten und schnell und preiswert da waren. Auch hier war das Motel recht schick und wir entschlossen uns, am Abend (also gleich nach Ankunft) noch einkaufen zu gehen ... Leichter gesagt als getan. Auf die Frage hin, wo der nächste Shop wäre, antworteten manche mit einer Meile, andere gleich mal mit drei Meilen ... Vom Laufen sind wir ja sowieso nie abgeschreckt gewesen, von daher einfach mal gerade darauf zu ... Am Ende war es wohl ein Zwischending von den Entfernungsangaben. Kurz gesagt: scheiße weit weg.
Als wir dann mit einkaufen fertig waren und uns auf den Heimweg machten, war es bereits finster (obwohl erst 8 Uhr abends). Im Motel angekommen konnten wir noch bisschen was essen (Knäckebrot mit Wurst und paar Äpfeln, dazu einen guten Rotwein mit Knabberzeug) und dann mit TV-Fernsehgerät im Hintergrund schlafen.

Der Folgetag sollte uns weiter Richtung Provincetown, dem äußersten Ende von Cape Cod bringen. Dazu mussten wir aber am Morgen erstmal von West Yarmouth wieder zurück nach Hyannis kommen, wo die Buszentrale liegt. Der Bus, welcher uns mitnehmen sollte, fuhr einfach mal vorbei ... Da steht man dann nun mit seinem Gepäck an einer der wenigen Straßen von Cape Cod ... Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen! Und so bastelten wir uns ein Schild mit der Aufschrift "Hyannis" und stellten uns mit Daumen raus an die Straße, in der Hoffnung, uns würde jemand mitnehmen. Genug Autos waren ja unterwegs, nur keiner wollte anhalten, sie schauten nur alle wieder mit einer Mischung aus Neugierde und Skepsis.
Nach einer viertel Stunde rief hinter uns plötzlich jemand: "Do you need a ride to Hyannis"?
Ein junges Pärchen war kurz zuvor vorbeigefahren und hat sich entschlossen umzukehren und uns mitzunehmen ... Awesome! Hitchhiking funktioniert also, man muss ich nur trauen und zuversichtlich sein. Die beiden nahmen uns dann die paar Kilometer bis Hyannis mit und wir konnten entspannt unseren Trip fortsetzen.
Der Bus fuhr uns dann die knapp zwei Stunden hoch bis Provincetown, der Himmel verdunkelte sich leider immer mehr ...

Endlich in Provincetown angekommen fiel mir schnell auf, weshalb diese Stadt immer mit einem besonderen Schmunzeln beschrieben wird, denn vieles ist bunt und gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Homosexuelle sind hier völlig gewöhnlich und man erscheint als Hetero schon fast fremd in P-Town.
Nichtsdestotrotz, die Leute sind (wie schon zuvor) überaus freundlich und in wenigen Stunden haben wir die gesamte Stadt an der äußersten Spitze von Cape Cod durchlaufen und finden uns nach einiger Zeit in einem netten Laden wieder. Dabei sei gesagt, dass es Lena und mich während unseres Trips eigentlich in jeder Stadt nur in zweierlei Läden verschlägt ... einerseits wären da die bereits genannten Hard Rock Cafes, andererseits sind es Läden von Ben&Jerry's, einer Icecream-Factory aus den USA. In PT war es dann letzteres. Für gerade mal 5 Dollar gönnten wir uns drei Kugeln von diesem wahnsinnig genialen Eis, womöglich das beste, das ich je gegessen habe  ... Die drei Kugeln passten nicht mal in den größten Becher, sondern ragten doppelt so hoch darüber hinaus. Leider war es viel zu schnell alle ... Aber es gibt Trost, denn schon übermorgen wird es in die Icecream-Factory von B&J's nach Waterbury/Vermont gehen ... Das wird G-E-N-I-A-L!
Anschließend war es dann auch schon Zeit die Fähre zurück nach Boston zu nehmen. Auf diesem Weg erspart man sich die Rückfahrt um die komplette Halbinsel und im Nachhinein kann ich sagen: das Geld dafür war gut angelegt ... Auf dieser sogenannten "Fast Ferry" waren insgesamt nur acht Leute. Es war bereits dunkel, als wir ablegten. Die Fähre beschleunigte sehr schnell ... wie schnell genau, merkte ich erst, als ich mich entschloss an Deck zu gehen. Es war nicht viel zu sehen, aber das Licht vom Boot ausgehend und der Mond machten das Wasser gut sichtbar ... und WOW, das Boot war schnell. Nachrechnungen ergaben mehr als 120km/h, und es war ein unglaubliches Gefühl an der vordersten Spitze zu stehen und nahezu ohne Wellengang über das Wasser zu schießen! Das werde ich wohl nie vergessen und trotz des starken Windes und der Kälte war es das voll und ganz wert! Leider kann man das nicht mit Bild oder Film festhalten, aber ich kann euch sagen: so etwas ist einmalig!
Noch besser wurde es nur, als wir Boston erreichten und man den Blick auf die Skyline bei Nacht genießen konnte. Somit war der Tag eigentlich schon perfekt, doch mit meinem "Hard Rock Cafe Boston" - Shirt habe ich da noch für mich persönlich einen drauf setzen können. Angekommen im Hostel passierte dann nicht mehr viel, außer das man nochmal den nächtlichen Spaziergang mit vollem Gepäck durch Boston Revue passieren ließ.

Am Mittwoch, den 17. September, ging es dann wieder zeitig raus, um noch das gratis Frühstück mitnehmen zu können. Hat sich gelohnt
Nachdem wir dann noch Pete aus London kennelernen durften, mussten wir aber auch schon los zur Boston South Station, denn der Bus nach Burlington/Vermont wartete.
Etwas unbequem sitzend während der Fahrt merkte ich jedoch schnell, wie sich die Landschaft nach Boston änderte. Wir durchfuhren die Bundesstaaten New Hampshire und Connecticut, welche echt nice sind. Als wir Vermont erreichten, realisierte ich, warum (meist auf den KFZ-Kennzeichen vermerkt und für jeden Staat spezifisch) dieser Staat "Green Mountain State" genannt wird: überall nur Berge, Hügel und Wälder, perfekt also für geplante Wandertouren. Ab und zu sah man eine stadtähnliche Struktur und bald durchfuhren wir unsere späteren Anlaufpunkte Montpelier und Waterbury, bevor wir letztendlich in Burlington ausstiegen.
Nettes Städtchen, wie ich am Abend noch feststellen konnte. Sehr überschaubar, aber hübsch und sauber. Vor allem die Hafenfront zum Lake Champlain war am Abend ein traumhaft schönes Örtchen und der Sonnenuntergang rundete auch diesen Tag perfekt ab, gefolgt von einem leckeren Ben&Jerry's-Eis (diesmal Geschmacksrichtung Lazy Sunday und Coffee, nachdem wir uns schon durch AmeriCone Dream, Strawberry Cheesecake, Chocolate Therapy, Browny Cheesecake und PinaColada probiert haben - allesamt unvergleichlich gut ).
Kurz vor'm Schlafengehen bastelten wir uns noch ein Schild mit der Aufschrift "Montpelier", man weiß ja nie, wie der kommende Tag wird. Busse fahren hier jedenfalls zu abnormalen Zeiten, und so wird wohl wieder der Daume herhalten.

Das war die Reise um Massachusetts Bay und Cape Cod, mittlerweile bin ich also in Vermont angekommen und werde hier die kommenden Tage verbringen und noch die Ruhe genießen, bevor es zum Abschluss nach New York City geht.
Ihr hört davor sicherlich nochmals von mir

Bis dahin ...

 

P.S.: Hier auch noch - womöglich nur für die sprachlich Fitten - der Travelog von Lena zu den vergangenen Tagen

Roadtrip Part I

Samstag, 13.09.2014

Hello again,

nun bin ich also endlich in den USA und es ist unglaublich, was in den ersten Tagen schon auf mich einwirkte. Sobald ich Toronto verließ, konnte und durfte ich mich voll auf meinen Roadtrip mit Lena ab Washington D.C. freuen. Ich habe etwas überlegt, wie ich euch diese Reise nahebringen kann und ich werde von Zeit zu Zeit etwas dazu schreiben.
Aufteilen werde ich es je nach Stadt, also wird der Blogeintrag jetzt nach Boston kommen, nachdem ich Washington, Philadelphia, Atlantic City und Boston genossen habe. Zur Fortsetzung der Story findet ihr dann weiter unten etwas.

Washington, District of Columbia

Vielleicht vorher noch etwas, wie ich denn bis da hin gekommen bin ...
Am 8. September machte ich mich abends auf den Weg zum Coach Terminal Toronto. Ehrlich gesagt fiel mir der Abschied vorher im Canadiana von den neugewonnenen Freunden und Freundinnen etwas schwer und ich hoffe, dass ich sie bald wieder sehe! Natürlich hoffe ich auch Toronto bald wieder zu sehen.
Nichtsdestotrotz ... ich habe einen Plan und den befolge ich. Also war ich gegen 19 Uhr am richtigen Gate und kurz darauf saß ich im Bus und hatte einen klasse Platz für die folgenden 14 Stunden. Ehrlich gesagt verging dieser halbe Tag im Bus recht fix. Kurz nach 22 Uhr befand ich mich an der US-Grenze und wurde geweckt ... Nun befand ich mich auf dem Weg mit meinem kompletten Gepäck zu einem US-Grenzbeamten, um meinen Stempel (hoffentlich) zu bekommen. Ich habe ja schon einiges gehört, aber meine Erfahrung war durchweg positiv. Officer Lorenz war äußerst interessiert an meiner Geschichte und ich wählte meine Worte sorgfältig, um weitere Verhöre zu vermeiden Er fragte wie lange ich in Kanada war, wo ich ursprünglich herkomme, ob ich in Kanada arbeite, wie lange ich in den USA bleiben will und wo zuerst, was ich da mache und ab diesem Punkt war das Gespräch eigentlich schon zu einem guten Ende gekommen. Er wünschte mir alles Gute bei meinem Trip und ich soll die Zeit genießen, denn es höre sich sehr abenteuerreich an. Das lief ja besser, als ich erwartet habe! Der Stempel wurde gemacht und schon war ich in Buffalo im Bundesstaat New York. Wer auch immer nach Buffalo/NY möchte ... vergesst es. Um diese Zeit war NICHTS los und die Straßen waren leer ... Nach der Zeit in Toronto kam ich mir da etwas verloren vor ... Also versuchte ich wieder zu schlafen im Bus, was gut funktionierte, auch wenn ein Kind dauerhaft schrie und seine Eltern den Kampf schon in Runde #2 aufgaben und vor mir ein Paar aus Chinatown saß, welches ich selbst durch meine Kopfhörer mit lauter Musik noch reden hörte ... Bisschen belastend, aber durch Schalmeien und Co. bin ich an Schlafversuche im Bus gewöhnt

Gegen 10 Uhr morgens kam ich dann in der Union Station Washington DC an und Lena erwartete mich schon. Obwohl wir uns in diesem Moment zum ersten Mal persönlich sahen, passte es sofort - wie schon in den vielen Skypegesprächen zuvor. Gemeinsam liefen wir durch Washington auf der Suche nach unserem Hostel und schon da stellte ich fest, dass die Amerikaner äußerst freundlich und hilfsbereit sein können und wir schnell voran kamen. Um es kurz zu machen: Das Hostel war auch top, bisschen klein und eng, aber für eine Nacht ausreichend. Nach dem Check-In haben wir ein paar Sachen umgepackt und sind mit einem Stadtplan bewaffnet in die Stadt zum Sightseeing - natürlich alles zu Fuß. Wie die meisten auf Facebook so mitbekommen, haben wir dabei allerlei Wichtiges gesehen: Capitol, White House, Memorials und Monument ... all das, was man aus Film, Bild und Fernsehen kennt, aber eben in Realität. Das ist schon ein besonderes Gefühl, kann ich euch sagen ... Vieles realisiere ich dann bestimmt erst nach einiger Zeit, wenn ich darüber nachdenke, wo ich eigentlich stand.
Wir verbrachten den gesamten Nachmittag damit, durch die Stadt zu laufen. Das White House war letztenendes nicht so, wie wir erwarteten (größentechnisch kleiner als wir dachten). Die Memorials waren super, vor allem das von Lincoln und Martin Luther King. Ganz cool waren auch die riesigen Schlittem vom Secret Service vor dem Capitol und White House, die ihre Runden drehten. Wir liefen dann noch ins Hard Rock Cafe und der Laden war echt toll! Nun mussten wir noch bisschen was einkaufen und ein Supermarkt in Hostelnähe lieferte alles Notwendige für wenig Geld.

Am Abend trafen wir im Hostel - wie sollte es anders sein - Deutsche  ... zwei Polizisten und einen angehenden Lehrer. Da es ein unabhängiges Hostel war, durften wir auch ein Bierchen trinken. Um es abzurunden: Die drei Jungs aus Hannover haben die Happy Hour (=Freibier von 21-22 Uhr) sehr genossen und uns bewiesen, was mit Polizei und Lehrern in diesem Staat falsch läuft ... und diese Leute kontrollieren dann mein Auto und erziehen meine Kinder Aber Spaß beiseite, die Jungs waren cool drauf und wir genossen die Zeit bis 0 Uhr. Dann war (trotz mehrmaliger Versuche die Uhr nochmals von 21.35 auf kurz vor 21 Uhr zu stellen ... hat übrigens zwei Mal funktionierte ... ) die Happy Hour zu Ende und die Müdigkeit dominierte ... Ab ins Bett und für den kommenden Tag vorbereiten.

Philadelphia, Pennsylvania

Am Morgen des 10. September ging es 6.30 Uhr aus den Federn und nach etwas Frühstück (wo uns der Lehrer Gesellschaft leistete) Richtung Union Station, von wo wir nach Philadelphia reisten. Dabei fuhren wir erneut durch den Staat Maryland und nun auch durch Delaware (schöne Gegend übrigens). Nach kurzem Halt in Newark setzten wir die Reise nach Philly fort und kamen gegen Mittag an.
Nicht funktionierendes WiFi im Bus und an der Union Station von Philadelphia erschwerten den genauen Weg zum Hostel zu finden. Aber siehe da, die Amis sind zuvorkommend und haben uns gut beraten. Im Anschluss sind wir mit der Metro gefahren (krasse Sache, sehr rasant) und waren ratzfatz im Philadelphia House. Dort wurden wir sehr herzlich von allen empfangen und auch wieder gut zur Stadt beraten. Also machten wir uns dann (erneut zu Fuß) auf den Weg durch Philadelphia. Wir haben Historisches, Modernes, Kulturelles und Kulinarisches getestet und ich persönlich bin von dem Charme der Stadt mehr als beeindruckt. Natürlich durfte auf dem Trip auch ein legendäres Philly Cheese Steak (dünn geschnittenes Fleisch in einem Brötchen mit viel Käse und etwas Gemüse) nicht fehlen ... es war hammermäßig gut!
Bald wurde es dann Abend und nach einem Spaziergang am Hafen entschieden wir uns trotz aufkommender Dunkelheit - vielleicht auch gerade deswegen - auf die Benjamin-Franklin-Brücke zu laufen und die Stadt bei Nacht zu genießen. Dieser Fußmarsch hat sich gelohnt. Hafen, Skyline, Brücke ... alles in allem richtig genial und sehenswert! Insgesamt haben wir wohl an beiden Tagen jeweils 5-6 Stunden zu Fuß zurückgelegt. Am Abend saßen wir dann noch etwas im Hostel, planten den kommenden Tag und ruhten uns aus. Als Zwischenfazit kann ich sagen, dass Washington meine Erwartungen weitesgehend erfüllt hat, Philadelphia hingegen eine positive Überraschung war. Wer immer den Plan verspürt, diese Stadt kennenzulernen ... sie wird euch herzlich willkommen heißen!

