Zurück von den Verschollen

Sonntag, 06.09.2015

Nach langer Zeit erstmal wieder ein Hallo von dieser Seite!

Es hat mir schon erheblich gefehlt, meine täglichen Erlebnisse hier in die Tasten zu drücken und die Welt daran teilnehmen zu lassen. Aber fehlende Technik und der alltägliche Wahnsinn irgendwo im Nirgendwo ließen es nicht zu. Nun ist ein Kalenderjahr also vorbei und meine Erzählungen sind Ende April erstmal ins Stocken gekommen. 

Jetzt möchte ich natürlich das Erlebte - und da gab es einiges - hier noch nachreichen. Ich hoffe, ich kann das in den kommenden Tagen und Wochen möglich machen, denn glaubt es oder nicht, aber Leute begannen schon zu fragen, wann es denn wieder einen neuen Blog gibt. Fortsetzung folgt also. Jetzt.

Der letzte Eintrag handelte von den ersten Wochen des Frühlings in Kanada 2015. Dabei ging es hart zur Sache mit großem Gerät in Williams Lake, bevor es im Anschluss weiter ging nach Vancouver. Große Stadt also ... und ich war wirklich gespannt, wie es wohl sein wird für mich. Es lag ja schon einiges an Zeit zwischem dem damaligen Zeitpunkt und des letzten Besuchs einer großen Stadt. Aber was soll ich sagen, Vancouver war wirklich eine Bereicherung, wie es das für viele Leute sein kann.

Downtown Vancouver

Hier verbrachte ich dann circa 3 Wochen und hatte echt eine tolle Zeit und lernte Leute kennen, die die kommenden Monate maßgäblich prägen würden.
Kim und Chuck, auf deren Farm ich ein paar Monate zuvor schon gearbeitet hatte, sagten mir, dass ihre Eltern in West Vancouver leben und vor allem ihr Vater John immer ein bisschen Hilfe bei seinen täglichen Arbeiten braucht. In Anbetracht der Tatsache, dass Kim's Haar schon jede Farbe verloren hatte und beide etwas in die Jahre gekommen waren, stellte ich mir unter Kims's Eltern erstmal ein älteres Ehepaar vor und fragte mich, wie mein Job denn wohl aussehen würde. Ein paar Stunden nach Ankunft in Vancouver traf ich dann John und meine Erwartungen bestätigten sich in der Form, dass er wirklich schon recht alt ist. Recht ruhig, lichtes graues Haar und langsame Bewegungsabläufe. Und dann hebte er meinen großen Rucksack mit einer Hand hoch und legte ihn in den Kofferraum ... beurteile ein Buch also nie nach seinem Einband. Und John ist ein Arbeitstier, das ist mit Sicherheit alles, was er sein Leben lang gemacht hat - Arbeiten und Geld verdienen. Dieses hat er anscheinend gut angelegt, denn er brachte mich zu seinem Haus in West Vancouver, dem etwas nobleren Gebiet der Stadt und ich hatte mein eigenes Zimmer mit privatem Bad und Meerblick. Wie im Urlaub, nur für umsonst. Manchmal passt einfach alles, dachte ich mir.
John's ursprünglicher Beruf war Zimmermann. Er kam mit seiner Frau Eileen und den Kindern in den 1960er Jahren aus Southhampton, England nach Kanada und fuhr mit einem alten Auto quer durch's Land nach Vancouver, wo sie sich schließlich niederliessen. Er erzählte mir gern von seinem früheren Leben in England und insbesondere von der Einreise nach Kanada. Bis heute ist er nur wenige Male zurückgekehrt nach England, da er es nicht mehr aushalten kann dort. Ich verstand ihn recht gut. Die Familie hatte wirklich nicht viel und drehte jeden Cent wahrscheinlich dreimal um. Doch durch harte Arbeit erwirtschafteten sie sich einen kleinen Haufen Geld und irgendwann begann John damit, alte Häußer zu kaufen, teilweise abzureisen und neu aufzubauen, nur um sie im Anschluss wieder zu verkaufen oder zu vermieten. Und das tut er bis heute, mit über 80 Jahren Lebenserfahrung auf dem Buckel. Vielleicht nicht mehr der agilste Mann, aber er kann Denken und weiß genau, was er möchte. Meine Arbeit bei ihm war also recht vielseitig und spannend und auch noch bezahlt. Einen besseren Deal als diesen konnte ich mir kaum vorstellen. Zusage also. Und in den paar Wochen bekam ich die verschiedensten Seiten von Vancouver zu sehen und durfte bei vielen verschiedenen Häußern mit Hand anlegen und mich somit ein bisschen in Vancouver verewigen. Insofern niemand die Bude demnächst wieder platt macht.

Wenn man also diesen und den letzten Blogeintrag so ließt, kann man vielleicht denken: Der muss doch momentan einen ganzen Haufen Geld machen ... und ich konnte mich wahrhaft über meine Finanzen nicht beklagen. Es gab mir letztendlich sogar die Chance, meine Reisepläne etwas zu erweitern, ausweiten, upgraden, verbessern ... wie immer man es nennen möchte. Und diese Entscheidung und Investition bereue ich bis heute nicht.

Für wenig Geld ließ sich dieses Schmuckstück in Vancouver auftreiben und wow, ich war begeistert von meinen ersten eigenen vier Rädern. Ich wollte auf jeden Fall den Westen der USA bereisen. Wie, war meine erste Frage. Den Osten sah ich damals mit dem Bus oder durch spontane Mitfahrgelegenheiten, was alles schön und gut war. Doch ein eigener fahrbarer Untersatz, das ermöglicht natürlich komplett neue Dinge. Ich könnte wohin fahren wann und wie lange ich will. Und das tat ich dann auch!

