Zwei Monate im Nirgendwo

Mittwoch, 21.01.2015

Willkommen zurück in der Zivilisation! 

Nach zwei Monaten im kanadischen Bush hat mich das moderne Leben (vorerst) wieder.

Ich habe lange überlegt, wie ich die Zeit am Pelly River nun in Worten erklären kann ... Einleitende Worte zu finden, die das Erlebte beschreiben, ist meines Erachtens schwer, deshalb versuche ich es mit einem Bild, das markant genug sein sollte, um Pelly River Ranch zusammenzufassen ...

Man warnte mich zuvor schon, dass Yukon im Winter derart ausschauen könnte und viele Leute, mit denen ich meine Pläne teilte, blickten mich verwundert an und fragten, was einen denn in dieser Jahreszeit in den Norden Kanadas treibt. Nun, ich würde es jetzt im Nachhinein mit "Ausblick auf eine unvergessliche Zeit" beschreiben. Denn daran führt definitiv kein Weg vorbei, diese Wochen mit den Bradleys waren ohne Zweifel eine der einschneidesten, markantesten, emotionalsten und prägendsten meines Leben! Ich suchte nach der Herausforderung, wollte die Erfahrung machen und sehen, wie mein Körper bei derartigem Klima reagiert. Ergebnis? Das Thermometer kratzte an -50 und wir hatten Aufgaben im Freien zu erledigen und ich war und bin noch immer überrascht, dass die extreme Kälte mir nicht allzu sehr zusetzte. Doch dazu später mehr.

Nachdem ich die Bradleys mittlerweile verlassen habe, stellt sich nun für mich die Frage, wie ich meine Erlebnisse mit euch teilen kann. Alle Details kann ich an dieser Stelle nicht liefern - dafür ist die Fülle an Ereignissen einfach zu riesig - aber ich versuche es einfach mal mit einer Mischung aus Chronologie und Highlights, anknüpfend an den letzten Post. 

Vielleicht sollte ich euch vor den ganzen Stories die Bradley Family kurz vorstellen ...

Bill, Philip, Sue, Ken, Dale

Da hätten wir zunächst die Dame in der Mitte, Sue. Eine energiegeladene Frau mittleren Alters, die ganz sicher kein Blatt vor den Mund nimmt und gern sehr direkt ist - insbesondere zu arbeitsscheuen WWOOFern, gern aber auch zu Sohn Ken. Nichtsdestotrotz ist sie nett und kümmert sich fürsorglich um Haus, Hof und Mitbewohner an ihren beiden Tagen auf der Farm am Wochenende. Die Woche über ist sie die direkte Verbindung zur Zivilisation und am Ende der Woche bringt sie immer mal gern eine Überraschung aus der Stadt mit, beispielsweise Yukon Beer oder Schokolade! 

Rechts neben Sue steht Ken, 15 Jahre jung und ein typischer Farmjunge, der jeden Moment am Wochenende mit seinem Vater auf der Farm geniesst. Ken geht noch zur Schule, möchte später aber in einer Miene arbeiten und danach die Farm übernehmen. Es ist unglaublich, was Ken technisch drauf hat für sein Alter. Er ist neben Dale der einzige auf der Farm, der jede Maschine bedienen kann. 

Und dann hätten wir ganz rechts noch Dale  Mit ihm verbrachte ich die meiste Zeit. Er bleibt nahezu immer auf der Farm und weiss eigentlich über alles und jeden im Yukon Bescheid, ein laufendes Lexikon. Er ist wie seine Frau sehr direkt und liebt das F-Wort, aber auch das S-Wort oder andere Nettigkeiten gehören zu seinem Repertoire  Meine Aufgabe nun lautet also wieder der freundlichen englischen Sprache mächtig zu werden und auf das F-Wort zu verzichten. Mit Dale hat man immer etwas zu lachen, man zieht sich gegenseitig durch den Kakao und gibt sich von Zeit zu Zeit einen Snowfacewash. Darüberhinaus ist er aber derjenige, der immer zur Stelle ist, wenn man etwas benötigt oder eine helfende Hand braucht.

Die Familie hat zwei Familienhunde ... Snoopy und Archie ...

Snoopy   Archie

Diese Hunde sind der Wahnsinn! Bordercollies sind für ihre Intelligenz bekannt, aber diese beiden, insbesondere Snoopy, haben mich täglich aufs Neue überrascht. Sie treiben die Kühe immer in die richtige Richtung und sobald man ihnen mitteilt, dass eines fehlt, rennen sie los und bringen es zurück. 
Als ich ankam, überraschten sie uns allerdings noch mit etwas anderem ...