Atlantic City, New Jersey

Am folgenden Tag ging es wieder relativ zeitig aus dem Bett und nach einem backpackertypischen Frühstück (Knäckebrot mit Banane, dazu einen kompletten Apfel -teuer genug, da kann man getrost auch mal alles mitessen-, einen Kaffee und zwei Karotten). Danach machten wir uns wieder mit unserem Gepäck auf in Richtung Philadelphia Union Station und kurz darauf ging es in den Bus und wir mussten Bye Bye sagen zu Philly.
Gerade einmal 15 Minuten später waren wir auch schon im Bundesstaat New Jersey und insgesamt 1,5 Stunden später fuhren wir an der Atlantikküste entlang durch Atlantic City. Der erste Anblick war wie der einer kleinen Ausgabe Las Vegas: extrem hohe Casinos, viele Hotels, Lichter überall, viel Sand und Hitze ... Nachdem wir uns am Busterminal durchgefragt haben, ging es auch schon ins Hotel und dort bot sich uns nach den vorhergehenden Hostels natürlich erstmal ein ganz anderes Bild: riesen Zimmer, bequeme Betten, eigenes Bad und Frühstück sollte bereitstehen. So kann es sich aushalten lassen ...
Das gute (nur leicht windige) Wetter sollte zugleich genutzt werden und bald darauf lagen wir am Strand, umringt von Atlantik, Sand und einer Menge Casinos. Natürlich ging es dann auch mal baden, was aufgrund des Wellenganges ein kurzes Unterfangen war. Kurz, aber angenehm!
Nach einigen Stunden Entspannung am Strand (die Sonne meinte es teilweise nicht gut mit meinem Körper) ging es zurück ins Hotel. Wir machten uns fertig für einen netten Abend an Strandpromenade und in den Hotelcasinos. Da kamen wir dann auch immer gut rein und gingen über Caesars, Ballys und Taj Mahal bis hin zum Trump Plaza. Alles in allem ein sehr feiner Abend
Irgendwann nach Mitternacht war dann aber die Müdigkeit zu groß und nach langem und aufregendem Tag ging es (nach einer Dose Ami-Bier) schlafen. Das war in einem King-Size-Bed seeehr schön und leider zu schnell vorbei ... Am zweiten Tag Atlantic City stand bis Mitternacht nicht viel auf der Planung, außer Zeit totschlagen, entspannen und etwas leckeres zu Futtern finden.
Nach einem Shoppinggang in den unzähligen Läden liefen wir den Boardwalk am Strand, welcher nach Hurrikan Sandy neu wiederaufgebaut wurde, einige Male auf und ab. Besonderes Highlight war dabei das Hard Rock Cafe, das auch schon in Washington und Philadelphia für Stauen sorgte. Hoffentlich geht es so auch in Boston und New York weiter.
Anschließend stand das Kulinarische wieder im Mittelpunkt ... ein Steakhouse war das Ziel ... das Glück sei mit den Suchenden und so fanden wir uns nach einiger Zeit in einem Steahouse wieder und haben das gute Sweet Onion Sirloin bestellt. Kurz gefasst: es war der Wahnsinn! Typisch amerikanisch und mehr als lecker ...
Zum Ende des Tages hin waren immer noch 5 Stunden bis Busabfahrt auf der Uhr und in dieser Zeit waren wir unter anderem in einem Sugar-Shop, wo wir ein halbes Kilogramm Gummibärchen uns selbst zusammenstellen durften, danach ging es etwas Seafood Fries (sowas wie Pommes, aber besser) futtern und wir vertrieben uns Zeit am Strand und im Apple Shop. Dabei sei gesagt: wer so ein Teil gut findet und unbedingt kaufen möchte, der ist hier anscheinend im Paradies, denn die Verkaufspreise für alle möglichen i-Produkte liegen weit unter dem deutschen Durchschnitt.
Irgendwann war es dann soweit und der Bus fuhr los ... leider so voll, dass kein (gewohnter) Einzelplatz mehr vorhanden war und ich die Strecke bis New York (zum Umsteigen) neben einem fremden und leider etwas kräftig gebauten Amerikaner Platz nehmen durfte ... 2 Stunden Fahrt können verdammt lange sein ... Aber das machte der Anblick von New York City wieder gut. Leider nur aus dem Bus und vom Terminal aus, aber bald geht es auch für einige Zeit da hin und der Anblick in dieser Nacht machte Lust auf mehr!
Als es dann um 4 Uhr morgens weiter gehen sollte nach Boston, war der Bus noch voller als zuvor ... einige mussten sogar dableiben und den nächsten nehmen. Zielzeit Boston war gegen 8.30 Uhr morgens, zum Glück (!!!) waren wir aber schon 40 Minuten eher da (warum auch immer) und konnten den bis dato unbequemsten Bus frühzeitig verlassen ... Die Sitze haben gewackelt, der Sitzabstand war mehr eine Kontaktbörse und verstellen konnte man die Lehne auch mehr schlecht als recht ... Schlaf war in dieser Nacht Mangelware ... aber hey, letztendlich bin ich nun in Boston angekommen und die Stadt macht zugleich einen tollen Eindruck für ein vorerst letztes historisches Sightseeing in solch einer Metropole.

Boston, Massachusetts

Leider hat sich dieses Gefühl von Schlaflosigkeit durch den ganzen Tag in Boston gezogen ... Nach einigen Schwierigkeiten beim Einchecken ins HI-Boston, die einem in dieser Stimmung leicht den Rest geben konnten, begannen wir dann aber unsere Tour durch die Hauptstadt von Massachusetts gegen 10 Uhr. Wir liefen einen historischen Pfad entlang und konnten dabei allerhand Interessantes betrachten. Auch kulinarisch waren wir durch Quincey Market bestens versorgt (es gab ein sehr großes und leckeres Chicken Club Sandwich mit viel Bacon). Aber der Tag machte einem zu schaffen und gegen Nachmittag gingen wir zurück ins Hostel. Abends führte mich Lust und Laune nochmals ins Hard Rock Cafe, das wirklich von Ort zu Ort verschieden, aber hochinteressant ist. Anschließend gab es noch eine Fragestunde seitens Lena und mir bei der South Station bezüglich des morgigen Tages.
Und die letzte Station hieß dann: Bett. Denn das war und ist nun bitternötig, um morgen dann fit zu sein.

In nicht mal einer Woche habe ich vier Städte der USA bereisen und sieben US-Bundesstaaten durchreisen dürfen und dabei allerhand an Erfahrungen, Entdeckungen und Erinnerungen mitgenommen. Trotz der kurzen Zeit kam nichts zu kurz -außer vielleicht der Schlaf- und mir gefällt es als Backpacker in Nordamerika richtig wirklich (Lenas Korrektur ) sehr! 

Ab morgen geht es dann etwas weiter nördlich nach Cape Ann, wo wir Wale beobachten möchten.

Nun habt ihr also schon ganz schön viel lesen können vom ersten Teil meines Roadtrips. Aller Voraussicht nach werden noch zwei Teile folgen: Zunächst von der Reise entlang von Cape Cod, bis nach Vermont. Der dritte Teil dreht sich dann um die Zeit in New York, wo es mit Sicherheit noch etwas mehr zu berichten geben wird!

Bleibt gespannt und wachsam, ungefähr so wie ich momentan

 

Roadtrip Part II

Highlights in Toronto

Montag, 08.09.2014

Hier ein kleiner Rueckblick der vergangenen Tage ...

Freitag, 5. September 2014

Wir haben uns gegen 17.00 Uhr dann noch entschieden, trotz des langen Tages ins Royal Ontario Museum (ROM) zu gehen. Um diese Zeit gab es Rabatt und es liegt nur ein paar Blocks weiter. Gesagt, getan - und bereut habe ich es ganz und gar nicht. Fuer 10 Dollar kann man auf vier Etagen alles moegliche bestaunen: kanadische Geschichte ueber Land und Leute, eine riesige Gesteinshalle, eine super Tierausstellung (von Dinos bis Saeugetieren) und dann noch Dinge aus aller Welt, wie Griechenland, Rom, Aegypthen oder Asien ... Ich war zwar vorher schon muede (und danach dann erst recht), aber es war die Anstrengung voll wert! 

Spaeter am Abend gingen wir dann noch einkaufen, denn Toronto ist diesbezueglich wirklich teuer und man muss lange suchen, so auch wir. Also starteten wir auf Queen Street einen neuen Versuch ... vergeblich. Etwas Kaese, Brot, paar Aepfel und etwas Marmelade kostete uns mehr als 15$ ... und als wir Loblaws wieder verlassen wollten, regnete und gewitterte es unglaublich sehr ... Also fix etwas im Eingangsbereich der Mall gefuttert und mit paar Leuten ausgetauscht. Aber immerhin hatten wir etwas zu essen und das haelt bis zum heutigen Tag! 

Als ich spaet abends im Hostel ankam, hatte ich einen neuen Zimmerkollegen, Larry. Er stammt von Hawaii, seine Familie lebt in North Carolina und er studiert in Ohio ... Ein echt verrueckter Zeitgenosse, nicht nur weil er Amerikaner ist (die erkennt man hier allerdings sehr leicht: oft sind es die protzigen und lautstarken Leute mit geschwollenem Ausdruck und fehlendem Feingefuehl, so unser Eindruck). Larry war auch etwas crazy, jedoch auf eine liebenswerte Art. Er hat etwas hippyaehnliches an sich und macht in Toronto Urlaub von seinem Chemiestudium, um dann fuenf Stunden zu fahren in einen Freizeitpark, weil er Achterbahnen so liebt. Nu warum nicht, man konnte sich alles in allem prima mit ihm unterhalten! Er reist heute zusammen mit mir wieder ab. 

Samstag, 6. September 2014 

Am Morgen ging ich ins Eaton Center, eine riesige Shopping-Mall mitten in Toronto, ueber 4 Etagen nur Laden an Laden. Highlights waren auf jeden Fall die Rocky Mountain Chochlate Factory, wo man das ein oder andere probieren durfte (traumhaft!!!), aber etwas zu kaufen meinem Budget nicht entsprach ... Besonders gefallen hat mir auch die Urban Eatery, in diesem Fall Restaurant an Restaurant im Untergrund der Mall, wo ich mich auch an indisch, thailaendisch und griechisch versuchen durfte und somit Mittag-for-free ergatterte! 

An diesem Tag war es etwas kuehl, deshalb nochmal fix ins Hostel und einen Pullover geholt und als ich wieder Richtung King Street lief, fiel mir links ein gut bewachter Ausgang auf mit einigen SUV davor. In der Menschenmasse fragte ich einen Mann, was denn hier passiert und er meinte: `Wir warten auf Adam Sandler, der kommt gleich hier raus` ... Nun, die Promis verstehen unter `gleich` wohl etwas anderes als ich und somit war es mir nach zwanzig Minuten zu doof und ich habe meinen Tagesplan weiterverfolgt ... Sorry Adam ... 

Mit der Faehre bin ich dann nach Toronto Islands gefahren, von wo man einen genialen Blick auf Torontos Skyline bekommt. Die Insel hat auch einen Freizeitpark, eine Farm und mehrere Straende. An den Straenden fanden sich die verschiedensten Nationalitaeten und Menschengruppen zusammen und die paar Stunden Entspannung bei Sonne und `Meer` waren toll. 

Als ich am Abend wieder in Downtown war, entschlossen wir uns nochmal aufs TIFF zu gehen und etwas das Nachtleben zu geniessen. `The Dears` lieferten klasse Livemusik und wir trafen Chris, einen der besten Eiskunstlaeufer und Olympiateilnehmer Deutschlands, der uns schnell als Deutsche identifizierte und in Toronto lebt und studiert. So hatten wir wieder einen neuen Freund gefunden, der auch gleich Nummer, Adresse und Auto anbot. Ich liebe diese Stadt! 

Irgendwann in der Nacht war ich wieder im Hostel und neben meinem Bett stand wieder ein Neuer: Nicholas aus Montrèal, auch ein cooler Typ. Es ist ein Kommen und Gehen im Canadiana

Sonntag, 7. September 2014

Am Abend zuvor habe ich eine Tour zu den Niagarafaellen gebucht. Der Wettergott meinte es sehr gut mit mir! Unser Busfahrer David liess die knapp 1,5 Stunden Fahrt hin und zurueck durch seine Fuehrung wie im nichts vergehen.
Aber auch an den Falls (so werden sie in Ontario nur genannt und jeder weiss Bescheid) war es atemberaubend. Die amerikansichen koennen im Gegensatz zu den kanadischen Faellen einpacken, denn auf kanadischer Seite ist es einfach wahnsinnig imposant, das Wasser nach unten rauschen zu sehen, zu hoeren und auch irgendwie etwas davon zu schmecken. Ja richtig, man steht da und es regnet durch das aufgewirbelte Wasser einfach mal aus heiterem Himmel. 
Als wir Bock auf ein Eis hatten, hat uns das kanadische Zahlungssystem wieder eines besseren belehrt ... auf der Karte Stand Ice Cream 0,70$oz ... eine Kugel Eis fuer 70ct, das sind ja fast deutsche Verhaeltnisse ... da haben wir uns ueber das oz keine weiteren Gedanken gemacht. Als ich dann jedoch zwei Kugeln bestellte und zahlen sollte, konnte ich das 2-Dollar-Stueck schnell wieder wegstecken, denn die Dame sagte `5 Dollar bitte` ... Jo, so viel dazu. Fuer diejenigen (wie mich), die es nicht wissen (ich weiss es nun), oz bedeutet soviel wie pro 28 Gramm. Wenn man nun aber pro Kugel Eis logischerweise etwas mehr Gramm bekommt und das dann auch noch fuer zwei Kugeln und dann auch noch die Waffel extra zahlen muss und dann auch noch die uebliche Tax (die Steuer, die in Kanada nie mit da steht,sondern immer erst beim Zahlen auftaucht) darauf kommt ... dann werden aus den erhofften 1,50$ eben mal 5 ... Sei es drum, das Eis war geil und ich habe wieder etwas dazugelernt ... Welcome to Canada ... 

