Roadtrip Part III

Donnerstag, 25.09.2014

Wieder sind einige Tage vergangen und ich habe erneut viele Erfahrungen machen und Erinnerungen sammeln können!

Am Morgen des 18. September ging es zu ungewohnt später Zeit (9 Uhr) aus dem Bett und ich verbrachte nahezu den gesamten Vormittag damit, die Zeit nach New York ab Anfang Oktober zu planen ... Ideen bestehen und werden so langsam munter umgesetzt, aber dazu zu einem späteren Zeitpunkt mehr
Gegen 13 Uhr haben wir dann ausgecheckt und uns auf den Weg zum Bus gemacht, der uns ca. 40 Meilen nach Süden Richtung Montpelier bringen sollte. Den gleichen Weg sind wir auf der Hinfahrt aus Boston kommend schon gefahren, da wussten wir dann auch, dass wir gleich in der Hauptstadt von Vermont hätten aussteigen können. Nun ging es also zurück, aber unser Hauptziel lag sowieso 5 Meilen vor Montpelier: Waterbury.
Wie schon zuvor erwähnt, ging es da in die Ice Cream Factory von Ben&Jerry's - und das war, kurz gesagt, wieder einmal ein echtes Highlight!
Für nur 4 Dollar konnten wir die Fabrik besichtigen. Fotos oder Videos durften leider nicht aufgenommen werden. Viel möchte ich dazu also auch nicht schreiben, außer, dass es wirklich lehrreich und interessant ist zu sehen, wie eine Eisfabrik funktioniert und was Ben&Jerry's Ice Cream eben so besonders macht. Nach dieser Tour kann ich zufrieden sagen, dass ich gern bereit bin für B&Js etwas mehr zu zahlen, als für andere gewöhnliche Eissorten. Allein wenn man Größe und Gewicht von einigen Herstellern vergleicht, merkt man, was B&Js einzigartig macht. Des Weiteren wird Wert auf FairTrade, Nachhaltigkeit und Qualität gelegt. Zu guter Letzt gibt es so viele verschiedene Sorten an Eis und es schmeckt halt einfach geil!
Neben einem Film zur Geschichte von B&Js und einem Einblick ins Produktionsgeschehen bekamen wir noch free samples von der neusten Eiskreation des Tages. Lasst euch selbst überraschen, was demnächst Neues im Kühlregal steht, so viel sei gesagt: Zimt und Ginger - absolut geniale Kombination und die paar Kugeln for free waren allein schon die Tour wert Natürlich gönnte ich mir danach noch inmitten der Wälder von Vermont ein paar Kugeln Eis in einer schokoladenüberzogenen Waffel (Keksteig mit Schokoladeneis und Bananeneis mit großen Schokoladenstücken und Karamel - mehr muss ich da vermutlich nicht sagen ). Im Anschluss an dieses Tagesziel galt es noch die restlichen Meilen bis Montpelier zurückzulegen. Zum Laufen ist es mit den Backpacks leider zu weit und der Bus würde erst in über einer Stunde fahren. Aber wir hatten ja noch unser selbstgebasteltes Schild, weil wir über die Gegebenheiten sozusagen schon Bescheid wussten. Also liefen wir in Richtung Interstate 89, um die richtigen Autos zu erwischen. Was danach passierte, überraschte uns aber sowas von ...
Wir liefen also zu einer geeigneten Stelle nahe einer Tankstelle, wo Autos also auch anhalten können, um uns mitzunehmen. Sobald wir stehen blieben und uns umdrehten, weil die Position perfekt schien, und dann unser Schild hoch hielten, fuhr ein einziges (!!!) Auto vorbei, der Fahrer schaute auf unser Schild mit der Aufschrift "We need a ride to Montpelier" und ... hielt an! Uns überkam erstmal ein freudiges (vielleicht auch ungläubiges) Lachen, weil die Wahrscheinlichkeit, dass beim Hitchhiking das erste Auto sofort anhält schon sehr gering ist.
Aber wozu nun noch viele Gedanken verschwenden. Der ältere Mann war nicht sehr gesprächig, aber nett. Er war auf dem Weg zum Senior Club, holte also für seine Buddies noch bisschen Eis und fuhr uns dann sogar bis zu unserem Motel ... besser konnte es also kaum sein! Wir schlugen die Zeit vom Bus um Längen und hatten auch diese Fahrt für umsonst. YEAH!
Von dieser finanziellen Errungenschaft gönnten wir uns am Abend einen Einkauf, der uns wohl vorerst für 1-2 Tage am Leben halten sollte. Es gab dann noch Pizza und ein Bier, bevor es verdient und zufrieden ins Bett ging