                 

 

Und so hatten wir urplötzlich vier Welpen, die uns für die ganzen zwei Monate begleiten durften und rasant heranwuchsen und sich daran erfreuten unsere Knöchel zu zerkauen. Aber unglaublich niedlich und sicherlich eine Bereicherung für die Farm. 

Die Fahrt zur Pelly River Ranch

Wie schon erwähnt holte mich Dale in Whitehorse ab und wie erledigten einige Dinge in der Stadt, insbesondere das Ausliefern von riesigen Beef-Stücken war hart, aber cool. Wir planten am Mittwoch Whitehorse zu verlassen und die 6 Stunden Richtung Norden zu fahren. Allerdings benötigten einige Erledigungen mehr Zeit und das Wetter von -30 Grad Celsius machten Dales altem Bad-Ass-Truck einige Probleme. Wir verbrachten einen weiteren Tag in Whitehorse und konnten am Donnerstagnachmittag abfahren. Zuvor waren Sue, Dale und ich noch bisschen Shoppen für die Farm und ich konnte feststellen, dass die Bradleys leidenschaftliche Kaffeetrinker sind, denn wir beluden den Truck mit 42 grossen Dosen Kaffee, genug für 52 Wochen. Die Zeit in Pelly wird speziell, dachte ich mir, während wir die letzte Büchse in den Truck werfen ... 

Wir fuhren also ein kleines Stück auf dem Alaska Highway, bis wir dann rechts Richtung Norden dem Klondike Highway folgten. Die Landschaft ist atemberaubend und Dale zeigte mir allerhand Spuren von Tieren im Schnee. Wir lieferten mehr Fleisch and Communities wie Minto oder Carmacks, 100-300 Seelengemeinden mit gewissem Charme. Zwischen Minto und Pelly bogen wir ab auf eine abgelegene Strasse, bis wir irgendwann anhalten und durch kniehohen Schnee weiterlaufen mussten, um eine kleine Cabin zu finden, in der ein Freund von Dale leben sollte. Die Cabin fanden wir schliesslich, allerdings leer. Immerhin, ein nettes Work-Out zu später Stunde bei -25 Grad  
Gegen 21 Uhr erreichten wir dann Pelly Crossing und hatten da noch einige Häusser zu besuchen und Lieferungen zu erledigen. Dale zeigte mir allerhand von dem 300 Einwohner starkem Dorf, erzählte mir jedoch auch eine Menge über die dunklen Kapitel in der Geschichte Pellys, wie etwa den Drogen- und Alkoholproblemen der First Nations und der Kriminalität. 
Eine erwähnenswerte Aktion gab es dann noch in Pelly ... Sue Bradley fährt zwischen Pelly und der Farm in einem GMC Suburban, ein Fahrzeug, das geeignet ist für die 30 Meilen Farmroad. Zwischen Pelly und Whitehorse verkehrt sie mit einem Stadtfahrzeug. Bedeutet also: in Pelly werden die Fahrzeuge wöchentlich getauscht und an diesem Tag gab es Probleme mit dem Heizsystem im Suburban. Dale hatte das passende Teil im Truck, wir mussten es also nur noch in den Suburban einbauen. In Pelly. Bei Nacht. Und mittlerweile -29 Grad Celsius. Es dauerte fast eine Stunde, bevor wir den Heater eingebaut hatten. Nach jeweils zehn Minuten Arbeit am Suburban mussten wir immer schnell ins Warme rennen, um uns aufzuwärmen und das pure Metall der Werkzeuge verbrannte uns tatsächlich die Finger. Krasse Erfahrung und wir waren beide froh, als wir wieder im Truck waren und die letzten 30 Meilen zur Farm in Angriff nahmen. 
Diese Strecke war pure dirt-road und natürlich war kein Schnee geräumt. Wir waren die einzigen Menschen auf dieser Strasse, zwischen Pelly und der Farm verkehrt kein Fahrzeug und es lebt keine Menschenseele auf diesen 30 Meilen. "Bleibst du stehen, bist du auf dich gestellt", so Dale. Gegen Mitternacht konnten wir endlich Zäune sehen und das Ziel kam näher. Als ich aus dem Truck stieg, fielen mir drei Dinge sofort auf: die Luft war unfassbar gut, so einen dunklen und sternenklaren Himmel habe ich noch nie gesehen und die Stille war unheimlich! 

