Roadtrip Part II

Mittwoch, 17.09.2014

Roadtrip Part I

Weiter im Text!

Boston war also vorerst Geschichte und wir machten uns am folgenden Tag schon zeitig auf den Weg zur South Station, von wo wir mit der Bahn Richtung Norden fuhren, immer mit dem Ziel "Gloucester" vor Augen (so heißt die kleine Stadt, in der wir uns aufgehalten haben).

Der Zug war während der Stunde Fahrzeit nicht besonders schnell unterwegs, vielleicht war das aber auch gerade praktisch, um die grandiose Landschaft zu betrachten. Es ging entlang von Buchten, Sümpfen, Seen, Meerengen, Wäldern, Wiesen und Stränden ... Alles in allem ging so die Stunde schnell rum und wir wurden in Gloucester - am nördlichsten Ende der Massachusetts Bay - abgesetzt. Nun folgte ein langer Fußmarsch auf der Suche nach dem Motel, welches irgendwo an der Hauptstraße liegen sollte ... Sofort auffällig waren die vielen Leute, die sich nach uns beiden vollbepackten Backpackern umschauten. Vielleicht waren wir auch nur so auffällig und eine Art Attraktion in dem 28.000-Seelen-Städtchen Jedenfalls sind die Leute sehr entgegenkommend und zeigten uns gerne den Weg. Allgemein kann ich bis jetzt feststellen, dass die Amerikaner viel freundlicher und aufgeschlossener sind, als viele es sagen oder als es immer dargestellt wird. Womöglich betrifft dies auch nur die Ostküste, aber alles in allem hängen sie den Kanadiern in Sachen Gastfreundschaft, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft keineswegs hinterher.

Das Motel war dann optisch eine echte Sensation ... Mit Pool und schickem Zimmer würden sich diese paar Stunden gut verbringen lassen ... kurz nachdem wir im Motel ankamen, mussten wir allerdings schon wieder los und die 20 Minuten Fußmarsch zum Dock zurücklegen, von wo aus unser Schiff zum Whale Watching fährt. Pünktlich, wie es sich für uns Deutsche gehört, kamen wir dann auch an und man hieß uns an Bord willkommen.
Obwohl es im Ort recht angenehm warm war, wurde es kurz nach Ablegen wirklich kalt und windig. Das Schiff hatte ordentlich Geschwindigkeit und der Wellengang verrichtete dann den Rest, sodass einige Passagiere schnell Wiedersehen mit der letzten Mahlzeit hatten ... weniger angenehm für mich als Zuschauer direkt daneben, aber nun ja.
Nach circa einer Stunde bei bestem Wetter auf See machte uns unser Guide zum ersten Mal auf etwas im Wasser aufmerksam: Wale! Und tatsächlich, leider noch etwas weit entfernt sah man die dunkelgrauen Riesen zum Teil aus dem Wasser ragen. Doch es sollte noch besser werden.
Cape Ann lag nun schon weit entfernt von uns und auch die beim Ablegen bestens zu sehende Skyline von Boston war kaum noch zu sehen.
Da hielt das Boot erneut, denn wieder wurde ein Wal gesichtet. Dieses Exemplar schien recht neugierig, denn anstatt sich von dem lauten Fremdkörper im Wasser namens "The Hurrican II" zu entfernen, schwamm er oder sie (leider nicht zu bestimmen aus der Position) auf uns zu und lieferte bestes Bildmaterial. Das Highlight war dann, als der Wal nur um die drei Meter vom Schiff entfernt entlang glitt und man ihn in voller Pracht bestaunen konnte. Wirklich majestätische Tiere und es war ein unvergessliches Erlebnis, das mal selbst gesehen zu haben.
Als unser Trip dann schon fast wieder zu Ende sein sollte, fiel allen Passagieren und den Guides noch etwas weiteres im Wasser auf: eine aus dem Wasser ragende Flosse ... Hai in Sicht. Ein riesiges Tier schwamm am Boot vorbei und war nach dem Wal natürlich noch das Sahnehäubchen auf dem an sich schon leckeren Kuchen!
Fantastische Erlebnisse beim Whale Watching, die ihr gutes Ende dann im Hafen fanden, als wir noch einen Seelöwen verwirrt im Hafenbecken umherirren sahen, der wahrscheinlich nur dort war, um nicht als Happy Meal vom Hai zu enden

Nach dem Whale Watching liefen wir etwas durch Gloucester und genossen die Ruhe der Stadt, die nach den vielen Tagen in Metropolen wirklich angenehm war. Allmählich überkam einen aber der Hunger und wir wollten - wenn wir schon am Meer sind - etwas dafür Typisches futtern. Angebote für Seafood gab es allerhand, aber unserem Budget musste es auch entsprechen. Nach kurzer Suche fanden wir einen netten Pub mit viel Kundschaft und auch einigen Auszeichnungen im Schaufenster. Jo, dort wollten wir essen. Bestellt haben wir uns eine Seafood-Platte mit allerlei leckeren Meeresbewohnern wie beispielsweise Tintenfischen, Garnelen, Fisch und Krebsen. Kulinarisch also auch ein erfolgreicher Tag!