Am folgenden Tag stand Hiking, zu deutsch Wandern, auf dem Plan. Am Tag unserer Ankunft haben wir uns diesbezüglich noch schlau gemacht und konnten also morgens losstürzen!
Als wir an besagtem Morgen aber einen Fuß vor die Tür setzten und im Anschluss einen Blick aufs Thermometer warfen, staunten wir erst mal nicht schlecht: knackige 2 Grad Celsius
Aber es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung - was es bei uns auch nicht gibt. Also warfen wir uns in wettergerechte Klamotten und machten uns auf den Weg zum Hubbard-Park. Wir mussten schnell einsehen, dass es in der Hauptstadt Vermonts nicht unbedingt viel Möglichkeit zum Hiking gibt. Einzig der Hubbard-Park bot die Chance dafür, doch man sagte uns schon, dass etwas mehr als eine Stunde dafür ausreichen würde. Ende vom Lied: nach circa 25 Minuten Marsch durch einen netten Wald kamen wir am Hightlight des Parks, einen recht hohen Aussichtsturm, an. Von oben hatte man wirklich einen tollen Ausblick über die Region um Montpelier. Da Wandern ja schlecht möglich war, genossen wir den Ausblick noch eine Stunde.
Anschließend ging es wieder Richtung Stadt, etwas rumschauen. Abschließend ging es noch chinesisch essen (war gut!) und danach zurück zur vorherigen Unterkunft, um die Backpacks zu holen.
Zum Abschluss des Tages machten wir uns auf den Weg zu Karin, unserer Gastgeberin für die folgenden zwei Nächte. Es dauerte in dem beschaulichen Städtchen nicht lange, um das richtige Haus zu finden. WIr wussten, dass Karin der deutschen Sprache mächig ist, aber mehr auch nicht ... Sie begrüßte uns dann gleich auf deutsch und sprach auch weiterhin in dieser Sprache mit uns. Wir fanden heraus, dass sie ursprünglich aus einer deutschen Minderheit im äußersten Süden Dänemarks stammt. Vor 35 Jahren zog es sie dann aus persönlichen Gründen nach Amerika, wo sie letztendlich in Vermont ihre neue Heimat fand. Eine sehr nette Frau, die uns mit Tee, selbst gebackenem Vollkornbrot (für uns eine Bereicherung in den USA) und vielen Geschichten willkommen hieß. Später schauten wir noch gemeinsam einen deutschen Tatort, der gar nicht mal schlecht war, und gingen dann ins Bett.

Die restliche Zeit in Vermont verlief dann angenehm ruhig. Am zweiten Tag in Montpelier wollten wir erst zu einem etwas größeren Berg in der Gegend, um mal richtig zu Wandern. Das Wetter war jedoch nicht so der Bringer an diesem Tag und es ging stattdessen ins Nachbarörtchen Barre. Nun, viel war hier auch nicht los. Aber es gab ein Kino und wir dachten uns "warum nicht". Es lief gerade der neue Film von Liam Neeson "A walk among the tombstones". Wie viele Streifen von ihm, war auch dieser sehr sehenswert. Ähnlich zu den anderen seiner Filme, aber für eine Nachmittagsbeschäftigung sehr akzeptabel!
Am folgenden Morgen ging es dann gegen 10 schon wieder weiter ... Nach einem letzten Frühstück mit Karin wurden wir dank einem Internetportal in Montpelier, durch das sich eine nette Dame für diese Zeit gemeldet hat, mit nach Burlington genommen, wo unser Bus abfahren würde.
Wir genossen die Fahrt mit der Frau, die im Internet den User-Namen "ArmyWife" besitzt ... die Realität war dann nicht so furchteinflößend wie der Name. Sie hatte (wie allzu viele Leute meiner Reise) auch etwas mit Deutschland zutun, da sie und ihr Mann vor einigen Jahren in der Nähe des Bodensees stationiert waren. Es gab also einiges auszutauschen während der 45 Meilen bis zur größten Stadt Vermonts.
Dort angekommen warteten wir noch auf den Bus und setzten dann unseren Trip Richtung New York City fort.