David fuhr uns dann zu einem Ort namens Niagara-on-the-lake, der wunderschoen ist, aber auch sehr teuer. Ein Haus kostet hier zwischen 500.000 und 3 Millionen Dollar ... Wer hat, der kann. 

Zu guter Letzt ging es noch zur Weinprobe. Wir durften drei verschiedene probieren: ein normaler Tafelwein und zwei teuere Eisweine. Bei diesen wird nicht die Traube voll ausgepresst, sondern man wartet bis Frost kommt und presst aus der gefrorenen Frucht nur einen (!) dickfluessigen Tropfen heraus und daraus macht man dann den etwas dickeren Eiswein. Das macht ihn so teuer. Er ist sehr suess, schmeckt kaum noch wie Wein, aber ist eine Erfahrung sicherlich wert! 

Am gestrigen Abend haben wir uns dann mit ein paar Maedels Nudeln gemacht und danach ging es noch Billard spielen und ins Kino. Alles in allem ein toller gemeinsamer Abend!

Heute, Montag, der 8. September 2014

Frueh am Morgen ging es raus und ans Packen, denn 11 Uhr musste ich ausgecheckt haben. Jetzt mache ich noch zum vorerst letzten Mal Downtown Toronto unsicher und gegen 19 Uhr (bei euch 1 Uhr morgens) geht es dann zum Bus nach Washington D.C. ... darauf freue ich mich schon sehr, denn dort kommt morgen gegen 10 Uhr auch Lena an und dann starten wir unseren 3000-Kilometer-Roadtrip gen Norden! 

Toronto werde ich aber sehr vermissen und sicherlich werde ich bald nochmal hierher zurueckkehren. Die Stadt ist toll und man findet sich nach wenigen Tagen gut zurecht. Aber auch die Leute hier sind wahnsinnig entgegenkommend und freundlich. Sobald man etwas ratlos am Strassenrand steht kommt eine Frage, ob man helfen kann. Aber auch die neugewonnen Freundschaften werden mich bald wieder hierher zurueckfuehren, bevor ich dann weiter nach Westen reise. Die Zeit vergeht einfach zu schnell und es heisst erstmal `Weiter geht`s`. 

Vorerst Goodbye Toronto, aber sicherlich bis bald! 

Ich melde mich dann wieder aus den Vereinigten Staaten, bis dahin! 

Downtown Toronto

Freitag, 05.09.2014

Hallo Freunde,

vielleicht ist es etwas zeitig, um schon wieder etwas Neues zu posten, aber heute ist einfach nochmal so viel passiert, was ich euch gern berichten moechte.

Nachdem ich gestern das SWAP-office verlassen habe, sind wir zur ScotiaBank gelaufen, um einen Bankaccount zu eroeffnen. Zum Vervollstaendigen sollte wir am naechsten Morgen (heute also) 10 Uhr nochmals erscheinen.

Danach sind wir einfach etwas durch Downtown Toronto geschlendert und genossen die Stadt und ihre Leute. Mit `wir` meine ich uebrigens mich und ein paar Freunde aus dem Hostel. Als wir am CN-Tower ankamen, entschieden wir uns kurzerhand hinaufzufahren. Diese Erfahrung ist wohl einzigartig und ich habe sie extrem genossen. Zunaechst mit dem Fahrstuhl (mit Fenstern) an der Aussenwand hinaufzuschiessen und dann in ueber 300 Metern Hoehe ueber Toronto zu blicken ... Dann noch auf einem Glasboden zu stehen und unter sich absolut nichts zu sehen, ausser den Boden nach einigen hundert Metern ... WOW! 

Nachdem wir dieses Spektakel einige Zeit genossen haben, sind wir wieder hinunter gefahren und haben das Innere des Towers noch etwas ausgecheckt, denn da gab es auch allerhand zu sehen. Ganz oben an der frischen Luft war es zwar angenehm warm, aber sehr windig, da gefiel es uns unten schon besser.

Am Abend hatten wir wahnsinnigen Hunger und suchten nach einer guenstigen Moeglichkeit, etwas Essbares aufzutreiben. Auf Empfehlung von einigen Torontonians sind wir ins Pizzaiolo gegangen, wo es fuer wenig Geld ordentlich viel Pizza gab. Der Abend war damit perfekt. 

Waehrend jeder dann so herum gesessen hat und die Zeit im Hostel genoss, entschied ich mich noch einmal hinaus zu gehen und mir Toronto bei Nacht zu goennen. Welch gute Entscheidung!
Wie ich schon einmal erwaehnte, findet momentan in Toronto das internationale Filmfestival statt und somit war auf der King Street allerhand los und die ganzen Restaurants am Strassenrand und die Shops und Hochhaeusser und Leute ... das alles laesst einen nur staunen und mit offenem Mund umherlaufen. 
Uebrigens findet man sich schon nach zwei Tagen relativ gut zurecht, wenn man einmal etwas umhergelaufen ist. Alles ist in einem Raster angeordnet und schnell kennt man die markanten Streets und Avenues. 

Am heutigen Morgen haben wir dann erneut die Bank aufgesucht. Waehrend wir so liefen, fiel uns auf, dass trotz der fuer Grossstaedte ungewohnt guten Verkehrsfuehrung einige nach dem Motto drive or die fahren, vorallem Radfahrer und Busfahrer ... also Augen auf. Nichtsdestotrotz sind die Kanadier hier sehr aufmerksam und hoeflich, als Fussgaenger ist man deshalb (relativ) sicher unterwegs!

In der Bank verbrachte ich dann knapp 2 Stunden, meine Dame in Sachen Beratung war superfreundlich und erklaerte alles ausfuehrlich. Sie gab auch noch einige Insider-Informationen und somit hatte ich am Ende einen Bankaccount (mit Karte und 100$ geschenkt ) und eine Anlaufstelle fuer mein Lunch. Aber schon in der Bank wurde ich mit Getraenken bestens versorgt. Verkaufs- und Marketingstrategie hin oder her ... es war super! 

Zum Mittag gab es also einen Chicken Wrap fuer aufgerundet 8$ und der haelt mich bis jetzt noch satt. Gut investiertes Geld also ... Aufgerundet war es deshalb, weil hier bei einem Preis von beispielsweise 7,98$ einfach 8$ gezahlt werden. Der Grund sind die fehlenden Centmuenzen. Der Vorteil ist, dass man dieses laestige Kleingeld vermeidet. Der Nachteil ... man zahlt selten das, was da steht und verliert etwas mehr Kohle als einem lieb ist, wenn man es im Grossen und Ganzen betrachtet. 

Nach dem Lunch machten wir uns wieder auf dem Weg durch die Stadt, denn wir brauchten einen guenstigen Supermarkt. Korea-Town, China-Town oder Little Italy ... Nette Viertel, aber leider unuebersichtlich und komische Auswahl (teils nicht englisch beschriftet  und den Bildern auf den Packungen traue ich da sowieso nicht), deshalb nicht erste Wahl bei uns ... wir kauften uns etwas in einem kleinen vertrauenswuerdig erscheinenden Supermarkt, machen uns aber bald nochmal schlau, wo es besser waere einzukaufen. Auf jeden Fall moechte ich bald noch ins Eaton Center, ein riesiger Einkaufskomplex.

Waehrend ich gerade hier so im SWAP-Office sitze war draussen auf der College Street ploetzlich massig Laerm. Die Chefin, Elise, zeigte uns aus bester Position die neu ankommenden Studenten fuer das neue Schuljahr. Um die 40.000-45.000 Studenten aus aller Welt, und das sind nur die Neuen! Eine riesengrosse Parade lief an uns vorbei, echt toll gewesen und super Feierlaune bei allen.

Ich bin gespannt, was es heute noch Neues gibt zu entdecken. Ich lasse es euch bald wissen.

Bis dahin erstmal euch in good old Germany einen netten Abend!  

 

PS: Bilder werden leider ausschliesslich auf Facebook gepostet, denn dort ist es fuer mich momentan noch einfacher, sie hochzuladen. Der Computer akzeptiert mein Smartphone hier noch nicht, vielleicht funktioniert das ja bald :) Also wie gesagt, bis dahin: nur Facebook und hier die groesseren Stories 

Welcome to Canada

Donnerstag, 04.09.2014

Guten Morgen Welt!

Bei mir ist es gerade kurz nach Mittag und die Zeitverschiebung macht allen Newcomern etwas zu schaffen. Der erste Eindruck ist jedoch bombastisch gewesen.

Aber der Reihe nach: es ging wie erhofft pünktlich und mit allem Gepäck (hab es beobachtet) von Dresden nach München. Dort ließ der Anschlussflug nicht lange auf sich warten und die Orientierung lief bestens. Der Flug nach Toronto war dann sehr angenehm. Die über acht Stunden vergingen wie "im Fluge" (haha, welch Wortspiel ...) und mir fehlte es an nichts ... außer vielleicht etwas Beinfreiheit.

Das Essen an Bord war außerordentlich gut und dank der zwei Chinesinnen neben mir hatte ich auch einiges zu erzählen und konnte viel Neues lernen. 

Der Anflug auf Kanadas größte Stadt war dann wirklich atemberaubend toll! Dennoch hoffte ich die ganze Zeit, dass mein Gepäck mit umgeleitet wurde ...Gegen 15.00 Uhr Ortszeit betrat ich kanadischen Boden und wuselte mich durch den Pearson Airport. Ganz schön großes Ding. Aber schon da fiel mir das multikulturelle Flair Kanadas auf, jede Nationalität vertreten und das nicht nur unter den Reisenden.
Danach ging es in eine lange Schlange, in der mein Pass kontrolliert wurde und ein paar Fragen gestellt wurden. Die Prozedur an sich ging fix ... aber das Warten ... auf die Frage nach meiner Arbeitserlaubnis verwies man mich in eine weitere Schlange ... wieder warten ... aber langweilig war es keineswegs: eine Beamtin hatte richtig Feuer und jede Person, die ihre Papiere bei ihr holte durfte sich bei der Befragung bei kleinsten Unstimmigkeiten einen lautstarken Einlauf abholen. Hoffentlich darf ich zu dem netten Mann zu ihrer linken, dachte ich mir ... durfte ich dann auch ...
Währenddessen wurde ein farbiger Mann mit Tape an der Nase von drei Officers abgeführt.

Welcome to Canada!

Der nette Beamte wollte lediglich meinen Reisepass sehen und nach kurzer Unterhaltung bekam ich meinen ersehnten Stempel. Andere mussten sich komplett nackig machen und alles vorzeigen. Keine Ahnung was ich für einen Bonus habe  Danach konnte ich endlich meinen Rucksack abholen. Der Flug aus München war längst nicht mehr ausgeschrieben aber zum Glück warf ich vorher einen Blick auf die Tafel und siehe da: bei Nummer fünf stand das gute Stück. Jetzt musste ich nur noch eine Kontrolle bestehen. Aber auch die konnte ich umgehen während viele andere ihr Gepäck ausräumen mussten. Ich gab mein declaration-card ab und verließ den Flughafen in Richtung Bushaltestelle. Da stand auch schon der richtige Bus und ich sprang rein und innerhalb von zwanzig Minuten war ich in Downtown Toronto. Welch geiler Anblick :) Ich fuhr entlang an den Stränden des Lake Ontario bis zum CN-Tower. Von dort lief ich ein paar Minuten bis zum Hotel.
Voll beladen mit Gepäck durchlief ich dann noch eine Menschenmasse, während just in diesem Moment ein schwarzer SUV neben uns hielt und einige gut gekleidete Personen ausstiegen und die Menge tobte und applaudierte. Und ich mittendrin und ohne konkreten Plan, wer die Typen sind ... bisschen bekannt kamen sie mir vor. Grund für alles war das internationale Filmfestival, das momentan in Toronto stattfindet. Also bin ich gerade mal zehn Minuten in Toronto und treffe gleich paar Promis. Vielleicht finde ich ja auch noch heraus, wer das nun war.

Mein Zimmer teile ich mir mit 6 anderen Leuten, darunter einige Deutsche. Das Canadiana ist wahnsinnig toll, es hat seinen top Ruf zurecht. 

Bei einem morgendlichen Walk durch Downtown sieht man sooo viele Leute und die Stadt an sich ist schoen anzusehen. 

Gerade eben befinde ich mich im SWAP-office, wo eine Veranstaltung zum Leben in Kanada stattfand. Das Wetter ist traumhaft und ich bin gespannt, wo es mich heute noch hinverschlaegt ... 

Ich werde mich bald wieder melden, wenn es etwas Neues und Interessantes zu berichten gibt. Das laesst sicherlich nicht lange auf sich warten. 

Gruesse in die Heimat also und ihr koennt euch sagen lassen, es geht mir gut!  

Kleine Anmerkung zum Schluss: hier gibt es massig viele Orte mit freiem W-LAN, aber Bilder hochladen gestaltet sich noch etwas schwierig, bald sollte das aber auch funktionieren!

Philip 

One Day

Dienstag, 02.09.2014

Morgen!

In diesem Sinne ... auf in den letzten Tag!

Voller Vorfreude, einigen weiteren Verabschiedungen, die letzten Sachen noch einpacken und einfach die Zeit genießen ... Und es sei gesagt: es macht sich etwas Aufregung breit, obwohl es die vergangen Tage noch auf sich warten ließ. Gehört wohl einfach dazu

Dank einer netten Countdown-App auf dem Smartphone (so entstanden auch die Bilder auf Facebook; für diejenigen, die gefragt haben: Screenshot und hochladen ) konnte ich einige Meilensteine der vergangenen Monate gut nachvollziehen.

So gab es - vor mittlerweile langer Zeit - einen Moment, als noch "250 zu vergehende Tage" angezeigt wurden ... Ehrlich gesagt kommt es mir noch gar nicht so lange vor, woran man mal wieder sieht, wie schnell die Zeit doch eigentlich vergeht.

Dann kamen Momente wie "noch 100 Tage", wobei ich mitten im Abistress war ... Momente wie "noch 50 Tage", als ich eben einen Rasenmäher durch die Kante schob

Die Monate rannten nur so weg und es ist erstaunlich, was in diesen paar Monaten alles passierte ... Schulstress, Abitur, Abiball, drei Monate gearbeitet, und und und ...

Und nun ist es nur noch ein einziger Tag, noch ein Mal schlafen, dann geht es auch schon los.

Morgen wird also in aller Frühe, vermutlich gegen 4 Uhr spätestens, der Wecker klingeln und mich aus meinem geliebten Bett scheuchen. Aber was muss, das muss!
Dann geht es nach Dresden und hoffentlich meinen es Lufthansa und die Vulkane auf Island gut mit mir und ich kann entspannt ins Flugzeug steigen und die Stunden vergehen lassen ...
Es geht gegen 10 Uhr nach München und von dort aus direkt nach Toronto, wo ich um die Mittagszeit (Ortszeit) ankommen sollte, weshalb mir der Tag noch zur Verfügung stehen sollte Wir werden sehen!