Am nächsten Morgen konnte ich dann die Schönheit der Farm und der umgebenden Landschaft im vollen Ausmaß bestaunen ... wieder umhüllt von dieser atemberaubenden Stille. Dale zeigte mir an diesem Tag mein Zuhause für die kommenden Wochen.

Grandma House

Diese Cabin, genannt das "Grandma House", teilte ich mit Bill aus England, einem echt genialen Typen, mit dem ich heute noch zusammen reise und der ein guter Freund wurde. 

Phil und Bill

Des Weiteren stellte mir Dale seine Farm vor und zeigte mir alle täglichen  Aufgaben, die erledigt werden müssen. 

Ein typischer Tag im Hause Bradley sah wie folgt aus ... 

Am Morgen, der nie zu einer festgelegten Zeit begann, traf sich die Crew (Dale, Bill, Yannick aus Deutschland und ich) im Haus der Familie und wir hatten unser gemeinsames Breakfast und begannen den Tag in entspannter Atmosphäre.

Haus der Familie

Danach kleidete man sich wettergerecht und checkte die Temperatur, Wind, Niederschlag und alles weitere in der Wetterstation und machte sich auf den Weg zum Chickenhouse. 

Chickenhouse

Dort warteten - wer hätte es gedacht - 150 Hühner und ein Hahn auf ihr Futter und möchten gerne ihre Eier abgeben. Im Nebenraum wacht dann noch ein manchmal gut gelaunter Bulle. 

Cody

Das ist Cody. Er ist drei Jahre jung und (um es mit Dales Worten zu sagen) 'wahnsinnig verspielt'. Ein verspielter Hund mag okay sein, aber wenn ein 900 Kilogramm schwerer Bulle auf dich zugerannt kommt und spielen möchte ... Sagen wir es so: es war nicht immer leicht  
Sobald die Temperatur weniger als -10 Grad Celsius anzeigte, musste Cody in die Scheune, ganz einfach um seine edelsten Teile vor der Kälte zu schützen. Es gab wenige Tage, an denen die Temperatur nicht unter -10 fiel, von daher darf Cody nahezu täglich von einem mutigen WWOOFer in die Scheune gebracht werden, wo er sich und die benachbarten Hühner warm hält. 
Nachdem er am Morgen freigelassen wird, muss die Scheune noch gereinigt und sein Bett neu hergerichtet werden. 

Danach geht es zu den 26 Kälbern, die gern zu ihrem Futter gebracht werden möchten. Die Nacht über werden die Kälber immer in einen abgesicherten Bereich gebracht, um vor Fressfeinden zu schützen. Morgens werden sie daraus befreit und mit Silo gefüttert. 

Danach geht es zu den 19 Kühen und Cody, die ebenfalls auf ihr Silo warten. Dabei ist es wichtig, dass man genug Futter für zwei Stunden bereitstellt, bevor sie zum Wasser geführt werden.

Im Pumphaus muss währenddessen schon ein Feuer gemacht werden, um das Eis an der Oberfläche zu entfernen. Danach öffnet man das Tor für die Kälber, die mit ihren kurzen Hälsen zuerst trinken, bevor nach dem Lunch dann die größeren Kühe dran sind. 

Pumphaus

Nachdem alle versorgt sind, trifft sich die Crew im sogenannten Workshop, wo auch noch ein Feuer gemacht werden muss und man die Einfahrt freischaufelt.

Workshop

In diesem netten Häuschen finden sämtliche Reparaturarbeiten statt, man tüftelt an Schneemaschinen (Skidoos), schlachtet die Kühe oder häutet von Zeit zu Zeit mal einen Wolf. 

Die sogenannten Chores, also alle Aufgaben, die täglich erledigt werden müssen, wiederholen sich am späten Nachmittag nochmal. Dabei werden alle erneut gefüttert, die Wasserpumpe füllt das Wasserbecken wieder auf, man schliesst alle Tore, bringt Cody in die Scheune, treibt die Kälber zurück in ihren Bereich (gesichert mit zwei Zäunen, da Wölfe zu faul, aber auch zu scheu sind, um durch zwei Abriegelungen in von Menschen geschaffenes Terrain einzudringen) und checkt das Wetter und die Feuer ein letztes Mal. 

Von Zeit zu Zeit darf man mit Traktor Humphrey auch Silo holen für die Kühe oder große Heuballen ausbreiten. Fazit: Traktor fahren macht Spass, sei es mit Humphrey oder einem alten Ferguson Traktor.