Abends ging es dann im Motel etwas zeitiger ins Bett, nicht aber ohne vorher noch einen großen Becher Ben&Jerry's Eis zu vernaschen und nebenbei das Footballspiel Chicago vs. San Francisco zu sehen! So stellt man sich einen Abend im Amiland doch vor

Am folgenden Tag ging es dann erneut zeitig los, zunächst zurück nach Boston und gleich im Anschluss weiter nach Süden ins Städtchen Plymouth.
Nach anfänglichen Orientierungsschwierigkeiten, wobei uns ein netter Mitarbeiter von Dunkin's Donuts dann einen befreundeten Taxifaher herbei rief, erreichten wir unser Ziel Plymouth Plantation, einen realen Nachbau einer englischen Stadt des 17. Jahrhunderts und nebenbei den Lebensort von echten Native Americans, also den Ureinwohnern dieses Kontinents. Das alles war wahnsinnig spannend und wir verbrachten mehrere Stunden auf dem doch recht kleinen Gelände. Einerseits war es toll durch das englische Dorf zu schlendern und Darstellern in ihren Rollenspielen zuzusehen und in ihr Leben mit einzutauchen. Des Weiteren war es aber noch interessanter mit dem Ureinwohner Philip (netter Kerl, muss am Name liegen) in seiner selbstgebauten Hütte zu sitzen und seinen Geschichten und seiner Auffassung vom Leben damals und heute zu lauschen. Er uns eine Freunde in dem Indianerdorf spielen keine Rollen, sondern sind tatsächlich Native Americans, die zum Teil (meist tagsüber) auf der Plantation leben, abends/nachts dann aber in ihr modernes Leben zurückkehren. Nichtsdestotrotz besitzen sie ein umfassendes Wissen zum Leben damals und führen dies auch heute noch fort, interessant ist eben, wie sie damals und heute verbinden und ihre Auffassungen mit den Besuchern teilen.

Nachdem wir irgendwann die Plymouth Plantation verlassen haben, ging es wieder zur Bushaltestelle und mit dem Bus dann Richtung Hyannis, einem kleinen Ort im Süden von Cape Cod. Dort angekommen mussten wir noch ins benachbarte Dörfchen West Yarmouth, wofür wir uns mal ein Taxi gönnten und schnell und preiswert da waren. Auch hier war das Motel recht schick und wir entschlossen uns, am Abend (also gleich nach Ankunft) noch einkaufen zu gehen ... Leichter gesagt als getan. Auf die Frage hin, wo der nächste Shop wäre, antworteten manche mit einer Meile, andere gleich mal mit drei Meilen ... Vom Laufen sind wir ja sowieso nie abgeschreckt gewesen, von daher einfach mal gerade darauf zu ... Am Ende war es wohl ein Zwischending von den Entfernungsangaben. Kurz gesagt: scheiße weit weg.
Als wir dann mit einkaufen fertig waren und uns auf den Heimweg machten, war es bereits finster (obwohl erst 8 Uhr abends). Im Motel angekommen konnten wir noch bisschen was essen (Knäckebrot mit Wurst und paar Äpfeln, dazu einen guten Rotwein mit Knabberzeug) und dann mit TV-Fernsehgerät im Hintergrund schlafen.

Der Folgetag sollte uns weiter Richtung Provincetown, dem äußersten Ende von Cape Cod bringen. Dazu mussten wir aber am Morgen erstmal von West Yarmouth wieder zurück nach Hyannis kommen, wo die Buszentrale liegt. Der Bus, welcher uns mitnehmen sollte, fuhr einfach mal vorbei ... Da steht man dann nun mit seinem Gepäck an einer der wenigen Straßen von Cape Cod ... Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen! Und so bastelten wir uns ein Schild mit der Aufschrift "Hyannis" und stellten uns mit Daumen raus an die Straße, in der Hoffnung, uns würde jemand mitnehmen. Genug Autos waren ja unterwegs, nur keiner wollte anhalten, sie schauten nur alle wieder mit einer Mischung aus Neugierde und Skepsis.
Nach einer viertel Stunde rief hinter uns plötzlich jemand: "Do you need a ride to Hyannis"?
Ein junges Pärchen war kurz zuvor vorbeigefahren und hat sich entschlossen umzukehren und uns mitzunehmen ... Awesome! Hitchhiking funktioniert also, man muss ich nur trauen und zuversichtlich sein. Die beiden nahmen uns dann die paar Kilometer bis Hyannis mit und wir konnten entspannt unseren Trip fortsetzen.
Der Bus fuhr uns dann die knapp zwei Stunden hoch bis Provincetown, der Himmel verdunkelte sich leider immer mehr ...