Noch in Kanada suchte ich mir ein paar reiselustige Leute und startete einen Trip gen Süden. Die nötige Vorbereitung wurde in Vancouver noch getätigt und mit gutem Gewissen konnte alles beginnen. Eine gewisse Grundaufregung war natürlich dabei. Ich fahre das Auto seit einer Woche und starte nun einen Trip, der mehrere tausend Kilometer lang sein wird. Natürlich gehen einem die verschiedensten Fragen durch den Kopf, insbesondere was wohl wäre, wenn die Karre nun doch den Geist aufgibt und du irgdendwo in der Pampa stehst und nach Kanada zurück musst.

Deshalb ließ ich bestmöglich alle Reparaturen in Kanada durchführen, was leider etwas teurer war als in den USA, aber mir ein besseres Gefühl gab vor Abreise. Mit einer Mitreisenden im Schlepptau ging es dann an einem warmen Maimorgen los Richtung Washington State, USA. Da Vancouver nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt liegt, sahen wir uns recht schnell mit der Einreise in die USA konfrontiert, diesmal nicht mit Bus oder Flugzeug, sondern mit eigenem Auto. Man selbst wurde natürlich mit Fragen gelöchert und das eigene Auto durchsucht. Dabei fiel mir auf, dass ich selbst das Auto noch nie komplett selbst durchsucht hatte. Was die wohl finden könnten Aber alles ging gut und ich hatte wieder etwas gelernt und sechs Dollar später fuhren wir Richtung Bellingham, Washington. Ich fahre tatsächlich in den USA mit meinem eigenen Auto, war mein erster Gedanke und ich bekomme das Gefühl jetzt noch, wenn ich wieder daran denke. Das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und billigem Benzin um einen herum. In Bellingham ging es dann erst einmal einkaufen und neben Sprit sind hier auch Lebensmittel und Co. billiger als in Kanada. Wen wundert es also, dass viele Kanadier an den Wochenenden und freien Tagen mal einen Abstecher in die Staaten machen, um Shoppen zu gehen. Wir deckten und also erstmal einmal mit dem Nötigsten ein und fuhren weiter Richtung Seattle. Washington wird "The Evergreen State" genannt und grün ist es wirklich überall. Nach dem Einreisen war wirklich für viele Meilen nichts anderes zu sehen außer grünen Wäldern und riesigen Feldern, bis irgendwann mal eine kleine Stadt auftauchte ,Noch am Abend erreichten wir die Großstadt Seattle und fühlten uns direkt an Vancouver erinnert. Die riesigen Highwaysysteme, wenigen Hochhäußer, das viele Grün, Meer und Berg um einen herum. Und Leute vergleichen in der Tat die beiden Städte des Öfteren, wobei mir Vancouver doch etwas mehr gefällt.
Die erste Nacht lag bevor und natürlichen hatten wir kein Hotel, Hostel oder ähnliches gebucht. Aber wir fuhren ja einen Minivan mit unglaublich viel Platz. Und so schmissen wir all unser Zeug auf die vorderen beiden Sitze und hatten kurz darauf ein nettes Quartier im Auto eingerichtet. Geschlafen wurde übrigens auf einem Walmart Parkplatz, so wie es viele Reisende und auch Einheimische tun. 24 Stunden am Tag geöffnet, mit einem öffentlich zugänglichen Bad und WiFi, also wozu braucht man bitte Hotels. Walmart machts möglich. Nicht alle jedoch.

Am nächsten Morgen ging es zeitig los, um die nächste Mitreisende in der Stadt einzusammeln. Gesagt, getan. Kurz darauf waren wir schon auf dem Highway 5 Richtung Süden mit dem Ziel Portland, Oregon. Die Stadt liegt ungefähr 3 Stunden entfernt und ist die größte im Bundesstaat. Relativ unspektakulär, für Musikbegeistere jedoch charmant. Nach einigen Stunden wollten wir wir dann allerdings Meer sehen und fuhren weiter an die Küste. Am frühen Abend waren wir schon dort und ich habe vorher von einigen Leuten gehört, dass die Küste in Oregon fantastisch sei.

Oregon Coast

Und das ist sie. Strände, Klippen, Berge, Sturm und Sonne, hohe Wellen, Tiere zu Wasser und zu Lande und das allerbeste: kaum Menschen. Man hatte also seine Ruhe und konnte alles in vollen Zügen geniessen. Nach einigen Tagen in dieser Gegend entlang des berühmten Highway 101 fuhren wir in den Staat Kalifornien.

Welcome to California

Beeindruckende Landschaften in den ersten paar Stunden dieser Reise machten wirklich Lust auf das Bevorstehende. Das Gefühl im eigenen Auto zu sitzen und durch dieses riesige Land zu fahren, ist fabelhaft. Man war eigentlich nur am grinsen und hörte Musik und genoss die Aussicht. Es war sehr einfach, in diesen ersten Tagen über 1000 Kilometer zurückzulegen. Und das Auto funktionierte gut, so erschien es mir. Doch schon bald sollte ich ein ernsthaftes Problem festellen.

Dazu beim nächsten Mal mehr, seid gespannt

 

 

P.S.: Es fühlt sich gut an, wieder hier zu schreiben und das Erlebte nochmals zu erleben. Ich freue mich schon auf mehr!