 

Pelly River Stories

Nun folgen ein paar Stories, die meine persöhnlichen Highlights auf der Farm beleuchten.

Aurora Borealis

Einer meiner Beweggründe in den Norden zu reisen, waren und sind die Nordlichter, genannt Aurora Borealis. Man versprach mir atemberaubende Lichtspektakel, und man hielt Wort! Eines Abends bauten wir uns eine sogenannte Schwedische Fackel, einen Holzblock wie diesen ...

Swedish Torch

Das Motiv bekommt man dank einer Kettensäge. Schon die Wikinger nutzten diese Technik des Feuermachens. Man entzündet den Teil in der Mitte und der Stumpf wird länger und wärmer brennen als ein herkömmlicher Block. Wir entzündeten die Fackel am frühren Abend, am Morgen danach fanden wir diesen (noch immer heissen) Rest ...

Für das Warten auf die Nordlichter waren wir also gerüstet und wir wurden keineswegs enttäuscht. Hier der Beweis:

Aurora Borealis Northern Lights

Das Warten bei -35 Grad hat sich sowas von gelohnt. Die Lichter tanzten über uns und man hörte sie knistern ... unvergesslich und ein absolutes Must-See!!!

Ein weiteres Wetterphänomen ereignete sich an Weihnachten. Das ist kein Regenbogen, sondern ein sogenannter Sun Dog. Je weiter entfernt er von der Sonne entsteht, desto länger wird es dauern, ehe die Temperaturen wieder steigen. 

Wie man sieht ... er war verdammt nah. Und man behielt Recht, es dauerte ganze zwei Wochen, bevor man sich bei über -30 Grad Celsius wiederfand.

Hiking 

Ich kann kaum aufzählen, wie oft ich die Schuhe geschnürt habe und die Umgebung erkunden gegangen bin. Mein Ziel war es, die Farm von vier Seiten abzulichten.

Norden Süden

 

Westen Osten

Versuch geglückt, würde ich meinen  Erstaunlich, welche Wege man letztendlich zurück gelegt hat, durch knie- oder hüfthohen Schnee und vorbei an unzähligen Tierspuren.

9 Mile Cabin

Wenige Tage nach der Ankunft wollte Dale mich mitnehmen zu meinem 'ersten kleinen Abenteuer'. Ich sah ihn an und fragte, was denn die Tage zuvor bitte dargestellt haben sollen, denn mehr Abenteuer, als in dieser Zeit kann ich mir gar nicht vorstellen. Er lächelte milde und meinte, dass es nun Zeit ist für eine Skidoofahrt und bisschen Busch. Dabei machte er klar, das viele Leute gar nicht wissen, was ein Skidoo wäre. Zugegeben, der Name kommt mir fremd vor, als er mir dann aber eine Schneemaschine zeigte, wusste ich etwas damit anzufangen.

VK 540

Diese Maschinen sind unfassbar stark und ziehen schwere Lasten. Auch WWOOFer. Sowohl die Fahrt auf dem Schlitten im Stehen, als das Fahren der Maschine ist unbeschreiblich cool. Mit diesem Exemplar schafft man locker 100 Stundenkilometer und rast durch den Busch. Wir packten also unsere Sachen und machten uns auf zu Dales Cabin, die 9 Meilen entfernt liegen sollte. 9 Meilen durch frischen Schnee später bogen wir scharf links ab und fanden uns irgendwo im nirgendwo wieder, umgeben von tausenden Bäumen und diesem schnuckligen Haus:

9 Mile Cabin

Um darin wohnen zu können, mussten noch die Plastikfenster und ein Ofenrohr eingebaut werden. Fenster waren kein Problem. Im Ofenrohr fehlte aber noch ein Loch für den Luftregulierer. Ein zivilisierter Mitteleuropäer greift nun zur Bohrmaschine. Ich fragte mich schon die ganze Zeit, was wir denn mit dem Gewehr schiessen würden, das Dale mitgenommen hatte. Nun wusste ich es. Loch bohren Yukon-style 