Ich melde mich, sobald ich kann :) Wünscht mir Glück und denkt vielleicht mal an mich.

Bis dahin erst mal ... Goodbye Germany! 

Der letzte Ton

Sonntag, 31.08.2014

  Da waren es nur noch 3 Tage ...

Nach mehr als zehn langen Jahren Vereinsleben hieß es am gestrigen Tag vorerst "Auf Wiedersehen" sagen zu über 30 langjährigen Freunden und Mitspielern.

Den letzten Auftritt habe ich natürlich nochmal ausgiebig genossen und am Ende konnte ich wirklich auf einen rundum gelungenen Abend zurückblicken.

Der Abschied fiel nicht leicht, schweren Herzens lässt man das ans Herz gewachsene Hobby nun für ein ganzes Jahr lang ruhen. Doch aus den Augen heißt keineswegs aus dem Sinn, auch dafür wurde mir Abhilfe geschaffen:

 

Vielen Dank ...

... an alle, die gestern mit dabei waren und auch an alle, die vorher schon ein paar letzte Worte an mich gerichtet haben. Es war ein toller Abend und ich werde euch das Jahr über ganz sicher nicht vergessen und freue mich schon, wenn wir wieder gemeinsam on Tour sind! Es waren keine verschwendeten Jahre, denn es ist das beste Hobby, das ich mir wünschen kann und das oben Gezeigte spricht denke ich für sich Besonders werden mich in den kommenden Monaten die letzten persönlich gewechselten Worte mit den einzelnen Personen begleiten, an die ich mich immer wieder gern zurückerinnern werde.
Ein bisschen Schalli-Mugge wurde auch schon auf's Handy gezogen, sei es zur Erinnerung bei Sehnsucht oder um den Kanadiern mal bisschen einzuheizen

Ach ja: Sobald ich einen Auftritt klar machen kann, lasse ich es euch natürlich wissen und dann verlegen wir den Kapellen-Urlaub mal nicht ins Südseeparadies Der Vorschlag wurde bis jetzt schon freudig erregt angenommen!

Also dann allen Schalmeierinnen und Schalmeiern und allen Bumsern eine schöne Zeit und wir hören bald von einander! Haut und blast weiterhin ordentlich rein!

Euer Philip

Packen, Vorfreude und mehr ...

Dienstag, 26.08.2014

Was gibt's Neues zu berichten?

Nun befinde ich mich also kurz vor dem Beginn meiner letzten Woche in Deutschland. Heute in einer Woche sollte ich meine Sachen schon längst gepackt haben. Deshalb habe ich mich entschieden, mit einer Packliste schon einige Wochen vorher anzufangen. Mit dem Zusammenstellen und Packen an sich sollte es eine Woche vor Abflug spätestens los gehen. Gesagt, getan!

In weniger als 8 Tagen starte ich und heute habe ich dafür einen ersten richtigen Packversuch unternommen.

Kann sich das Ergebnis sehen lassen?

Erster Packversuch Ich denke ja . Mein großer Backpack wurde ordentlich gefüllt, das Handgepäck hingegen sieht noch etwas leerer aus. Bestimmt wird nochmals etwas umgepackt oder neu sortiert.
Nichtsdestotrotz: der Grundstein wurde gelegt und voller Motivation habe ich die Checkliste abgearbeitet. Das gute Stück bringt dabei gerade einmal 14 Kilogramm auf die Waage, der Daypack nicht einmal 4 ... da ist also noch etwas Luft nach oben, insofern mir noch das ein oder andere Utensil einfallen sollte

Den einen oder anderen interessiert es womöglich, was denn nun alles Platz gefunden hat in dem 65-Liter-Fassungsvermögen.

Was kommt in meinen Backpack?

  • die Basics ...
    Das umfasst den großen Backpack und seinen kleinen Begleiter, den man in fast leerem Zustand auch kinderleicht an den Backpack schnallen kann und aus zwei Gepäckstücken eins macht.
  • die wichtigen Dokumente ...
    Was dazu gehört, dürfte bekannt sein: Flugtickets, Reisepass, Visumbestätigungsmail, Geldnachweis, Versicherungsunterlagen, Führerscheine, Lebenslauf, Passbilder, Adressen und Notrufnummern, Kreditkartennummern, Impfausweis und ein bisschen amerikanisches und kanadisches Bargeld. Schicke Banknoten übrigens!
  • die elektronische Geräte ...
    ... wie USB-Sticks, Stromadapter, Handys, Kamera und zugehörige Ladegeräte, eine Taschenlampe, Kopfhörer, Batterien und eine Verteilerleiste.
  • Kleidung ...
    Natürlich zählen dazu einige T-Shirts, zwei kurze und lange Hosen, eine Regenjacke, dünne Pullover (mehrere dünne wärmen besser, als ein dicker und nehmen dabei noch weniger Platz weg), ein dicker Fleece-Pulli, Gürtel, Badehose, Flip-Flops, Turnschuhe, Outdoor-Schuhe, Unterwäsche, Handtücher, Schal/Mütze/Handschuhe, Unterwäsche (auch in Thermo-Version) ... von einigen Dingen habe ich eine Ration für zehn Tage dabei, sollte ausreichen bis zum nächsten Waschgang. Sicherlich kann ich nicht für alle Jahreszeiten vollständige Ausrüstung mitnehmen. Für den Winter habe ich beispielsweise nur kleine Dinge wie Schal/Mütze/Handschuhe dabei und werde mir notfalls das andere dort zulegen, ganz einfach aus Platz- und Gewichtsgründen.
  • Kultursachen ...
    ... wobei jeder sich vorstellen kann, was unter diese Kategorie fällt, deshalb muss hier keine detaillierte Auflistung folgen. Es sei gesagt, das Wichtigste ist dabei
  • eine Reiseapotheke ...
    ... die ich hoffentlich nicht oft benötigen werde. Mitnehmen werde ich Medikamente gegen Schmerzen und die üblichen Krankheitsbeschwerden, aber auch etwas für die Erste-Hilfe und bisschen Abhilfe gegen Insekten und ähnliche Plagegeister.
  • das sonstige Nicht-Unwichtige ...
    ... was da wäre: Taschenmesser und Schere (natürlich NICHT ins Handgepäck stecken), Feuerzeug/-stein, Ohrenstöpsel, Waschmittel, Schlösser, Kugelschreiber, Schnürsenkel (sehr empfehlenswert für unterwegs; lernt man spätestens dann zu schätzen, wenn man im Notfall mal keine dabei hat), aufblasbares Nackenkissen, Beutel, Wäscheklammern, Sicherheitsnadeln und Nähzeug, Mückennetz, Karabiner, Kabelbinder, Kompass, Gurte/Schnüre, Taschentücher und mein kleiner Schlafsack.

Bestimmt habe ich noch das ein oder andere nicht aufgelistet beim Abarbeiten meiner Packliste eben, sollte euch noch etwas in den Sinn kommen ... immer her damit! Besser doppelt gehört, als dann vergessen

Vielleicht noch ein Hinweis zum Packverfahren: Ich habe mich vorher etwas schlau gemacht und dann mit ein paar Tipps aus dem Internet und von Freunden angefangen zu packen.
So sollte das schwere Zeug immer am Rücken anliegen und das Notwendigste obenauf gepackt werden.
Des Weiteren habe ich T-Shirts oder Hosen zum Beispiel jeweils in Beutel gesteckt und konnte feststellen, dass sich diese Beutel dann viel besser im Rucksack verpacken lassen und man an der einen oder anderen Stelle noch bisschen besser nachdrücken kann, als wenn man alles einzeln reinhaut. Darüberhinaus wird es von Vorteil sein, dass man, wenn ein paar Socken benötigt wird, nicht den ganzen Backpack durchwühlen muss, sondern nur den markierten Socken-Beutel rausziehen kann.

Wie werden die verbleibenden 7 Tage gestaltet?

Ein bisschen Urlaub zu Hause in aller Ruhe war geplant. Der Plan geht bis jetzt nicht auf

Es gibt doch noch einiges zu erledigen. Sei es den finalen Kontoauszug drucken, den man dann dem kanadischen Grenzbeamten vorzeigt oder etwas Bargeld des Ziellandes abholen oder Packversuche starten und nochmal und nochmal checken, ob man alles hat oder das einstige Zuhause ordnungsgemäß verlassen oder einen vorerst letzten Auftritt absolvieren oder schon mal in die ersten fünf Tage in Toronto vorausblicken wollen oder eben mit den Liebsten um sich ein Abschiedsbier trinken (was mir wohl am besten gefällt ) ...

An dieser Stelle kann ich euch bereits sagen, es ist ein eigenartiges Gefühl, der einen oder anderen Person schon ein paar Tage vor Abreise Tschüss sagen zu müssen ... Dabei ist es meiner Meinung nach nicht mal unbedingt die Tatsache, dass man sich nun 52 Wochen nicht sieht, sondern eher die Herzlichkeit, die einem währenddessen entgegengebracht wird und auch das ein oder andere "Danke" für einiges Durch- und Erlebtes

Ich genieße also die restlichen Tage in Deutschland, blicke aber auch etwas voraus in die Zukunft, was denn wohl kommen mag und auf mich wartet.

P.S. Im Moment warte ICH auf einen neuen Akku für mein Smartphone, denn das hat sich jetzt - kurz bevor es ernst wird - dazu entschlossen den Geist aufzugeben Hoffen wir, dass alles noch rechtzeitig ankommt und mir solche Späße bitte erspart bleiben!
Nachdem am vergangenen Wochenende (beim LETZTEN MAL ZEITUNGEN AUSTRAGEN!!!) aber auch mein vorher als immer treu gelobter Wagen mich mit einem Achsenbruch beglückte und ich nochmal etwas Stress hatte, das Ding wieder funktionstüchtig zu machen ... da würde mich jetzt nichts unbedingt überraschen

Ein letzter Wunsch?

Liebe Lufthansa, bitte wartet mit etwaigen Streiks noch so lange, bis ich ordnungsgemäß mit vollständigem Gepäck (!!!) in Toronto gelandet bin. Danke im voraus!

Bis dahin, Philip

Von nichts kommt nichts!

Mittwoch, 20.08.2014

Welch wahre Worte, die jeder von uns in seinem Leben schon mindestens einmal von Eltern oder Großeltern eingetrichtert bekam, wenn die Lust oder Motivation zu etwas fehlte ...

So erging es auch mir und es war die letzten Jahre eigentlich eine Art Leitspruch, wenn ich mir mal wieder die Sinnfrage stellte, warum ich mir so manches antue.

Kommendes Wochenende werde ich zum letzten Mal nach mehr als drei langen Jahren die altgewohnte Tour gehen und danach meinem ersten richtigen Job Lebewohl sagen.

  Treuer Begleiter für viele Jahre gewesen

... Genau 174 Mal bin ich dann die eine große Tour gelaufen,
jedes Mal auf's Neue um die 15 Kilometer ...

Trotz der relativ simplen Arbeit eine echt schöne, aber harte Beschäftigung mit unerwartet viel Abwechslung, nichtsdestrotz manchmal auch nervig und man hatte den Wunsch, das Ding einfach in die nächstbeste Ecke zu klatschen und nach Hause zu gehen - sei es wegen dem Wetter oder manchen unliebsamen Mitmenschen.

Rückblickend kann ich sagen, dass die tausenden gelaufenen Meter jede Woche gewissermaßen fit halten und man auch irgendwie stolz sein kann auf die unzähligen Tonnen an (Alt-)Papier, die durch die eigenen Hände bewegt wurden, auch wenn Hüter der Umwelt mir für diesen Satz am liebsten eine Zeitung über'n Kopf ziehen würden ...

Alles in allem war es eine tolle Erfahrung. Man bleibt immer in Bewegung, ist draußen unterwegs, lernt viele Leute kennen (jede Sorte!) und nebenbei bessert man den eigenen Kontostand etwas auf.

Und im Nachhinein bin ich nun froh, dass ich damit so zeitig angefangen habe, denn nicht zuletzt durch das Zeitungen austragen habe ich das finanzielle Fundament für Dinge wie Führerschein, Technikkram oder eben ein Auslandsjahr angespart.

 

Doch damit war es mir nicht genug ... große Pläne erforderten auch größere Maßnahmen und so schaute ich mich nach dem Abi gleich nach einem regelmäßigeren Job um, damit das mit Kanada alles noch bisschen besser in die Gänge kommen würde.

So kam es, dass auch die vergangenen drei Monate sehr arbeitsreich gestaltet waren.
Im Garten- und Landschaftsbau sammelte ich viele Erfahrungen, die sicherlich auch ab September bei dem ein oder anderen Farm-Stay hilfreich werden können. Geschadet hat es mir bis jetzt nicht, meinem Geldbeutel auch nicht

Smile :)

Danke an die Kollegen und die vielen lustigen Arbeitsstunden!

So neben der Schule zu Jobben ist eigentlich das Beste, was man machen kann und ich rate es jedem, der es einrichten kann neben Hausaufgaben und Co. 

Man bekommt wirklich viel mit, verdient erstes eigenen Geld und kann im späteren Berufsleben schon einiges vorweisen an Arbeitserfahrung. Dümmer wird man dadurch garantiert nicht.
Ich denke, es bereitet sogar besser vor und man fühlt sich nach der Schule und vor dem richtigen Beruf nicht so vor den Kopf gestoßen, nur weil man die Jahre zuvor in Watte gepackt wurde und alles in seine heiligen vier Buchstaben gepumpt bekam. Selbstständigkeit ist schon einiges wert, ohne diese würde ich mich im September bestimmt gar nicht in den Flieger wagen

Also tut was für eure Wünsche und Vorstellungen und denkt immer daran:
Von nichts ... kommt auch nichts

 

Zum Schluss noch etwas Brandaktuelles!

Gestern erhielt ich die E-Mail und heute kam es dann auch noch in Papierform: das langersehnte Schreiben von Praktikawelten, inklusive meines Flugtickets und dem Ticket für den Bus in Toronto (siehe unten).

Airport-Ticket

Nun sollte ich also alles Notwendige bei mir haben und muss nur noch etwas Ordnung in die Sache bringen. Das bedeutet, alles Wichtige nochmal als Kopie in meinem E-Mail-Account zu speichern, falls mal etwas verloren geht und wiederbeschafft werden muss vor Ort.
Des Weiteren muss ich noch Resevierungsnummern für Hostels und Online-Tickets für meine Bustransfers in den USA herausschreiben beziehungsweise ausdrucken und einpacken.

Wie geht es denn nun weiter?

Viel gibt es eigentlich nicht mehr zu tun. Meine Packliste ist vorerst vollständig und die fehlenden Artikel kann man mittlerweile an einer Hand abzählen. Nun gilt es also noch den ganzen Krempel einzupacken. Und dann sind es ja auch lediglich noch genau zwei Wochen (!!!), bis ich dann um diese Zeit schon in der Luft sein werde.