Welcome to New York City

Die Fahrt dauerte insgesamt mehr als 6 Stunden ... Nachdem wir einmal quer durch Vermont kurvten, durften wir das selbe auch noch mit dem Bundesstaat New York tun. Viel gab es nicht unbedingt zu sehen: viel grün und viele Berge und Hügel. Kurz vor New York ändert sich das Bild dann gravierend!
Gegend Abend kamen wir der Skyline dann näher ... was ein geiles Gefühl, auf diese Weltstadt zuzufahren! Im Sonnenuntergang erreichten wir dann von Westen aus New York City und konnten zum ersten Mal den Blick von Manhatten bis zur Bronx genießen. Schon an dieser Stelle hat sich der Trip nach NYC für mich gelohnt gehabt

Wie startet man solch eine Zeit in New York am besten?

Gegen 19 Uhr wurden wir mitten in Manhattan aus dem Bus gelassen und standen dann erstmal "einsam" an der 23. Straße ... Dank vorherigen Recherchen wussten wir lediglich unsere Zieladresse und die geeigneteste U-Bahn-Linie ... Die sollten wir nun erstmal suchen dürfen. Zum Glück sind Subway-Eingänge durch laternenähnliche Kugeln gekennzeichnet und sehr oft aufzufinden. Wir brauchten die blaue Linie, standen aber an der roten. Tolle Wurst. Zum Glück habe ich zuvor noch etwas Geld in einen LonelyPlanet für New York investiert und so hatten wir einen klasse Stadtplan mit Subway-Karte. Schnell fanden wir uns so bestens zurecht und wir kauften uns jeweils eine MetroCard für 30$ ... viel Geld, aber mit dieser konnten wir nun für 7 Tage so oft wir wollten und wohin wir wollten mit der NYC-Subway fahren. Das stellte sich am Ende noch als vortreffliche Entscheidung heraus, da man sich so über Transportwege und Kosten keine Sorgen mehr machen musste.
Viel passierte dann aber nicht mehr. Eines sei vielleicht noch gesagt: die U-Bahnen sind rund um die Uhr in Betrieb, ständig voll (5 Millionen Fahrgäste pro Tag!), das Klima zwischen Waggon (angenehm kühl klimatisiert), Bahnsteig (scheißheiß) und Oberfläche (je nach Wetterlage) variiert sehr stark. Die Subway rast dann mit 55 mph durch den Untergrund und brachte uns somit innerhalb einer halben Stunde von Downtown Manhattan ins Zentrum von Brooklyn. Benötigte Zeit mit dieser U-Bahn spricht denke ich für die Größe dieser Stadt ... Die Wohnung war schnell gefunden und überraschte uns sehr. Danach erkundeten wir noch die Gegend um unseren Block, beendeten diesen Tag dann aber bald ...

Wie war der erste Eindruck vom Big Apple?

Man kann diese Eindrücke gut zusammenfassen: massenhaft Leute, alle sind im Stress, Verkehrschaos an vielen Ecken, alle fünf Minuten Sirenengeheule, Polizei überall, unterschiedlichste Menschen auf einem kleinen Fleck, Wolkenkratzer extrem dicht nebeneinander und die verschiedensten Gerüche nach jedem zurückgelegten Meter ...

Was waren die absoluten Highlights während der Tage in NYC?