Yukon Drilling

Kulinarische Bereicherungen

Hätte mir vor dem Trip jemand erzählt, was ich alles essen werden - ich hätte nur milde gelächelt. Aus Spass wurde dann aber Ernst, trotz Rinderfarm konnte ich auf der Pelly River Ranch noch ganz andere Yukon Spezialitäten probieren. Dennoch eine Bemerkung zum Rind bzw. Beef: es gibt in der Tat einen geschmacklichen Unterschied zwischen herkömmlich gezüchteten Rindern und den organisch aufgezogenen Tieren am Pelly River. Und einen moralischen sowieso. Dale meinte, dass bisher drei Vegetarier die Ranch besucht haben. Alle drei haben, nachdem sie das Leben der Kühe hier nachvollziehen konnten, begonnen Fleisch auf der Farm zu essen. Das spricht denke ich für sich. 
An einem Abend gab es Würstchen. Wir fragten nicht, was für ein Tier es sei. Man schmeckte aber einen deutlichen Wildgeschmack. An diesem Abend probierte ich zum ersten Mal Bärenfleisch. 
In der Woche darauf machten wir Burger. Statt Beef stellte uns Dale anderes Fleisch zur Verfügung. Wir fragten nicht, sondern jagten es durch den Fleischwolf und bereiteten alles vor. Wir wussten nur, dass es erneut Wild war. Es stellte sich heraus, dass wir statt Hamburgern Bisonburger zubereitet hatten, welche meiner Meinung nach das Beef um Längen schlagen. 
Den absoluten Favoriten hatten wir aber noch vor uns ...

Moose

Bill bewies sich als exzellenter Steak-Koch und bereitete diese Elch-Steaks zu. Das kann man nun nicht mehr toppen, mehr Yukon geht nicht  Von kulinarischer Seite gesehen war der komplette Aufenthalt bei den Bradleys ein Erfolg. Man ging nie hungrig vom Tisch und probierte allerlei Unbekanntes. 

-40 Bush Tour

Basalt

An einem der verdammt kalten Tage war dieser Berg unser Ziel. Relativ hoch, mit gutem Ausblick und ein Pfad, der erst noch gebaut werden muss. Das war unsere Aufgabe. Dale bewaffnete uns mit einer Axt und schickte uns auf den Weg, den Gipfel zu erklimmen und bisschen Kleinholz zu machen. -40 Grad und gutes Wetter, auf gehts  Das Endergebnis konnte sich sehen lassen und wir wurden belohnt für den Aufstieg ...

 

Blick vom Basalt

Bill erlitt Erfrierungen an seinen Beinen, wir waren beide komplett nass und hatten Eis am ganzen Körper. Erschöpft, aber halbwegs glücklich machten wir uns auf den Heimweg ...

 

Allgemein war die Woche sehr anders als die anderen. Das Propangas für den Ofen zum Kochen funktionierte nicht mehr unter -42 Grad Celsius und so mussten wir auf den Holzofen umstellen und jegliches Kochen darauf verlegen. Und beim Kochen von Pasta schon drei Stunden vorher überlegen, was und wann wir essen wollen. Unser Frühstück mit Toast sah in etwa so aus ...

Trapping im Yukon 

Für zwei Wochen kam ein Paar aus Quebec auf die Pelly River Ranch zum Trapping, zu deutsch Fallen stellen und jagen. Sie nahmen uns ein paar Mal mit auf ihre Trips und wir lernten einiges. Darüberhinaus fingen wir vier Wolverines, die es nur in Nordamerika gibt und echte Killermaschinen sind. So schaute einer aus ...

Wolverine

Die Bärenmarder haben den deutschen Namen Vielfraß, ganz einfach aus dem Grund, weil sie vor nichts Halt machen und alles vernichten, was ihnen im Weg steht. Selbst Angriffe auf Menschen sind bekannt. Das krasseste, was mir bekannt wurde, war ein Wolverine, der vom Auto weggerannt ist und sich nach einigen Metern entschloss das Auto anzugreifen. Er rannte auf den Truck zu und natürlich erwischte dieser das Tier frontal und brach ihm das Rückgrat. Nichtsdestotrotz versuchte der Wolverine noch immer einen zu erwischen, sobald man ausstieg und es brauchte 12 (!!) Schüsse in den Kopf, um all dem ein Ende zu bereiten. Verdammt zähe Biester, die selbst Bären und Wölfe angreifen. 

Des Weiteren erwischten die Frenchies einige Marten und Eichhörnchen. 