So hoffe ich doch. Denn Lena (ich berichtete) flog schon vor einigen Tagen nach Kanada und kam schnell in Schwierigkeiten mit ihrer Airline, welche bis jetzt noch nachwirken.
Zunächst bekam sie in Frankfurt gesagt, dass ihr Flug überbucht wäre (obwohl gebuchtes Ticket bei ihr vorhanden war). Nach einigen Gesprächen konnte sie dann noch als Letzte an Bord und den Flieger nach Toronto nehmen.
Dort angekommen fehlte allerdings ihr Backpack, von dem bis zum heutigen Tag (!!!) noch jede Spur fehlt. "Condor" kann ich euch nach diesen Erfahrungen, die ich so mitbekommen habe in letzter Zeit, also nicht ans Herz legen. Denn auch die Wiederbeschaffungsmaßnahmen ihrerseits - welche bei einem Backpack ja relativ dringend sind - stoßen nicht auf viel Gegenhilfe seitens der Fluglinie. Tolle Wurst ... So kann eine Reise natürlich auch starten ...
Momentan kämpft sie sich noch mit ihrem Daypack durch Kanada, immer mit der Hoffnung, dass "Condor" sich mal noch dazu hinreißen lässt, das verloren gegangene Gepäck wieder aufzutreiben. Zum Glück kann sie sich auf die kanadischen Mitmenschen und andere Backpacker verlassen, die sie tatkräftig unterstützen und ihr Sachen leihen/schenken. Danke, dass es noch solche Menschen gibt und auch von dieser Seite nochmals viel Erfolg für Lena, dass sie ihren Rucksack noch erhält!
Ansonsten hat sie den Plan, sich dann bald in Toronto einen neuen zuzulegen und ich bring ihr noch ein paar notwendige Dinge mit, die wir für unsere USA-Tour benötigen werden. Mann hilft, wo Mann kann

Bis dahin erstmal ... Philip 

 

One day older, one step closer

Sonntag, 10.08.2014

 Hallo liebe Leute!

Wie schaut es denn aktuell aus mit der Vorbereitungszeit?

Nun, die beim letzten Mal beschriebene Reise entlang der East Coast wurde mittlerweile vollständig gebucht (Busse, Fähren, Hostels, Sights) und jetzt muss bis dahin nur noch die Zeit vergehen. Heute in vier Wochen werde ich schon voll bei der Sache sein!
Ich bin mir sicher, wir haben ein paar ganz tolle Dinge herausgesucht und gefunden, somit kann ich es kaum erwarten, es selbst live zu erleben und euch daran teilhaben zu lassen.

Eine Auslandsreiseversicherung für alle Bereiche ist entgültig abgeschlossen und bezahlt, eine ganz wichtige Sache für das Vorhaben! Was ich dazu noch sagen kann?
... Nordamerika ist ein teures Pflaster!

Die Pack- und Checkliste für meinen Backpack hat Form angenommen und ich hoffe, dass mir nicht mehr allzu viele Dinge einfallen, die ich hinzuzufügen habe. Denn je weniger ich reinpacke, desto leichter wird er werden und mein Körper wird's mir danken Das Wichtigste sollte schon Platz gefunden haben und nur noch ein paar Dinge sind zu besorgen.

Von Praktikawelten erhielt ich vergangene Woche eine Mitreisendenliste für den September.
An meinem großen Tag, den 03. September 2014, verschlägt es viele Reiselustige nach Vancouver und Toronto - kein Wunder, denn das wird der erste Tag der Nebensaison sein, wodurch man gleich mal etwas Geld sparen kann.
Das Problem an der Sache ist, dass ein paar mehr Leute nach British-Columbia fliegen und diejenigen, die (wie ich) in die Provinz Ontario reisen, im -aus meiner Sicht- falschen Flugzeug sitzen, denn ich werde der einzige von München aus Startende sein ... der Rest startet in Frankfurt. Demnach werde ich erst in Toronto auf Gleichgesinnte von meiner Organisation treffen, aber da mein Plan sein wird, im Flugzeug viel zu schlafen, kann ich das relativ gut verkraften

Wie schauen die verbleibenden drei Wochen planungstechnisch aus?
Zwei Wochen werden für's Geldverdienen "drauf gehen", danach gönne ich mir noch eine Woche Urlaub und Erholung, bevor es dann bereits losgeht.
Insbesondere warte ich momentan auf weitere Informationen von Praktikawelten, vor allem meine Flugtickets usw betreffend. Wenn ich das alles dann zugesendet bekomme, wird das Notwendigste in meinem Besitz sein!
Die Zeit ist alles in allem schon recht verplant, vor allem an den Wochenenden.
Eine Einladung zum letzten Grillen hier, ein Auftritt dort ... dann noch einige organisatorische Wege zu gehen und ein paar (vorerst) letzte Momente mit Freunden genießen und nebenbei noch etwas über die ersten Wochen in Übersee nachdenken.
So werden diese 24 Tage sehr rasant vergehen, sagt mir mein Gefühl ...

Aber bis dahin genieße ich noch die Zeit in der Heimat und freue mich auf das, was kommen mag!

 

 

________________________________________________

Hey ... Wanna see some very good stuff at the end?

Nun, wohl eher etwas für diejenigen, die der englischen Sprache noch/schon/wieder mächtig sind ...

... aber auch sonst absolut lesens- und sehenswert!
Ich wurde übrigens auch erwähnt

Something about my travel companion ...

Blog: lenabrowny.wordpress.com
Instagram: thelenicious

Beide werden wir von den ersten Wochen berichten und allerlei Dinge zeitnah posten
Also schaut doch gerne von Zeit zu Zeit bei beiden travelogues vorbei.
Wirklich interessant, vor allem auch ihre früheren Veröffentlichungen!
Auch perfekt, um womöglich das müde englische Sprachzentrum mal wieder etwas aufzufrischen 

Viel Spaß dabei!

3000 Kilometer vorbereiten

Sonntag, 03.08.2014

Hey Leute,

nachdem die vergangenen Tage nahezu immer mit Planung und Überlegungen zwecks der Reise entlang der Ostküste verbracht wurden, kann ich nun ein Zwischenupdate geben, denn das grobe, eigentlich schon recht detaillierte Grundgebilde unserer Reiseroute steht.

Und so sieht es aus: 

Route East Coast

Wie schon erwähnt wird der Trip von meiner Ankunftsstadt Toronto aus nach Washington D.C. beginnen, wo es dann weiter Richtung Norden geht. Die dabei zu passierenden Cities wie Philadelphia oder Atlantic City werden natürlich eingeplant.
Nachdem wir auf der folgenden Strecke New York City schon einen kleinen, aber nur kurzen nächtlichen Besuch abstatten werden, geht es weiter in Richtung Boston. Von dort aus können wir dann Cape Cod wunderbar bereisen und später auch von Boston weiter Richtung Norden ziehen in den Bundesstaat Vermont, in welchem es dann einige kleinere Städte abzuklappern gibt und dort wahrscheinlich auch neben dem ausgiebigen Auskundschaften der tollen Landschaft eine (sicherlich wohlverdiente) Ruhe- und Entspannungsphase einkehren wird, bevor es dann ungefähr am 21. September nochmal zu einem finalen Ausflug in den Big Apple geht.

Somit fällt die Tour also (leider ) kürzer und weniger umfangreich aus, als zunächst gewünscht und geplant war ... Aber insbesondere die Zeit von nur 3 gemeinsamen Wochen machte größere Pläne schnell zu nichte, weil wir ja von dem, was wir bereisen, auch etwas haben möchten und nicht nur husch husch durch rasen. Qualität geht dann doch vor Quantität

Gute 3000 Kilometer werden im September also zurückgelegt. Doch wir stehen nicht erst beim Ausdenken der Route. Bevor manche Gemüter unruhig werden, wie wir denn Unterkünfte finden und Busfahrten buchen wollen und was das wohl alles kostet ... keine Angst
Zu jedem Ziel der Tour haben wir uns schon um Hostels, Motels, Fähren und Busfahrten erkundigt und wirklich schon allerhand gebucht. Insofern nicht alles komplett aus dem Ruder läuft (wovon ich nicht unbedingt ausgehe, wobei irgendetwas immer mal schief läuft), sollten wir diesen Plan auch gut verfolgen können und sicher und wohlbehalten entlang der US-East-Coast reisen. Ansonsten haben wir einige Puffer eingebaut, um unplanmäßige Zwischenfälle gut ausgleichen zu können

Womöglich zeigt uns das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" aber gerade seine Grenzen auf, denn ein Auto zu mieten, obwohl man unter der magischen Grenze von 21 Jahren ist, wird zwar oft hoch beworben, doch wenn man dann eine Anfrage sendet, beschränkt sich der Empfänger der Nachricht wieder auf diese 21 Jahre und nun ja ... ziemlich frustrierend, weil ein Auto wirklich für viel mehr Flexibilität sorgen würde und man bestimmt auch einiges sparen kann, wenn man nicht immer den Bus nimmt. Momentan haben wir wieder eine Anfrage losgeschickt und nun heißt es warten, ob man diesmal vielleicht Glück hat. Aber auch wenn nicht, ist für eine Alternative schon gesorgt.
Denn immerhin zahlt man für einen Bus von Burlington/Vermont nach New York City bei einer Fahrtzeit von ca. 6 Stunden gerade einmal ............. 1$ ... kein Witz, spottbillig, aber dennoch soll Service geboten werden. Nun ... ich lasse mich überraschen

Es geht also immer mehr ins Detail, wie der September aussehen wird und ich kann euch versichern: es macht eine Menge Spaß, eine solche Reise zu planen und zu durchdenken, immer mal wieder auf Hindernisse zu stoßen aber dann die Freude zu genießen, wenn man sich doch etwas ausgetüftelt hat.

Ihr werdet natürlich auf dem Laufenden gehalten, wie es voran geht. Wir haben ja schon August, was bedeutet, dass es gar nicht mehr lange dauert, bis aus den Planungsberichten dann Reiseberichte werden. Die werden dann aller Wahrscheinlichkeit nach noch um vieles interessanter und spannender

Open your eyes!

Freitag, 01.08.2014

There exist so many fruits you haven’t tasted

so many beautiful songs you have not discovered

spices you’ve never heard of 

and intriguing conversations you haven’t had yet ...

 

There are oceans you have not felt 

and plants you’ve never seen

books you’ve never read before

and souls your heart has not touched yet ...

This Earth is incredible.

Canadiana

Sonntag, 27.07.2014

Nun sind es gerade mal noch 5 Wochen, bis ich mein Abenteuer starte

Wie ihr sicherlich schon vorher öfters mitbekommen habt, wird es mich zunächst in die größte Stadt Kanadas verschlagen: Toronto.

Im Nachhinein dachte ich mir, dass ein Start in Vancouver vielleicht auch nicht verkehrt gewesen wäre. So hätte ich wunderbar an der Westküste starten und mich dann nach Osten durcharbeiten und schließlich im Big Apple enden können.
Aber nun ja, Toronto war, ist und bleibt meine Wahl und ich denke, ein nicht-linearer Reiseverlauf wird umso interessanter und gibt mir mehr Auswahl, wohin es nach dem Beginn inmitten Kanadas hingehen wird.

Und siehe da, so kam es schon jetzt zu einem tollen sich entwickelnden Plan, wovon ich euch letzte Woche berichten konnte (Hier nochmals eine Verlinkung dahin zurück) und nun kann ich gewissermaßen froh sein, dass ich mich noch im östlicheren Teil Nordamerikas befinden werde :)

Sicherlich werde ich mir aber auch mal die ehemalige Olympia-Stadt Vancouver gönnen, von befreundeten Bloggern (sehr empfehlenswert zu lesen, an dieser Stelle liebste Grüße nach Vancouver ) habe ich da schon einiges mitbekommen und es muss wahnsinnig gut sein. Das muss einfach einen Platz in meiner Tour finden, vielleicht ja dann 2015.

Ich möchte euch natürlich nicht vorenthalten, wo genau ich in den ersten Tagen leben werde. Dank Praktikawelten habe ich einen Platz im zum besten Hostel in Toronto, Kanada und sogar Nordamerika gewählten "Canadiana Backpackers Inn" erhalten.

Eingangsbereich

Klein, aber fein, wie ihr weiter unten noch sehen werdet. Besonders freue ich mich auf die Pancake- und Bagel-Breakfast for free, typisch kanadisch soll's sein
Des Weiteren werden täglich Touren durch Toronto und Umgebung angeboten zu erschwinglichen Preise ... kann es kaum erwarten, alles neu kennenzulernen! Hostels sind bekannte Treffpunkte für Rucksacktouristen aus aller Welt und somit wird Langeweile bestimmt ein Fremdwort werden, solange ich mich dort aufhalte.

Und wieder einmal wurde ich positiv überrascht, denn als Frühbucher erhielt ich zwei Gratis-Nächte im Canadiana, wodurch ich mir also um die ersten insgesamt fünf Übernachtungen keine Sorgen machen muss und sicher ein Dach über dem Kopf haben werde.

Was ab Tag 6 passiert? Werden wir mal abwarten müssen. All zu sehr in die Zukunft geplant ist auch noch nichts meinerseits, denn der Reiz der ganzen Sache und den versteckten Herausforderungen soll ja irgendwo bestehen bleiben
Aber große Bedenken habe ich da gar nicht. Hostels, Hotels, Bed&Breakfast, Gastfamilien, Ranchstay, Couchsurfing oder (mein Favorit) Zelten - Möglichkeiten gibt es allerhand und jede ist auf ihre eigene Art und Weise anziehend und faszinierend.

Mal schauen, worauf es dann meistens hinaus laufen wird

Allem Anschein nach wird es mich ab dem genannten Tag 6 (so um den 8. September herum) erstmal in einen Bus verschlagen, der mich dann nach Washington D.C. bringt, wo ich auf meine Mitreisende Lena treffen werde und ab da geht es dann zu zweit entlang der East Coast weiter nach Norden. Das wird wahnsinnig cool

 

Doch zurück zum Canadiana: Super zentral gelegen in Downtown Toronto steht mir sozusagen die ganze Stadt offen und ein weiteres Highlight könnt ihr im folgenden Bild sehen, bereitgestellt von der Website des Hostels:

Widmer Street

Ein Schritt hinaus aus dem Gebäude und man sieht ihn schon, und dann nur drei Blocks weiter und man steht vor ihm ... dem CN-Tower, dem Wahrzeichen der Millionenstadt und Blickfang der Skyline...Wie ich mich auf diesen Moment schon freue, wenn ich vor ihm stehe beziehungsweise von oben über die Stadt blicken kann

Wenn ihr folgenden Link öffnet, könnt ihr sehen, dass das Hostel wirklich super gelegen ist, inmitten vieler Attraktionen und darüberhinaus noch in der Nähe der Toronto Islands, was bedeutet, dass es zum großen Ontariosee wirklich nicht weit ist.