Endlich in Provincetown angekommen fiel mir schnell auf, weshalb diese Stadt immer mit einem besonderen Schmunzeln beschrieben wird, denn vieles ist bunt und gleichgeschlechtliche Partnerschaften und Homosexuelle sind hier völlig gewöhnlich und man erscheint als Hetero schon fast fremd in P-Town.
Nichtsdestotrotz, die Leute sind (wie schon zuvor) überaus freundlich und in wenigen Stunden haben wir die gesamte Stadt an der äußersten Spitze von Cape Cod durchlaufen und finden uns nach einiger Zeit in einem netten Laden wieder. Dabei sei gesagt, dass es Lena und mich während unseres Trips eigentlich in jeder Stadt nur in zweierlei Läden verschlägt ... einerseits wären da die bereits genannten Hard Rock Cafes, andererseits sind es Läden von Ben&Jerry's, einer Icecream-Factory aus den USA. In PT war es dann letzteres. Für gerade mal 5 Dollar gönnten wir uns drei Kugeln von diesem wahnsinnig genialen Eis, womöglich das beste, das ich je gegessen habe  ... Die drei Kugeln passten nicht mal in den größten Becher, sondern ragten doppelt so hoch darüber hinaus. Leider war es viel zu schnell alle ... Aber es gibt Trost, denn schon übermorgen wird es in die Icecream-Factory von B&J's nach Waterbury/Vermont gehen ... Das wird G-E-N-I-A-L!
Anschließend war es dann auch schon Zeit die Fähre zurück nach Boston zu nehmen. Auf diesem Weg erspart man sich die Rückfahrt um die komplette Halbinsel und im Nachhinein kann ich sagen: das Geld dafür war gut angelegt ... Auf dieser sogenannten "Fast Ferry" waren insgesamt nur acht Leute. Es war bereits dunkel, als wir ablegten. Die Fähre beschleunigte sehr schnell ... wie schnell genau, merkte ich erst, als ich mich entschloss an Deck zu gehen. Es war nicht viel zu sehen, aber das Licht vom Boot ausgehend und der Mond machten das Wasser gut sichtbar ... und WOW, das Boot war schnell. Nachrechnungen ergaben mehr als 120km/h, und es war ein unglaubliches Gefühl an der vordersten Spitze zu stehen und nahezu ohne Wellengang über das Wasser zu schießen! Das werde ich wohl nie vergessen und trotz des starken Windes und der Kälte war es das voll und ganz wert! Leider kann man das nicht mit Bild oder Film festhalten, aber ich kann euch sagen: so etwas ist einmalig!
Noch besser wurde es nur, als wir Boston erreichten und man den Blick auf die Skyline bei Nacht genießen konnte. Somit war der Tag eigentlich schon perfekt, doch mit meinem "Hard Rock Cafe Boston" - Shirt habe ich da noch für mich persönlich einen drauf setzen können. Angekommen im Hostel passierte dann nicht mehr viel, außer das man nochmal den nächtlichen Spaziergang mit vollem Gepäck durch Boston Revue passieren ließ.

Am Mittwoch, den 17. September, ging es dann wieder zeitig raus, um noch das gratis Frühstück mitnehmen zu können. Hat sich gelohnt
Nachdem wir dann noch Pete aus London kennelernen durften, mussten wir aber auch schon los zur Boston South Station, denn der Bus nach Burlington/Vermont wartete.
Etwas unbequem sitzend während der Fahrt merkte ich jedoch schnell, wie sich die Landschaft nach Boston änderte. Wir durchfuhren die Bundesstaaten New Hampshire und Connecticut, welche echt nice sind. Als wir Vermont erreichten, realisierte ich, warum (meist auf den KFZ-Kennzeichen vermerkt und für jeden Staat spezifisch) dieser Staat "Green Mountain State" genannt wird: überall nur Berge, Hügel und Wälder, perfekt also für geplante Wandertouren. Ab und zu sah man eine stadtähnliche Struktur und bald durchfuhren wir unsere späteren Anlaufpunkte Montpelier und Waterbury, bevor wir letztendlich in Burlington ausstiegen.
Nettes Städtchen, wie ich am Abend noch feststellen konnte. Sehr überschaubar, aber hübsch und sauber. Vor allem die Hafenfront zum Lake Champlain war am Abend ein traumhaft schönes Örtchen und der Sonnenuntergang rundete auch diesen Tag perfekt ab, gefolgt von einem leckeren Ben&Jerry's-Eis (diesmal Geschmacksrichtung Lazy Sunday und Coffee, nachdem wir uns schon durch AmeriCone Dream, Strawberry Cheesecake, Chocolate Therapy, Browny Cheesecake und PinaColada probiert haben - allesamt unvergleichlich gut ).
Kurz vor'm Schlafengehen bastelten wir uns noch ein Schild mit der Aufschrift "Montpelier", man weiß ja nie, wie der kommende Tag wird. Busse fahren hier jedenfalls zu abnormalen Zeiten, und so wird wohl wieder der Daume herhalten.

Das war die Reise um Massachusetts Bay und Cape Cod, mittlerweile bin ich also in Vermont angekommen und werde hier die kommenden Tage verbringen und noch die Ruhe genießen, bevor es zum Abschluss nach New York City geht.
Ihr hört davor sicherlich nochmals von mir

Bis dahin ...

 

P.S.: Hier auch noch - womöglich nur für die sprachlich Fitten - der Travelog von Lena zu den vergangenen Tagen