Marder

Dale seinerseits stellt nur Fallen für Wölfe, Kojoten und Füchse um seine Farm herum. Im Sommer muss er auf Bären achten. Er mag es nicht, andere Tiere zu jagen. Wenn jedoch ein Feind seinen Kühen zu nahe kommt, muss er eingreifen und den Raubtieren klar machen, dass sie hier nicht zu nahe kommen dürfen. Gerechtfertigter Grund, meiner Meinung nach. Des Weiteren erklärte er mir den Nutzen des Jagens und Trappings. Manche Leute mögen meinen, dass es sinnlos ist, Tiere einfach zu fangen und umzubringen. Doch man sollte an dieser Stelle um die Ecke herum denken. Wille der meisten Menschen ist es, den Bestand und die Artenvielfalt konstant und aufrecht zu erhalten. Es ist vollkommen natürlich, dass es beispielsweise Zeiten gibt mit einer höheren Elchpopulation und widerum Zeiten mit höherer Wolfpopulation. Dies gleicht sich aus über die Jahre. Deshalb gibt es spezielle Programme, in denen der Mensch eingreift und versucht dieser Konstanz nachzuhelfen, indem er in einer Saison mehr Elche oder mehr Wölfe aus der Biosphäre nimmt, um dem jeweiligen anderen die Chance zur Repopulation zu geben. 

Chevi-Truck auf Abwegen 

Über Weihnachten wollte Dale zusammen mit Sue und Ken in die Stadt fahren, um seinen Bruder und den Rest der Familie zu sehen. Dafür legte er das Wohl der Farm in die Hände von Bill, Yannick und mir. Große Aufgabe, doch wir meisterten sie. Bevor Dale mit seinen 5-Tonnen-Bad-Ass-Truck allerdings fahren konnte, mussten wir die Farmroad noch aufräumen. Zu viele Bäume lagen im Weg und mussten entfernt werden, um den Truck nicht zu beschädigen. So verbrachten wir eines Tages einige Stunden damit, eine passende Batterie für diesen Truck zu finden. 

Nachdem wir endlich eine passende und geladene gefunden hatten, starteten wir den Truck mit Hilfe von Traktor Humphrey und durften feststellen, dass der Truck nicht ohne fremde Starterhilfe anspringen würde. Bedeutet: sollte er auf der 30 Meilen langen Farmroad ausgehen, dürfen wir laufen. Relativ einfach zu verstehen. Wir starteten also das braune Gefährt und machten uns mit flauem Gefühl im Bauch auf den Weg. Wir räumten unzählige Bäume mittels Axt und Kettensäge aus dem Weg und mussten den Truck mehrmals aus dem tiefen Schnee ziehen oder schieben ... Wir waren heilfroh, als wir vier Stunden später wieder im 5-Meilen-Radius (Laufdistanz machbar) zur Farm waren und der Truck immernoch lief ... Das war definitv ein adrenalingeladener Tag und wir schätzten uns glücklich, dass wir nicht laufen mussten. Danke, brauner Chevi. 

 

Happy New Year, Happy Birthday

Zu Silvester war die gesamte Familie dann wieder vereint auf der Farm und wir genossen den Abend mit einigen Yukon Beers und Stories. Kurz vor Mitternacht gingen wir dann (traditionell) nach draußen. Feuerwerk erschien mir an dieser Stelle sinnlos. Ich meine, wer sieht es denn überhaupt und wir sehen auch kein anderes. Deshalb hatte Dale eine andere Idee ...

Zur Feier des Tages durften wir paar Male in die Luft ballern. Ein Jahresbeginn mal anders  

Einige Tage später feierten wir dann meinen Geburtstag. Wir gingen erneut Schneemobil fahren und am Ende gab es Moose-Steak (YEAH!) und einen riesigen Kuchen. Hurray! 

Danach hatten sie noch etwas besonderes vorbereitet. Typisch kanadischer Ahornsirup, geschmolzen in einem großen Topf, sodass die Flüssigkeit verdampft und nur noch zäher Sirup übrig bleibt. 

Danach wird er einfach in den Schnee geschüttet und kühlt dort ab. Anschließend wickelt man es um einen Holzstab und leckt es wie einen Lolly. Wahnsinnig süß, wahnsinnig lecker! Und man deckt den Zuckerbedarf für eine Woche auf einmal.

 

Ja, wie gesagt ...

... das ist nur ein Ausschnitt von all dem Erlebten. Ich wünschte, ich könnte mehr erzählen, doch die Zeit in der Stadt reicht leider nicht wirklich aus, um alles in einen Text zu pressen. Es wird aber bald die Chance geben, mehr zu erzählen  das soll nun erstmal das Wichtigste von meinen Erlebnissen sein. 

Mein nächstes Ziel heisst Haida Gwaii, früher die Queen Charlotte Islands genannt. Diese Inselgruppe liegt westlich von Prince Rupert, nördlich von Vancouver Island und südlich von Alaska.

 

Lasst euch überraschen, was es von da zu berichten gibt.

 

 

Happy Trails und bis bald! 

Yukon River