Weitere Details zum Canadiana und den ganzen Specials darum herum und natürlich auch der folgenden Tour im September ... in spätestens 5 Wochen ...

Pläne schmieden

Sonntag, 20.07.2014

Vor einiger Zeit habe ich schon einmal angesprochen, dass ich eine mögliche Begleitung für die ersten paar Wochen meiner Reise haben werde.

Nun, so haben wir es jetzt auch beschlossen Genauer gesagt machen wir aus ihren Plänen und meinen Plänen eine gemeinsame Reise für einen Großteil des Septembers.

Es wird also etwas anders beginnen, als zunächst von mir "geplant" wurde, wobei ich ja nie wirklich einen konkreten Plan hatte, sondern immer nur als Ziel hatte, in Kanada gut zu landen und dann die ersten fünf Tage mit einer bereits bestätigten Hostel-Buchung zu meistern und dann nach dem Motto "Schauen wir mal was sich ergibt" fortzufahren.

Ich musste aufgrund der neusten Ereignisse auch den Titel meines Blogs etwas anpassen. So heißt es nicht mehr "My trip through Canada" ... kurzerhand änderte ich den Titel in "My trip through North America".
Ich hatte es zwar schon erwähnt, dass ich zum Ende meines Aufenthaltes noch einen Abstecher nach New York City mache (daran ändert sich auch nichts), aber mittlerweile verschlägt es mich im September auch schon in die Vereinigten Staaten

Nichtsdestotrotz lande ich am 3. September am (hoffentlich) frühen Nachmittag in Toronto und mache es mir dann fünf Tage in Kanadas größter Stadt bequem. In diesen Tagen werden auf jeden Fall die ersten Behördengänge für mein Bankkonto und die Sozialversicherungsnummer u.a. fällig. Des Weiteren erkunde ich die Stadt etwas und sammle erste Eindrücke.

Doch ab Tag 6 werde ich vorerst wieder "Good bye Canada" sagen und mich zu meiner ersten größeren Tour aufmachen.
Gemeinsam werden wir die Ostküste der USA abklappern, insbesondere die Neuenglandstaaten Vermont, Connecticut und Massachusetts sind die Ziele, es verschlägt uns über Boston, Philadelphia und Baltimore bis in die Hauptstadt Washington D.C., bevor es Ende September noch für einen ersten Eindruck nach New York City geht, von wo ich zurückkehren werde nach Kanada. Es bleibt abzuwarten, inwiefern sich unsere Route noch vergrößert oder ändert.

Sie wird schon ab 16. August in Kanada umherreisen und sich von Québec beginnend über Montréal bis nach Toronto durchschlagen. Anfang September starten wir dann hoffentlich gemeinsam los und mit etwas Glück und Einfallsreichtum nehmen wir auf der Route die größten Metropolen und Bundesstaaten im Nordosten oder USA mit ... das wäre mein Wunschdenken und sie ist davon auch nicht abgeneigt

Ein großes Vorhaben also gleich zu Anfang, aber wer nicht wagt ... ihr wisst Bescheid

Zur Veranschaulichung hier eine grobe Planung unserer Route für September:


East Coast 

Bis es so weit ist, kann sich bestimmt noch einiges ändern, die unterschiedlichen Farbgebungen beweisen dies bereits jetzt. Manches fällt uns noch ein, anderes lassen wir vielleicht weg, wir warten ab ... Dennoch sind ein paar Highlights schon geplant: Boston als Zentrum von Neuengland, der Indian Summer in Vermont, Whale Watching auf Cape Cod und natürlich die üblichen Attraktionen in Washington D.C. und vieles mehr ...

Auf jeden Fall haben wir in den kommenden Wochen noch etwas zu tun und vorzubereiten. Aber die Vorfreude ist riesig, vor allem jetzt, da man gemeinsam reisen kann, ist die Aufregung doppelt groß.
Wenn es etwas Neues gibt, lass ich es euch natürlich wissen

Des Backpackers beste Stücke (Part 3)

Dienstag, 15.07.2014

(Part 1 | Part 2)

Na da sind ja einige Vorschläge die letzten beiden Wochen über zusammen gekommen Danke für die Mithilfe!

Nun zur Auflösung eurer und meiner Beiträge.

Es folgen Dinge, an die ich auch schon gedacht habe und von euch aber ebenfalls noch als unverzichtbar betitelt wurden.

  • ein Reisepass
    Ganz klar, ohne den geht ja mal gar nichts. Ich hätte nicht mal ein Visum beantragen können und weiter als zum Flughafen wäre ich gar nicht gekommen Der Pass wird wichtigstes Dokument sein während meines kompletten Aufenthaltes und deshalb habe ich mich auch schon so zeitig wie möglich um die Beantragung gekümmert.
  • ein internationaler Führerschein
    Mit dem deutschen Führerschein dürfte ich zwar auch 3 Monate durch Nordamerikas Straßen kurven, aber ich habe ja längerfristige Pläne. Deshalb musste ein internationales Exemplar her. Nach einiger Wartezeit erhielt ich - natürlich wieder Geld gegen Ware - das gute Stück und darf nun ein paar Jahren die Welt mit fahrbarem Untersatz unsicher machen
  • weitere wichtige Dokumente:
    Ein Ausdruck der Elektronischen Flugtickets; Letter of Introduction - mein Visum also; Nachweis über finanzielle Mittel (ganz wichtig bei der Einreise!); alle möglichen Formulare zur Versicherung; ...
  • Kleidung für jedes Wetter
    Auch das leuchtet ein, von daher habe ich mich schon vor langer Zeit bemüht auf gute Ausrüstung hin zu sparen und bis jetzt habe ich schon das Wichtigste zusammen und es erfüllt seinen Zweck tadellos.
    Manche denken bei Kanada zunächst sicherlich an weite Winterlandschaften und viel Schnee, Ski fahren und Kälte. Ohne Zweifel werde ich mir auch diese Beschaffenheiten antun (müssen) und muss dafür gut gewappnet sein. Aber Winterausrüstung bestehend aus dicker Jacke, Skihose, Schuhen, Mütze, Schal und Handschuhen in meinen Khumbu? ..... No way .....
    Das Experiment mit dem Schlafsack war mir letztens schon genug
    Nein, das wird vor Ort erstattet, anders kann man das bestimmt gar nicht bewerkstelligen. Aber näheres dazu werden wir in einem späteren Eintrag zum Packverfahren lesen können
  • Laptop
    Jaaa, das wäre schön gewesen, aber das Schmuckstück bleibt daheim. Einerseits wegen Platz und Gewicht, andererseits ist es mir schon irgendwie zu wertvoll, um es dann durch Nordamerika zu schleppen und im schlimmsten Fall kaputt zu machen. Ich beschränke mich auf die wichtigsten Technik-Gadgets um Momente festzuhalten und mit anderen zu teilen. Einen Laptop werde ich mir eventuell vor Ort zulegen oder lieber auf öffentliches Internet zurückgreifen.
  • Geld/Kreditkarte
    Netter Einfall von einigen Daran wurde natürlich zuerst mit gedacht und alles in die Wege geleitet, um mit keinen finanziellen Problemen oder bösen Voraussichten zu starten. Bis jetzt läuft dieser Aspekt prima und ich gehe demnach finanziell zuversichtlich nach Kanada.
  • Handy
    Mein aktuelles Smartphone kommt natürlich mit. Das kleine Technik-Wunder bietet ganz einfach beste Möglichkeiten für Bilder, Musik, Videos und Telefonieren/SMS. Aber ich habe auch mein etwas älteres Nokia ausgegraben (welches noch immer wie an Tag 1 funktioniert) und dieser Oldtimer stellt neuste Modelle in Sachen Akkulaufzeit, Stabilität und somit Zuverlässigkeit in den Schatten.
    Ich vermute, das Nokia wird mir noch eine große Hilfe werden, denn schließlich möchte ich ja nicht 24/7/365 am Smartphone hängen, sondern ein Handy dafür nutzen, wofür es ursprünglich auch mal gemacht wurde und viel lieber das Jahr ohne Smartphone-Abhängigkeit genießen.
    Voraussetzung für alles ist natürlich, dass vor allem das Smartphone Übersee überhaupt erstmal funktioniert. Da muss ich wohl nochmal den Handyexperten meines Vertrauens befragen ...
  • Rucksack
    Wie vorher schon einmal berichtet habe ich dazu ein passendes Gerät erstatten können. Neben diesem wird mich ein kleineres Handgepäck begleiten, womöglich ein stinknormaler Daypack.
  • Handtücher
    ... Hä? Das bekommt einen extra Stichpunkt? ... Ja! Ich wurde von einigen darauf hingewiesen. In (kanadischen) Hostels werden eigentlich nie Handtücher gestellt, von daher ist das wirklich sehr notwendig mit einzupacken!
  • Tagebuch
    Ja, so old-school mäßig wird das vermutlich ablaufen. Da ich ja nicht täglich die Chance haben werde, meine neusten Erlebnisse online in die Tasten zu drücken, wird das tägliche Geschehen wohl in Kurzform auf Papier festgehalten und dann natürlich für euch hier zugänglich aktualisiert.
  • Accessoires ... und weitere Utensilien
    Ein breit gefächerter Begriff, doch viele Dinge fallen unter diese Ordnung: Sonnenbrille, Ladegeräte, Adapter, Schnürsenkel, Taschenmesser, Feuerzeug/-stein, Taschenlampe, Wörterbuch, Reiseapotheke, Sonnencréme, Gürteltasche und vieles mehr ...

Das sollte nun wohl das Wichtigste gewesen sein ... vorerst. In 6 Wochen geht es dann schon ans Packen und bis dahin oder spätestens dann werden die letzten Dinge Platz gefunden haben auf meiner Packliste. Bin gespannt, an was man noch so denken sollte und was mir/uns bis dahin noch in den Sinn kommt

Nächstes Mal geht es dann mit einer aufregenden Sache weiter, die mich momentan auf Trab hält und meiner Vorfreude nochmal einen ordentlichen Schwung verleiht

Seid gespannt!

 

P.S.: In 50 Tagen werde ich fast angekommen sein

Des Backpackers beste Stücke (Part 2)

Mittwoch, 09.07.2014

Bevor es mit der Fortsetzung der Geschichte weiter geht, ein paar kleine Updates:
Gestern war ich zu einem finalen Check-Up beim Arzt und mir wurde darüberhinaus eine letzte planmäßige Impfung verabreicht. Damit bin ich aus medizinischer Sicht nun auch gerüstet und sollte bald top-fit nach Kanada reisen können

Des Weiteren konnte ich schon jetzt erste Kontakte knüpfen zu einer wirklich netten, reiselustigen Person, die es in der selben Zeit wie mich auf den nordamerikanischen Kontinent verschlagen wird und siehe da: Wir stellten schon früh gemeinsame Interessen fest. Nun habe ich die Chance, mit ihr für vielleicht drei Wochen einen großen Teil der Ostküste nach meiner Ankunft zu bereisen. Verlockend, verlockend

Nun aber weiter im Text

>> Part 1 <<

Der zweite Gegenstand ...

... den ich als unverzichtbar ansehe, ist satte 727 Gramm schwer und informiert mich auf fast 1000 Seiten detailliert über das zweitgrößte Land der Welt, und all das im feinsten Englisch.

Reiseführer Kanada

Die Klebezettel beweisen es, ich habe mich schon intensiv der Lektüre gewidmet und bin mittlerweile um einiges schlauer geworden, was Kanada betrifft.

Jedoch wurde mir der Trip durch "Lonely Planet" nur teilweise erleichtert, wenn ich es mal so ausdrücken darf Damit meine ich nicht die englische Ausgabe, nein, Praktikawelten wird sich schon etwas dabei gedacht haben, mir gleich eine solche Ausgabe zu schicken und ich und meine Sprachkenntnisse sind dafür sehr dankbar.

Super sind natürlich die zahlreichen Erläuterungen zu den verschiedensten Orten in allen Provinzen, wobei sich nicht nur auf die populärsten Regionen wie British Columbia oder Québec konzentriert wird, sondern auch die noch so unscheinbaren und unbekannten Gebiete in beispielsweise Nunavut oder Saskatchewan genau unter die Lupe genommen werden.
Hut ab vor so viel Liebe zum Detail und meinen größten Dank zur Bereitstellung von so viel Reisematerial in einem Element!

Nun, da zeigt sich aber die Kehrseite der Medaille für mich Keineswegs schlimm, aber ich bin schlicht und einfach überwältigt von dieser Vielfalt, die in diesem schlauen Buch aufgeführt ist. Wenn es in Realität alles so ist, wie beschrieben - und davon gehe ich hier aus - dann wäre es das Größte, von allem etwas mitzubekommen. Aber in 365 Tagen? Ich schätze, da muss noch etwas an der eigenen Detail-Planung gefeilt werden.
Vielleicht muss ich ja nach einem Jahr nochmal hinfahren, weil ich nicht alles geschafft habe, was ich mir gern vorgenommen hätte

Alles in allem kann ich euch aber versichern, dass dieser kleine Wälzer absolut empfehlenswert ist. Wer auch immer in den Genuss kommt, eine längere Reise zu beginnen und noch einen passenden Reiseführer braucht, der sollte bei Lonely Planet gut aufgehoben sein (Exemplare alle auch auf Deutsch verfügbar), das Geld ist gut investiert.

Nachdem ich ihn (der Aufkleber auf dem Cover zeigt es) kurz nach meiner Buchung von Praktikawelten geschenkt bekommen habe, wurde er schnell tägliches Gebrauchsutensil. Natürlich las ich viel zur Provinz Ontario, insbesondere die Umgebung um Toronto ist zu Beginn natürlich der interessanteste Teil.

So stehen nun schon Städte wie Hamilton und Ottawa auf meiner Route, aber auch Sehenswürdigkeiten wie der Toronto Zoo, die Hockey Hall of Fame, das Rogers Center oder die Niagara-Fälle werden hundertprozentig Teil meiner Reise.

Der Reiseführer liefert Informationen zur Attraktion oder Stadt an sich, gibt aber auch Preise, Kontaktdaten (sehr wichtig und hilfreich) und natürlich Verkehrsmöglichkeiten an und das für verschiedene Geldbeutel-Größen ... absolut, was will man mehr als Reisender.

Darüber hinaus kann man sich einen Trip nach Hamilton zum Beispiel ideal planen. Wie schon erwähnt werden im Kapitel "getting around" die Transportmöglichkeiten erläutert, aber auch unzählige (und meist die aus der Erfahrung der Autoren besten) Angebote zu Restaurants, Kultur, Sights und Activities, Touren und natürlich Unterkünften (von Hotels bis B&Bs alles dabei) kommen nicht zu kurz.

Neben Ontario ziehen mich aber auch die wohl eher unbekannteren Provinzen wie beispielsweise die Yukon Territories im entlegenen Nordwesten oder die Labrador-Halbinsel im Osten förmlich an. 