Richtig genial fande ich die Zeit auf dem Rockefeller Center. Viele schwärmen vom Empire State Building, aber nur vom Top of the Rock bekommt man einen so perfekten Blick auf Central Park, Brooklyn, Manhattan und Co.
Interessant war der Tag an Ground Zero und dem 9/11-Memorial, einfach ein sehr eigenartiges Gefühl, nachdem man die Bilder unzählige Male im TV gesehen hat nun selbst an dieser Stelle zu stehen, nach oben zum neuen One World Trade Center zu schauen und vor sich nur zwei riesige Vierecke zu sehen ... dann die Namen der Opfer in den Mauern, die Originalgegenstände im Memorial (Gebäudeteile, Fahnen, Feuerwehrutensilien, Filme, Flugzeugteile, ...) und die Reaktionen der anderen Besucher. Alles sehr ergreifend und emotional!
Eine echte Sensation war auch das Baseballspiel der New York Yankees gegen Baltimore. Leider knapp verloren, aber die Atmosphäre unter mehr als 50.000 Zuschauern im Yankee-Stadium ... atemberaubend! Allerdings schenken die Amerikaner dem Sport nicht derart viel Aufmerksamkeit, wie wir Deutschen beispielsweise einem Fußballspiel. Es war ein ständiges Kommen und Gehen. Nur wenige sahen das komplette Spiel von Anfang bis Ende. Wenn allerdings der Captain und wohl bester Spieler der MLB, Derek Jeter, fast einen Homerun schlägt ... da steht das Stadion Kopf und alles schreit und jubelt ...
Ein weiteres Highlight war ein echter Amerikanischer Burger (Fleisch, BBQ-Sauce, etwas Salat für die Optik, Käse, Brötchen, natürlich Bacon und dazu etwas Fries) in Manhattan. Sehr genussvoll und sicherlich DER kulinarische Höhepunkt.
Aber auch New York bei Nacht ist hundertprozentig ein Muss, wenn man in dieser Stadt verweilt. Ich durfte den Ausblick von Brooklyn Heights auf Manhattan genießen und hätte Stunden zwischen Manhattan Bridge und Brooklyn Bridge zubringen können ...

Was sollte man vermeiden in dieser Stadt?

Denkt niemals, nur weil die Ampel euch mitteilt "Walk", dass ihr auch sorgenfrei loslaufen könnt! Die gewohnte kanadische Höflichkeit gilt hier kaum, auch bei hellrot wird noch über die Kreuzung geschossen. Ein vorsorglicher letzter Blick vor dem Starten kann also gesund sein!
Seid euch sicher, dass bei eurem Auto die Hupe funktioniert. Noch besser: Fahrt erst gar nicht mit dem Auto selbst durch diese Stadt ... ihr altert nur schneller und eurem Blutdruck und Herz tut es nicht gut!
Bei einem Spaziergang durch Chinatown solltet ihr teilweise Luft anhalten und Augen geschlossen halten ... Es ist erstaunlich, was so alles in den Theken liegt/krabbelt und dann auch noch verkauft wird. Fisch sollte ja eigentlich nicht nach Fisch riechen, wenn man ihn kaufen möchte. Kennen die Chinesen hier vermutlich nicht ... Aber: Gemüse und Obst ist preiswert und es ist essbar. Zumindest lebe ich bis jetzt immernoch

Was ist mein Fazit zu diesem letzten Erlebnis der Reise?

Definitiv: sehens- und erlebenswert! Es ist vielleicht nicht die Traumstadt schlecht hin. Dafür sind es mir einfach zu viele Leute auf einem Fleck und jeder steht im Stress. Nicht so mein Ding.
Doch die Mischung aus Wolkenkratzern, riesigen Bauwerken, dem Central Park inmitten der Stadt, der Geschichte, den verschiedenen Menschentypen und dem Flair dieser Stadt machten es zu einem unvergesslichen Erlebnis ein paar Tage hier zugebracht zu haben und ich freue mich schon, wenn es Ende 2015 nochmal in den Big Apple geht.

Das war es leider auch schon von meinem Roadtrip mit Lena ... Fast 3 Wochen haben wir gemeinsam verbracht und sind viele tausend Kilometer zusammen entlang der US-Ostküste gereist ...
Es ist noch immer schwer zu realisieren, was wir alles gesehen und erlebt haben. Womöglich setzt das Verständnis dafür erst später ein.
Wir haben so viele Weltstädte gesehen, bis zu 10 Bundesstaaten der USA durchreist, Abwechslung gehabt zwischen Cities, Wäldern, Strand, Casinos, Hitze, Kälte, Sonne, Regen, Ruhe, Lärm, Stress und Entspannung ... unbeschreiblich.
Es war mir eine Ehre, mit ihr zusammen gereist zu sein, denn man bekam noch einiges Hilfreiches mit auf den Weg gegeben und es hat jede Menge Spaß gemacht und es soll definitiv nicht das letzte gemeinsame Projekt gewesen sein!

Viel Glück und alles Gute für deine Heimreise, und dass du vollständig in Paris und letztendlich in Nürnberg ankommst! Bis bald!

Und nun?

Für mich geht es jetzt erst einmal zurück nach Kanada. Wohin ... das weiß momentan keiner außer mir Lasst euch überraschen!