Territorien Kanada

Vor allem Saskatchewan sticht mit der Werbung für die Nordlichter heraus und ich hoffe sehr, dass ich einmal die Möglichkeit haben werde, sie in voller Pracht zu beobachten. Es wird sich also lohnen, weg vom Mainstream-travelling zu gehen und auch einmal die weniger populären Gebiete zu erforschen.

Neben den Provinzen und ihren Highlights bietet Lonely Planet im hinteren Teil des Buches auch eine große Rubrik zu Themen wie Visum, Finanzen, Telefonieren & Internet, aber auch Sicherheitshinweise und Gesetzeslektüre.
Also ganz ehrlich, wenn man das Buch studiert hat, sollte man (eigentlich) ungefährdet, idiotensicher und mit einem rundum gutem Gefühl nach Kanada reisen können. Und hat man dann noch die englische Version, so tut man auch gleich etwas für die Sprachkenntnisse und man wird erstaunt sein, wie viel man eigentlich schon weiß

Dennoch wird das dritte wichtige Stück eines Backpackers auch Platz in meinem Sortiment finden: ein Reisewörterbuch. Dabei habe ich mich für ein kleines niedliches Exemplar von Langenscheidt entschieden und hoffe, dass es mir immer treu zur Seite stehen wird.

Drei unverzichtbare Gegenstände habe ich nun kurz beleuchtet, die unbedingt mit mir kommen werden.
Sicherlich habe ich noch weitere davon schon bereit gelegt und bedacht.

Aber vielleicht fehlt mir auch noch etwas in meiner Planung

Ihr seid wieder gefragt

Schreibt doch bitte weiterhin in die Kommentare oder mir per Mail oder Facebook oder sagt es mir einfach persönlich, wenn wir uns in den kommenden verbleibenden Tagen nochmal sehen sollten, was ihr für unumgänglich und unbedingt notwendig für einen derartigen Trip haltet.
Es könnte hilfreich sein und auch sehr interessant, an was man noch so denken könnte und sollte

>> Part 3 <<

P.S. Damit verbleiben 8 Wochen, die Zeit vergeht wirklich sehr rasant, stelle ich fest :)

12 Jahre Wartezeit

Sonntag, 06.07.2014

Nach 12 Jahren Wartezeit war am 5. Juli endlich der Tag gekommen, an dem ich mich von der Schule verabschieden durfte/konnte/musste.

Vormittags wurde mir mein Zeugnis zu meiner vollsten Zufriedenheit überreicht.

 

Hinter das Ziel "Abitur" konnte ich nun also mit gutem Gewissen einen Haken setzen

Vielen Dank auch an für dieses Erinnerungsstück eines Überraschungsgastes am Morgen ... dass ich diese Schrift nach der 4. Klasse noch einmal lesen würde ...

Am Abend wurde dann das Kapitel Schule entgültig geschlossen und es gab nochmal einen tollen Abschluss mit vielen Freunden und bekannten Gesichtern! Danke, meine Lieben

Die schöne und ruhige Zeit hat damit wohl vorerst ein Ende, jetzt geht es los ins wahre Leben. Dazu sind es bei mir nur noch 8 Wochen, bis es dann gleich richtig krass los geht

Des Backpackers beste Stücke (Part 1)

Mittwoch, 02.07.2014

Weiter in der Reiseplanung

Nachdem zu Beginn des Jahres 2014 das Visum erteilt wurde, ging es nun etwas ruhiger vonstatten und ich widmete mich anderen organisatorischen Dingen.
Nebenbei wurde ich natürlich von Schule und Co. weiterhin munter auf Trab gehalten. Nichtsdestotrotz verging bis heute kein Tag, an dem ich nicht an Projekt Kanada denken musste.

Und was ist dazu das Herzstück eines jeden Rucksacktouristen? Klar, der Rucksack

Dieser sollte gut und wirklich individuell passend gewählt werden, insofern man mit einem echten Backpack seine Reise startet, alternativ bietet sich auch eine multifunktionale Reisetasche an, aber meine Wahl war gleich der Rucksack.
Ach und ganz wichtig: er sollte einem selbst wirklich gefallen, denn schließlich muss man das Teil dann eine lange Zeit mit sich rumtragen und man soll nicht irgendwann die Nase voll von ihm haben.

So verbrachte ich ab Februar viiiele Stunden im World Wide Web und Katalogen und versuchte, meinen idealen Wegbegleiter zu finden. Einige Favoriten waren schnell gefunden. Am Ende wurde die Auswahl aber enger ... Optik, Geldbeutel und der jeweiligen Ausstattung sei Dank.

Auf dem Gebiet "Backpack" war und bin ich natürlich auch Neuling und habe mich deshalb lieber auf Internetrezensionen und persönliche Empfehlungen gestützt, um keinen Fehlkauf zu tätigen. Groß sollte er sein, viel Stauraum bieten, aber natürlich auch noch stabil sein, gut aussehen und meinen finanziellen Rahmen nicht gleich sprengen ...

Letztendlich fiel die Wahl auf einen meiner frühsten Favoriten, die ersten Gedanken sollen ja bekanntlich die besten sein. Und hier ist das gute Stück:

Backpack

 Die Farbe sieht in echt klasse aus, Optik war wie bei vielem zunächst Auswahlkriterium #1, auch die Form und Verarbeitung ist top. Mit "Vaude" kauft man eine Marke und kann dadurch auf gute Qualität hoffen und bis jetzt habe ich nichts zu beanstanten. Habe ihn bis jetzt mehrmals gefüllt und (leider oft nur zu Hause) etwas getestet und bis jetzt bin ich vollends zufrieden.
Man glaubt gar nicht, wie viel in 65 Liter Stauraum (und bisschen mehr auf Wunsch und Drücken) reinpassen und wie bequem er dann trotzdem noch ist

In den ersten Tagen nach Erwerb wurde ich immer wieder fündig auf der Suche nach neuen Reißverschlüssen und Fächern  Tolles Teil und ich kann es kaum erwarten, ihn im täglichen Gebrauch zu erleben.
Für Work&Travel soll der Backpack laut Erfahrungsberichten ideal ausreichen und das werde ich natürlich ausgiebig testen und herausfinden.
Dabei gilt trotz 65+ Liter Fassungsvermögen die Regel:

Packe leicht, denn alles, was du reinpackst, musst du auch tragen.

Momentan hört er/sie/es noch auf den Namen "Vaude Khumbu 65+", aber ich vermute, je mehr Zeit ich mit dem Teil durchleben werde, umso mehr lerne ich ihn zu schätzen und so wie Menschen ihren Autos oder Werkzeugen einen Namen geben, bekommt sicherlich auch mein Backpack noch einen Vorschläge sind gern erwünscht!

 

Einen ersten "Härtetest" durfte er bei einem Vereins-Ausflug Mitte Juni erleben, bei dem ich ihn einfach als bessere Alternative zu einem Rucksack mit den extra Einzelstücken (Schlafsack, Isomatte, ...) sah. Coole Sache, ihn so das erste Mal zu tragen und zu erleben, wie viel reinpasst und wie das Gefühl für den eigenen Körper ist.
Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht, somit kann ich hinter den Backpack auf der Checkliste einen Haken setzen.

Eine Sache musste ich aber gleich feststellen: Der eigene Schlafsack bleibt ab September zu Hause! ... Das hätte ich nu wirklich nicht gedacht, nur vom Hörensagen geahnt.
So wie ich ihn ins Hauptfach steckte, war's auch schon fast voll. Da hilft nur: am Ende das Ding auf den Backpack zu schnallen oder ihn eben daheim zu lassen.
Schnell schaute ich mich nach einer Lösung um und wurde auch fündig:

Schlafsäckchen

Süß, nicht wahr  ... Dieses kleine Helferlein ist nicht mal 300g schwer, sehr handlich und eine super Alternative zu einem üblichen Schlafsackmonster.
Camper oder Outdoor-Fans werden es kennen, ich kannte es vorher noch nicht, aber bin schon jetzt überzeugt davon. Vielleicht bringt es dem ein oder anderen ja auch noch etwas für die Zukunft, jetzt davon zu wissen.
Ich schätze der Hüttenschlafsack (so wird er weitesgehend bezeichnet) wird nicht nur mehr Stauraum im Backpack bieten, sondern auch das Gesamtgewicht positiv beeinflussen und lässt es zu, dass ich mir eventuell in Kanada erst einen richtigen Schlafsack zulege und dieses Teil hier als sogenanntes "Inlett" verwende.
Darüberhinaus kann man ihn auch als Decke, Sommerschlafsack oder Schutzhülle in Hostel-Betten verwenden. Super Sache also und für den Preis eigentlich nicht zu toppen.

 

Doch was sind weitere essentielle Bestandteile eines Rucksackreisenden? Ideen und Vorschläge eurerseits sind bis zum nächsten Blog gern erwünscht, also haut munter in die Tasten

 

>> Part 2 <<

 

P.S.: Ab jetzt bin ich auch als Insider im offiziellen Praktikawelten-Blog zu finden. Schaut doch mal rein http://blog.praktikawelten.de/mein-work-travel-jahr-kanada/#more-5149

 

P.S. #2: Noch 9 Wochen :)

Achtung - Insider

Mittwoch, 25.06.2014

Noch ein kleines Update zum Abschluss des heutigen Tages

Praktikawelten bietet die Möglichkeit, als sogenannter Praktikawelten-Insider in engem Kontakt mit der Organisation von meiner Reise zu berichten.

Dies geschieht meist über die Facebook-Seite oder den offiziellen Praktikawelten-Blog. Dort werden dann meine Beiträge durch Praktikawelten veröffentlicht und somit erreicht mein Abenteuer noch mehr Leute und bietet anderen Weltenbummlern die Möglichkeit, Einblicke zu gewinnen und Eindrücke zu sammeln.
In welcher Form das nun letztendlich geschehen wird ... wir lassen uns überraschen.

Nach einer kurzen Bewerbung gestern, bekam ich schon heute (!) eine Antwort, in der mir mitgeteilt wurde, dass ich überzeugen konnte und nun Praktikawelten-Insider bin

Hier der Originaltext:

"[...] Du hast uns auf jeden Fall von dir überzeugt. Du hast dir mit Kanada und deinem Projekt ein ganz tolles und spannendes Programm ausgesucht und bald geht es ja schon los in dein Abenteuer Ausland! Es freut uns zu hören, dass du von Kanada so begeistert bist und du nun gerne andere Menschen an deinen Erlebnissen teilhaben lassen willst. Schön, dass du anderen Tipps geben und etwaige Fragen durch deine Berichte beantworten möchtest. Das kommt dir als Insider bei Praktikawelten natürlich sehr zu Gute [...]."

Einfach super

Darüberhinaus bekomme ich nun noch einen coolen USB-Stick geschenkt und am Ende meiner Reise ein großes Fotobuch von meinen Erlebnissen. Vielen Dank Praktikawelten!

Ich freue mich schon auf's Schreiben Schaut doch einfach mal auf dem PW-Blog (der ist wirklich wahnsinnig spannend!) oder auf Facebook vorbei, die Verlinkungen sind weiter oben zu finden. Es würde mich freuen, und PW sicherlich auch

 

P.S.: Damit sind es nur noch 164 Stunden bis zum nächsten Post

Alles oder nichts

Mittwoch, 25.06.2014

(vorheriger Eintrag)

Es war ein besonderes Gefühl, zum letzten Mal auf "Bestätigen und Absenden" der Application zu klicken,

Sobald dies geschehen war begannen die üblichen Fragen in meinem Kopf umherzuschwirren: Bin ich unter den ersten 2100 Bewerbern? Wie viele haben sich überhaupt schon beworben? Habe ich vielleicht erst die Nummer 5000 gezogen?
Nun ja ... wie das halt so ist, wenn man sehnsüchtig auf etwas hinfiebert, was einem persönlich ganz viel bedeutet.

Kurz darauf musste ich aber erstmal wieder einen kleineren Schock verdauen, denn ein Blick auf die Botschafts-Website verriet mir, dass jenes erste Kontingent von 2100 Visa innerhalb von 3 Stunden (!!!) vergriffen war   Heftig, dachte ich mir. Wie da wohl meine Chancen und mein aktueller Status aussehen?

Doch diese Strapazen sollte ich glücklicherweise nicht länger durchleiden. Wo eben noch diese Anspannung war, machte sich nur wenige Stunden später die pure Freude breit,

Die von der Botschaft und anderen Quellen angepriesenen 4-5 Wochen Bearbeitungszeit musste ich nicht durchleiden, denn wie es scheint, kennen die Kanadier kein Wochenende
Als ich am Samstag nach der Beantragung ins Bett ging, bekam ich noch in der Nacht zu Sonntag eine E-Mail, in der mir folgendes Dokument zugesendet wurde: 

Einreiseschreiben Was ein geiles Gefühl, dieses Bestätigungsschreiben nun endlich erhalten zu haben

Und alle Achtung wieder einmal vor der Arbeit der Behörden im zweitgrößten Land der Welt. Deutschland, schau es dir an und lerne

Allem Anschein nach war ich einer der ersten Bewerber und mit diesen "POE Letter of Introduction" darf ich bald legal Kanada betreten und mir dann in wenigen Wochen von einem kanadischen Grenzbeamten mein Arbeitsvisum ausstellen lassen.

Glaubt mir, das Visum zu beantragen - und es am Ende auch zu bekommen! - war die wohl nervenaufreibendste Aktion im ganzen Vorhaben, bis jetzt. Man fährt in so einer Zeit tatsächlich eine ganz große Gefühlsachterbahn und Körper und Geist leidet immer mit ...  jeder, der schon einmal Ähnliches durchmachte (oder vielleicht auch gerade oder bald wieder muss), wird nachvollziehen können, wie sich das anfühlt.

Manche denken eventuell, es ist abgedreht, wie ich hier in drei Beiträgen mit Emotionen um mich schmeiße, nur wegen einem Stück Papier. Nun ja, ohne dieses Dokument läuft aber halt nichts und es ist essentiell für das ganze Abenteuer.
Eben deshalb fande und finde ich es erwähnenswert, euch diese Phase der Vorbereitung ganz genau darzustellen. Einerseits soll man merken, was hinter so einer Reise für eine Arbeit  steckt und andererseits kann es anderen Weltenbummlern als kleine Anleitung dienen - vielleicht auch eher als eine Prognose, wie es einem in der Zeit so gehen wird

Das Jahr 2014 ging nach anfänglichen Startschwierigkeiten Mitte Januar also richtig genial weiter und ich konnte mich an die weitere Organisation machen, womit es auch hier im Blog bald weiter gehen wird. Genauer gesagt in 168 Stunden, also dann fangt mal an zu rechnen und bis dahin

Warten auf den Moment

Mittwoch, 18.06.2014

(vorheriger Eintrag)

Endlich hatte ich am 10. Tag des neuen Jahres diese magische 18 erreicht, doch Dinge wie alleine Autofahren, Schnaps kaufen und allgemeine Selbstbestimmungsrechte rückten für mich (vorerst) noch in den Hintergrund, denn meine Priorität liegt an anderer Stelle. Mein Visum habe ich nämlich zum Geburtstag noch nicht in der Tasche, aber schauen wir mal weiter ...

Via Praktikawelten und der Botschafts-Website Kanadas erfahre ich eine ungefähre Planung der Visum-Freigabe ...

So um den 14. Januar 2014 herum, heißt es.

Nun gut, vier Tage werde ich wohl auch noch brauchen, dachte ich. Perfekte Zeit, um über die Online-Accounts bei der kanadischen Botschaft die unzähligen Formulare auszufüllen und dazu kann ich euch nur sagen: Seid an dieser Stelle froh, Deutscher zu sein, denn bevor wir uns aufregen, dass man sich nahezu "nackig" machen muss vor den Behörden - ehe wir überhaupt einmal einen Einheimischen Kanadas gesehen haben, geschweige denn ein Arbeitsvisum in der Hand halten dürfen - dürfen unsere Freunde aus beispielsweise Brasilien oder Russland sich sogar noch die Haut abziehen lassen und einige Extraformulare ausfüllen, die etwa nähere Familienstammbäume betreffen.
Na ja, Bürokratie eben und jeder will wissen, wo er hinkommt oder wen man halt so reinlässt in das Land ...
Viel Aufwand, haufenweise Klicks später und nachdem ich nun die jüngere Familienhistorie dargelegt und die Absicht meines Aufenthaltes mehrfach gerechtfertigt habe, kann ich dann endlich online meine Unterlagen (Pass, Zeugnisse, Lebenslauf, usw.), die sogenannte Application, absenden zur Bearbeitung.

Es folgte eine Sache, von der sich manche Deutsche Behörde vielleicht - nein, ganz sicher - eine Scheibe abschneiden kann. Denn nur wenige Stunden später kam eine Rückmeldung - ich saß in dieser Zeit fast rund um die Uhr gespannt vor meinem Laptop - dass meine Application bearbeitet wurde und erstmal den Ansprüchen entspricht.

Na klingt doch gut, dachte ich mir. War's das nun?

Leider nein, der Spaß ging weiter ... Einem Schreiben von Praktikawelten (an dieser Stelle wieder einmal vielen Dank, denn auch für die Beantragung des Visums wurde eine super Anleitung bereitgestellt) entnahm ich, dass erst der "POE Letter of Introduction", ein Einreiseschreiben sozusagen, meinem Kampf ein Ende bereiten würde. Und um eben diesen zu erhalten, fehlte mir ein spezielles Dokument, welches ich erst nach der Visumfreigabe bearbeiten konnte ...

Oh 14. Januar, wann kommst du endlich und was wirst du mit dir bringen?

Das viele Hocken vor meinem Laptop beschleunigte die Sache womöglich nicht und stimmte mich nur unruhig. Ganz nebenbei musste ich auch die Schule noch irgendwie schaukeln.

Viele Fragen in meinem Kopf zu dieser Zeit ... wann geht die Vergabe endlich los ... wie schnell kann ich meine Anmeldung durchdrücken ... wie groß wird die Nachfrage wohl sein ... wie lange werden 4500 Visa ausreichen ... was wäre, wenn ich keines abstauben kann ...

Nachdem ich mir die Zeit bis zum 14. Januar mit sonstigen Dingen vertrieben habe, kam besagter Tag endlich und um die Nachmittagszeit lief die F5-Taste meines Computers auf der Botschafts-Website heiß. 16.00 Uhr Deutscher Zeit hieß es, soll die Freigabe beginnen. Ab 15.00 Uhr spätestens war ich für nichts anderes mehr zu gebrauchen; meine Zeit hatte nun geschlagen, so die innere Stimme

Es sei vielleicht erwähnt, dass den Behörden womöglich ähnliche Fragen im Kopf umherschwirrten wie mir, denn auch sie erwarteten wahrscheinlich einen enormen Ansturm auf die freien Visa. Demzufolge unterteilten sie die Vergabe in zwei Phasen zu je 2100 Stück, sodass jeder eine Chance erhielt, einen Tag einrichten zu können zur Beantragung. Meine Glücksgefühle erhielten einen Schub. Das wird klappen, sagte ich mir. Das muss klappen!

16.00 Uhr schlägt, wo gerade noch schwarz "Startet bald" stand, steht nun "geöffnet".
Here we go ...

Ratzfatz ist auch die letzte Lücke meiner Application geschlossen und ich kann es nicht mehr erwarten, zum hoffentlich letzten Mal auf "Bestätigen und Abschicken" zu drücken.

Es wird erneut bearbeitet, Philip muss warten. Ich habe das Gefühl, die Nerven werden von Tag zu Tag gespannter. Aber hey, ich habe alles ausgefüllt und abgesendet, was nötig war. Was soll nun noch passieren ...

 

>> letzte Fortsetzung <<

P.S.: noch 77 Tage  Ab jetzt auch ideal nachzuschauen in der oberen rechten Ecke auf der Startseite!

 

Bittersüße Realität

Mittwoch, 11.06.2014

(vorheriger Eintrag)

Zunächst weitere Rückblicke ...

Das Jahr 2013 ging zu Ende und ich konnte mich vorerst über die bisherigen Errungenschaften freuen: Das Auslandsjahr wurde via Praktikawelten gebucht, auf der Rückreise geht es auf einen Abstecher nach New York City und die mittlerweile lästig gewordene Schulzeit neigt sich immer mehr dem Ende entgegen

Doch so ruhig 2013 auch endete, umso nervenaufreibender begann 2014 ...

  • Positiv, da nun endlich in Realität eine "14" hinter der "20.." steht und das wirklich wohltuend für's Gemüt ist, im Hinblick auf den großen Tag der Abreise im September 2014.
  • Negativ, oder eher beunruhigend, beängstigend, furchteinflößend, ... wie auch immer man es nennen möchte, da eine große, wenn nicht sogar die größte Sache noch zu bewältigen war: das Visum beantragen und noch viel wichtiger - es auch zu erhalten ...

Warum mich das so extrem beschäftigte und auch heute immernoch für ein wenig Kribbeln in der Bauchgegend sorgt?

Nun ja, ganz schlicht gesagt: davon hängt alles ab. Das sogenannte "working holiday"-Visum- und ausschließlich dieses - ermöglicht es mir, in Kanada ab dem Tag meiner Einreise für 12 Monate durch's Land zu reisen und legal Jobs anzunehmen und zu arbeiten. Sollte ich keines abbekommen, kann ich mein Vorhaben sozusagen in die ewigen Jagdgründe Nordamerikas eingehen lassen ... Definitiv nicht mein Plan!

Dafür muss ich ...

  • ... zunächst am Tag der Beantragung volljährig sein ... Mhm ... das verschiebt die Visum-Geschichte schon mal auf Anfang/Mitte Januar 2014 für mich
  • zweitens: schnell sein, denn:
    - es werden für 2014 nur ca. 4500 Stück vergeben
    - die Dinger sind verdammt schnell vergriffen, wie wir bald merken werden
    - wer zuerst kommt, malt zuerst (ich wollte gern mitmalen)
  • und drittens: die nötigen Voraussetzungen erfüllen.

Die ersten Tage des neuen Jahres krochen so dahin und täglich hoffte ich, dass nicht diese eine Meldung kommt ... nicht diese eine Benachrichtigung, dass die Visumveröffentlichung begonnen hatte...Zehn Tage wartete ich und wurde zum Glück (noch) nicht enttäuscht.

Am 10. Januar durfte ich dann die Volljährigkeit beginnen zu begieß ... genießen und damit war eine Bedingung schon mal erfüllt

Doch das Visum habe ich damit noch lange nicht in der Tasche gehabt und die Strapazen für Nerven und Geduld gingen in die nächste Runde ... 

 

Fortsetzung ...

 

P.S.: Noch 12 Wochen, es geht voran :)

Erfreuliche Zufälle ereignen sich!

Mittwoch, 04.06.2014

(vorheriger Eintrag)

 

Innerhalb kürzester Zeit wurde es nach den ersten Besprechungen mit Praktikawelten spannend für mich.

Auf der hauseigenen Facebook-Seite (neben der offiziellen Website sehr zu empfehlen) wurde ein Gewinnspiel veranstaltet. Gewinnen konnte man den im letzten Post gezeigten Reiseführer für die Millionenmetropole New York City.
Nicht schlecht, dachte ich, machte mit uuuuuund ... habe prompt das Teil gewonnen!
Danke Praktikawelten, super Sache gewesen und in gewohnt schneller Manier kam das schöne Stück bei mir zu Hause an und sofort war ich begeistert vom Inhalt.

Nun gut, NYC eben, doch da war noch etwas anderes.

Beim Ausfüllen vom Flugroutenplan, also dem Plan, wie ich an- und zurückreisen möchte, fiel mir auf, dass Zwischenstopps gebucht werden können. San Francisco war mir leider etwas zu teuer, aber für eine wirklich geringe Gebühr von 50€ Aufpreis stand New York zur Auswahl.

Nicht lange zögern, Kreuz setzen und den gerade frisch erworbenen Reiseführer anlächeln. Passt ja alles perfekt zusammen, kam es mir in den Sinn.

Kurz darauf kam auch die Bestätigung und nun ist es fest, beim Rückflug mache ich noch einige Tage Halt in der wohl bekanntesten Stadt der Vereinigten Staaten! Das steigert für mich die Euphorie für das ganze Projekt natürlich nochmal um eine Stufe höher und ich kann es kaum erwarten, auch davon im Sommer 2015 zu berichten

P.S.: noch 90 Tage!

 

Ach ja, im Moment hoffe ich übrigens, eine Neuauflage von solch einem Augenblick aus dem Jahre 2003 (aufgenommen in Schweden) im Laufe des Jahres noch liefern zu können:

Die grandiose Natur sollte es hergeben ... und meine Motivation auch

Bis dahin ...

Aller Anfang ...

Mittwoch, 28.05.2014

... war eigentlich gar nicht so schwer

Schon bald wurde mir in den letzten Monaten meiner Schulzeit bewusst, dass meine Zeit nach dem Abitur nicht unmittelbar in ein Studium oder eine Ausbildung übergehen wird.

Nein, ich wollte etwas anderes machen und nicht diesen Leitbiografien folgen, die einem in der Schule immer vermittelt werden.

Das Ausland reizt mich schon immer, was nicht bedeutet, dass Deutschland nicht auch schön wäre, aber das Reisefieber war immer schnell geweckt, das Interesse am Fremden und Unbekannten, an neuen Herausforderungen auf verschiedensten Ebenen.
So war ein Auslandsjahr gleich die erste Option, die mir auch schon lange vorschwebte und all diese Vorstellungen konnten so umgesetzt werden, dachte ich mir ...

Sommer 2013, die Lust an der Idee wird größer, der Entschluss wird gefasst und ich befrage das Internet.
An dieser Stelle vielen Dank an Praktikawelten, denn an deren Seite blieb ich gleich zu Beginn hängen und keine andere Organisation konnte mir so viel, so schnell und so gut weiterhelfen und mich beraten - kann ich jedem nur empfehlen, der ähnliche Pläne verfolgt!

Work and Travel wurde schnell die interessanteste Form des Auslandsaufenthalts für mich. Bis zu einem Jahr durch ein fremdes Land als Rucksacktourist reisen, Jobs annehmen, Geld verdienen aber dennoch genug entdecken können, und das nicht aus den Augen eines reinen Touristen, sondern auch durch das tägliche Arbeitsleben Kulturen kennen und schätzen lernen - das steckt dahinter.
Dazu bot mir Praktikawelten drei Zielländer an, wobei die Wahl auf Kanada fiel. Nichtsdestotrotz würde ich mich auch freuen, wenn ich irgendwann einmal die Chance bekommen würde, Australien und Neuseeland auszukundschaften

Nachdem ich die Unterstützung von Familie und Freunden für meinen Plan erlangte, konnte ich mich an die Planung machen und bin sehr froh über die Hilfe von Praktikawelten ... die Rückendeckung durch eine Organisation in Deutschland und in Kanada ist bei solch einem Projekt in dem Alter vermutlich das beste, was einem passieren kann!

Und dann war es auch bald soweit und ich habe mich angemeldet - und wie gesagt, der Service war von Anfang an brilliant. Nach sehr kurzer Zeit bekam ich schon Post und der erste große Schritt war getan.

Klasse Moment und Gefühl, dieses Stück Papier in der Hand zu halten

Nun neigte sich also 2013 dem Ende entgegen und ich konnte schon erste Berechungen machen, wie viel Zeit noch vergehen musste, damit ich endlich

a) nicht mehr zur Schule zu gehen hatte
b) die nächsten Schritte einleiten konnte um ...
c) meine Reise beginnen zu können.

Praktikawelten und ich konnten uns also erstmal zurücklehnen und die Zeit vergehen lassen.

Doch eine Sache ergab sich beim Buchen noch und spielte jüngsten Ereignissen auf Facebook vortrefflich in die Karten. Auch hier muss ich erneut das Unternehmen loben, was mir meine Reise ermöglicht.

In Zusammenhang damit steht dieses Cover-Foto:

To be continued ...

 

 P.S.: Heute in 14 Wochen

Nicht mehr lange hin ...

Dienstag, 27.05.2014

...  dann geht es los, mit dem mich erwartenden Abenteuer.

Heute in 100 Tagen, um genau zu sein, werde ich schon in Toronto gelandet sein.

Man fragt sich bestimmt, warum ich jetzt schon mit einen Blog beginne.
Nun ja, viel wird tatsächlich erstmal nicht zu verfolgen sein, aber ich wollte die aktuelle freie Zeit noch nutzen, um mich so gut es geht mit Dingen, wie z.B. einem Blog vertraut zu machen, damit es dann nicht alles auf einmal kommt.

Die kommenden 100 Tage werden geprägt sein von weiteren Vorbereitungsmaßnahmen, um den Trip optimal starten zu können.

Seit circa einem Jahr ist die Idee vom Work&Travel-Jahr in Kanada fester Bestandteil meines Lebens und bestimmt seit dem wirklich vieles.

So werde ich auch die kommende Zeit darauf ausrichten und noch etwas Arbeitserfahrung hier in meiner Heimat sammeln - und natürlich auch so mein Reisebudget noch etwas vergrößern

 

Das soll es erstmal gewesen sein für den ersten Blog-Eintrag, der - wie vielleicht nicht erwartet - noch aus Reichenbach gesendet wird, einfach um mich mit allem vorher vertraut zu machen.

Bis September werden bestimmt noch weitere Updates folgen, wie es mit der Vorbereitungsphase läuft, denn auch das gehört meine ich zum Gesamtpaket, nicht nur die Reise an sich zu dokumentieren, sondern auch das darum herum mit zu beleuchten.

Die Vorfreude ist auf jeden Fall schon riesig, das kann ich euch sagen